Kein Hauptevent, kein Problem

Veröffentlicht in Feature on 25. November 2016

Von Maria Bartholdi

Maria is one half of the podcast Magic the Amateuring. When she's not working on the podcast, she's probably in an improv show, speaking Welsh, or thinking about popcorn. Rakdos is the true nature of her heart.

Was habt ihr denn so am liebsten dazu?

Kartoffelbrei? Bohnen? Vielleicht ein wenig nettes Saisongemüse?

Ich persönlich nehme gern einen kräftigen Nachschlag von der Super Sunday Series.

Oh, Moment ... Habe ich eben gerade versehentlich von Essen geredet? Mir ging es eigentlich um Side-Events.

Grand-Prix-Wochenenden sind eine aufregende Möglichkeit, um sich noch intensiver mit dem Spiel auseinanderzusetzen, das ihr liebt. Ob nun Standard, Modern, Legacy oder Limited: Bei einem GP habt ihr die Chance, euch gemeinsam mit einigen der größten Namen des gesamten Spiels und euren Freunden aus eurem örtlichen Spieleladen im sportlichen Wettstreit zu messen.

Doch was, wenn es sich um ein Standard-Event handelt und euer Spitzname „40-Karten-Kate“ ist?

Oder was, wenn ihr nicht die Zeit hattet, ein Deck zusammenzustellen, aber euch trotzdem irgendwie mitten ins Getümmel stürzen wollt?

Keine Sorge! Ein GP ist noch so viel mehr als nur das reine Hauptevent. Grands Prix sind quasi wie ein Büfett, das einem die größten Leckerbissen von Magic serviert: dufte Side-Events, tolle Künstler zum Treffen, Cosplayer, Unmengen an Spielunterlagen zum Kaufen, Pro-Spieler zum Abklatschen – die Liste ginge noch endlos weiter. Und man braucht nicht einmal einen neuen Teller, wenn man noch mehr davon will.

Leute zum Treffen

Viele Leute gehen zu einem Grand Prix, ohne je vorzuhaben, beim Hauptevent mitzuspielen. Am jeweiligen Veranstaltungsort gibt es unglaublich viele tolle Dinge, und das Hauptevent ist nur ein Teil dessen, was bei einer solchen Partyzentrale in Sachen Magic abgeht.

Als Erstes wären da zu nennen: berühmte Leute. Wer mischt sich nicht gerne unter seine liebsten Magic-Stars? Viele von uns haben nicht die Möglichkeit, täglich mit Pro-Spielern oder den Schöpfern des Spiels zu interagieren. Die Chance, seinen Helden zu begegnen, ist da schon eine große Sache. Ich erinnere mich noch daran, wie mir die Knie schlotterten, als ich das erste Mal Marshall Sutcliffe traf! Ich lauschte ihm jede Woche bei Limited Resources und hatte ihn schon unzählige Male in Beiträgen zur Turnierberichterstattung gesehen. Es war völlig verrückt, ihn so leibhaftig im echten Leben vor mir stehen zu sehen. Er war extrem nett und extrem groß.


Unfassbar coole Erinnerungen an Treffen mit The Professor beim GP Vegas und mit Kenjidas erste Malbeim GP San Diego

Wenn erst einmal Marshall dein Exemplar von Kird der Menschenaffe signiert und man eine leicht gehemmte Umarmung mit Reid Duke hinter sich hat, warum schaut man dann nicht gleich bei einigen der unglaublich guten Künstler von Magic vorbei? Bei jedem GP wimmelt es von Künstlern, die über die Jahre die eine oder andere ikonische Karte illustriert haben. Schaut euch im Vorfeld bloß die Liste teilnehmender Künstler an, damit ihr einige von ihren Karten zum Signieren mitbringen könnt. Künstler bieten oft auch Marken, Spielunterlagen und Drucke zum Verkauf an, die man nirgendwo sonst bekommt. (Ich muss das wissen. Ich bin absolut süchtig nach Spielunterlagen.) Künstler sprechen immer gern über ihre Arbeitsweise oder darüber, wie es dazu kam, dass sie Magic-Karten illustrieren. Gebt unbedingt auch ein großzügiges Trinkgeld!


