Wilde Tiere

Veröffentlicht in Deck Check on 5. März 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

In den letzten Wochen haben wir uns im Deck Check ausschließlich mit Decks von Turnieren auf der ganzen Welt beschäftigt. Zur Abwechslung gibt es heute ein Modern-Deck, das auf Magic Online erfolgreich war. Der Spieler mit dem Alias __matsugan hat ein hyper-aggressives Zoo-Deck gebaut, das dank phyrexianischem Mana und Wühlen eine extrem niedrige Manakurve besitzt. Die Deckliste findet Ihr am Ende des Artikels.

Der Hauptplan des heutigen Decks besteht aus effizienten ein-Mana Kreaturen in Kombination mit Ins Unermessliche wachsen und Temur-Kampfwut. Ein Wilder Nacatl wird dadurch zu einer 9/9 Kreatur mit Doppelschlag und Trampelschaden! Ins Unermessliche wachsen belohnt uns dafür, viele Karten in den Friedhof zu befördern. Das geht einerseits mit 13 Fetchländern, andererseits mit günstigen Zaubersprüchen. Keine Überraschung ist es daher, dass man Mutagenes Wachstum und Gitaxianer-Sonde in diesem Deck spielt. Aber Mana sparen zu können, ist so wichtig, dass sogar Straßenwraith und Mishras Brosche mitspielen dürfen.

Ihr fragt euch sicher spätestens jetzt, wie stark die eigenen Lebenspunkte unter Druck geraten. Jedes Fetchland kann nur eins von vier Doppelländern finden, was einige Leben kosten wird. Zusätzlich zahlt man zwei Lebenspunkte pro phyrexianischem Mana und für die Umwandlung des Straßenwraith. Wie kompensiert man diese verlorenen Lebenspunkte - vielleicht mit Lightning Helix? Nein, man nutzt sie zum eigenen Vorteil. Die Maximierung von Ins Unermessliche wachsen führt dazu, dass wir sehr viel Leben verlieren, und Temur-Kampfwut freut sich über starke Kreaturen. Das macht dieses Deck zur perfekten Heimat für Schatten des Todes. Dieser kann erst überleben, wenn man auf zwölf oder weniger Lebenspunkten ist. Mit diesem Deck kann man ihn ohne Zutun des Gegners jedoch auf zweistellige Stärke anwachsen lassen.

Der Rest des Decks besteht aus Karten, die man auch in klassischen Zoo-Decks findet: Wilder Nacatl, Steppenluchs, Kloster-Flinkspeer und Blitzschlag. Dadurch ist man nicht nur vierfarbig, sondern hat genau eine Kreatur pro Farbe. Wir müssen also vorsichtig sein, wenn wir uns Doppelländer aus dem Deck suchen. Welches Mana brauche ich diesen Zug, welches im nächsten? Es mag übertrieben wirken, nur vier echte Länder zu spielen, aber mehr als vier Mana will bzw. kann man mit diesem Deck ohnehin schwer ausgeben. Ärgerlich ist jedoch, wenn man für Steppenluchs keine weiteren Länder mehr findet. Ich empfehle, das Spiel beendet zu haben, bevor solche Überlegungen relevant werden.

Im Modern-Format gibt es sehr viele unterschiedliche Decks, und diese unterscheiden sich sehr darin, wie stark sie unsere Lebenspunkte unter Druck setzen. Gegen die meisten Kontroll- und Kombodecks kann man sich problemlos auf einstellige Lebenspunkte begeben. Gegen Abzan mit Belagerungsnashorn sollte man schon vorsichtiger sein, und gegen Burn-Decks mit Lavastachel ist das Bezahlen von Lebenspunkten sicher keine so gute Idee. Je nach Matchup muss man also entscheiden, wie aggressiv man vorgehen kann.

Als ich das Maindeck gesehen habe, war ich sehr gespannt, wie man mit dem Burn-Matchup umgeht. Karten wie Drachenklaue und Timely Reinforcement sind gut geeignet, synergieren aber nicht gerade mit Schatten des Todes. Aber __matsugan hat für dieses Problem eine geradezu geniale Antwort: Phyrexianisches Unleben. Mit dieser Verzauberung braucht der Gegner zehn zusätzliche Schaden, um uns zu besigen. Gleichzeitig steigen unsere Lebenspunkte aber nicht an (im Gegenteil), was riesige Schatten des Todes ermöglicht. Warum ein paar Lebenspunkte erhalten, wenn man sich in die Arme der Phyrexianer begeben kann? Zugegeben, ein paar unangenehme Nebenwirkungen fallen mir ein, aber zumindest zum Gewinnen von Spielen dürfte es förderlich sein.

Der Rest des Sideboards besteht aus den ein-Mana Antworten Forderung der Natur und Gedankenergreifung sowie einer weiteren Karte mit Wühlen: Kreischende Mandrille. Zuerst habe ich mich gefragt, ob man nicht stattdessen Tasigur, der goldene Giftzahn spielen möchte, da er 4/5 ist. Mit dieser Manabasis und unserem Spielplan ist es aber ziemlich utopisch, Tasigur jemals sinnvoll zu aktivieren. Das macht den Trampelschaden von Kreischende Mandrille wertvoller als Tasigur, vor allem wenn man Ins Unermessliche wachsen möchte.

Das Kampfwut Zoo Deck von __matsugan greift das Modern-Format von einem innovativen Winkel an. Die Strategie um Ins Unermessliche wachsen, Temur-Kampfwut und Schatten des Todes ist konsequent umgesetzt und ermöglicht wahnsinnige Spielzüge. Ist das so viele eigene Lebenspunkte wert? Oder ist der Preis zu hoch? Wer traut sich, es herauszufinden?

Kampfwut Zoo von __matsugan

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