DIE BELEHRUNG VON BELEREN

Veröffentlicht in Deck Check on 20. August 2015

Von Tobi Henke

Es kommt normalerweise so selten vor, dass es durchaus lohnt, die entsprechende Regel einmal zu wiederholen: Wenn ein Spieler eigentlich eine Karte ziehen müsste, aber keine Karten mehr in seiner Bibliothek hat, dann endet das Spiel mit seiner Niederlage.

 

Tatsächlich werden im Standard dieser Tage vergleichsweise viele Partien auf diese Art entschieden. Das ist die Schuld beziehungsweise das Verdienst von Belehrung der Sphinx. Die unscheinbare Verzauberung wurde anfangs noch unterschätzt, fand dann ihren Platz in einem kuriosen Kontrollkonstrukt und mausert sich allmählich sogar zu einem der definierenden Elemente des Formats.

 

Auf den ersten Blick wirkt es zwar, als ob es recht lange dauern müsste, mit Belehrung der Sphinx die gegnerische Bibliothek zu leeren; als ob der Vorteil also eher in der Beständigkeit als in der Geschwindigkeit des Effekts läge. Aber in Wahrheit geht es meistens doch viel schneller, als man denkt.

 

Dabei spielt nur am Rande ein Rolle, dass der Effekt der Belehrung hin und wieder von sich aus wiederholt wird. Entscheidender ist vielmehr, dass die Fähigkeit jedes Mal ausgelöst wird, wenn man eine Karte zieht. Ohne weiteres Zutun geschieht das einmal pro Zug, mit ein bisschen Nachhilfe ist aber auch weitaus mehr drin.

 

Unser heutiges Deck zum Beispiel enthält unter anderem Magmatische Einsicht, Quälende Stimme und Belagerung des Klosters, um Belehrung der Sphinx quasi im Akkord auszulösen. Zwar sorgt nichts davon für Extrakarten; bei den beiden Hexereien etwa tauscht man bloß zwei Handkarten gegen zwei neue Handkarten; genau deshalb sind sie auch weit günstiger als Kartenzieher, die in dieser Hinsicht ein Plus erwirtschaften würden. Aber Belehrung der Sphinx interessiert sich eben nur dafür, ob Karten gezogen werden, und das passiert bei den roten Sprüchen nun einmal. Zweimal sogar.

Das Gleiche gilt auch für die neueste Inkarnation von Jace Beleren: Jace, Wunderkind von Vryn wandelt Karten ebenfalls bloß in andere Karten um. Üblicherweise hat kein Deck derart viel Bedarf an Kartenumwandlung, doch mit Belehrung der Sphinx wird daraus ja ein Selbstzweck. Nebenbei wird aus dem Wunderkind außerdem Jace, der entfesselte Telepath, und der ist dann wirklich für etwas echten Kartenvorteil gut. Ebenso Lohnende Ausfahrt. Beide Karten profitieren natürlich davon, dass Quälende Stimme und Konsorten vergleichsweise schnell den Friedhof füllen.

 

Zwischen all dem dauert es jedenfalls gar nicht ganz so lange, bis dem Gegner die Karten ausgehen. Dennoch kann man nicht davon ausgehen, die gegnerischen 60 abgebaut zu haben, bevor die eigenen 20 zur Neige gehen. Entsprechend werden gegnerische Kreaturen mit Groll der Götter, Rösten, Einschläfern und Flutwelle in Schach gehalten. Viele davon sind keine dauerhaften Problemlösungen, aber die braucht es ja auch nicht. Feindliche Feuerzauber werden derweil durch Sturzbachklippen und Leuchtender Springbrunnen entschärft. Da man sich durch so viele Karten wühlt, gelingt es überraschend häufig, relevant viele Lebenspunkte über diese Länder wieder gutzumachen.

 

Die womöglich stärkste Karte im Deck ist allerdings Alhammarrets Archiv. Zwar ist die Karte recht manaintensiv und macht nur dann etwas, wenn das Deck gerade eh schon gut läuft, und deshalb ist sie auch bloß einmal enthalten, aber ein typischer Zug mit dem Artefakt ist mehr als beeindruckend. Das mag zum Beispiel so aussehen, dass man das Archiv spielt, dann noch ein Land wie Leuchtender Springbrunnen hinterherlegt und ein anderes für Magmatische Einsicht abwirft, also vier Extraleben und vier Extrakarten kassiert und obendrein viermal Belehrung der Sphinx auslöst.

 

Dass Michael Majors mit dem vorliegenden Deck unlängst den Grand Prix von San Diego gewonnen hat, zeugt von der Spielstärke des Ganzen. Dass Alhammarrets Archiv, Belehrung der Sphinx und Jace, Wunderkind von Vryn zudem eng durch die Hintergrundgeschichte (http://magic.wizards.com/de/articles/archive/uncharted-realms/jaces-ursp...) verbunden sind, gibt Bonuspunkte für besondere Coolness!

 

Michael Majors' blau-rote Belehrung

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