DAS ANDERE FARBLOSE DECK …

Veröffentlicht in Deck Check on 25. Februar 2016

Von Tobi Henke

Vor zwei Jahren schien Patrick Dickmanns Platz an der Magic-Weltspitze gesichert. Nach einem Grand-Prix-Sieg und einem dritten Platz bei der Pro Tour hatte er sich nicht nur einen Ruf als ausgewiesener Modern-Experte erarbeitet, sondern schloss die Saison auch mit Platin ab, dem höchsten Level im Pro Players Club. Im Folgejahr war er dann allerdings nicht in der Lage, seine Ergebnisse zu wiederholen, und scheiterte letztlich sogar knapp am Gold-Level. Der Start in die Turniersaison 2015/2016 verlief ebenfalls weitestgehend ereignislos.

„Ich habe bisher fast kein Magic gespielt in dieser Saison. Grand Prix London, Grand Prix Prag und Grand Prix Brüssel, das war's“, gab Dickmann zu. In zwei dieser Turniere holte er lediglich einen Pro-Punkt, einmal verpasste er den Einzug in den zweiten Tag. Doch immerhin stand die Pro Tour im Modern noch bevor, jenem Format, in dem Dickmann seine größten Erfolge erzielt hatte. Sein Deck der Wahl war dabei zumeist auf der Kombination aus Täuscher-Exarch und Zwillingsspreißel aufgebaut gewesen. Diesmal jedoch musste er sich umorientieren, weil letztere Karte inzwischen auf die Liste der verbotenen Karten gesetzt worden war.

„Das Verbot fand ich sehr merkwürdig, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass das Deck das Format in besonderer Weise dominiert“, sagte Dickmann. Seine Enttäuschung hielt sich allerdings in Grenzen, weil seine Wahl ohnehin bereits auf Affinität gefallen war. „Das spiele ich erstens schon seit Jahren und zweitens dachte ich mir, dass wohl irgendein Team das Eldrazi-Deck brechen würde und dass zudem Monorot, Affinitäts- und Giftdecks populär sein würden.“

Getestet hatte Dickmann für diese Pro Tour nur mit zwei Freunden. „Während meiner Platin-Zeit bin ich öfter mal in großen Testgruppen gewesen, und obwohl ich da auch ein paar Freunde gefunden habe, war das für mich immer sehr stressig“, erklärte Dickmann. „Nachdem man sich eineinhalb bis zwei Wochen eingeschlossen hat, um ständig nur zu testen, hatte ich dann meist schon gar keine Lust mehr auf die Pro Tour. Das Ganze soll ja auch noch Spaß machen, wenigstens ein bisschen.“

Mit dem Spaß am Spiel kehrte auch der Erfolg zurück. Ein durchwachsenes Ergebnis in den Draftrunden konnte Dickmann mit einer beachtlichen Siegesserie im Modern mehr als ausgleichen und erreichte zum zweiten Mal die Top 8 einer Pro Tour. Tatsächlich blieb er im Modern-Teil des Turniers bis zum Halbfinale sogar komplett ungeschlagen!

„Ich habe mich wirklich gefreut, dass ich mal zeigen konnte, dass ich nicht nur der Typ bin, der ganz gut Zwillingsspreißel spielen kann. Nun vielleicht der Typ, der ganz gut Modern spielen kann. Ich habe natürlich auch eine Menge Glück gehabt, das gehört einfach dazu. Wenn man sich in die Top 8 spielt, müssen die Karten passend kommen“, räumte er ein. „Da fallen mir einige Beispiele ein: Ein Sieg gegen Zerschmetternder Sturm beispielsweise, der mich mit nichts als dreimal Nachstahl-Zitadelle und null Handkarten zurückgelassen hat, oder ein Sieg gegen Zoo nach Mulligan auf fünf und so weiter. Trotzdem, ein paar Matches habe ich auch gewonnen, weil ich auf langjährige Erfahrung mit dem Deck zurückblicken kann, und das ist natürlich ein zufriedenstellendes Gefühl!“

Apropos Deck: „Das heutige Affinitätsdeck zeichnet vor allem aus, dass es wesentlich härter zuschlägt als die früheren Versionen, die Geätzter Champion benötigten, weil wesentlich mehr gezielte Kreaturenvernichtung unterwegs war. Meister des Ätheriums ist derzeit fast nicht zu stoppen und macht einfach alles schneller.“

Dickmann würde gegenwärtig nichts am Deck ändern und es genauso wieder spielen. „Ich kann noch nicht sagen, wie gut die Eldrazi denn nun wirklich sind. Also für diese Pro Tour waren sie in einer fantastischen Position, ja. Aber es gibt durchaus Mittel und Wege, das Deck anzugreifen. Affinität steht dagegen zum Beispiel ganz passabel da und daher würde ich erst mal das Modern-GP-Wochenende abwarten“, riet er. „Überhaupt ist Affinität immer dann stark, wenn die Sideboards wenig auf das Deck ausgerichtet sind, was im Moment der Fall ist. Weiß ist derzeit wenig populär und damit fällt Steinerne Stille weg. Zwillingsspreißel war früher schwer zu besiegen und durch dessen Wegfall wird auch weniger Uralter Groll gespielt.“

Mit jetzt 24 statt zwei Pro-Punkten hat auch Dickmanns Magic-Karriere wieder neue Fahrt aufgenommen. Die 33 Punkte für den Gold-Level sind nicht mehr weit und im Rennen um die Position als Kapitän des deutschen Teams beim nächsten World Magic Cup liegt er deutlich vorn. „Wobei mir beides nicht so superwichtig ist“, meinte Dickmann. Seine Ziele für die Zukunft liegen woanders: „Ich würde echt gern mal 'ne Top 8 außerhalb von Modern haben. Eigentlich habe ich auch da einige gute Resultate, aber natürlich kräht kein Hahn danach, wenn man nicht auf dem Top-8-Foto ist.“

Wir drücken die Daumen!

Affinität von Patrick Dickmann

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