Über Bord gehen

Veröffentlicht in Beyond the Basics on 8. Dezember 2016

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Sideboarding ist eine Kunst für sich.

Zusammen mit eurem Hauptdeck aus 60 Karten bringt ihr euer Sideboard aus 15 Karten mit an den Spieltisch. Zwar testen die meisten Leute ihr Deck nur mit dem Hauptdeck, doch das ist eigentlich gar nicht unbedingt so gut, denn statistisch gesehen spielt man etwa die Hälfte aller Partien in einem Turnier mit dem Sideboard. Und sofern ihr nicht gerade einen echten Lauf habt und jede Partie in einem „Best of 3“-Match gewinnt, spielt ihr immer mehr Partien mit dem Sideboard als mit dem reinen Hauptdeck.

Euer Sideboard kann eine eurer stärksten Waffen sein – oder eine der leichtesten Möglichkeiten, euch selbst zu sabotieren, wenn es nicht richtig eingesetzt wird.

Ich könnte viele Artikel darüber schreiben, wie man ein Sideboard richtig nutzt. (Und das werde ich wahrscheinlich auch.) Heute allerdings möchte ich ein bestimmtes Element genauer betrachten: das Austauschen der richtigen Anzahl an Karten für eine Paarung im Standard. Dies lässt sich auch auf andere Formate anwenden, aber ältere Formate als Standard brechen diese Regeln oftmals wegen der Stärke der Karten im Sideboard und der Anzahl der Hasskarten, die man unter Umständen gegen ein bestimmtes Deck braucht.

Bereit? Dann legen wir mal los!

Die Sideboard-Ressourcen

Euer Sideboard ist eine begrenzte Ressource. Da euch nur fünfzehn Karten zur Verfügung stehen, muss jede Karte im Sideboard relevant sein und ihren Sinn haben. Habt ihr fünf Karten im Sideboard, die ihr nie verwendet, so ist das ein ganzes Drittel eures Sideboards, das unter Umständen eine Partie hätte drehen können.

Und das bedeutet, dass ihr wirklich mit euren Karten haushalten müsst. Tauscht ihr beispielsweise alle fünfzehn Karten in einer Paarung aus und gewinnt nun jede Partie in dieser Paarung, dann ist das toll – aber selbst in einem Metagame, das von nur einem einzigen Deck dominiert wird, ist es unwahrscheinlich, dass ihr jede Runde gegen dieses Deck spielt. Ihr braucht also noch Sideboard-Optionen gegen andere Decks.

Könntet ihr ein Sideboard genau auf eure Bedürfnisse zuschneiden, hättet ihr genau die richtige Anzahl an Karten, um in jeder Paarung zu gewinnen, ohne eine einzige unnütze Karte einzuwechseln. Da wir aber nun einmal nicht allwissend sind, können wir nur versuchen, uns so gut wie möglich vorzubereiten.

Es gibt einige Möglichkeiten, festzustellen, ob ihr korrekt einwechselt oder nicht. Dies sind die drei wichtigsten Wege, mithilfe derer ich mich vergewissere, dass ich die richtige Menge an Karten für eine Paarung in mein Sideboard tue.

1. Achtet darauf, genug Karten zu haben, die ihr auswechseln könnt

Sagen wir, es gibt eine Paarung, in der ihr euch wirklich verbessern wollt. Ihr nehmt also sieben Karten für diese Paarung ins Sideboard. Großartig! Jetzt könnt ihr es ihnen zeigen! Ihr geht auf ein Turnier und freut euch, eine ganze Menge an Optionen im Gepäck zu haben.

Ihr spielt gegen das Deck, für das ihr all diese Karten ins Sideboard getan habt. Ihr spielt die erste Partie. Vor der zweiten Partie wechselt ihr ein – nur um festzustellen, dass ihr gar nicht wisst, was ihr auswechseln wollt! Am Ende müsst ihr auch Karten auswechseln, die in dieser Paarung gut sind, um eure Sideboard-Karten unterzubringen!

Das ist ein typischer Sideboard-Fehler. Bei nur fünfzehn wertvollen Slots sollte das Sideboard hauptsächlich dazu dienen, euer Deck zu verbessern, nicht es zu ändern.

Sagen wir, ihr spielt ein blau-schwarz-rotes (Grixis-) Kontrolldeck, ähnlich dem, das die Pro Tour zu Kaladesh im aktuellen Standard gegen ein aggressives Deck gewonnen hat. Ihr wollt eine Reihe von Entfernungszaubern bringen, um das Deck gleich am Anfang auszuhebeln. Die ersten paar Wechsel sind einfach: weniger Gegenzauber. Doch dann müsst ihr Karten wie Gebändigter Blitz rausnehmen, um Platz für weitere Entfernungszauber zu schaffen! Was erreicht ihr damit?

Ja, euer Deck ist mit diesen anderen Entfernungszaubern etwas effizienter, aber es ist keine wirklich signifikante Verbesserung zu dem, was ihr bereits hattet. Ich würde mir solche Slots lieber für eine andere Paarung aufsparen, bei der man die Hilfe eher braucht, als mir für diese einen kleinen Boost zu geben.

Zudem lauft ihr ernsthaft Gefahr, euer Deck zu verwässern. Ich sehe so etwas andauernd, besonders bei aggressiven Decks, wenn jemand Kreaturen zugunsten reaktiver Karten auswechselt und sich damit selbst verlangsamt. Euer Deck braucht einen Kern, um zu funktionieren, und wenn ihr anfangt, diesen Kern aufzulösen, kann das immensen Einfluss auf die Funktionsweise eures Decks haben.

