Die Geister, die ich rief

Veröffentlicht in Deck Check on 28. Juli 2016

Von Tobi Henke

Noch im Vorfeld der Veröffentlichung von Düstermond, ja im Grunde sogar schon, bevor die komplette Kartenliste bekannt war, geisterten die ersten Entwürfe für ein neues Standarddeck durchs Netz. Fliegerdecks, die mehr oder weniger zufällig einen Kettenrassler neben etwa Dimensionswechsler oder Eldrazi-Himmelsbrüter legten, waren in den letzten Wochen ohnehin immer populärer geworden. Auf einen Angriff aus den Lüften waren viele einfach nicht vorbereitet.

Jetzt ist noch einmal alles anders. Zauberhemmer gilt etlichen Experten als womöglich stärkste Karte des neuen Sets. Farben sind damit vorgezeichnet und andere Karten in Weiß und Blau erlauben eine weitgehende Fokussierung auf Geister. Davon profitiert Mausoleumwanderer und umgekehrt profitieren diverse Geister von Kettenrassler. Insbesondere die Möglichkeit, Selbstloser Geist oder Mausoleumwanderer spontan zu wirken und einen Gegner damit zu überraschen, dürfte sich bisweilen als wertvoll erweisen.

Mausoleumwanderer, Kettenrassler, Selbstloser Geist und Zauberhemmer bilden die Basis. Dass jede dieser Karten viermal mitmachen sollte, darüber herrscht jedenfalls Einigkeit. Meist kommen dann noch ein paar Geister dazu, zum Beispiel Hexenhauch-Herold, Frost-Nibilis, Anafenza, Geist des Sippenbaums und/oder Verblichener Bischof.

Reflexionsmagier darf normalerweise in keinem weiß-blauen Deck fehlen, zumal einem solch tempoorientierten; hier ist er als reiner Hauptphasenspruch allerdings schon ein Wackelkandidat. Wegen all der Flieger finden teilweise dann noch ein paar Exemplare von Donnerschlag-Lindwurm Platz. Und am Ende der Manakurve wartet wie üblich Erzengel Avacyn.

In dieses Deck passt der Erzengel gleich in zweierlei Hinsicht besonders gut. Zum einen weil sich sowieso schon so viele der eigenen Sprüche im gegnerischen Zug oder als Reaktion auf irgendetwas wirken lassen. Noch mehr Auswahl zu haben, um immer die passende Antwort parat zu halten, ist da kein kleiner Vorteil. Zum anderen macht Avacyn eine gute Figur, weil es in vielen Partien darum geht, mit Zauberhemmer einen wichtigen Spruch ins Exil zu schicken und bis zum Ende des Spiels dort zu halten. Zu diesem Zweck wird eine gezielte Einmischung mal mit Kettenrassler abgewehrt, eine andere drohende Vernichtung verhindert vielleicht ein Selbstloser Geist und zum Schluss macht eben Erzengel Avacyn alles unzerstörbar.

Obendrein interagiert Selbstloser Geist doppelt mit der Doppelseitigkeit von Erzengel Avacyn. Zunächst lässt sich Avacyn die Läuterin bei Bedarf ganz schnell auf die Bildfläche rufen, indem sich der Geist opfert. Normalerweise dauert es nach Beschwörung des Engels ja erst einmal ein Weilchen, bis eine eigene Kreatur stirbt, Unzerstörbarkeit sei Dank. Mithilfe des Geists ist es jedoch möglich, Avacyn zum Beispiel am Ende des gegnerischen Zuges zu wirken und direkt zu Beginn des eigenen zu transformieren. Das kann manch einen Gegner eiskalt erwischen. Wenn die drei Schadenspunkten, die Avacyn die Läuterin austeilt, hingegen ungelegen kommen, kann Selbstloser Geist die eigenen Kreaturen natürlich auch davor schützen, während die feindlichen weiterhin brennen.

Abgerundet wird das Deck schließlich durch eine Kombination aus Ojutais Befehl und Verkündung in Stein oder Schlinge des Erstarrens. Manchmal sieht man auch das eine oder andere Exemplar von Weltenaufstand, Immer wachsam, Mentales Kräftemessen, Essenzfluktuation oder Gegenstandslos machen. Vor allem mit ein paar der blauen Karten ergeben sich mehr Tricks, als hier aufgelistet werden könnten.

Überhaupt sind die Geister nicht immer einfach zu spielen. Ständig muss der gegnerische Spielplan im Blick sein, muss abgewogen werden zwischen Sicherheit und Schnelligkeit. Wer es schafft, den perfekten Mittelweg zu finden, dem bieten die Geister jedoch ein starke Alternative fürs neue Standard!

Weiß-blaue Geister von Craig Wescoe

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