Durch die Karten (und nicht nur die Zeiten) wühlen

Veröffentlicht in Command Tower on 5. November 2015

Von Adam Styborski

Stybs has played Magic the world over, writing and drafting as part of the event coverage team and slinging Commander everywhere his decks will fit.

Commander als Format bedeutet vielerlei Dinge. Es bedeutet Individualismus und die Fähigkeit, aus hundert Teilen ein Deck zu bauen, das ganz allein eures ist. Es bedeutet schillernde Zauber, bei denen auch die größten und interessantesten Effekte Luft zum Atmen haben. Es bedeutet Tiefe und genug Raum, um eine große Bandbreite an Magic-Karten einzubeziehen.

Es bedeutet auch Zufälligkeit, den am wenigsten ignorierten und häufig umstrittensten aller Aspekte.

Teferis Rätselkiste | Bild von Donato Giancola

Und so meine ich das: Er wird am wenigsten ignoriert, denn ein Großteil unseres Prozesses beim Bau eines Commander-Decks besteht daraus, dem natürlichen Chaos Herr zu werden, das durch die Verwendung einzelner Kopien von einhundert Karten entsteht. Am umstrittensten ist er, weil es einen tiefen Graben gibt zwischen jenen, die versuchen, dieses Chaos zu vermeiden und Konsistenz in ihre Decks zu bringen, und jenen, die versuchen, sich die Wildheit zunutze zu machen, die damit einhergeht.

Welche Karte ist beliebter? Blick in die Zukunft oder Hirnschinderei?

Blick in die Zukunft lässt euch eure nächste Karte ansehen und sie ausspielen, wenn ihr wollt. Das ist mächtig, denn es ist im Grunde eine kostenlose zusätzliche Karte auf der Hand, die nicht abgeworfen werden kann – zumindest nicht durch gewöhnliche Effekte, die zum Abwerfen von Karten zwingen –, und es kann durch eine Vielzahl von Effekten manipuliert werden, wie etwa durch das Mischen des Decks nach dem Heraussuchen eines Landes oder per Hellsicht dank so etwas wie den Tempel der Täuschung.

Ich habe schon Dutzende Male den Blick in die Zukunft gesehen, aber nur eine einzige Hirnschinderei.

Welche Karte ist mächtiger? Blick in die Zukunft oder Hirnschinderei?

Die Beliebtheit von Blick in die Zukunft scheint die Wahl leicht zu machen: Natürlich muss Blick in die Zukunft stärker sein! In der einzigen Partie, in der ich eine Hirnschinderei gesehen habe, war ich von ihrer Macht beeindruckt. Billige Spontanzauber erlaubten es dem Spieler regelmäßig, tief in sein Deck einzutauchen. Die Ley-Linie der Vorahnung stellte sicher, dass er alle Teile, die er brauchte, wirken konnte. Nach ein paar Zügen hatte der Spieler die Nachtstahl-Schmiede und eine Armee von Artefaktkreaturen im Spiel und im Grunde sein gesamtes Deck gesehen.

Der Blick in die Zukunft ist gut, aber ich habe noch nie erlebt, dass er einer so mächtigen Kombo wie dieser vorangegangen wäre.

Eine der neuen legendären Kreaturen in Commander (Edition 2015) ist praktisch Hirnschinderei auf einem krassen Körper. Darf ich vorstellen? Arjun, die wandelnde Flamme.

5/5 fliegend für sechs Mana ist eine anständige Größe für einen Kommandeur – nicht zu teuer und gewiss groß genug, um im Kampf merklich auszuteilen. Außerdem hat er eine eingebaute Hirnschinderei, falls euch der Sinn danach stehen sollte, die Zufälligkeit eures Decks voll auszukosten.

Also mir zumindest tut er das schon.

Karten verbrennen

Es ist leicht, die Hirnschinderei zu voller Pracht zu entfalten, und die nützlichen Effekte können kumulativ sein. Schauen wir uns das genauer an.

