Der richtige Antrieb

Veröffentlicht in Beyond the Basics on 5. Januar 2017

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Startet die Maschinen!

... aber nicht welche, die rauchen und stinken.

Nein, heute spreche ich von einer anderen Art von Antrieb. Einer, die seit den ersten Tagen von Magic Teil des Spiels ist. Als die ersten Deckbauer ihre steinzeitlichen Deckbauwerkzeuge nahmen und begannen, mit ihnen herumzuhantieren, um zu schauen, was funktioniert, muss sich der Erste, der auf diese Dinge stieß, wie jener Mensch gefühlt haben, der als Erster entdeckte, wie man Feuer(bälle) macht.

Ich spreche vom Antrieb oder Engine für eine Kombo.

Heute wollen wir uns einzelne Karten ansehen, die solche Antriebe sind: Was sind sie, wie erkennt man sie und wie nutzt man sie, um die Partie an sich zu reißen und den Gegner zu zermalmen?

Oh, und wo wir gerade dabei sind, zeige ich euch noch eine tolle neue Karte aus Äther-Rebellion.

Klingt das gut? Na dann fangen wir doch gleich an!

Einen Kombo-Antrieb finden

Okay, was also bedeutet es, ein Antrieb für eine Kombo zu sein?

Spricht man von einzelnen Karten, die Engines für Kombos sind, meint man in der Regel Karten, um die man herumbaut und um die sich die Kombination dann dreht. Üblicherweise ist die Karte, die man als Antrieb nutzt, eine bleibende Karte, damit sie im Spiel bleiben und euch in Bewegung halten kann.

Immer wenn ich eine Karte sehe, die eine Engine sein könnte, beginnen sich in meinem Kopf automatisch die Zahnräder zu drehen, um herauszufinden, wie sie wohl funktionieren könnte. Und obwohl es manchmal recht subtil oder in eine ungeahnte Richtung geht, beginnt das meist ziemlich gut.

Wonach solltet ihr nun aber Ausschau halten? Nun, wenn eine Karte im Spiel liegt und einen einzigartigen Effekt hat, dann ist das schon mal ein guter Anfang. Ihr könnt nach Karten suchen, die euch wiederholt dabei helfen, auf irgendeine Art Ressourcen oder Effekte zu generieren. Ein guter Antrieb hilft oft dabei, Dinge wieder und wieder zu tun.

Schauern wir uns ein paar Beispiele an.

Wunder des Ätherwerks versorgt euch mit Energie und gleichzeitig einer Möglichkeit, sie auszugeben. Wäre das lediglich eine wiederholbare Möglichkeit, an Energie zu kommen, wäre diese Karte immer noch eine Engine, aber die zweite Fähigkeit ist für sich genommen schon so stark, dass die Karte auf der Pro Tour zu Kaladesh ziemlich oft gespielt wurde.

Hier haben wir einen alten Teil einer Engine, die für jede Menge abgefahrener Dinge verantwortlich war. Indem es euch eure Länder enttappen lässt, sorgt es dafür, dass ihr Mana mit allen Ländern, die mehrere Manapunkte erzeugen (wie etwa die Akademie von Tolaria), produziert oder es zu verringerten Kosten irgendwie ins Spiel kommt.

Diese Engine schreit danach, es völlig zu übertreiben. Jeden Effekt zu duplizieren, der durch das Ins-Spiel-Kommen ausgelöst wird, macht relativ deutlich, wonach man hierfür Ausschau halten muss – und von da aus geht es nur noch darum, die richtigen Effekte zu finden.

Dies wirkt wie eine unscheinbare Kreatur mit einer aktivierten Fähigkeit für drei Mana – doch dadurch, dass man damit den Effekt von etwas, was ins Spiel kommt, erneut auslösen kann, suche ich als Erstes nach Möglichkeiten, um beim Ins-Spiel-Kommen Mana zu generieren. Und siehe da: Zusammen mit dem Brutüberwacher lassen sich so endlose Schleifen à la „Kommt ins Spiel und stirbt“ erzeugen – und das lässt sich mit so etwas wie dem Zulaport-Mordgesellen leicht ausnutzen.

Dieses große Artefakt ist ein einziges Perpetuum mobile, mit dem ihr –

Oh! Ich schätze, das kennt ihr noch gar nicht? Na dann begrüßt doch mal ganz herzlich unsere Preview-Karte aus Äther-Rebellion!

Sie ist nicht nur buchstäblich ein Antrieb, sondern strotzt nur so vor Kombopotenzial. Sie bietet einen wiederholbaren Effekt zum Erzeugen von Ressourcen auf einer bleibenden Karte. Sie ist eine Art Rückgriff auf das bereits zuvor erwähnte Palinchron von anno dazumal.

Werfen wir mal einen genaueren Blick darauf?

Der Deckbau mit einer Kombo-Engine

Also schön. Nehmen wir mal an, ihr habt euch für eine Engine für eure Kombo entschieden, um die ihr nun herumbauen wollt. Als Nächstes müsst ihr herausfinden, was ihr eigentlich genau damit anstellen wollt!

Im Falle des Paradoxon-Antriebs müsst ihr euch überlegen, wie ihr einen Vorteil aus seinem Effekt ziehen könnt. Was will man denn immer und immer wieder enttappen?

