DRACHEN ÜBERNEHMEN DIE KONTROLLE

Veröffentlicht in Deck Check on 30. April 2015

Von Tobi Henke

Im Standard gibt dieser Tage ein Drachendeck den Ton an; dementsprechend steht es auch im Mittelpunkt einer neuen Ausgabe vom Deck Check!

Die Pro Tour Drachen von Tarkir liegt noch gar nicht so lange zurück. Kaum drei Wochen ist es her, dass die Magic-Profis zum ersten Mal ihre Testergebnisse der Öffentlichkeit vorlegten und bei der Pro Tour ihre neuesten Standardkreationen ins Feld führten. Eines dieser Decks war weiß-blau-schwarze Drachenkontrolle; mehrere Teams hatten jeweils ihre eigene Liste entwickelt, eine schaffte es sogar in die Top 8.

Damals wurde der Erfolg noch von dem einer zweifarbig blau-schwarzen Variante überschattet; seitdem hatten jedoch unzähliche Spieler überall auf der Welt Gelegenheit, die Pro-Tour-Resultate eingehend zu prüfen und zu analysieren. Das Ergebnis dieser Nachlese fiel überraschend eindeutig aus: Weiß-blau-schwarze Drachenkontrolle ist doch irgendwie die Nummer 1 des Formats.

Einer der Menschen, die zu diesem Schluss gelangten, war Alex Hottmann. Der 25-jährige Student aus Detmold trat am vorletzten Wochenende beim Grand Prix in Krakau zusammen mit 1137 anderen Spielern an und schaffte mit seinem Drachendeck auf Anhieb den Sprung in die Top 8.

Dragonlord Ojutai | Art by Chase Stone

Zwar unterlag er im Viertelfinale sogleich dem späteren Gesamtsieger Alexander Hayne, aber dieser pilotierte ebenfalls weiß-blau-schwarze Drachenkontrolle. Und im Finale besiegte Hayne ein weiteres weiß-blau-schwarzes Drachendeck, welches zuvor bereits als Sieger aus dem Kampf zweier weiß-blau-schwarzer Drachendecks hervorgegangen war, wovon eines wiederum ein anderes weiß-blau-schwarzes Drachendeck im Viertelfinale besiegt hatte. Wer mitgezählt hat, weiß es schon: In der Top 8 des Grand Prix in Krakau fanden sich unlängst sage und schreibe fünf weiß-blau-schwarze Drachendecks!

Was macht das Kontrolldeck so stark? Kontrolle nach klassischem Muster ruht üblicherweise auf drei Säulen, so auch hier. Das Deck verfügt erstens über hervorragende Gegenmaßnahmen für alle gängigen Bedrohungen, zweitens über exzellente Kartenselektionen, um immer die passende Antwort zum passenden Zeitpunkt präsentieren zu können, und drittens beinhaltet es seinerseits eine Handvoll handverlesener Bedrohungen, die am Ende einer langen Materialschlacht garantiert die Nase vorn haben.

So kann Des Helden Untergang etwa so gut wie jede gefährliche bleibende Karte vom Spielfeld räumen, Silumgars Verachtung stoppt jede beliebige Gefahr bereits auf dem Stapel und Gedankenergreifung setzt sogar noch früher an. Gallenfäule kümmert sich um Kreaturenhorden, zum Beispiel Goblin-Spielsteine, während Schandzungen-Anrufung ansonsten schwer zu beantwortende einzelne Kreaturen ausschaltet, zum Beispiel solche mit Fluchsicherheit. Wendepunkt des Schicksals kann das eine wie das andere erwischen.

Antizipieren hilft früh dabei, die richtigen Karten zu finden. Späterhin macht In den Zeiten wühlen dann das Gleiche in weit größerem Stil. Zusammen mit Vorrecht des Drachenfürsten sorgt In den Zeiten wühlen zugleich für den Kartenvorteil, der für Kontrolle so wichtig ist. (Da nicht jede Antwort auf jede Bedrohung passt, tut der Kontrollspieler gut daran, zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine Auswahl an verschiedenen Antworten bereitzuhalten.)

Dieses spezielle Kontrolldeck zeigt seine womöglich größte Stärke jedoch dann, wenn es darum geht, ein Spiel tatsächlich zu Ende zu bringen. Drachenfürst Ojutai, Silumgar, der driftende Tod und Ugin der Geisterdrache sind allesamt schwierig aufzuhalten. Ein simpler gezielter Kreaturenzerstörer wie etwa Mörderischer Schnitt erwischt weder die fluchsicheren Kreaturen noch den Planeswalker. Zumindest nicht, bevor Drachenfürst Ojutai angreift, und dann mischt sich vielleicht Silumgars Verachtung oder Auflösen ein, und sobald Ojutais dritte Fähigkeit ausgelöst wird, ist eh alles zu spät. Gleichzeitig schlagen diese Karten ziemlich kräftig zu: Ugin und Silumgar machen Dinge beim Gegner kaputt, Ojutai knöpft sich gleich den Gegner selbst vor. Und wenn jemand doch einmal in der Lage ist, den ersten Schwung Drachen abzuwehren, gibt es immer noch Zuflucht des Geisterdrachen!

In Krakau meinte Alex Hottmann, Drachenfürst Ojutai sei mit Abstand die beste Karte im Deck, eine Ansicht, die viele seiner Top-8-Kollegen teilten. Schandzungen-Anrufung, nicht zuletzt wegen ihrer Fähigkeit ebenden wieder loszuwerden, hielt Hottmann indes für die zweitbeste Karte.

Wie man die Geister(drachen), die man rief, wieder loswird, ist das nächste Stück im Puzzle, das es zu finden gilt…

Alex Hottmanns Weiß-Blau-Schwarze Drachenkontrolle

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