Feuer und Flamme

Veröffentlicht in Deck Check on 6. August 2015

Von Tobi Henke

Am vergangenen Wochenende kamen die besten Magic-Spieler der Welt im kanadischen Vancouver zusammen, um im Rahmen der Pro Tour Magic Ursprünge ihre neuesten Standardkreationen zu präsentieren und gegeneinander antreten zu lassen. Im Vorfeld waren Goblins noch hoch gehandelt worden, im Verlauf des Turniers setzten sich dann allerdings immer mehr rote Decks an die Spitze des Feldes, die auf Goblins ganz und gar verzichteten.

Während Goblins weitestgehend durch Abwesenheit glänzten, platzierten sich letztlich dann sogar drei aggressive rote Decks unter den besten Acht und Joel Larsson pilotierte seine Version schließlich auch zum Gesamtsieg. Die drei Decks in der Top 8 glichen sich bis auf wenige Details und bildeten eine der großen Erfolgsgeschichten des Wochenendes.

Wie kompromisslos offensiv das Deck ausgerichtet ist, zeigt sich bereits bei der Auswahl der Kreaturen. Zurgo Glockenläuter und Flammenschlürfender Satyr bilden zusammen mit Kloster-Flinkspeer und Blitzberserkerin die Vorhut. Alle vier sind weder für ihre Langlebigkeit oder Ausdauer noch für ihre Stärke im Kampf Kreatur gegen Kreatur bekannt. Sie alle sehen es viel lieber, wenn man ihnen den Weg notfalls mit einer geballten Ladung Feuerkraft freischießt. Kloster-Flinkspeer profitiert davon sogar doppelt.

Und tatsächlich verfügt das Deck über mehr als genug Feuerkraft, um sämtliche frühe Blocker aus dem Weg zu räumen. Das ist durchaus buchstäblich zu verstehen, denn es finden sich quasi immer noch mehr Brandzauber. Feuriger Impuls sowie Sengendes Blut werden auf feindliche Kreaturen verfeuert, vielleicht auch Wilder Hieb und Blitzeinschlag, aber damit sind die Brennstoffvorräte längst nicht erschöpft. Das Feuer anfachen und Überragende Feuerkunst kommen noch hinzu und werden in der Regel eingesetzt, um dem Gegner selbst einzuheizen.

Da bleiben locker einmal acht, elf, dreizehn oder mehr Lebenspunkte auf der Strecke und entsprechend laufen Spiele mit dem Deck des Öfteren so ab, dass der erste Kreaturenansturm lediglich einen kleinen Teil der gegnerischen Lebenspunkte abbaut. Den Rest erledigt dann die Feuerwalze. Dabei helfen je nach Bedarf auch Eidolon des großen Festes oder Satyr-Feuertänzer aus dem Sideboard, das Eidolon eher gegen weniger aggressive Decks, der Satyr vor allem gegen Decks mit vielen Kreaturen, aber ohne viele eigene Kreaturenzerstörer.

Das letzte wichtige Puzzlestück, welches maßgeblich zum Erfolg des Ganzen beigetragen hat, ist Abt des Keralberg-Klosters. Dieser Neuzugang aus Magic Urspünge ist nicht zu unterschätzen und nicht ohne Grund die einzige Kreatur in der Startaufstellung, für die man bereit ist, zwei Mana zu zahlen. Natürlich ist auch er günstig genug, um sich nahtlos ins Gesamtkonzept einzufügen, und zwischen all den Spontanzaubern und Hexereien brilliert auch er mit Bravour, aber vor allem ist er die einzige Quelle echten Kartenvorteils. Während man ansonsten Kreaturen und Direktschadenssprüche rücksichtslos verheizt, sichert Abt des Keralberg-Klosters, gerade später im Spiel, den Nachschub. Ultraaggressive rote Decks hatten seit jeher das Problem, nach einem anfänglichen Sprint oft auf den letzten Metern schlapp zu machen. Der Abt aktiviert gewissermaßen die letzten Kraftreserven und gibt einem den nötigen Antrieb, um doch noch als Erster über die Ziellinie zu laufen.

Joel Larsson jedenfalls landete nicht nur auf dem Siegertreppchen ganz oben, sondern landete mit seinem Deck auch den Sommerhit des Jahres. Entsprechend ist eine Nachahmung, beim Friday Night Magic oder dem bevorstehenden Game Day, wärmstens empfohlen. Denn was gibt es eigentlich Schöneres an lauen Sommerabenden, als den Grill anzuwerfen und zu brutzeln, was das Zeug hält …?

Joel Larssons rotes Aggrodeck

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