Vielfalt frisch von der Pro Tour

Veröffentlicht in Deck Check on 28. April 2016

Von Tobi Henke

378 der besten Magic-Spieler der Welt waren in der vergangegen Woche in Madrid zur Pro Tour Schatten über Innistrad zusammengekommen, um sich im Draft und vor allem im Standard zu messen.

Am Ende des Turniers setzte sich der US-Amerikaner Steve Rubin mit einem grün-weißen Spielsteinkreaturendeck durch, besiegte im Finale den Italiener Andrea Mengucci und dessen grün-weiß-blaues Deck rund um Truppensammlung. Zuvor hatten beide im Halbfinale zwei sehr unterschiedliche weiß-blau-schwarze Kontrolldecks geschlagen, eines mit diversen Planeswalker-Karten (Narset die Erleuchtete, Jace, Enträtsler der Geheimnisse, Sorin, Grimmige Nemesis, Ob Nixilis der Wiederentflammte) und ein anderes mit Drachen (Drachenfürst Ojutai, Drachenfürst Silumgar). Heute befassen wir uns allerdings mit keinem dieser Decks.

Stattdessen werfen wir einen Blick auf die anderen vier Decks, die es in die Top 8 geschafft haben. Während die vorgenannten Strategien im Kern nämlich alle schon einmal aufgetaucht waren, handelte es sich beim Rest um absolute Neuentwicklungen, völlig verschiedene noch dazu! Insgesamt wurden die acht Spitzenplätze also tatsächlich von acht unterschiedlichen Decks belegt, ein Beweis für die atemberaubende Artenvielfalt im neuen Standard.

Die wohl berümtesten Spieler in dieser Top 8, Jon Finkel und Luis Scott-Vargas, erreichten das Viertelfinale zwar beide mit Schwarz-Grün, doch ihre Listen hätten kaum weniger gemeinsam haben können.

Scott-Vargas' aggressives Deck setzte darauf, möglichst schnell möglichst viele Kreaturen aufs Feld zu bringen und dann Profit aus deren Ableben zu schlagen: Blasenkokon, Elfischer Visionär und Katakomben-Durchkämmer bildeten eine Basis bereitwilliger Opfer. Nantukohülle und Abtei im Westtal stellten die Altäre dar, auf denen geopfert wurde. Zulaport-Mordgeselle, Liliana, die ketzerische Heilerin und noch einmal Katakomben-Durchkämmer brachten nützliche Fähigkeiten mit, die jeweils durch solches Opfern ausgelöst wurden. Das alles, auch im Verbund mit Truppensammlung, war jetzt freilich keine neue Idee (siehe: http://magic.wizards.com/de/articles/archive/deck-check/alles-verneigt-s...).

Neu und letztlich das, was diese Version herausragen ließ, war die Verwendung von Lehmdryade, Kryptolith-Ritus und Anwerber der Dämmerwache. Vor allem mit dem Ritus ließ sich mitunter abenteuerlich viel Extramana generieren und die aktivierte Fähigkeit vom Anwerber bot eine willkommene Verwendungsmöglichkeit für all dieses Mana. Scott-Vargas selbst berichtete davon, wie es ihm dank Kryptolith-Ritus möglich war, Anwerber der Dämmerwache dreimal im selben Zug zu aktivieren, diesen zu Heuler der Krallenhorde zu transformieren und mit dessen Hilfe im Folgezug dann vier Kreaturen zu spielen …

Finkels Kontrolldeck dagegen enthielt fast gar keine Kreaturen und setzte zur Verteidigung auf Massen von Zerstörungssprüchen und eine Handvoll Abwurfzauber. Aus den Knochen lesen, Finsteres Gesuch, Nissas Erneuerung und Verstrichene Jahre bildeten derweil den Motor des Decks. Spiele endeten üblicherweise, wenn Finkel zum zweiten Mal Verstrichene Jahre wirkte, weil Gegner in Anbetracht seiner überlegenen Position dann einfach aufgaben.

Luis Scott-Vargas' Truppensammlung

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Jon Finkels Verstrichene Jahre

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Das Paket aus Unterwassergrab-Tempel, Magmatische Einsicht, Quälende Stimme, Schutzbrille der Pyromagierin und Fall der Titanen war im Vorfeld der Pro Tour ebenfalls keine Unbekannte gewesen (siehe: http://magic.wizards.com/de/articles/archive/deck-check/das-ding-im-eis-...). In was für einem Deck diese Karten am sinnvollsten eine Heimat finden sollten, war indes unklar.

Brad Nelson und Luis Salvatto gaben mit ihrem Viertelfinaleinzug zu dieser Frage zwei gleichermaßen überzeugende und dennoch gänzlich verschiedene Antworten.

Der eine pilotierte ein rot-grünes Rampdeck, welches an etlichen Stellen natürliche Synergien mit den vorgenannten Karten aufwies. Zum Beispiel Nissas Pilgerreise mit den ganzen Hexereien und Spontanzaubern, Weltenbrecher mit Unterwassergrab-Tempel oder schlicht Fall der Titanen mit sehr viel Mana.

Der andere erkannte, dass mittelgroße Kreaturen gut dazu passten und schickte ein Eldrazi-Kontingent bestehend aus Eldrazi-Verdränger, Materie-Umformer und Seher der Gedankenleere ins Rennen.

Hier wie da, bei den schwarz-grünen ebenso wie bei den Decks mit Schutzbrille der Pyromagierin, förderte die Pro Tour jedenfalls überraschende erste Erkenntnisse zutage. Das Einzige, was nach diesem vielversprechenden Start in die neue Standardsaison wirklich niemanden zu überraschen braucht, ist, dass da bestimmt noch einiges an weiteren Entwicklungen folgen wird!

Brad Nelsons Schutzbrillen-Ramp

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Luis Salvattos Schutzbrillen-Eldrazi

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