Kehrt Kontrolle zurück?

Veröffentlicht in Deck Check on 15. Januar 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Als Magic 2015 herauskam, ahnten die wenigsten Spieler, dass sich Gefährliches Behältnis von einer Nischenkarte zu der Schlüsselkarte für Kontrollspieler entwickeln würde. Ich jedenfalls war davon überzeugt, dass eine Aktiverung für insgesamt neun Mana dann doch etwas zu teuer für das Standardformat sein würde. Doch die blau-schwarzen Kontrollspieler unter Euch beweisen regelmäßig das Gegenteil, wie zuletzt Andrew Brown mit seinem Sieg beim Grand Prix Denver. Ging es im Standard lange fast ausschließlich um Aggro- und Midrange-Strategien, könnte jetzt der perfekte Zeitpunkt sein, die Kontrollkarten auszupacken. Doch widmen wir uns erst einmal der Gewinnerliste, die Ihr wie immer weiter unten findet.

Blau-Schwarze Kontrolle ist ein Deck, das das Spiel so lange wie möglich herauszögern möchte. Der erste Schritt dorthin ist das Stören des gegnerischen Plans mit Gedankenergreifung und günstigen Neutralisierungszaubern wie Negieren und Auflösen. Im frühen Spiel spielt man diese Karten auf nahezu jedes Ziel aus, um in Punkto Manaeffizienz mithalten zu können. Später im Spiel darf man durchaus etwas wählerischer sein, und auch einmal ein Auflösen für eine große Bedrohung zurückhalten. Sollte es doch einmal eine Kreatur oder ein Planeswalker auf das Spielfeld schaffen, hat man Gallenfäule und Des Helden Untergang, um wieder aufzuräumen. Mit Gallenfäule kann es sich lohnen, darauf zu warten, ob der Gegner eine zweite Kopie einer Kreatur spielt, um sofort Kartenvorteil zu generieren. Üblicherweise tauscht man aber den Großteil seiner Karten 1:1 mit dem Gegner ab, weswegen man auf Extrakarten angewiesen ist. In den Zeiten wühlen und Jaces Findigkeit sorgen hier für Nachschub, und mit Die Zeichen deuten hat Andrew Brown sogar eine Karte im Deck, die ihm bis zu acht Karten zieht!

Art by Sam Burley

Es gibt kaum ein Kontrolldeck, das ohne Massenvernichtung auskommt. Konkret handelt es sich wie eingangs erwähnt um Gefährliches Behältnis. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich halte Gefährliches Behältnis für die am schwersten zu spielende Karte des Decks. Glücklicherweise ist es mindestens so schwer, dagegen zu spielen, so dass auch Euer Gegner vor vergleichbaren Herausforderungen steht. In den wenigsten Fällen wird man bereits für das erste Behältnis Zugriff auf neun Mana haben, so dass man das Artefakt in einem Zug ausspielen, und in einem anderen aktivieren muss. Sehr oft ist es richtig, Gefährliches Behältnis so früh wie möglich zu aktivieren, um den gegnerischen Schaden zu minimieren. Schwierig wird es (für beide Spieler), wenn die Angriffsstärke der gegnerischen Kreaturen so gerade verkraftbar ist: Für den Kontrollspieler ist es eventuell vorteilhaft, das Behältnis nicht schon im gegnerischen Angriff zu aktivieren. Spielt der Gegner danach noch etwas aus, kann man gefährliche Sprüche neutralisieren, oder sich doch noch für eine Aktivierung entscheiden. Alternativ nutzt man aber auch das gewonnene Tempo, um In den Zeiten wühlen oder Jaces Findigkeit zu spielen. So bringt Ihr Eure Gegner in eine Situation, in der sie nur verlieren können: Spielen sie noch etwas, verlieren sie zusätzliche Ressourcen, spielen sie nichts mehr, habt Ihr wertvolle Zeit gewonnen. Passt nur auf, dass euch das Behältnis nicht unerwarteterweise zerstört wird!

Das Gewinnen eines langen Spiels ist für Kontrolldecks meist keine große Herausforderung. Eine nahezu unsterbliche Gewinnoption stellt das Perlensee-Urwesen dar, dass durch seine aktivierte Fähigkeit nicht nur immun vor gegnerische Zerstörungszaubern ist, sondern auch eine Aktivierung von Gefährliches Behältnis überdauert. Ganz wichtig ist die Interaktion zwischen Perlensee-Urwesen und den Ländern Leuchtender Springbrunnen und Tristes Gewässer, mit deren Hilfe man seine Lebenspunkte in einen sicheren Bereich bringen kann.

Kehrt Kontrolle jetzt ins Rampenlicht zurück? Mit Gefährliches Behältnis und so vielen Möglichkeiten, Kartenvorteil zu generieren, freut man sich auf gegnerische Midrange-Strategien. Selbst Decks, die auf Peitsche des Erebos basieren, können nicht damit mithalten, dass ihr Spielfeld mehrfach pro Spiel ins Exil geschickt wird. Es greift hier der alte Grundsatz, dass man immer ein wenig langsamer sein möchte, als die Gegner (oder eben deutlich schneller). Aber wie viele Spieler haben wirklich die Geduld und das Durchhaltevermögen, ganze Turniere mit Blau-Schwarzer Kontrolle durchzustehen? Man muss der richtige Typ sein, um sich hinter Gefährliches Behältnis verschanzen und nur Karten ziehen zu wollen. Von daher mutmaße ich, dass sich die Kontrollspieler auch weiterhin in der Minderheit befinden werden. Was meint ihr, wie sich das Standardformat in dieser Hinsicht weiterentwickelt? Ist Gefährliches Behältnis die Karte, die Euch zum Sieg führt, oder aber die Karte, gegen die Ihr gewinnen müsst?

Blau-Schwarze Kontrolle von Andrew Brown

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