Gegner im Laservisier

Veröffentlicht in Feature on 7. September 2016

Von Adam Styborski

Stybs has played Magic the world over, writing and drafting as part of the event coverage team and slinging Commander everywhere his decks will fit.

Jeder findet es toll, Magic-Partien auf besonders schräge Weise zu gewinnen. Die meisten Möglichkeiten dazu sind im kompetitiven Spiel zwar nicht sonderlich stark, aber Geschichten über die Spiralfiale, den Öden Ruhm, Azors Verleser, den Felidar-Herrscher und andere Vertreter ihrer Art machen dennoch immer wieder die Runde in Läden und an Spieltischen. Die berühmteste Anekdote war in den vergangenen Jahren sicherlich die über die Tür ins Nichts, die 2012 knapp den Einzug in die Top 8 beim Grand Prix in Charleston verpasst hat.

Alle davon funktionieren zwar im Commander, doch es gibt auch sonst noch ein paar Optionen, mit denen es in einem großen Mehrspielerformat leichter wird, den Sieg davonzutragen. Ich habe mit dem Ansatz experimentiert, Episches Streiten in mein Rhys der Rehabilitierte-Deck zu nehmen, denn manchmal kann ich mit meiner riesigen Streitmacht nicht angreifen, um so den Sieg einzuheimsen. Ich habe auch schon Partien gegen das Duo aus Nachtstahl-Schmiede und Tyrannischem Höllendrachen verloren. Kaladesh ist voll von fantastischen Erfindungen, und wer auch immer die heutige Preview-Karte erschaffen hat, hatte dabei ganz klar Spieler im Sinn, die mit 40 oder mehr Lebenspunkten anfangen.

Ich darf vorstellen: das Ätherstrom-Reservoir (bald auch in einem Commander-Lifegain-Deck in eurer Nähe):

Das Aufladen der Waffe

Das Ätherstrom-Reservoir ist eine Karte, die zwei einfache Fragen stellt: Hast du mehr als 50 Lebenspunkte? Wenn ja, willst du einen Spieler aus der laufenden Partie werfen?

Die besten alternativen Siegbedingungen beruhen auf derart einfachen Fragen. Die Tür ins Nichts fragt nach einem doppelten Regenbogen aus Mana. Auf Leben und Tod fragt nach einem gut bestückten Friedhof. Und die Ausdauerprüfung fragt, ob man mehr als 50 Lebenspunkte hat.

(Profi-Tipp: Wenn ihr das Ätherstrom-Reservoir toll findet, ist die Ausdauerprüfung auch was für euch. Einzelheiten erfragt ihr am besten bei eurem örtlichen Store.)

Das Aufladen des Ätherstrom-Reservoirs braucht einiges an Vorbereitung. Es reicht nicht, nur 50 Lebenspunkte zu haben (denn dann bezahlt ihr die Kosten und verliert, weil ihr bei 0 Lebenspunkten seid, sobald der Effekt verrechnet und vom Stapel genommen wird). Mit einem empfindlich niedrigen Stand an Lebenspunkten aus der Sache rauszugehen, ist auch nicht gerade ideal.

Wie also läuft die Sache denn nun? Ganz einfach: Wir töten Batman. Wir planen ein Deck, durch das man ein paar Lebenspunkte hinzugewinnt. Mit Dank an die Online-Deckbauer Wulle123 und mags387 ist dies das Deck, in dem ich das Ätherstrom-Reservoir spielen würde:

Stybs‘ Karlov vom Rat der Geister-Commander

Download Arena Decklist
COMMANDER: Karlov vom Rat der Geister
99 Karten

Befassen wir uns zunächst damit, was es bedeutet, mit dem Ätherstrom-Reservoir zu bauen.

1. Das Ansammeln von größeren Mengen an Lebenspunkten ist im Commander ein zweischneidiges Schwert

Es ist leicht, Lebenspunkte zu bekommen. Der Zugewinn beachtlicher Mengen an Lebenspunkten – etwa durch den Himmlischer Mantel oder den Leitstern der Unsterblichkeit (den ich lieber mag) – erregt allerdings oft Aufmerksamkeit. Es wirkt reichlich verdächtig, wenn man versucht, tonnenweise Lebenspunkte zu bekommen, anstatt – sagen wir mal – Kreaturen ins Spiel zu bringen.