Ein Druck von Noah Bradley, der mich unheimlich glücklich gemacht hat, und Aaron Miller beim Signieren von ein paar Marken

Bei einem GP bieten sich einem viele tolle Chancen für gelungene Schnappschüsse. Wenn ihr nicht gerade ein Selfie vor einer riesigen Nissa oder Liliana macht, posiert ihr vielleicht mit einem der besten Cosplayer der gesamten Magic-Community. Cosplayer lassen das Spiel, das wir alle lieben, vor unseren Augen lebendig werden, und man findet sie bei den meisten Grands Prix. Lasst mich euch aus eigener Erfahrung berichten, dass es mit kaum etwas zu vergleichen ist, wenn man mit Avacyn posiert, das Ergebnis in den sozialen Medien postet und sämtliche Freunde denken lässt, man stünde mit einem verrückten Engel auf Du und Du.

A. E. Marling als Geralf der Leichenflicker

Side-Events

Ihr seid nun also Owen Turtenwald begegnet, habt euch ein paar Foil-Karten von einem Künstler signieren lassen und konntet dank eines Cosplayers euer Profilbild hübsch updaten. Jetzt ist es Zeit, ein bisschen Magic zu spielen. Falls ihr kein Interesse am Hauptevent habt, stehen euch ungefähr eine Milliarde Side-Events zur Auswahl.

Manchmal kann es schwer sein, genau zu wissen, wo man anfangen sollte. Deshalb gibt es hier nun eine kleine Einführung zu einigen der Events, die im Normalfall bei jedem Grand Prix im Angebot sind.

Mini-Masters

Auch wenn es nach einem professionellen Golfturnier für Kinder klingt, hat das Mini-Masters in Wahrheit nichts mit 18 Löchern zu tun. Es wird üblicherweise am Freitag vor dem Hauptevent eines Grand Prix ausgetragen und stellt das Deckbaukönnen der Spieler auf eine ungewöhnliche Probe. Teilnehmer bekommen einen einzigen Booster sowie die Anweisung, daraus ein Deck mit 30 Karten zu bauen. Das Event läuft nach dem K.-O.-System, und für jeden Sieg wird der eigene Kartenvorrat um einen zusätzlichen Booster erweitert. Bis es dann ins Finale geht, sind die beiden besten Decks ziemlich mächtig.

Das Mini-Masters ist toll, weil das Antrittsgeld schon in eurer Anmeldegebühr enthalten ist. Selbst wenn man gleich in der ersten Runde verliert, bekommt man noch immer einen Booster umsonst. Eine Win-win-Situation! Es ist aber auch deshalb toll, weil die Partien so albern ablaufen können. Dass man ein Deck aus den Karten bauen muss, auf die man zufällig in seinem Booster stößt, zwingt einen oft dazu, Karten zu spielen, die man unter normalen Umständen nie spielen würde. Das führt zu interessanten Situationen auf dem Bord und ansonsten nur selten zu beobachtenden Interaktionen.


Two-Headed Giant

Die Chancen stehen gut, dass ihr dieses superwitzige Format schon in eurem örtlichen Spieleladen gespielt habt. Und jetzt ratet mal! Man kann es auch auf Grands Prix spielen! Bringt eure Freundin, euren Verlobten, euren Bruder, eure Schwester oder meinetwegen auch eure Oma mit, um gemeinsam einem anderen Team aus zwei Spielern ein paar Zauber entgegenzuschleudern. Es ist eine tolle Methode, Magic jemandem beizubringen, der das Spiel noch nicht kennt.

Tim Livaccari und seine Tochter Veronica beschlossen, für einen Two-Headed Giant beim Grand Prix Minneapolis ein Team zu bilden. Tim freut sich, dass seine Tochter sich für das Spiel interessiert, und Veronica ist einfach nur eine leidenschaftliche Spielerin.

„Es macht eine Menge Spaß, sie neben mir zu wissen und mir anzuhören, was sie ihrer Meinung nach als Nächstes tun sollte“, sagt Tim lächelnd.

