Von Koniferen und Koryphäen

Veröffentlicht in Deck Check on 28. Mai 2015

Von Tobi Henke

Aus gegebenen Anlass beschäftigt sich diese Ausgabe vom Deck Check zur Abwechslung einmal mit einem 40-Karten-Deck! Am vorvergangenen Wochenende fand in Florenz ein Grand Prix im Team-Limited-Format mit knapp 1300 Spielern statt, und dort sicherte sich nicht nur ein Team aus Berlin den Titel, ein weiteres Berliner Team landete auf dem zweiten Platz. Glückwünsche gehen an Rosario Maij, Adrian Rosada und Frank Schäfer sowie an Robin Steinborn, Jasper Grimmer und Amit Cohen!

Das Finale des Grand Prix wurde im Team-Draft-Modus drei gegen drei ausgetragen und dabei entstanden selbstverständlich mehrere interessante Decks. Am allerinteressantesten erschien uns darunter das Draftdeck von Amit Cohen, und deshalb habe ich Amit ein paar Tage nach dem Turnier zum Interview gebeten und ihm noch ein paar Fragen zum Verlauf des Drafts gestellt.

Alles begann natürlich, wie jeder Boosterdraft, mit dem Öffnen einer Boosterpackung des neuesten Sets, in diesem Fall Drachen von Tarkir. „Mein erster Pick war Surrak der Jagdrufer, eine recht einfache Entscheidung“, erinnerte sich Amit. „Damit war eigentlich auch gleich meine erste Farbe klar.“ Weitere grüne Karten folgten, ebenso ein paar weiße und rote. „Ich war mir den ganzen ersten Boosterdurchgang lang nicht sicher, welche weitere Farbe offen sein könnte“, berichtete Amit. „Im zweiten Booster habe ich dann ein paar gute weiße Karten bekommen, unter anderem zweimal Meisterin der gesegneten Klinge.“

Damit war der Grundstein zu einem relativ ungewöhnlichen grün-weißen Deck gelegt. Viele Spieler stehen Verzauberungen zur Verstärkung der eigenen Kreaturen ja eher zwiespältig gegenüber, und das nicht so ganz zu Unrecht. Kreaturen sterben schließlich des Öfteren, auch ungeachtet irgendwelcher Verstärkungen, und dann landet eine Aura eben mit im Friedhof und man erleidet Kartennachteil.

In dieser speziellen Situation lohnte sich der Einsatz allerdings. Nicht nur hatte Amit bereits zweimal Meisterin der gesegneten Klinge eingesammelt, unter seinen Karten aus Drachen von Tarkir fanden sich ebenso zwei Koniferenschreiter. Diese Kreatur wird wegen ihrer geringen Widerstandskraft von vielen gemieden, sie harmoniert allerdings prima mit Gewaltig-Karten und der grün-weißen Schlüsselfähigkeit Kräftigung. Und natürlich ist eine fluchsichere Kreatur, wiederum, ein perfektes Ziel für Auren!

Auren, so wusste Amit, würde es im dritten Booster reichlich geben. Schmiede des Schicksals enthält üblicherweise mehr Runenzeichen, als man sich nur wünschen kann, und das Set enttäuschte auch diesmal nicht. So bekam Amit drei Abzan-Runenzeichen sowie ein Temur-Runenzeichen, welches er letzten Endes nicht einmal benötigte. Trotzdem war Amit mit dem Ergebnis ein bisschen unzufrieden.

„Die Booster waren ziemlich schwach für mich. Ich weiß nicht einmal, warum“, grummelte er. „Ich war der einzige Gründrafter am Tisch und wurde trotzdem nicht belohnt. Am Ende hatte ich ein etwas klobiges Deck mit einigen starken Synergien.“ Würde er rückblickend irgendetwas anders machen? „Ich kann mich an keine wirklich knappe Entscheidung erinnern und ich glaube, dass ich in meiner Position einfach das Beste aus dem Draft herausgeholt habe“, sagte Amit. „Wenn ich den Draft noch einmal wiederholen könnte, hätte ich am Ende wahrscheinlich ein sehr ähnliches Deck.“

„Der Andere Spieleladen“ in Berlin und seine mehrfach wöchentlich stattfindenden Draftturniere stellten übrigens nicht nur im Vorfeld eine gute Trainingsumgebung für Amit da; ebenso war es mir möglich, mich dort mit ein paar Spielern aus seinem näheren Umfeld zu unterhalten und ein paar spannende Details zu erfahren. So mag es vielleicht verwundern, dass Amit erst 2012 überhaupt mit Magic angefangen hatte und nun trotzdem schon zum zweiten Mal in der Top 8 eines Grand Prix gelandet war. Offenbar hatte Amit sich innerhalb kürzester Zeit den Ruf einer absoluten Koryphäe im Draft erarbeitet. „Bei manchen gilt er schlicht als bester Drafter Berlins“, erzählte man mir.

In jedem Fall gehörte er zu den sechs erfolgreichsten Spielern beim Grand Prix in Florenz und auch sein dortiges Finaldraftdeck hatte, bei aller Selbstkritik, eine Menge für sich. So sammelte Amit genau die Karten auf, die andere verschmähten, während seine Mitdrafter sich um die universell hoch angesehenen Karten stritten. Zudem erkannte er die Synergien und Kombinationen, die sich aus diesen Karten ergaben, und verband sie zu einer schlagkräftigen Mischung!

Wer ist eigentlich der beste Drafter in eurer Stadt …?

Amit Cohens grün-weißes Draftdeck, Finale GP Florenz 2015

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