Es fällt häufig weniger auf, wenn man dank Dingen wie dem Vampir-Nachtschwärmer, dem Makellosen Talisman und dem Todesbegrüßer quasi im Vorbeigehen Leben erhält. Es ist zwar schwerer, die kritische Masse für das Ätherstrom-Reservoir anzusammeln, doch so erregt ihr zumindest weniger Aufmerksamkeit. Hier und da kleinere Mengen an Lebenspunkten durch Abnötigen-Auslöser oder Planeswalker wie beispielsweise Ob Nixilis des schwarzen Schwurs mitzunehmen, stellt ebenfalls ein unverdächtigeres Vorgehen dar. Ob Nixilis wird wahrscheinlich nicht lange genug im Spiel bleiben, um eine Horde von Dämonen zu erschaffen oder sein Ultimum einzusetzen, aber der Zugewinn von ein paar Lebenspunkten eurerseits wird den Gegner wahrscheinlich kaum weiter stören.

Was das Ansammeln von Lebenspunkten jedoch zu einer echten Herausforderung macht, ist der Umstand, dass ihr angegriffen werden könnt. Ihr mögt das als fair empfinden oder auch nicht – das hängt ganz von eurem persönlichen Standpunkt ab –, aber Gelegenheitsangriffe gegen den Spieler mit den meisten Lebenspunkten sind ziemlich üblich. Und sich einen Lebenspunktevorsprung aufbauen zu wollen, ohne auf gewisse Verteidigungsmaßnahmen zurückzugreifen, ist nicht einfach – ganz egal, wie ihr das plant.

2. Die Vorbereitung von Spielzügen erfordert Geduld

Zur Verteidigung habe ich Dinge wie den Grabes-Titan, den Sonnen-Titan und – vielleicht am wichtigsten – Thalias Lanzenträger, eine meiner Lieblingskarten aus Düstermond, ins Deck genommen. Thalias Lanzenträger ist ein Lehrmeister (also etwas, was eine bestimmte Karte heraussuchen kann) auf einem soliden Körper mit Erstschlag – und ist damit dazu in der Lage, eine Verteidigungslinie aufrechtzuerhalten.

Je nachdem, was ihr gerade braucht, können Thalias Lanzenträger eine Reihe legendärer Kreaturen aufstöbern:

  • Erebos, Gott der Toten ist toll, wenn ihr jede Menge Lebenspunkte habt und eure Hand immer gut gefüllt sehen wollt. Er ist zudem ein unzerstörbares Mittel zum Kartenziehen, was bedeutet, dass ihr immer noch auf Erebos zählen könnt, um euch weiter mit Optionen zu versorgen, selbst wenn ansonsten alles schiefläuft.
  • Der Patron der Kitsune lohnt sich, wenn ihr bei den Kreaturen etwas hinterherhinkt. Erzeugt jemand Saprolinge, Soldaten oder Goblins, ist der Patron eine gute Möglichkeit, im Spiel zu bleiben, indem man durch jede angreifende Kreatur einen Lebenspunkt hinzuerhält. Wie oben bereits erwähnt, führt dies allerdings auch dazu, dass ihr ein gutes Ziel für die Angriffe dieser Spielsteine seid.
  • Kokusho, der Abendstern zwingt den Gegner, Exil- und andere Entfernungszauber bereitzuhalten (siehe Heiliges Begräbnis, Schwerter zu Pflugscharen), da er es vermeiden wollen wird, zu viele Dinge auf den Friedhof zu schicken. Es empfiehlt sich außerdem, etwas zu haben, in das ihr Dinge opfern könnt, um Kokushos Potenzial sofort voll auszuschöpfen.
  • Runenschwanz, Vorfahr der Kitsune kann sich sofort umdrehen, wenn ihr genug Leben habt, und damit dafür sorgen, dass eure Kreaturen gegen Kampfschaden und die meisten Direktschadenszauber immun sind. So wird das Blocken zu einer leichten Entscheidung und Gegner bestraft, die an Entfernungszaubern gegen Verzauberungen sparen (was unser Deck ehrlich gesagt auch tut).

Thalias Lanzenträger ist ein hervorragendes Beispiel für eine Kreatur, die ich sehr gern zu jedem beliebigen Zeitpunkt der Partie spiele. Wie der Klassiker „Runenvernarbter Dämon“ ist es hilfreich, ein paar Möglichkeiten zu haben, das zu finden, wonach man sucht, besonders wenn man nur wenig andere Dinge im Deck hat, mit denen man Karten heraussuchen kann. So werden auch Karten wie der Schrank des Beschwörers und Kaya, Ghost Assassin ohne zusätzlichen Aufwand zu krassen Wertbringern – und gute Kreaturen werden sogar noch besser.