Die Begeisterung in Veronicas Gesicht ist kaum zu übersehen. „Es ist ein Kartenspiel, es ist kompetitiv und man muss sich gut überlegen, was man als Nächstes macht“, kichert sie. „Und ich kann gemeinsam mit Daddy spielen.“


Sealed-Draft

Das ist ein verdammt irres Format, das ich aufrichtig liebe. Das liegt daran, dass Sealed-Draft zwei meiner Lieblingsformate überhaupt miteinander verbindet (Sealed und Draft – logisch!) und einem die Möglichkeit bietet, unglaublich krasse und synergistische Decks zu spielen. Wenn ihr schon immer mal das Gefühl haben wolltet, beim Sealed den perfekten Vorrat an Karten gefunden zu haben (ohne dass ihr das tatsächlich tun müsst), dann ist das hier genau das richtige Format für euch.

Und so funktioniert das Ganze: Als Erstes reißt ihr drei Booster auf und merkt euch eure Karten. Anschließend draftet ihr die nächsten drei Booster – ganz wie bei einem gewöhnlichen Draft. Als Nächstes steht der Moment der Wahrheit an: Ihr baut euch euer Deck!

Die Decks sind mächtig und spielen sich wie Constructed-Decks, da es leicht ist, mehrere Exemplare von Karten oder Karten zu bekommen, die zu eurer Strategie passen, sobald man erst einmal weiß, dass man sie braucht. Ein Beispiel: Wenn ich in meinem Vorrat ein oder zwei Exemplare des Anmaßenden Neugeborenen habe und der Rest meiner Karten ihn unterstützt, kann ich Vampiren bei meinem Draft den Vorzug geben und alle anderen Farben ignorieren (selbst wenn ich eine nette Bombe sehe), da ich meinen Plan ja nun bereits kenne. Ich habe dieses Format nun schon ein paarmal gespielt, und jedes Mal hatte ich ein sehr denkwürdiges (und herausragendes) Deck, von dem ich einfach jedem erzählen musste.


Super Sunday Series

Ihr habt es also nicht bis Tag Zwei geschafft. Ich weiß, wie sich das anfühlt. Mir ist das selbst schon ein paarmal passiert.

Aber keine Sorge! Es gibt ein besonderes Turnier nur für diejenigen, die es nicht geschafft haben. Es heißt Super Sunday Series – und ja, es ist super. Es wird auch an einem Sonntag ausgetragen. Wie kommen sie nur immer auf diese Namen?!

Teilnehmer an der Super Sunday Series beim GP Minneapolis

Das Format der Super Sunday Series ist oft Sealed-Deck (die Entscheidung über das Format liegt beim Turnier-Organisator), und sie ist nicht weniger kompetitiv wie das Hauptevent des GP. Und das Beste daran? Der Preis.

„Der Preis für den ersten Platz ist spitze“, sagt der Teilnehmer an der Super Sunday Series Kevin Klaes. „Es ist eine Reise zu Wizards!“

Er hat recht. Abgesehen von ganzen Ladungen an Preistickets bekommt der Gewinner eine Reise zum Hauptsitz von Wizards in Seattle bezahlt, wo er gegen andere Sieger aus der Super Sunday Series um seinen Anteil an einem Preistopf von 20.000 $ kämpfen kann (ganz zu schweigen von solchen Nettigkeiten wie einem Draft mit der Magic-R&D).

„So hat man was zu tun, wenn man es nicht bis Tag Zwei schafft“, sagt Kevin. „Es ist auch ein gutes Training für die Sealed-Deck Regional PTQs. Man kann Karten austesten, um zu sehen, ob sie funktionieren, und dieses Wissen nimmt man dann mit nach Hause.“

Auch wenn ich es noch nie ganz bis unter die Top 8 geschafft habe, bleibt die Super Sunday Series einer meiner absoluten Lieblingsprogrammpunkte auf jedem GP, weil es in ihr fast genauso kompetitiv zugeht wie beim Hauptevent. Was mir noch so gut daran gefällt? Man kann mit all seinen Gegnern über seine Pleiten an Tag Eins reden, die ja ihrerseits auch so ihre Pleiten an Tag Eins erleben mussten.


