Prätor statt Predator

Veröffentlicht in Command Tower on 7. Mai 2015

Von Adam Styborski

Stybs has played Magic the world over, writing and drafting as part of the event coverage team and slinging Commander everywhere his decks will fit.

Bei Commander herrscht kein Mangel an mächtigen Karten, die man sich aussuchen und einsetzen kann. Tatsächlich ist es eine Ausnahme (für mich zumindest), wenn etwas Mächtiges nicht in einem Deck vorkommt, in dem ich mit dem Auftauchen dieser bestimmten Karte rechne.

Elesh Norn, Hohe Zönobitin | Bild von Igor Kieryluk

Karten wie Sonnenring gibt es zuhauf und sie sind auch hinreichend nützlich, doch die mächtigen Karten, die ich meine, spielen eine Klasse höher. Sonnenring kann zwar ordentlich Tempo aufbauen und euch schnell nach vorn bringen, wenn er im ersten oder zweiten Zug kommt, aber seine Macht ist in Fällen, in denen ihr schon jede Menge Länder im Spiel habt, insgesamt betrachtet eher bescheiden.

Mit Brechern – den großen, spielentscheidenden Karten – verhält es sich genau umgekehrt: Oft kann man sie in der Frühphase einer Partie nicht einsetzen, aber wenn man eine von ihnen spät im Spiel zieht, merken die Gegner definitiv auf. Eines meiner liebsten Beispiele hierfür wird in Modern Masters Edition 2015 zurückkehren: Elesh Norn, Hohe Zönobitin.


Aufstieg und Fall

Elesh Norn, Hohe Zönobitin und mich verbindet eine lange Geschichte in Commander. Ihre Fähigkeiten sind mächtig, einzigartig und bestimmen oft so lange über den Verlauf der Partie, bis sie aus dem Spiel geht – sofern die Gegner überhaupt lange genug Zeit haben, das zu bewerkstelligen. Dabei arbeiten die drei Fähigkeiten der Zönobitin harmonisch zusammen:

  • Wachsamkeit auf einer 4/7-Kreatur ist großartig, denn dadurch ist sie nur schwer durch Angreifen oder Blocken zu töten.
  • Andere Kreaturen, die man kontrolliert, erhalten +2/+2, wodurch man seine gesamte Armee auf einmal aufpumpen und durch Angriffe Druck machen kann.
  • Kreaturen, die die Gegner kontrollieren, erhalten -2/-2, sodass jede Menge Hilfskreaturen nutzlos werden und eure Angriffe noch schwerer aufzuhalten sind.

Sie ist absolut asymmetrisch, und das merken auch die Gegner schnell. Die besten Brecher sind oft solche asymmetrischen Karten, und deshalb ist mein Rhys der Rehabilitierte-Commanderdeck eines, das ich als mein stärkstes einschätze:

Stybs‘ Rhys der Rehabilitierte

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COMMANDER: Rhys der Rehabilitierte
99 Karten

Dieses Deck hält weder mit seiner Macht hinter dem Berg, noch scheut es davor zurück, Gegner mit einseitigen Brechern anzugreifen. Und davon gibt es jede Menge:

Diese Effekte und Karten sind für uns – und nur für uns – von Vorteil oder bestrafen Gegner oder beides. Das sind die Brecher und die Macht, die einem bei Commander zur Verfügung stehen, sowie der Grund, aus dem Elesh Norn, Hohe Zönobitin eine derart gefürchtete Kreatur ist. (Tatsächlich sind alle Neu-Phyrexia-Prätoren gefürchtete Kreaturen mit mächtigen, einseitigen Effekten.)


