ELDRAZI ÜBERALL

Veröffentlicht in Deck Check on 11. Februar 2016

Von Tobi Henke

Im Vorfeld der Pro Tour waren die Eldrazi bereits Gesprächsthema Nummer 1, nicht zuletzt auch in der vorigen Ausgabe vom Deck Check. Oft entpuppen sich derartige Vorschusslorbeeren im Nachhinein dann allerdings als übertrieben. Die Realität hält nicht, was der Hype verspricht. Nicht so in diesem Fall.

Tatsächlich räumten Realitätsbrecher und seine Kollegen bei der Pro Tour so ziemlich alles ab: Preise, Trophäen, Pro-Punkte und Gegner, die sich dem Eldrazi-Ansturm leichtsinnigerweise in den Weg zu stellen wagten. So wurden nahezu alle anderen Decks auf Plätze außerhalb des Rampenlichts verwiesen. In der Top 8 belegten Eldrazi satte sechs der acht Positionen. Modern, sonst bekannt für seine Deckartenvielfalt, wurde von der farblosen Bedrohung förmlich überrannt. Ironischerweise waren es ausgerechnet die ihrerseits farblosen Artefaktkreaturen zweier Affinitätsdecks, die den Eldrazi bis zuletzt, das heißt bis zum Viertelfinale respektive Halbfinale, die Stirn boten.

Jedoch bildeten die fraglichen Eldrazi-Decks mitnichten eine einheitliche Front und unterschieden sich auch deutlich von den im Vorfeld hoch gehandelten Designs. Jiachen Tao gewann das Turnier letzten Endes mit einem Konstrukt, welches blaues und rotes Mana für solch unerwartete Karten wie Eldrazi-Himmelsbrüter und Verderbte Anhäufung nutzte. Ein weiteres Exemplar desselben Decks schied bereits im Viertelfinale aus. Ebenso erging es einer blau-schwarzen Variante, die auf Reliquie von Progenitus und Scharrende Klauen setzte, um Exilkarten per Ödnis-Würger und Fäulnishirte weiterzuverarbeiten.

Die womöglich beste und definitiv stilsicherste Version jedoch verzichtete fast zur Gänze auf farbige Karten. Drei Spieler landeten mit identischen Decks in der Top 8: die Mitglieder der Hall of Fame Shuhei Nakamura und Luis Scott-Vargas sowie Ivan Floch, seines Zeichens Sieger der Pro Tour Magic 2015, der diesmal im Finale unterlag.

Das Deck dieses Teams zeichnete sich durch schlichte Eleganz und extreme Explosivität aus. Ihre Auswahl an Eldrazi (Eldrazi-Nachahmer, Materie-Umformer, Seher der Gedankenleere, Realitätsbrecher, Der Endlose), beschleunigt durch die üblichen Länder (Eldrazi-Tempel, Das Auge von Ugin) sowie obendrein durch Affen-Geisthelfer, alles im Viererpack, sorgte mitunter für abenteuerlich rasante Eröffnungen. Zum Beispiel: Das Auge von Ugin plus dreimal Eldrazi-Nachahmer im ersten Zug und dann mittels Affen-Geisthelfer und entweder Eldrazi-Tempel oder Urborg, Grab von Yawgmoth ein Realitätsbrecher im zweiten Zug. Angriff für 20. Nicht unbedingt wahrscheinlich, aber durchaus im Bereich des realistisch Möglichen. Gruselig.

Defensivmaßnahmen beschränkten sich derweil auf ein Mindestmaß an ausgewählten Werkzeugen mit möglichst großem Wirkungsradius. Zergliedern etwa beseitigt die allermeisten der gängigen Kreaturen. Viele andere Strategien im Format basieren außerdem auf besonders günstigen Zaubersprüchen und deshalb machten Knarrenbombe und vor allem der Kelch der Leere eine gute Figur, welcher ohne, aber auch mit einer Ladungsmarken im ersten Zug gespielt werden kann.

Zudem konnte das Deck mit einer unübertroffen hohen Zahl an Ländern mit Zweitnutzen punkten. Das Auge von Ugin bedingt durch seinen Legendenstatus nämlich die Notwendigkeit, relativ viele Länder im Deck zu haben. Da ist es späterhin natürlich von Vorteil, wenn etliche davon Geisterviertel, Ändergewölbe oder Blinkmotten-Nexus heißen. Dass es trotzdem noch Ödnis in die Liste geschafft hat, anstelle von nützlichen Alternativen wie Seelengewölbe, ist gerade gegnerischem Geisterviertel geschuldet.

Modern-Eldrazi von Ivan Floch

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Doch wie sieht es im Standard aus? Normalerweise spielen Karten, die Modern aufmischen, im kleineren Format eine umso größere Rolle. Leider fehlen im Standard speziell die Länder, die die Eldrazi im Modern so gefahrlich machen. Wobei Überreste von Oran-Rief und Trümmerfeld von Seetor auch nicht schlecht sind. Und Materie-Umformer, Seher der Gedankenleere und Realitätsbrecher sind freilich selbst dann noch gute Karten, wenn man ihre Spruchkosten auf herkömmliche Weise durchs Tappen von drei, vier oder funf Ländern bezahlt …

Standard-Eldrazi von Luis Scott-Vargas

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