Etwas, was ich beim Bau meiner Sideboards mache, ist, mir genau zu überlegen, wie ich gegen jede Paarung einwechseln werde. Wenn es so aussieht, als würde ich Karten rausnehmen müssen, die ich eigentlich drin behalten will, überarbeite ich mein Sideboard und gebe anderen Karten den Platz.

Ich empfehle euch also, darüber nachzudenken, wie ihr euer Sideboard generell für jede Paarung gestalten wollt, ehe ihr eure fünfzehn Karten endgültig auswählt.

2. Achtet darauf, dass das Sideboard zur Häufigkeit von Decks passt

Ihr hasst es, gegen Wunder des Ätherwerks zu verlieren. Also testet ihr diese Paarung gründlich. Ihr füllt euer Sideboard mit jeder Menge Karten dagegen. Ihr habt mehr als genug Karten zum Auswechseln. Ihr seid bereit. Diese Wunder-Decks haben keine Chance!

Ihr geht auf ein Turnier. Und genau, wie ihr es euch ausgemalt habt, stampft ihr das Wunder des Ätherwerks in Grund und Boden. Das Problem? Ihr spielt genau einmal gegen dieses Deck!

Was ist hier passiert?

Es ist zwar wichtig, dass ihr die richtige Menge an Karten einwechselt, aber es ist genauso wichtig, dass ihr dafür sorgt, dass ihr entsprechend dem, was ihr erwartet, einwechselt. Wenn ihr nicht damit rechnet, dass ein bestimmtes Deck sonderlich häufig auftaucht, könnt ihr ihm auch weniger Plätze im Sideboard zuweisen.

Was ich oft tue, ist, herauszufinden, welche Decks ich für besonders beliebt halte, und (mit Blick auf Punkt 1) sicherzustellen, dass ich die richtige Anzahl an Sideboard-Karten für jedes davon habe – basierend auf dem, was ich rausnehmen kann. Den verbleibenden Slots weise ich dann Karten gegen die weniger beliebten Paarungen zu.

Weiterhin gibt es manchmal Karten, die in mehreren Paarungen verwendet werden können. Gegenzauber sind beispielsweise sowohl im Kontroll-Spiegelspiel als auch gegen Wunder-Decks gut. Möglichkeiten zu finden, weniger beliebte Decks mittels mehrfach verwendbarer Karten zu bekämpfen, die bereits gegen andere Paarungen nützlich sind, ist ein guter Weg zu einem abgerundeten Sideboard. Auf diese Weise könnt ihr eine große Bandbreite an Decks abdecken, während ihr euch gleichzeitig auf ein paar der wichtigsten konzentriert.

3. Stellt sicher, dass ihr in dieser Paarung überhaupt Hilfe braucht

Das Sideboard dient dazu, ungünstige Paarungen abzufangen und mit dem Gegner gleichzuziehen, nachdem auch dieser Karten eingewechselt hat. Ihr solltet es jedoch unbedingt vermeiden, einen Haufen Karten gegen Paarungen ins Sideboard zu nehmen, gegen die ihr bereits gut aufgestellt seid.

Nehmen wir an, ihr spielt das zuvor erwähnte blau-schwarz-rote Kontrolldeck gegen Wunder des Ätherwerks. Das ist in der ersten Partie schon eine recht annehmbare Paarung. Wenn es nun ans Sideboard geht, wird das Wunder-Deck vermutlich jede Menge Karten gegen euch bringen – und ihr solltet definitiv nicht nichts einwechseln.

Ihr solltet aber ebenso wenig gleich einen Haufen Karten tauschen.

Zum einen gibt es gar nicht so viele Karten, die ihr aus dem Hauptdeck nehmen könnt, wenn die erste Partie schon zu eurem Vorteil verlief (wie zuvor angedeutet).

Zum anderen braucht ihr auch gar nicht so viel Hilfe. Denkt daran: Ihr wollt genau so viele Karten gegen die Paarung einwechseln, wie ihr zum Gewinnen braucht, nicht zu viele. Wenn ihr hier also nur wenige Karten austauscht, reicht das völlig aus. Ja, es besteht immer die Möglichkeit, dass euer Gegner ein riesiges, zehn Karten starkes Sideboard ins Feld führt, das nur darauf aus ist, euch das Leben schwer zu machen, aber meistens sind es nur ein paar Karten – und solange ihr einige Karten bereithaltet, die euch weiterbringen, ist alles gut.

An Bord bleiben

Das Bauen eines Standard-Sideboards kann knifflig sein, und hoffentlich gibt euch dies ein paar Hinweise und Ideen für eures. Die Bitte um Ratschläge fürs Sideboard ist zudem eine der häufigsten Anfragen, die mich erreichen.

Es gibt hierzu eine Menge mehr zu sagen. Dies ist also nur die Spitze des Eisbergs. Lasst mich daher wissen, ob euch dieser Text gefallen hat und ob ihr zukünftig mehr zum Sideboard lesen wollt. (Oder auch nicht.)

Und wie könnt ihr mir das mitteilen? Nun, ihr könnt mich immer erreichen, indem ihr mir einen Tweet schickt, mir eine Frage auf Tumblr stellt oder mir eine E-Mail (bitte auf Englisch!) an BeyondBasicsMagic@gmail.com schickt.

Wir sehen uns nächste Woche! Möget ihr bis dahin genau die richtige Anzahl an Karten einwechseln!

Gavin
@GavinVerhey
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