DANG, DER DRACHENTÖTER

Veröffentlicht in Deck Check on 16. April 2015

Von Tobi Henke

Am vergangenen Wochenende war ich in Brüssel und wurde Zeuge, wie Martin Dang die Pro Tour Drachen von Tarkir gewann. Wie nicht anders zu erwarten, bei einem Turnier mit diesem Namen, fanden sich in der Top 8 zahlreiche Drachen (30!) und Dang musste im Finale auch tatsächlich ein sehr drachenlastiges Deck bezwingen, er selbst aber setzte an einer völlig anderen Stelle an. Und zwar am unteren Ende der Manakurve: Sein rotes Aggrodeck bestand zu mehr als einem Viertel aus Karten, die lediglich ein rotes Mana kosten, und so war es ihm möglich, viele der behäbigeren Standarddecks schlicht zu überrennen!

Als Urheber seines Decks nannte Dang übrigens den Österreicher Immanuel Gerschenson, welcher bereits durch zwei Grand-Prix-Siege im letzten halben Jahr aufgefallen war. Der Däne Dang und Gerschenson waren beide Teil eines 11-köpfigen Teams, das sich gemeinsam auf die Pro Tour vorbereitet hatte. Mit Mitgliedern aus Norwegen, Dänemark, Deutschland, Österreich, Ungarn und der Schweiz war das eine äußerst internationale Angelegenheit und das noch relativ neue Team hat sich mit Dangs Triumph sogleich auch einen Namen gemacht. Es wird in jedem Falle interessant sein zu sehen, was aus dieser Kooperation in Zukunft vielleicht noch hervorgeht!

Diesmal entwickelten sie jedenfalls ein rotes Aggrodeck, welches aggressiver kaum ausgerichtet sein könnte. Los geht's mit geschlagenen 13 Kreaturen für ein Mana! Zurgo Glockenläuter ist eigentlich die größte von ihnen, dennoch ist die Legende nur dreimal vertreten, während Viererpacks von Bewohner des Schmelzenwegs und Kloster-Flinkspeer die Auswahl klar anführen. Das liegt vor allem daran, dass sie an Kampfgewicht zulegen, wenn man entweder weitere Kreaturen aufs Feld bringt oder Nicht-Kreaturen-Zaubersprüche wirkt oder wenn man einfach beides gleichzeitig tut, indem man zum Beispiel Drachenfutter beziehungsweise Hordling-Ansturm spielt.

Daneben sorgen einzelne Exemplare von Blitzberserkerin und Wildgewordener Goblin für ein bisschen Abwechslung und bringen die Gesamtzahl der 1-Mana-Kreaturen auf ein Niveau, das nahezu garantiert, dass man im ersten Zug immer eine Kreatur legen kann und häufig zwei weitere im zweiten.

Alle diese Kreaturen, die Goblin-Spielsteine und gerade auch die bloß vorübergehend großen Bewohner des Schmelzenwegs und Kloster-Flinkspeere, sind natürlich nicht sehr stabil und haben maximal mittelfristige Relevanz. Ab einem gewissen Zeitpunkt werden sie automatisch von den Kreaturen der meisten anderen Decks deklassiert. Ihre Aufgabe besteht allerdings mitnichten darin, den Gegner auf null Lebenspunkte zu bringen. Findet dieser sich nach dem ersten Ansturm irgendwo bei sechs bis zehn Lebenspunkten wieder, muss er sich schon gewaltige Sorgen machen, denn dann folgen alsbald Blitzeinschlag, Das Feuer anfachen und Atarkas Befehl und erledigen den Rest.

Apropos Atarkas Befehl: Diese Karte bezeichnete Dang als beste im ganzen Deck. Sie ist auch der einzige Grund, warum sich in dem ansonsten fast vollkommen einfarbigen Deck ein Wald, ein Tempel der Unbekümmertheit sowie je viermal Mana-Zusammenfluss und Bewaldeter Gebirgsausläufer finden. So stark ist die Karte, dass man dafür sogar bereit ist, eine weitere Farbe ins Deck zu integrieren, trotz der damit einhergehenden etwas geringeren Manastabilität und trotz der nicht zu vernachlässigenden Lebenspunkte, die dadurch verloren gehen. Wenn man ein bisschen grünes Mana erst einmal hat, kann ein einzelnes Exemplar von Ins Unermessliche wachsen natürlich ebenfalls nicht schaden. Na gut, schaden kann die Karte sehr wohl, aber eben halt dem Gegner.

Diese beiden passen jedenfalls perfekt in ein rotes Deck, dessen einzige Maxime es ist, so schnell wie möglich so viele Schadenspunkte wie möglich auszuteilen. Üblicherweise nutzt man bei Atarkas Befehl den zweiten sowie den vierten Modus; Letzterer ist mit all den Massen an Spielsteinkreaturen oft für beeindruckende Schadensmengen gut. Jedoch sollte man auch den ersten Modus nicht vergessen: Übers Wochenende konnte man diesen im Einsatz gegen Belagerungsnashorn, gegen die zunehmend beliebte Schandzungen-Anrufung und sogar gegen die dritte Fähigkeit von Ugin der Geisterdrache erleben. Einzig der dritte Modus findet bei diesem Deck mit seinen 20 Ländern wirklich nie Verwendung.

Passenderweise entschied eine beeindruckende, wenngleich kaum ungewöhnliche Anwendung von Atarkas Befehl letztlich auch das Finale. Unter Dangs Kontrolle befand sich zu diesem Zeitpunkt lediglich ein Duo Kloster-Flinkspeere, also Kreaturen mit einer Gesamtstärke von 2, doch mithilfe von Atarkas Befehl (wiederum im zweiten und vierten Modus) erhielt Dangs Gegenspieler in diesem Zug 9 Schadenspunkte. Keine schlechte Leistung für einen 2-Mana-Zauberspruch!

Es war ein gutes Wochenende für Atarka. Die anderen Spieler machten Drachenfürstin Atarka zum meistgespielten Drachen in der Top 8 und selbst der drachenlose Dang folgte letzten Endes bloß Atarkas Befehl

Martin Dangs rotes Aggrodeck

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