An die Matrix angeschlossen

Veröffentlicht in Card Preview on 5. Juli 2016

Von Adam Styborski

Stybs has played Magic the world over, writing and drafting as part of the event coverage team and slinging Commander everywhere his decks will fit.

Rube-Goldberg-Maschinen lohnen sich nur selten. Sicher, Dinge in Bewegung zu setzen, bei denen das Gewöhnliche mit dem Absurden verflochten wird, um dann daraus etwas Nützliches zu erzeugen – das ist schon witzig. Was man jedoch oft nicht zu sehen bekommt, sind die zahlreichen Fehlversuche, bei denen ein winziges Teil versagt hat und die Dinge deshalb nicht mit einem Knall, sondern mit einem Winseln enden: Die wunderschöne Bewegung wird gebremst und alles bleibt in der Luft hängen.

Das ist zugleich das Risiko, aber auch die Belohnung, wenn man etwas Abseitiges spielt. Spielt man allerdings bewusst gern auf Risiko, findet man bei Magic immer etwas zum Ausprobieren. Nehmt beispielsweise die neueste in einer langen Reihe von Karten, die so aussehen, als hätte eine Nonsensmaschine den Regeltext geschrieben: Erweiterung des Verstandes.

Das ist keinesfalls das Werk eines tumben Flickers – so viel ist sicher.

Mit Herz und Verstand

Die Erweiterung des Verstandes ist einfach. Das erste Mal, wenn euer Gegner in einer Runde – und zwar in jeder beliebigen Runde – einen Zauber wirkt, wird die oberste Karte seiner Bibliothek ins Exil geschickt. Ist sie kein Land, könnt ihr diese Karte umsonst wirken. Wie bei anderen Effekten sind die normalen Regeln zum Timing von Zaubersprüchen außer Kraft gesetzt. Findet der Gegner eine Kreatur oder eine Hexerei, dann könnt ihr sie spielen. Ganz simpel.

Es gibt noch eine andere berühmte „Verstand“-Karte in Magic: Begierde des Verstands. Mit ähnlichen Manakosten in der gleichen Farbe wirken die beiden Karten auf den ersten Blick betrachtet verwandt, doch diese Ähnlichkeit ist nur oberflächlich. Die Erweiterung des Verstandes dreht die Geschichte der Begierde des Verstands um: Ihr kümmert euch nur wenig um eure eigene Bibliothek, aber die des Gegners wird dafür plötzlich umso spannender.

Die Begierde des Verstands wurde aus einer Vielzahl von Formaten ausgeschlossen, denn sie läutet eine ganz bestimmte Kombo ein: Man wirkt eine Menge Zauber, die Mana erzeugen, spielt dann die Begierde des Verstands, um die eigene Bibliothek umsonst auszudünnen und dabei weitere Begierden des Verstands zu spielen. Die Erweiterung des Verstandes setzt jedoch eine ... vollkommen andere ... Art von Maschinerie in Gang.

Sie ist die Art von Karte, die vom Gegner nicht gerade freundlich aufgenommen wird. Sie bestraft ihn nämlich dafür, etwas zu tun, was für das Spiel im Grunde zwingend erforderlich ist. Als wir den Zeuger des Stillstands vorstellten, habe ich betont, wie schmerzhaft es ist, für so etwas wie das Spielen von Ländern bestraft zu werden, und dass man in Formaten, in denen man gegen den Zeuger des Stillstands antritt, trotzdem immer Länder ins Spiel bringen sollte. Gegner, die sich der Erweiterung des Verstandes gegenübersehen, stehen vor demselben Problem. Das Wirken von etwas, was dafür sorgt, dass das eigene Feld größer wird, führt zu einer Menge kostenlosem Kram für denjenigen, der die Verzauberung kontrolliert.

Sie werden zwar nicht „Bestrafungskarten“ genannt (konsultiert dazu das Schleichende Schuppentier und seine Freunde für weitere Informationen), doch es gibt noch eine Menge anderer Karten, die den Gegner dafür bestrafen, dass er sehr alltägliche Dinge tun will:

Die Liste hier könnte noch länger und hinsichtlich dessen, was der Gegner so alles wirken könnte, auch deutlich konkreter werden, wenn wir weitersuchen würden, aber der Punkt ist, dass die Erweiterung des Verstandes ein weiteres absonderliches Bauteil einer Maschinerie ist, die darauf abzielt, Gegner am Handeln zu hindern.

Beginnt ihr zu glauben?

Bei der Erweiterung des Verstandes geht es nicht darum, einen coolen Bonus zu bekommen, wenn der Gegner in jeder Runde seinen ersten Zauber spricht, sondern darum, ihn davon abzuhalten, überhaupt irgendetwas zu spielen. Frostbringer und Starre stellt eine Kombination dar, die dafür berühmt ist, besonders unlustig zu sein, aber die Erweiterung des Verstandes und Konsorten bauen nicht gleich ein Gefängnis, um Gegner am Handeln zu hindern.

Genau wie der Zeuger des Stillstands, das Rhystische Studium und die Lauernden Raubtiere rät die Erweiterung des Verstandes dem Gegner in gewisser Weise lediglich dringend davon ab, irgendetwas zu tun – und auf diese Weise kann man im Multiplayer entweder weit nach vorn kommen oder aber zum vornehmlichen Ziel aller anderen Spieler werden, indem man sich ihnen als Hindernis in den Weg stellt.

Beide Positionen haben etwas für sich.

Es gibt weitere Karten, die mit Dingen wie der Erweiterung des Verstandes zusammenarbeiten, und manche davon spielt ihr bereits.

Schlage ich vor, ein ganzes Deck um die Erweiterung des Verstandes herum zu bauen? Nicht unbedingt. Doch das Nachdenken über die vorhandenen Mittel, wie man das Optimum daraus herausholt, die oberste Karte der Bibliothek eines Gegners zu manipulieren, legt den Einsatz einer weiteren Karte nahe – eine von denen, die es schon eine Weile gibt und die man häufig unterschätzt: Pforte zum Äther. Viel riskanter, als jedem etwas Kostenloses von seiner Bibliothek zu geben, wird es eigentlich nicht, aber wenn man garantieren kann, dass es sich bei diesem „Geschenk“ um einen Rohrkrepierer handelt, verändert das die Dynamik schon ziemlich.

Denkt aber daran, dass durch die Pforte zum Äther nichts gewirkt wird: Ihr müsst auf einen richtigen Zauber warten, damit eure Erweiterung des Verstandes ausgelöst wird.

Ich bin sicher, dass die Erweiterung des Verstandes den Weg in eine Menge Commander-Decks finden wird – und dort gehört sie auch hin. Ein Format voller mächtiger Zauber und mehreren Spielern, die sie (hoffentlich) auslösen, ist optimal für die Erweiterung des Verstandes, aber unter den richtigen Umständen ist wirklich alles möglich.

Zerbrecht euch bloß nicht endlos den Kopf darüber.

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