Der Alte und Neue Weltmeister: Shahar Shenhar mit Sidisi Whip

Veröffentlicht in Artikel on 12. Dezember 2014

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Zwanzig Jahre nach der ersten Magic-Weltmeisterschaft im Jahre 1994 fand am letzten Wochenende die 21. Magic-Weltmeisterschaft in Nizza statt. Die zwei erfolgreichsten Spieler der Geschichte krönten ihre jeweilige Karriere mit Weltmeistertiteln, Kai Budde im Jahre 1999 und Jon Finkel im Folgejahr. Keinem der beidem, noch einem der anderen Weltmeister, war es jedoch möglich, diesen Erfolg zu wiederholen.

Der Israeli Shahar Shenhar gewann im August 2013 als jüngster Teilnehmer des Wettbewerbs den Titel. Als amtierender Meister reiste der inzwischen 21-jährige dieses Jahr an die Côte d'Azur, um einen Titel zu verteidigen, den noch nie jemand zweimal gewonnen, geschweige denn verteidigt hatte. Mit seinen Familien- und Teammitgliedern im Rücken -- und Bruttyrannin Sidisi an seiner Seite -- schrieb er letzten Sonntag Geschichte, als er Patrick Chapin im Finale keine Chance lies.

Sidisi, Brood Tyrant | Art by Karl Kopinski

Für den Standardteil der Weltmeisterschaft entschied sich Shenhar für eine Sultai-Strategie, deren wichtigste Karten Bruttyrannin Sidisi und Peitsche des Erebos (Whip of Erebos) sind. Ziel des Sidisi Whip Decks ist es, den eigenen Friedhof so weit zu füllen, dass jede Aktivierung der Peitsche des Erebos den Gegner weiter zurückwirft. Für diesen Zweck sind Sidisi und Hornissenkönigin am besten geeignet, da beide Kreaturenspielsteine zurücklassen, wenn sie von der Peitsche des Erebos am Ende des Zuges ins Exil geschickt werden. Insbesondere für die fliegende Armee von Insekten mit Todesberührung haben viele Decks keine Antwort.

Praktischerweise füllt Bruttyrannin Sidisi nebenbei den eigenen Friedhof mit lohnenswerten Zielen für die Peitschen-Reanimation. Dabei behilflich ist Satyr-Pfadfinder, der gleichzeitig für konstantes und zusätzliches Mana sorgt. Im seltenen Fall, dass man auf diese Weise keine Kreaturen in den Friedhof befördert, ist dadurch das reguläre Ausspielen von Karten wie Seele von Innistrad und Hornissenkönigin nicht nur machbar, sondern ein vielversprechender Plan B. Die unwichtigeren Karten des Friedhofs reduzieren außerdem die Manakosten von Mörderischer Schnitt. Es scheint, als käme man um die Wühlen-Mechanik weder im Standard noch im Modern herum.

Mit zwei Kopien von Gigant der Verdammnis hat Shenhar Zugriff auf eine Karte, die Probleme mit kleinen gegnerischen Angreifern löst, seien es die frühen Kreaturen eines Aggrodecks, oder gegnerische Insektenspielsteine. Die Tatsache, dass Rennerin des Kruphix eine Verzauberungskreatur ist, erhöht den Nutzen der Konstellation-Mechanik weiter. Gegen langsamere Decks, oftmals grüne mit Rennerin des Kruphix, haben sich Shenhar und sein Team für die Weltmeisterschaft die Unterstützung von Ashiok der Albtraumweber gesichert. Speziell wenn zwei Decks mit Peitsche des Erebos aufeinandertreffen, können Spiele so lang dauern, dass das Erschöpfen der gegnerischen Bibliothek eine legitime Gewinnoption darstellt.

Das Sideboard dieses Sidisi Whip Decks hat viele zusätzliche Karten gegen langsame Strategien, gegen Aggrodecks findet man nur 3 Gallenfäule und 1 Im Leid ertrinken. Mit 2 Sultai-Amulett und 2 Weise der Renaturierung ist man besonders gut gegen gegnerische Verzauberungen wie Peitsche des Erebos und Rennerin des Kruphix gerüstet, kann aber auch Gefährliches Behältnis gegnerischer U/B Kontrolldecks überraschend loswerden. Da man sich im Laufe des Spiels nahezu durch sein gesamtes Deck durcharbeiten kann, ist außerdem sichergestellt, dass man früher oder später Weise der Renaturierung reanimieren kann.

Falls Shenhars Sieg in euch die Lust geweckt hat, dieses Deck ebenfalls auszuprobieren, müsst ihr bedenken, dass er bei der Weltmeisterschaft nur 23 Wettbewerber hatte, die sich in ein paar wenige Testteams organisiert hatten. Seine turniergewinnende Deckliste ist auf diese speziellen Umstände zugeschnitten. Wenn ihr also im Gegensatz zu Shenhar erwartet, gegen viele aggressive Decks zu spielen, sollte man das Sideboard sowie Karten wie Ashiok der Albtraumweber zumindest überdenken.

Sidisi Whip von Shahar Shenhar, World Champion 2014

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