1. Ihr wollt Zauber spielen, durch die ihr als Spontanzauber Karten ziehen könnt.

Gedankenwirbel und Geniale Anwandlung sind zwar offenkundig die Platzhirsche, wenn es ums Kartenziehen geht, aber einfache Effekte wie Geistesblitz des Handwerkers aus Magic Ursprünge werden ebenfalls den Hirnschinderei-Effekt Arjuns auslösen und euch auch noch eine Karte bescheren.

Wenn ihr nach einer bestimmten Antwort auf etwas sucht – wie etwa einen Gegenzauber –, dann ist es toll, günstig Karten ziehen zu können und somit mehr von eurem Deck zu sehen. Und überseht auch nicht Investitionen wie Jaces Refugium! Ihr könnt euch die Reihenfolge der Hellsicht aussuchen und die Hirnschinderei wird ausgelöst, was bedeutet, dass ihr eine neue Hand ziehen könnt, bevor ihr einen Blick auf die nächste Karte geworfen habt.

Zudem hilft es, dass eure Zauber ein bisschen günstiger sind.

2. Ihr wollt Zauber spielen, die Aufblitzen haben oder auf andere Weise als Spontanzauber gewirkt werden können, oder solche, die zweimal gespielt werden.

Da die Karten auf eurer Hand nur kurz dort verbleiben, ist es unbezahlbar, sie mit dem Auslöser der Hirnschinderei auf dem Stapel spielen zu können. Zwar erledigen das die Ley-Linie der Vorahnung und das Vedalken-Planetarium ebenfalls mit Bravour, aber andere Aufbaukarten wie Beschleunigen vermögen das nicht. Sobald Beschleunigen verrechnet wird, wurde der Auslöser der Hirnschinderei ebenfalls schon verrechnet und ihr habt eine völlig neue Hand!

Kreaturen, die ebenfalls als Tricks dienen, sind tolle Optionen – Venser, gelehrter Bastler und Vorbote der Gezeiten etwa. Brutale Vertreibung und Sitzenlassen sind Optionen in Arjuns Farben, die mit erstaunlicher Vielfalt auf das antworten können, was der Gegner versuchen kann.

Umgekehrt gelten Abprall und Rückblende ebenfalls als Ausspielen eines Zaubers, sodass eure Hand gleich groß bleibt, während ihr sie durchgeht. Wiederkehrende Einblicke, Sicht des Unsichtbaren und Surreale Denkschrift sind die Optionen mit Abprall, die am ehesten in Betracht kommen, während Genaue Analyse, Verzweifelte Delirien, Mystische Wiederfindung und Gründliches Überdenken die üblichen Möglichkeiten mit Rückblende sind.

Und als größter Effekt eurer Investitionen lässt Zu Zeiten gewirkt eure Hirnschinderei-Maschine zu Hochtouren auflaufen, wenn all eure kartenziehenden Spontanzauber und Hexereien noch mal einen Abprall erfahren.

Zu Zeiten gewirkt | Bild von Zoltan Boros & Gabor Szikszai

3. Ihr wollt Zauber, die aus Nichtzauber-Quellen kommen.

In Kampf um Zendikar und Magic Ursprünge gibt es verschiedene Möglichkeiten, Zauber zu wirken, ohne tatsächlich etwas auszuspielen. Verheerter Katarakt lässt euch Karten ziehen, während Himmelskaskaden euch gegen aggressive Kreaturen wie Zurgo Helmbrecher Zeit verschaffen. Eine oft unterschätzte Karte aus Magic Ursprünge ist die Schülerin des Rings, die einen Haufen Fähigkeiten für die ganzen kartenziehenden Spontanzauber mitbringt, die ich in einem Arjun-Deck spielen würde.

Und natürlich ist Jace, Wunderkind von Vryn keine Karte, die oft übersehen wird, zumindest nicht im Standard oder im Modern. Plündernde Meermänner waren noch nie besser darin, noch ein bisschen tiefer zu tauchen, bevor wir auf etwas viel Größeres „zurückblenden“.

