CC: Ein Problem?

Veröffentlicht in Beyond the Basics on 12. Januar 2017

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Magic ist ein Spiel sich zuspitzender Entscheidungen. Das, was man im Deckbau tut, hat Einfluss auf das, was man im Spiel zieht, und das wiederum hat Einfluss auf das, was man wirken oder nicht wirken kann.

Jede. Entscheidung. Zählt.

Während ihr entscheidet, welchen Pfad an Wegkreuzungen mit Hunderten von Abzweigungen ihr in diesem Spiel im Stil eines Soloabenteuers wohl am besten einschlagt, gibt es bisweilen Pfade, die auf eine Weise miteinander verbunden sind, an die man nicht einmal im Traum gedacht hat. Die Abzweigung nach links, die ihr irgendwann beim Deckbau gemacht habt, hat großen Einfluss darauf, was ihr in Runde 4 in einem Turnier tun könnt.

Heute wollen wir uns einen dieser Aspekte ganz genau ansehen. Einen, der leicht übersehen oder gar nicht zur Kenntnis genommen wird und von dem ich wieder und wieder sehe, wie Leute sich die Zähne daran ausbeißen.

Und dieser Aspekt, liebe Leser, ist die Frage nach dem Wirken von Zaubern mit hohen Farbanforderungen.

Ein Geschenk

Lasst uns zu Demonstrationszwecken eine der auffälligeren Karten aus Äther-Rebellion heranziehen. Ihr habt sie vielleicht schon gesehen – aber falls nicht, dann werft ruhig mal einen Blick auf den Talentierten Äthergeborenen!

Zwei Mana für eine 2/3er. Lebensverknüpfung. Todesberührung. Und er hat sogar den tollen Vampir-Kreaturentyp der Äthergeborenen. Er tritt direkt in die Fußstapfen eines Vampir-Nachtschwärmers.

Er ist fantastisch effizient. Ihr werdet ihn im Limited unbedingt spielen wollen und zumindest versucht sein, ihn auch im Standard zu spielen.

Doch die Sache bei dieser Karte ist die: Es gibt etwas, worauf ihr wirklich aufpassen müsst. Schauen wir mal in die obere rechte Ecke.

Wollt ihr diese Karte zuverlässig in Runde Zwei spielen, erfordert das viel Verständnis in Sachen Deckbau und eine gewisse Hingabe.

Es gibt drei Dinge, die ihr im Hinterkopf behalten solltet, wenn ihr mit Karten wie dem Talentierten Äthergeborenen bauen wollt. Schauen wir sie uns einmal an.

All Your Mana Base Are Belong To Us

Das Wichtigste beim Spielen von Karten wie dem Talentierten Äthergeborenen ist, sie durch eure Manabasis zu unterstützen. Ich sehe jedoch oft, wie Karten wie unser äthergeborener Vampirfreund hier ins Deck genommen werden, ohne die Manabasis entsprechend anzupassen.

Falls ihr ihn zuverlässig in Runde Zwei spielen wollt, braucht ihr eine Menge Manaquellen.

In einem tollen Artikel aus dem Jahr 2013 von Magic-Mastermind Frank Karsten (ein Artikel, den auch ich ziemlich oft heranziehe) geht der Verfasser die Zahlen durch. Der Schluss, zu dem er kommt, ist folgender: Um eine Karte für CC (die Abkürzung der R&D für zwei Mana einer beliebigen Farbe) wie den Talentierten Äthergeborenen in Runde Zwei mit einem Deck aus 60 Karten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % wirken zu können, braucht man 20 Manaquellen dieser Farbe im Deck.

Lasst das mal einen Augenblick sacken: 20 ist echt eine ganze Menge.

Sagen wir, ihr spielt ein zweifarbiges Deck mit Zugriff auf acht Doppelländer. Das bedeutet immer noch, dass ihr zwölf Standardländer dieser Farbe braucht, um auf die gewünschte Menge zu kommen.

Im Limited sieht es noch kniffliger aus. Frank kommt zu dem Schluss, dass man vierzehn Quellen braucht, um in Runde Zwei die nötige Menge beisammenzuhaben. Bedenkt man nun, dass schon zehn Länder einer Farbe recht weit hergeholt sind, klingt vierzehn beinahe unrealistisch.

Ihr könnt nun natürlich Abstriche in der Konsistenz machen – und oft tun Spieler auch genau das. Aus durchaus guten Gründen. Es ist jedoch meist eine gute Prüfung der Realitätsnähe, wie viel Zuwendung eine solche Karte von euch verlangt.

Und wo wir gerade von Gründen sprechen, Einbußen bei der Konsistenz hinzunehmen ...

Abseits der Kurve

Ich kann sehen, wie sich Panik in euren Augen breitmacht. Den Drang, niemals wieder eine Karte anzufassen, die BB kostet, aus Angst, dass Runde Zwei an euch vorbeigeht und ihr sie nicht spielen könnt. Ihr habt bereits begonnen, ein Grab in eurem Hinterhof für all jene Karten auszuheben, die zwei farbiges Mana kosten.

Legt. Diese. Schaufel. Weg.

Es ist wichtig, die Zahlen oben zu verstehen, um zu begreifen, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr diese Karten spielen wollt. Es ist jedoch nicht ganz so finster, wie es den Anschein hat.