Hier könnte man eine ganze Reihe von Dingen andenken. Ich werde jedoch mit etwas anfangen, was mir am offensichtlichsten erschient: Manafähigkeiten!

Der Paradoxon-Antrieb enttappt eure Länder nicht – das wäre auch etwas zu einfach –, aber für alle anderen Manaproduzenten ist das möglich. Kreaturen und Artefakte werden nun enttappt, wenn ihr einen Zauber wirkt – und das bedeutet, dass ihr all eure Zauber umsonst wirken könnt oder durch sie sogar Mana erzeugt, sofern es euch gelingt, eine kritische Masse zu erreichen!

An diesem Punkt empfehle ich üblicherweise, einfach mal den Gatherer aufzumachen und nach allem zu suchen, was im Standard Mana produziert. Diese Fleißarbeit habe ich euch aber schon mal abgenommen, und tatsächlich gibt es da eine Reihe toller Möglichkeiten. Der Wohnwagen des Züchters, der Giftpilzzüchter, das Polyederarchiv und sogar der Verderbte Grabstein sind alles vernünftige Ideen.

Eine Möglichkeit ist nun, sie alle zusammenzuwerfen, um eure Manaschleife zu erzeugen. Falls ihr versucht, eure Kombo in einer Runde zu starten und einen Artefaktbeschleuniger wie den Wohnwagen spielt, gilt es zu bedenken, dass eure Manaproduktion mit jedem Zauber, den ihr wirkt, höher wird, denn ihr könnt das Artefakt ja sofort tappen!

Natürlich könnt ihr auch immer noch tiefer gehen. Hier ist eine ziemlich irre Karte, die ihr mit dem Paradoxon-Antrieb zusammenbringen könnt:

Anstatt einen Haufen zusammengewürfelter Artefakte zu spielen, braucht ihr nun bloß eine Reihe von Spielsteinen und könnt eure Kombo starten.

Wo wir gerade davon sprechen: Ganz egal, welche Methode ihr auch wählt, was habt ihr eigentlich mit dem ganzen Mana vor? Wie verbindet ihr die Zauber miteinander?

Klingt, als wäre es Zeit für den nächsten Schritt!

Situative Ingenieurskunst

Sobald ihr eure Engine gebaut und festgelegt habt, wie ihr sie verwendet, bleibt da nur noch die kleine Detailfrage, welche Unterstützung ihr braucht, damit eure Kombo funktioniert.

Ich würde dementsprechend also mit der Frage anfangen: Was braucht meine Kombo?

Nun, wir haben eine Möglichkeit, Mana zu produzieren, wenn wir Zauber wirken. Das bedeutet, dass wir sowohl Mana produzieren als auch Zauber umsonst wirken können. Für mich klingt das ganz danach, dass wir mehr Zauber brauchen! Hätten wir unsere ganze Bibliothek auf der Hand, könnten wir immerhin alles spielen.

Und das bringt mich geradewegs zum Kartenziehen. Wenn ihr einen Zauber wirkt, durch den ihr drei Karten zieht, während ihr gleichzeitig einen Manaüberschuss erzeugt, könnt ihr mit genug Kartenziehzaubern in eurer Bibliothek eine hübsche Kettenreaktion hervorrufen, bis ihr schließlich euer gesamtes Deck gezogen und einen ansehnlichen Manavorrat angehäuft habt – und dann ist es Zeit für den Finisher.

Darf ich vielleicht einen Klassiker vorschlagen? Wie wäre es mit einem X-Zauber?

Davon braucht ihr nur ein oder zwei Exemplare, denn wenn ihr so viele Karten zieht, werdet ihr ihn unter Garantie finden.

Da ihr nun die Engine eurer Kombo aufgesetzt, die Teile eurer Kombo verstanden und eure Siegbedingung im Hinterkopf habt, ist es Zeit, das Ganze zu bauen! Ihr wisst, dass ihr den Paradoxon-Antrieb, Manaquellen, die keine Länder sind, jede Menge Zauber zum Kartenziehen und ein paar X-Zauber zum Gewinnen braucht. Alles, wo sich etwas davon überlagert – wie etwa beim Polyederarchiv –, ist definitiv ein netter Bonus.

Es mag etwas Zeit brauchen, die Verhältnisse richtig hinzubekommen, aber immerhin habt ihr jetzt das Gerüst eures Kombodecks mit Paradoxon-Antrieb! Füllt es auf und probiert es mal aus!

Das Leben in einer Kombo-Nation

Hoffentlich hat euch dieser erste Blick auf den Paradoxon-Antrieb gefallen – und darauf, wie man einen Kombo-Antrieb um ihn herum baut.

Jedes Kombodeck wird wegen der einzigartigen Natur seiner Teile leicht anders gebaut, doch dieses Gerüst sollte euch dabei helfen, einen Anfang zu finden. Also gehet hin und gebt Gas!

Solltet ihr Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel haben, dann würde ich gern von euch hören! Ihr könnt mich immer erreichen, indem ihr mir einen Tweet schickt, mir eine Frage auf meinem Tumblr stellt oder mir eine E-Mail auf Englisch an BeyondBasicsMagic@gmail.com schreibt.

Mögen all eure Paradoxa wahr werden.

Gavin
@GavinVerhey
GavInsight

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