Vorsicht, giftig!

Veröffentlicht in Deck Check on 2. April 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Im heutigen Deck Check geht es um ein Modern-Deck, das seine Schlagkraft dem Narben von Mirrodin-Block zu verdanken hat. Dieser brachte nämlich Kreaturen mit Infizieren (Infect) und damit Giftmarken zurück in die moderne Magic-Welt. Wird eine Kreatur mit Infizieren geblockt, verteilt sie statt Schadenspunkten -1/-1-Marken, und schwächt somit die blockende Kreatur dauerhaft. Bleibt die Kreatur ungeblockt, erhält der Gegner so viele Giftmarken, wie die Kreatur Stärke besitzt. Das ist nicht weiter schlimm, solange man sich im einstelligen Bereich befindet. Die zehnte Giftmarke ist jedoch tödlich und man verliert das Spiel. Damit sind Giftmarken in etwa doppelt so gefährlich wie regulärer Schaden, und jeder Pumpspruch doppelt so effektiv!

Am Ende des Artikels findet Ihr die Infect-Deckliste von Tom Martell, mit dem dieser die Top 8 des Grand Prix Vancouver erreichte. Zuvor hatten einige der besten Spieler der Welt ihre Version des Decks zur Pro Tour Schmiede des Schicksals mitgebracht. Einer der Köpfe hinter dieser Entscheidung war Tom Ross, der sowohl im Modern als auch im Legacy als hervorragender Infect-Spieler gefürchtet ist. Bekannt war dieser Archetyp auch schon vorher, aber die Pro Tour war das erste große Modern-Turnier, bei dem Ins Unermessliche wachsen aus Khane von Tarkir legal war. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie sehr sich Tom Ross über einen +6/+6 Pumpspruch mit Wühlen gefreut hat!

Der Kern des Infect-Decks besteht aus zwölf Kreaturen mit Infizieren: Glitzernde Elfin, Verfaulter Agent, und Tintenmotten-Nexus. Tom spielt zusätzlich noch einen Sekretklauenmyr, der zwar farblos ist, aber im Vergleich zu den anderen Kreaturen deutlich schlechter abschneidet. Toms restliche Kreaturen sind vier Edle Hierarchin und zwei Zaubermissachter. Zaubermissachter dient als Blitzableiter für gegnerische Zerstörungszauber wie Blitzschlag, Weg ins Exil und Abrupter Verfall, und erleichtert das Gewinnen gegen offenes Mana enorm. Edle Hierarchin hingegen ist eine grün-blaue Manaquelle, die über ihre Edelmut-Fähigkeit einen Pumpeffekt bereitstellt. Obwohl sie selbst kein Infizieren besitzt, ist sie eine der Schlüsselkarten des Decks und kaum zu ersetzen. Es gibt übrigens noch eine Manaquelle mit einer Doppelrolle, und zwar Pendelhaven - obwohl dieser legendär ist, nimmt man weitere gratis-Pumpeffekte gerne mit.

Bei den Pumpsprüchen geht es darum, den maximalen Effekt für minimales Mana herauszuholen. Macht des alten Krosa macht vier Extraschaden für ein Mana, was mit Ranken des Riesenholzes schon zwei Mana kostet. Bei Ins Unermessliche wachsen hängen die Kosten vom eigenen Friedhof ab - dass man mehr als zwei Mana bezahlt, ist aber äußerst selten. Nahezu gratis ist Mutagenes Wachstum, das man über phyrexianisches Mana auch spielen kann, wenn man ausgetappt ist. Schlagverzerrung ist insbesondere auf Glitzernde Elfin hervorragend geeignet, um an Blockern vorbei zu kommen. Die Abprall-Fähigkeit aus Aufstieg der Eldrazi, mit der man einen Spruch doppelt spielen kann, habt Ihr ja vielleicht auch beim Drachen von Tarkir Prerelease ausprobieren können.

Zu guter Letzt spielt Tom in seinem Maindeck noch zwei Wilder Widerstand. Offenbar synergiert die Verzauberung mit all seinen Pumpsprüchen, und ganz besonders mit Schlagverzerrung. Wenn Ihr Euch Wilder Widerstand aber aufmerksam durchlest, werdet Ihr feststellen, dass der Effekt auch für gegnerische Zaubersprüche gilt. Wenn es um Modern geht, kommt man um die Effizienz von Blitzschlag nicht herum, und auch Karten wie Elektrolysieren sind für Infect-Magier ziemlich angsteinflößend. Wilder Widerstand löst all diese Probleme auf einen Schlag!

Im Sideboard finden wir weitere Zaubermissachter und Wilder Widerstand, die gegen Decks mit viel Removal nötig sind. Denkt daran, dass Zaubermissachter außerdem Hexproof Aura oder Splinter Twin (Zwillingsspreißel) Decks fast alleine ausschaltet! Das gilt leider auch für das eigene Deck, was drei Kopien von Verzerrtes Ebenbild rechtfertigt. Besonders gut gefallen mir Anlockung durch Aas und Laube der Dryaden in Toms Sideboard. Mit Anlockung durch Aas überrumpelt man Kontrolldecks aus dem Nichts, und kann noch besser gegen Massenvernichtungswaffen wie Oberster Richtspruch bestehen. Laube der Dryaden hingegen hat den einzigen Zweck, sich gegen Liliana mit Schleier oder andere Edikt-Effekte schützend vor die eigenen Kreaturen zu werfen. Mit neun Fetchländern für Wälder solltet Ihr die Laube der Dryaden problemlos finden können, wenn Ihr sie braucht.

Modern ist ein äußerst diverses Format, das mit Infect und Affinity höchst explosive Kreaturen-Kombodecks enthält. Das besondere an Infect ist, dass es den Gegner vom ersten Zug an in Angst und Bange versetzt. Solange Ihr eine Kreatur mit Infizieren im Spiel habt, fühlt sich niemand sicher! Wer hätte gedacht, dass bis zehn zählen so viel Spaß machen kann?

Infect von Tom Martell

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