Vintage Artist Constructed

Hierbei handelt es sich um ein echt cooles Format, das eigens entwickelt wurde, um die unglaubliche Arbeit der Künstler innerhalb unserer Community in den Vordergrund zu rücken. Noch ist es bei nicht allzu vielen Turnieren aufgetaucht – es gab sein Debüt beim GP Vegas und wurde danach auch beim GP Minneapolis gespielt –, aber es ist ein wirklich sehr feines Konzept, das langsam so richtig in die Gänge kommt. Die Idee ist folgende: Man baut ein Vintage-Deck, darf dabei aber nur Karten mit Illustrationen eines Künstlers benutzen. Genau – nur einer! Und das bezieht sich auch auf Standardländer.

Ein wunderschönes Deck fürs Vintage Artist Constructed mit Illustrationen von Eric Deschamps

Es gibt keine Bannliste. Angesichts völlig kranker Decks mit dem Bannenden Engel (Künstler: Greg Staples) könnte sich das jedoch bald ändern. Doch das gehört eben auch zum Spannenden an diesem Format: Es entwickelt sich noch. Kreativität ist alles, und es gibt mehr als genug Platz, um alles Mögliche nach Herzenslust zusammenzubrauen.

Und welche Decks sind am beliebtesten? Ich habe Mike Linnemann, einen der Erfinder des Formats (und Riesenfan der Kunst von Magic), genau danach gefragt. „Die Leute suchen generell nach Künstlern, die lange genug dabei sind, um zum einen diese erstaunlich mächtigen Zauber aus den Neunzigern zu haben und zum anderen das stärkere Machtniveau der Kreaturen von heute“, sagt er. „Man denke als Beispiel an Willenskraft und den Jubilierenden Engel von Terese Nielsen.“ Ein 100 %-iges Terese-Nielsen-Deck? Ich bin dabei!

Ein weiterer spaßiger Aspekt dieses noch jungen Formats ist das Entdecken von Synergien innerhalb eines Satzes von Karten eines bestimmten Künstlers. „Ich habe gehört, Chippy hätte Versionen des Isochron-Szepters und von Orims Gesängen, was anscheinend tatsächlich klappt“, sagt Mike. Den Gegner daran zu hindern, überhaupt irgendwelche Zauber zu spielen oder mit Kreaturen anzugreifen, klingt schon gut, oder?


On-Demand-Events

Nehmen wir einmal an, die fest geplanten Events, die ich oben aufgeführt habe, locken euch alle nicht oder ihr habt nur die Zeit, bloß für einen kurzen Draft vorbeizuschauen. Oder vielleicht wollt ihr auch nur wieder und wieder und wieder draften. Dann sind On-Demand-Events genau das Richtige für euch!

On-Demand-Events sind solche Dinge wie Boosterdrafts, Standard-, Legacy- und Modern-Runden sowie Commander-Matches in der Warteschleife, die losgehen, sobald acht Leute (oder beim Commander mit vier Spielern eben vier Leute) dabei sein wollen. Stellt euch das am besten wie bei Magic Online vor. Sobald acht Leute mitmachen wollen, startet euer Event! Ihr könnt so viele On-Demand-Events in euer GP-Wochenende quetschen, wie ihr schafft. Sie laufen nach dem K.-o.-System, was bedeutet, dass sich das Gewinnen ziemlich lohnt.


Ein Grand Prix ist gewissermaßen wie eine Magic-Convention. Es gibt tonnenweise Dinge zu sehen und zu tun, und wenn ihr dann schließlich wieder zu Hause seid, habt ihr viele schöne Erinnerungen und verspürt mit Sicherheit den sehnlichen Wunsch, das alles hätte nie vorbei sein sollen. Grand-Prix-Turniere sind Events, zu denen Spieler aus der ganzen Welt strömen. Ich bin in so vielen Städten gewesen, die ich nie im Leben besucht hätte, wenn die Grands Prix nicht wären. Ich habe großartige Erfahrungen gemacht, die mich für den Rest meines Lebens begleiten werden. Ich habe gefühlt außerdem sämtliche Hähnchen-Pommes-Kombos aller Kongresszentren dieser Welt gekostet.

Spielt das Spiel und seht die Welt

Wenn ihr also das nächste Mal darüber nachdenkt, ob ihr euch zu einem GP aufmacht, rate ich euch einfach: „Nur zu.“ Das wird ein Wochenende, das ihr so schnell nicht vergessen werdet.

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