Ihr müsst diese Karten nicht notwendigerweise auf der Kurve spielen. Stellt euch vor, ihr baut ein Deck aus 4 Talentierten Äthergeborenen und 4 Herz des Kiran.

Habt ihr beide auf der Hand, aber eure zweite schwarze Manaquelle noch nicht gefunden, könnt ihr immer den Herz des Kiran spielen. (Und tatsächlich würde ich den sowieso als Erstes spielen.)

Oft ist der kleine Schub, den ihr durch farbige Manasymbole bekommt, ein Machtschub. Wenn sie also eine oder zwei Runden später ins Spiel kommen, dann ist das immer noch in Ordnung.

Im Limited gilt: Falls ihr den Talentierten Äthergeborenen nicht in Runde Zwei spielen könnt, wäre ich vorsichtig damit, ihn als Karte für zwei Mana auf der Kurve zu zählen – er ist aber auch in einer späteren Runde noch stark genug, um ihn trotzdem zu spielen. Und hin und wieder werdet ihr ihn auch ganz entspannt in Runde Zwei spielen können.

Noch ein Hinweis: Jenseits von Karten, die einfach nur zwei farbiges Mana zum Wirken kosten, müsst ihr euch umso weniger um diese ganze Sache hier Gedanken machen, je teurer und je reaktiver etwas ist.

Schauen wir uns einige Beispiele an:

Der Wuchernde Mechakoloss erfordert 2 Punkte grünes Mana – aber habt ihr erst einmal fünf Mana zusammen, werdet ihr die sowieso haben, es sei denn, ihr habt Grün nur eingestreut. Ein Mord kostet 1BB zum Wirken, doch den wollt ihr ohnehin nicht in Runde Drei spielen. Also ist das auch kein Problem für diese Karte.

Es ist immer wichtig zu verstehen, warum etwas problematisch ist, und das dann in den jeweiligen Kontext zu bringen, um zu sehen, wie wichtig das in der jeweiligen Situation ist.

Überlappende Symbole

Etwas, worauf ihr achten solltet, ist, es euch nicht aus Versehen schwerer zu machen, eure Zauber auszuspielen.

Nehmen wir mal an, ihr tut in Anbetracht dessen, was wir bislang alles besprochen haben, den Talentierten Äthergeborenen in euer Deck und findet es in Ordnung, ihn nicht immer gleich ausspielen zu können. So weit, so gut. Nach ähnlichen Prinzipien landet auch ein Fliegender Ersthelfer in eurem Deck. Okay, für sich genommen geht das schon in Ordnung.

Jede dieser Entscheidungen ist einzeln völlig schlüssig. Zusammen jedoch sorgen sie für eine etwas problematischere Konstellation. Erkennt ihr, warum?

Hier liegt das Problem: In Runde Zwei wollt ihr den Talentierten Äthergeborenen für BB spielen. In Runde Drei wollt ihr den Fliegenden Ersthelfer für 1WW wirken. Das zehrt ziemlich an eurem Mana! Ihr müsst mindestens ein Doppelland ziehen, um das zum Laufen zu bringen, und selbst dann verlasst ihr euch darauf, die richtige Mischung an Ländern zu finden. Und das zieht euch in zwei verschiedene Richtungen.

Im Limited würde ich wahrscheinlich beide Karten wegen ihres Machtniveaus spielen und keine rausnehmen. Doch wäre eine von ihnen auch nur ein klitzekleines bisschen besser und ich würde nach Dingen suchen, die ich aus dem Deck nehmen kann, würde ich nur eine von beiden behalten.

Ihr müsst euch anschauen, was insgesamt in eurem Deck vorgeht, um einzuschätzen, wie oft ihr euch entscheiden könnt, es drauf ankommen zu lassen. Manche Risiken lohnt es sich einzugehen, aber jedes davon kommt zu den vorherigen hinzu, und je mehr ihr wagt, desto wahrscheinlicher ist es, dass euer ganzer Berg aus Wagnissen ins Rutschen gerät.

Verdoppelt euren Erfolg

Es ist leicht, eine Partie zu spielen, keine zwei schwarzen Manaquellen zu ziehen und das einfach einer Farbblockade zuzuschreiben. Doch es gibt einen Grund, weshalb das passiert ist – und den habt ihr stärker in der Hand, als ihr vielleicht meint.

Habt ihr beim Deckbau die Kosten zum Wirken im Hinterkopf, werden sowohl eure Constructed- als auch eure Limited-Decks auf eine Weise davon profitieren, die zunächst sehr unterschwellig erscheinen mag. Lasst euch Zeit und passt gut auf. Dann werdet ihr den Unterschied bemerken ... und der kann den Unterschied zwischen Sieg oder Niederlage ausmachen.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Blick auf das Wirken farbintensiver Karten gefallen. Wendet das Gelernte doch gleich am Wochenende beim Deckbau auf einem Prerelease in einem Store in eurer Nähean!

Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Ihr erreicht mich immer, indem ihr mir einen Tweet schickt, mir eine Frage auf meinem Tumblr stellt oder mir eine E-Mail (bitte auf Englisch) an BeyondBasicsMagic@Gmail.com schreibt.

Wir sehen uns nächste Woche wieder. Habt viel Spaß beim Prerelease, und mögen all eure Talentierten Äthergeborenen gespielt werden können!

Gavin
@GavinVerhey
GavInsight

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