3. Nur dort auf Größe setzen, wo‘s drauf ankommt

Commander wäre nicht Commander ohne das Ätherstrom-Reservoir und große, völlig überzeichnete Zauber. Sowohl Blutaussaugen als auch Schulden bei den Todlosen sind unter den besten Spielzügen, mit denen man auf den Einsatz des Ätherstrom-Reservoirs hinarbeiten kann. Indem ihr langsam Lebenspunkte ansammelt und euch einen Vorsprung erarbeitet, auch ohne die 40 Lebenspunkte vom Start allzu zügig zu überschreiten, könnt ihr es euch leisten, das Wirken eines tödlichen Entzugszaubers bis zum letzten Moment hinauszuzögern. Besser noch: Haben die Gegner das Deck noch nie zuvor gesehen, wird sich niemand für das Ätherstrom-Reservoir interessieren, solange ihr bei 30 Lebenspunkten herumdümpelt – seid ihr jedoch in einer Position, es nach den Schulden bei den Todlosen auszulösen, füllt es nicht nur eure Lebenspunkte wieder auf, sondern sorgt außerdem dafür, dass andere deutlich unter der Schwelle von 50 Lebenspunkten bleiben, die nötig sind, um den Zauber zu überleben.

Ätherstrom-Reservoir
Ätherstrom-Reservoir | Bild von Cliff Childs

Letztendlich ist das das Verzwickteste an einem Effekt wie dem des Ätherstrom-Reservoirs: Man kann ihn zwar früh spielen und darauf hoffen, dass andere ihn ignorieren, doch es ist weitaus besser, die Vorbereitungen bis zum letzten Moment zu verschleiern. Je länger Gegner ahnen, dass er kommen wird, desto länger müsst ihr auch vorausplanen, um ihn erfolgreich einsetzen zu können.

Und die Gegenmaßnahmen eurer Kontrahenten werden sicherlich zulasten eurer Lebenspunkte gehen.

Sofern ihr genug Conspiracy: Take the Crown und andere Multiplayer-Formate gespielt habt, habt ihr schon ein Gefühl dafür entwickelt, wie ihr am besten unsichtbar bleibt. Sich einen kleinen, aber steten Zustrom an Lebenspunkten zu sichern, während man hinter klug gewählten Verteidigungslinien auf Gelegenheitsangriffe wartet, ist sicherlich nicht so spektakulär wie der Versuch, einen außergewöhnlichen Drachensturm zu entfesseln, doch diese Strategie führt auch dazu, dass ihr bis zu dem Moment, in dem ihr zuschlagen könnt, unterschätzt werdet.

4. Die Wiederaufführung wird abgesagt

Eine tolle Runde vorzubereiten, in der ihr einen Gegner leersaugt und anschließend das Ätherstrom-Reservoir auf euren nächsten arglosen Widersacher richtet, ist eine fantastische Idee und genau das, wozu Commander ermutigen soll, aber an dieser Sache ist noch etwas mehr dran. Eure Gegner sind vielleicht nicht sonderlich angetan davon, ein derart unerwartetes Ende zu nehmen.

Ein Wort der Warnung also: Überraschungen sind im Commander toll, aber wie aus dem Nichts gegen einen Effekt zu verlieren, der in normalen Partien überhaupt keine Rolle spielt, fühlt sich nicht gut an. Das Vorbereiten einer alternativen Siegbedingung ist im Commander eine weniger große Herausforderung, als es auf den ersten Blick scheint – vergesst nicht, dass es viel mehr Lehrmeister- und Kontrolleffekte gibt, die wir hier noch einsetzen könnten. Diese Nummer ein zweites, drittes oder viertes Mal durchzuziehen, wird allerdings zunehmend unspannender.

Sich über die Spielerfahrung der Gegner im Klaren zu sein, ist beim Aufbau einer Spielgruppe, die auch Spaß machen soll, sehr wichtig, und Decks zu bauen, die auf diese Weise gewinnen, ist dem nicht zuträglich. Das ist einer der Gründe, warum es sinnvoll ist, mehrere Commander-Decks zu haben. Sobald ihr das „Ätherstrom-Reservoir-Lebenspunkte“-Deck einmal erfolgreich zum Laufen gebracht habt, wird es Zeit, zu etwas völlig anderem zu wechseln. (Fügt hier bitte euer eigenes Monty-Python -Zitat ein.)

Mehr Wunder der Technik

Das Ätherstrom-Reservoir ist nur eine der vielen wundersamen und geheimnisvollen Erfindungen auf Kaladesh. Zwar verdient sich jeder, der im Kaladesh-Sealed mit dem Ätherstrom-Reservoir gewinnt, meine unsterbliche Bewunderung (ich bin wirklich nicht sicher, ob das überhaupt möglich ist), doch das ist dennoch nur die Spitze des Eisbergs dessen, was eure Commander-Decks zukünftig noch alles bereichern könnte.

Haltet also die Augen nach weiteren erstaunlichen Gerätschaften offen. Wer weiß schon, was im weiteren Verlauf der Preview-Wochen zu Kaladesh noch alles enthüllt werden wird!

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