Mit dem Machtniveau eines Decks zurechtzukommen, heißt, diese Effekte auf der Rechnung zu haben. Es ist zwar verführerisch, sie voll auszuschöpfen, doch so riskiert man, sich zu viel Zorn von allen anderen Spielern zuzuziehen. Schauen wir uns an, welche legendären Kreaturen wir in Decks spielen – allerdings nicht als den Kommandeur –, um zu sehen, woher dieser Zorn rührt:

Ich kann sagen, dass ich nie Avacyn, Engel der Hoffnung als Kommandeur einsetzen würde, da sie zu viel Hass seitens der anderen Spieler auf sich zieht. Ehrlich gesagt ist Ruric Thar eher eine Legende, die ich gern in einem Deck dabeihabe, wenn auch ebenfalls nicht als Kommandeur. Er ist zwar gut und oft sogar glänzend, aber für meinen Geschmack trotzdem noch viel zu eingeschränkt, besonders deshalb, da er sich kaum darum schert, wen er mit seinen 6 Schaden erwischt. Er kann die Optionen der anderen Spieler auf dramatische Weise beeinflussen, doch je nachdem, wie der Rest der Politik am Tisch aussieht, kann es sein, dass andere Spieler ihn beschützen, wohingegen Avacyn immer von allen gehasst wird.

Jeremiahs Mayael die Anima

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COMMANDER: Mayael die Anima
99 Karten

Jeremiah macht das Risiko deutlich, so etwas wie Elesh Norn, Hohe Zönobitin oder Avacyn, Engel der Hoffnung als Kommandeur einzusetzen: Auf diese Weise macht man nämlich auf eine mächtige, einseitige Möglichkeit aufmerksam, die Pläne der Gegner zu durchkreuzen, ehe sie überhaupt damit anfangen konnten, sie in die Tat umzusetzen.

Nimmt man diese mächtigen Karten stattdessen ins Hauptdeck und setzt sie als Überraschungsmoment ein, werden sie effektiver und lassen euch ihre genaue Anzahl besser ausbalancieren. Ich nutze mein Rhys der Rehabilitierte-Deck nicht oft, doch wenn ich es tue, dann weiß ich schon vorher, dass sich die Waage der Macht zu meinen Gunsten neigen wird. Es ist einfach, ein Commanderdeck zu bauen, dass eure Seite des Schlachtfelds dominiert, aber es ist genauso wichtig, es an die Decks und die Spielerfahrung aller anderen Spieler anzupassen.

Mit großer Macht geht große Verantwortung einher.


Geballte Macht

Bei neuen Karten ist es immer aufregend, die besten Exemplare zu suchen und Commanderdecks damit zu bauen. Deshalb habe ich es ja auch geliebt, mich binnen kürzester Zeit durch Schmiede des Schicksals und Drachen von Tarkir zu wühlen. Auch wenn Modern Masters Edition 2015 keine „neuen“ Karten ins Feld führt, so wimmelt es darin trotzdem von derselben aufregenden Art von Karten, die die jährliche Veröffentlichung von Commander-Decks im Herbst immer so spannend machen. Die Frage der Woche zielt genau darauf ab: Welches ist eure liebste Commander-Karte, die in den letzten Jahren neu aufgelegt wurde?

  • Antworten per E-Mail auf Englisch
  • Nicht mehr als 200 Worte, um die Karte zu erklären und warum ihr sie nie als Kommandeur einsetzen würdet
  • Bitte mit einer Beispieldeckliste versehen (zählt nicht zur maximalen Wortanzahl)
  • Decklisten sollten nur eine Karte pro Zeile enthalten und nur eine Zahl, also zum Beispiel „3 Gebirge“ – nur ein Leerzeichen, kein „x“ oder „-“ zwischen der Anzahl und dem Kartennamen –, ohne Zwischensummen nach dem Kartentyp. Decklisten, die diese Regeln nicht einhalten, werden nicht berücksichtigt.
  • Name und E-Mailadresse erforderlich (in der Kolumne werden keine persönlichen Daten veröffentlicht).

Altes wieder neu zu machen, ist genau das, was Magic Online-Sets wie Tempest Remastered tun. Und dieses Neuentdecken von Altbekanntem, wie es Veröffentlichungen wie Modern Master Edition 2015 bieten, kann den Drang zum Deckbau eines jeden Commander-Spielers neu anstacheln. Ich freue mich darauf, von euch zu hören, was ihr in letzter Zeit so richtig aufregend fandet.

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn wir noch mehr Meisterhaftes finden. Wir sehen uns!

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