Unendlich gut

Veröffentlicht in Deck Check on 19. Februar 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Endlich kann auch Spanien einen Pro Tour Sieger vorweisen: Antonio Del Moral León gewinnt die Pro Tour Schmiede des Schicksals in Washington, D.C. In einem Modern-Feld, das von Abzan- und Burn-Strategien geprägt war, setzte er sich mit einer blau-roten Splinter Twin Deckliste durch, ein Kombodeck, das nach seiner Schlüsselkarte Zwillingsspreißel benannt ist. Bei seiner Deckwahl wandert Antonio in den Spuren des Italieners Samuele Estratti und des Deutschen Patrick Dickmann, die beide bereits große Erfolge mit "Twin" vorweisen konnten. Seine Gewinnerliste findet Ihr wie immer am Ende des Artikels.

Der Hauptplan, den man mit Antonios Deck verfolgt, ist Zwillingsspreißel auf Täuscher-Exarch oder Triezknilch zu legen. Gelingt Euch das, könnt Ihr Eure Kreatur tappen, um eine ungetappte Kopie zu erhalten. Was unter normalen Umständen noch halbwegs fair wäre, läuft jetzt völlig aus dem Ruder: Die Kopie betritt das Spielfeld, und enttappt das Original. Das bedeutet aber, dass man eine weitere Kopie anfertigen kann! Auf diese Weise könnt Ihr Euch beliebig viele Kreaturen mit Eile erzeugen. Und keine Sorge, es reicht, wenn man die gewünschte Anzahl ansagt, nachdem man die Prozedur einmal vorgeführt hat. In den meisten Fällen sollten ein paar Millionen Feen oder Kleriker ausreichen, es dürfen aber auch mehr sein.

Splinter Twin | Art by Goran Josic

Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, warum man nicht einfach unendlich viele Kopien erstellt. Das verbietet leider das offizielle Regelwerk. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass man zum Beispiel mit der oben beschriebenen Kombo noch gegen jemanden gewinnen kann, der im Zug zuvor einen beliebig hohen Lebenspunktestand erreicht hat - beliebig hoch ist eben nicht unendlich. In den meisten Fällen macht es jedoch glücklicherweise keinen Unterschied. Wusstet Ihr, dass es im Magic offiziell keine Unendlichkeit gibt?

Nach den Bannings von Lohnende Ausfahrt, In den Zeiten wühlen und Gebärhalterung hat Antonio nicht versucht, das Rad neu zu erfinden, sondern hat zu einem altbewährten Deck gegriffen. Man muss sich einmal klarmachen, dass U/R Twin bereits vor vier Jahren eine Pro Tour gewonnen hat und seitdem alle Bannings überstanden hat. Wie man sieht, ist das Deck auch ohne In Betracht ziehen, Vorherbestimmen und In den Zeiten wühlen eine echte Bedrohung. Das Modern-Format wird oft als "Zug-4"-Format beschrieben. Das soll aussagen, dass sowohl Aggro- als auch Kombodecks im Schnitt im vierten Zug gewinnen können. Es gibt Kombodecks die mit Amulett der Energie oder Aufstieg des Feuerkundlers durchaus noch schneller sein können, aber darunter leidet üblicherweise die Konstanz. Das besondere an Twin ist, dass man dem Gegner im dritten Zug ein Land wegtappen kann, um dessen Interaktionsmöglichkeiten einzuschränken. Das macht Twin sozusagen zu einem "Zug-3,5"-Deck!

Falls der Gegner doch einmal etwas gegen die eigene Kombo unternimmt, hat man mit Bannzauber, Zauberschlinge und Zurückverweisen gute Antworten parat. Problematisch ist es, wenn man gegen Abrupter Verfall spielt. Dann muss man sich oft auf ein längeres Tempospiel einlassen, das Patrick Dickmann so eindrucksvoll beim Grand Prix Antwerpen und der Pro Tour Kinder der Götter zelebrierte. Nach dem Sideboarden hilft dagegen Zaubermissachter, und wenn Ihr viele Abrupter Verfall erwartet, ist auch Mizziumhaut eine Überlegung wert. Was mir an Antonios Sideboard gut gefällt, ist Keranos, Gott der Stürme, um ein Kontrollspiel zu spielen, und Blutmond, um gewisse Gegner komplett aus dem Spiel zu nehmen. Ich frage mich aber, warum er nur ein Uralter Groll spielt. Lohnt sich das Stampfgelände dafür wirklich?

Antonio Del Moral León hat Zwillingsspreißel mit Triezknilch und Täuscher-Exarch kombiniert, und damit die erste Pro Tour Trophäe nach Spanien geholt. Es scheint fast so, als hätten die Europäer ein besonders gutes Händchen, wenn es Richtung Unendlichkeit geht. Was haltet Ihr von diesem Erfolgsrezept? Spielt Ihr lieber fair oder brecht Ihr die Magic-Regeln mit Euren eigenen Kombos?

Splinter Twin von Antonio Del Moral Leon

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