DRACHEN IM ANFLUG

Veröffentlicht in Deck Check on 9. April 2015

Von Tobi Henke

Willkommen zu einer neuen Ausgabe vom Deck Check! Ich vertrete vorübergehend den geschätzten Kollegen Görtzen und werfe mit euch diesmal an seiner statt einen Blick auf die wunderbare Welt der 60-Karten-Decks. Zur Einstimmung auf die Pro Tour Drachen von Tarkir (um deren Ergebnisse geht es auf diesem Sendeplatz ab nächster Woche) beschäftigen wir uns heute mit dem blau-roten Drachen-Deck von Jeff Hoogland (Deckliste weiter unten).

Die Drachen sind gelandet und mischen nun ordentlich mit im Standardformat! Nicht weniger als zehn Drachen verteilen sich hier auf Deck und Sideboard, und dazu kommen noch einmal acht andere Karten, die Drachen explizit erwähnen und mit ihnen in spezieller Weise interagieren. Vom Typ her handelt es sich hier um ein klassisches Kontroll-Aggro-Deck, welches zunächst etliche Kontrollelemente wie Wilder Hieb und Blitzeinschlag oder Silumgars Verachtung anbringt, um den ersten Ansturm der Gegenseite aufzuhalten.

Anders als beim Spielen eines reinen Kontrolldecks versucht man hiermit allerdings nicht, das Spiel beliebig lange unter Kontrolle zu halten und das Ende schier endlos hinauszuzögern. Dafür sind insbesondere die zur Verfügung stehenden Kreaturenzerstörer gar nicht stark genug; frühes Kleinvieh lässt sich mit zwei oder drei Schadenspunkten abräumen, größeres Getier hingegen bleibt davon unbeeindruckt; und auch Äthersauger legt bereits nahe, dass es nur darum geht, die feindliche Offensive vorübergehend abzuwimmeln.

Denn in der Zwischenzeit geht das eigene Angriffsgeschwader in Position! Das beginnt mit dem Flammenpfad-Phoenix, geht weiter mit Donnerbruch-Regentin und zum krönenden Abschluss kommen dann noch Eisfall-Regentin und Sturmhauchdrache zum Einsatz. Alle diese Kreaturen haben ein paar Eigenschaften gemeinsam. Sie alle fliegen, sodass man an die Mehrheit möglicher Blocker keine Gedanken zu verschwenden braucht. Sie kosten alle drei bis fünf Mana und manche von ihnen haben sogar eingebaute Eile, sie schreiten also doch recht schnell zur Tat.

Thunderbreak Regent | Art by Ryan Pancoast

Zu guter Letzt ist es bei ihnen allen in irgendeiner Form schmerzhaft, schwierig oder gar unmöglich, sie aus dem Verkehr zu ziehen: Flammenpfad-Phoenix zum Beispiel kann immer wieder aus dem Friedhof zurückkehren, solange man nur eine der anderen Kreaturen kontrolliert; die beiden Regentinnen verlangen dem Gegenspieler zusätzliches Mana oder Lebenspunkte ab, wenn sie angezielt werden sollen; und Sturmhauchdrache schließlich ist geschützt vor solch anderweitig beliebten Gegenmaßnahmen wie Tapfere Haltung. Wenn einem dann doch einmal ein Drache abhanden kommt, hilft außerdem Zuflucht des Geisterdrachen und selbstverständlich können Silumgars Verachtung und Hartnäckige Ablehnung der eigenen Fliegerstaffel auch sehr gut Geleitschutz geben.

Die große Stärke dieses Decks und generell dieses Decktyps ist entsprechend Folgendes: Man kann blitzschnell von Verteidigung auf Angriff umschalten, flexibel auf die Anforderungen verschiedener Spielsituationen reagieren, je nach gegnerischem Deck eine mehr oder weniger aggressive Rolle einnehmen und manche Leute auch schlicht überrumpeln. Immerhin kann jemand auf der anderen Seite des Tisches kaum jemals genau wissen, ob er es jetzt gerade mehr mit der Kontrollkomponente oder der Aggrokomponente des Decks zu tun bekommen wird.

Damit das Deck allerdings bloß den Gegner überrascht und nicht den eigenen Piloten, ist es notwendig, ein bisschen dabei nachzuhelfen, was für Karten gezogen werden. Antizipieren und – in größerem Stil – In den Zeiten wühlen sorgen dementsprechend dafür, dass jederzeit stets die richtige Karte zur Hand ist.

In den Zeiten wühlen dient zugleich als Hauptquelle von Kartenvorteil. Die einigermaßen offensive Ausrichtung des Decks bedeutet, dass nicht viel Kartenvorteil vonnöten ist, aber die mächtige Wühl-Karte fügt sich dermaßen nahtlos ins Deckkonzept ein, dass man sie selbstverständlich gerne mitnimmt. Billige Spontanzauber und Hexereien wie Antizipieren, Wilder Hieb und Rösten füllen bereits früh im Spiel den eigenen Friedhof und schaffen so die Grundlage dafür, dass man meist nicht mehr als zwei bis vier Mana für In den Zeiten wühlen zu bezahlen braucht. Tatsächlich ist die Anwesenheit von Blutbeflecktes Schlammloch, Verschmutztes Delta, Bewaldeter Gebirgsausläufer und Gefluteter Strand sogar ausschließlich dadurch motiviert, dass man gerne so viele Friedhofskarten wie möglich zum Wühlen haben möchte!

Die Drachen von Tarkir sind im Standard angekommen und haben sogleich unter Beweis gestellt, wie viel sie zur Konstruktion eines Kontroll-Aggro-Decks beitragen können. Vielleicht erobern die feuerspeienden Flugechsen bald auch andere Decktypen – was meint ihr?

Blau-rote Drachen von Jeff Hoogland

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