Standard manifestiert sich

Veröffentlicht in Deck Check on 19. März 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

In den letzten Wochen vor Drachen von Tarkir macht das Standardformat rasante Veränderungen durch. Im Deck Check der letzten Woche sah es so aus, als ob Sultai- und Abzan-Kontrolldecks die Decks des Formats seien. Diese enthalten genug Kontrollelemente, um aggressive rote Decks in Schach zu halten, aber auch ausreichend Power, um im späten Spiel mit Strategien um Peitsche des Erebos und Flüsterholz-Elementar mitzuhalten. Zumindest galt das bis vor Kurzem noch!

Diese Woche wurde das Standardformat erneut auf den Kopf gestellt, und zwar dank Beherrschung des Unsichtbaren. Was macht diese Karte so stark? Wir müssen uns nur das Finale des Grand Prix Miami angucken: dort standen sich zwei grün-weiße Hingabe (Devotion) Decks gegenüber. Die Gewinnerliste von Daniel Cecchetti findet Ihr am Ende des Artikels. Auf den ersten Blick dürfte Daniels Deck wie ein klassisches mono-grünes Hingabe Deck wirken, das den Manabonus von Nykthos, Schrein von Nyx, ausnutzt. Zusätzlich spielt Daniel aber vier Exemplare von Beherrschung des Unsichtbaren, und hebt die Stärke seines Decks damit auf ein neues Level. Die Möglichkeit, spontan einige Lebenspunkte zu erhalten, ist eine wertvolle Waffe gegen alle Decks, die das Spiel bevorzugt mit einem lethalen Das Feuer anfachen beenden. Noch wichtiger ist Beherrschung des Unsichtbaren aber in langsameren Matchups: Selbst Wendepunkt des Schicksals und Ugin der Geisterdrache sind langfristig machtlos gegen die Armee manifestierter Karten.

Mit Flüsterholz-Elementar und Beherrschung des Unsichtbaren spielt man zwei der besten Karten zum Manifestieren aus Schmiede des Schicksals. Da manifestierte Karten von der eigenen Bibliothek kommen, ergeben sich einige schöne Kombinationen: Mit Rennerin des Kruphix weiß man immer, welche Karte man manifestieren würde. So kann man steuern, was in der Hand, und was auf dem Spielfeld landet. Die beste Synergie bietet jedoch Temur Säbelzahntiger, mit dem man ungewollt manifestierte Karten zurück in die Hand nehmen kann. Im besten Fall handelt es sich dabei um Genesis-Hydra, die man ab dann jede Runde für mehr und mehr Mana ausspielen kann. Mit der Hydra findet man außerdem schnell die benötigten Schlüsselkarten für jedes Matchup, oder Bannendes Licht für problematische Karten des Gegners.

Der Rest des Maindecks ist eine geradlinige Umsetzung des Hingabe-Themas. Zwölf Manakreaturen erlauben für schnelle Starts, und Reisender Satyr kann sogar Nykthos, Shrine to Nxy, enttappen. Polukranos der Weltenverschlinger ist  eine gute Manasenke um das Spiel zu beenden, kann aber auch früh ausgespielt oder aufgedeckt werden, um den Gegner unter Druck zu setzen.

Beim Grand Prix in Miami hat sich gezeigt, dass man mit diesem Deck relativ einfach in dreistellige Lebenspunktregionen vorstoßen kann. Gegen ein Aggrodeck bedeutet das den nahezu sicheren Sieg, aber was passiert in anderen Matchups? Gegen Kontrolle muss man um Wendepunkt des Schicksals, Ende der Feindseligkeiten und Gefährliches Behältnis herumspielen, dominiert den Gegner aber üblicherweise durch Kartenvorteil. Bleibt nur ein Problem: wenn Ihr und Euer Gegner beide grün-weiße Hingabe Decks mit Beherrschung des Unsichtbaren spielen, starren sich Dutzende 2/2er an, während Ihr auf hunderten Lebenspunkten sitzt. Spätestens seit dem Finale in Miami dürfte also klar sein, dass man einen klaren Plan für das Mirror bereit haben muss. Der extremste Vorschlag, den ich bisher gehört habe, ist ein Phenax, Gott der Täuschung, im Maindeck. Dank Wald-Karyatide und Genesis-Hydra ist es tatsächlich gar nicht so schwer, eine blau-schwarze Karte ins Spiel zu bekommen. Ihr fragt Euch sicher, warum Phenax bereits im Maindeck sein muss, wenn man ihn nur in einem Matchup benötigt. Das liegt daran, dass man in einem Mirror mit Beherrschung des Unsichtbaren bereits in Spiel 1 ins Zeitlimit laufen kann! Wer es etwas weniger ausgefallen mag, darf stattdessen auch gerne eine Nylea, Göttin der Jagd, ausprobieren.

Grün-weiße Hingabe ist das Deck der Stunde, und hat Daniel Cecchetti eine Grand Prix Trophäe beschert. Wie wird sich das Standardformat in Anbetracht dieser neuen Bedrohung anpassen? Oder müssen wir auf Drachen von Tarkir warten, bis jemand Beherrschung des Unsichtbaren vom Thron stößt? Ich bin gespannt!

G/W Hingabe von Daniel Cecchetti

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