4. Ihr wollt Mittel und Wege, eure Hand aufzufüllen.

Hirnschinderei lässt euch keine zusätzlichen Karten ziehen, zumindest nicht ohne so etwas wie Gedankenspiegelung. Gedeihen, Zeitumkehr, Seelenerneuerung und andere Möglichkeiten, auf sieben Karten zurückzukommen, bedeuten, dass ihr stets über diese Anzahl an Karten verfügt und idealerweise noch mehr durch eure Spontanzauber zieht.

Und anders als Beschleunigen funktioniert hier Vereiteltes Tagewerk: Der Auslöser der Hirnschinderei wird verrechnet, bevor das „Ende des Zuges“ von Vereiteltes Tagewerk verrechnet wird. Cool!

Und wenn wir so tief im Kartenziehen und dem Behalten einer vollen Hand stecken, um uns durch unser Deck zu wühlen, dann sollten wir uns auch keine Gedanken über das Abwerfen am Ende des Zuges machen müssen. Zwar war Turm des Reliquienschreins lange einer der einfacheren Wege, sicherzustellen, dass wir eine Hand mit mehr als sieben Karten behalten können, aber auch Arjun hat ein paar Tricks im Ärmel, die uns dabei helfen können.

Auf ein großes Gedeihen oder eine Gedankenquelle zu zu beschleunigen, ist leichter mit einem Manafelsen wie Gedankengefäß im Spiel, weil das auch die Anzahl an Tricks verdoppelt, die wir in ein Hirnschinderei-Deck einbringen können, um so viele Karten wie möglich auf der Hand zu behalten. Karten wie Vensers Aufzeichnungen machen sich die zusätzlichen Karten in unserer Hand zunutze, indem sie uns mit Lebenspunkten versorgen.

Mind Games

Arjun, die Wandelnde Flamme und Gedankengefäß sind nur zwei der neuesten Karten für Commander, und ich freue mich schon diebisch auf all die Zufälligkeit, zu der sie euch anregen werden. Ihr werdet zwar vielleicht nicht ganz so häufig eure Karten durchwühlen wollen, wie Arjun es verlangt, aber ich glaube, jeder stimmt mir zu, wenn ich sage, dass es immer eine tolle Sache ist, so viel von eurem Deck zu sehen, wie es nur überhaupt geht.

Die Frage dieser Woche richtet sich im Anschluss an die Preview-Wochen an die Commander-Begeisterten: Worauf freut ihr euch am meisten bei Commander (Edition 2015)?

  • Schreibt mir eine E-Mail auf Englisch.
  • Maximal 300 Wörter für das Teilen der Karte(n) und Decklisten.
  • Beispieldeckliste (zählt nicht zum Wortlimit).
  • Decklisten sollten nur eine Karte pro Zeile enthalten und nur eine Zahl, also zum Beispiel „3 Gebirge“ – nur ein Leerzeichen, kein „x“ oder „-“ zwischen der Anzahl und dem Kartennamen –, ohne Zwischensummen nach dem Kartentyp. (Decklisten, die diese Regeln nicht einhalten, werden ignoriert.)
  • Ich brauche euren Namen und eure E-Mailadresse (beides wird nicht in der Kolumne veröffentlicht).

Ist es Arjun, die wandelnde Flamme und das Versprechen des Wahnsinns einer Hirnschinderei auf einer fliegenden Sphinx? Ist es die Morgenrot-Erneuerin, eine politische Karte par excellence? Oder lässt euch vielleicht Anya, Engel ohne Gnade, in Freudengesänge ausbrechen? Schaut euch das alles in der Commander (Edition 2015)-Kartenbildgalerie an und sagt mir, was in Händen zu halten ihr kaum erwarten könnt.

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn wir die ganzen neuen Schätze durchgehen. Bis dann!

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