Vom Küchentisch zu Friday Night Magic

Veröffentlicht in Feature on 16. November 2016

Von Quinn Murphy

Quinn has been fascinated with Magic ever since Revised Edition. When he is not spending time with his lovely wife and amazing son, he's constantly brewing decks for, playing, and writing about Magic.

Der Begriff „Küchentisch“-Magic bezieht sich auf Magic, das innerhalb eines geschlossenen Freundeskreises gespielt wird. Es ist eine Form von Magic, mit der viele von uns anfangen und bei der auch viele von uns bleiben. Manchmal jedoch sind wir so eng mit dem Spiel verwachsen, dass wir mehr wollen.

Mein erster „Küchentisch“ war ein Café gleich neben dem Comicladen, in dem ich meine ersten Magic-Karten gekauft hatte. Ein Jahr später spielte ich regelmäßig mit meinen Freunden vom College. Ich hatte ein Deck, das sich gegen jeden auf meinem kleinen Campus sehr gut schlug. Dann hörten wir von einer Spielemesse, auf der auch ein großes Magic-Turnier stattfinden sollte. Also dachte ich: „Das ist es! Gehen wir doch einen Schritt weiter!“ Ich war sicher, dass ich gut abschneiden würde.

Nach unserer Ankunft spielte ich erst mal ein Casual-Match vor dem Turnier. Ich baute für einen epischen Zug in Runde Acht vor, sah mich aber plötzlich einem Llanowarelfen, einem Bogenschützen der Elfen, einem Erhnam-Dschinn und dann – na klar – einer Götterdämmerung gegenüber. Ich wusste gar nicht, dass man Partien so schnell beenden konnte!

Mein erster Gedanke war: Wow, es gibt so viel, was ich noch nicht über Magic wusste!

Ich habe dann gar nicht erst an diesem Turnier teilgenommen, denn nach dieser Partie wusste ich, dass ich noch nicht bereit dafür war. Doch wo sollte ich anfangen? Wohin konnte ich mich wenden, um die Tücken beim kompetitiveren Magic zu lernen, ohne dabei gnadenlos unterzugehen?

Wohin sollte ich gehen, wenn ich mehr aus Magic herausholen wollte?

Ich irrte mehrere Monate lang durch Newsgroups und Spielumgebungen, bevor ich diese nächsten Schritte gehen konnte. Für viele Spieler, die heute anfangen, ist die Antwort ganz leicht: Sucht euch einen Store in eurer Nähe, der Friday Night Magic anbietet.

Der nächste Schritt

„Ich kann mich ernsthaft nicht an mein erstes FNM erinnern. Ich war etwa zwölf Jahre alt und hatte keine Ahnung, was da eigentlich ablief. Ich wusste nur, dass ich Magic mit anderen zusammen spielen wollte. Ich wusste, dass ich das Spiel liebte und es etwas ernsthafter betreiben wollte als nur mit Freunden nach der Schule. Ich kannte zwar nicht mal viele der Regeln – oder wusste, was ‚FNM‘ tatsächlich bedeutete, oder wie sich mein Deck schlagen würde –, aber ich wusste, dass das eine Möglichkeit war, mich im Spiel zu verbessern.“

– Chaz Volpe, Content Producer für Magic

Ich habe schon früher gesagt, dass Magic viele Spiele in einem ist. Allein durch das Ändern der Karten, mit denen man spielt, ändert sich das gesamte Spielverhalten. Doch nicht nur das: Auch wenn sich die Menschen ändern, mit denen man spielt, ändert sich das Wesen des Spiels. Einen Ort zu haben, an dem man neue Leute und neue Blickwinkel auf Magic kennenlernen kann, denen man andernfalls nie begegnet wäre, ist eine der großen Freuden des Spiels.

Friday Night Magic unterstützt dies, indem Läden auf der ganzen Welt dazu angeregt werden, jeden Freitag kleine Turniere zu veranstalten.

Und warum solltet ihr den Küchentisch verlassen und in einen Store gehen? Was erwartet euch beim Friday Night Magic? In Bezug auf den Küchentisch (den tatsächlichen oder den sprichwörtlichen) tut Friday Night Magic zwei Dinge: Es „vergrößert“ den Küchentisch und es „verbessert“ ihn.

Und mit „verbessern“ meine ich nicht „ein bisschen besser werden“. Ich meine vielmehr ein tieferes Eintauchen in die Erfahrungswelt beim kompetitiven Magic. FNM gibt euch einen Vorgeschmack darauf, wie Turniere aufgebaut sind – vom Schweizer System bis hin zu Runden mit Zeitbegrenzung. Ihr erhaltet einen Eindruck davon, wie technisches Spiel und kompetitiver Deckbau aussehen. Ihr lernt eine Menge darüber, wie sich euer Deck „da draußen“ schlägt und welche Aspekte eures Spiels ihr noch verbessern könnt.

Mit der Vergrößerung des Küchentischs meine ich das Spielen zusätzlicher Casual-Formate und die Erweiterung des Netzwerks an Spielern, mit denen ihr spielt. Seit im letzten Jahr auch ungewertete Partien beim FNM ausgetragen werden können, dürfen die Stores kreativ werden und ebenfalls nicht-kompetitive Veranstaltungen anbieten. Selbst wenn ihr euch doch an den kompetitiven Formaten ausprobieren wollt, könnt ihr zwischen den Runden oder nach Ende des Turniers trotzdem ein bisschen in Commander reinschnuppern. Ich habe schon einige feste Spielgruppen entstehen sehen, deren Mitglieder sich beim FNM kennengelernt haben.

Friday Night Magic
Klickt hier für here weitere Informationen zum Friday Night Magic.

Ich spiele regelmäßig beim FNM im „Nerds“ in Hudson im US-Bundesstaat New Hampshire und nehme eine besondere Mischung daraus mit: Ich erweitere sowohl meine sozialen Kontakte als auch mein Wissen über das Spiel (dank der ernsteren Runden). Ich teste immer wieder neue Deckideen, und das örtliche FNM ist gerade kompetitiv genug, um mir ein Gefühl für ihre Spielbarkeit zu verschaffen. Es ist spannend zu sehen, wie sich ein solches Deck durch das Testen weiterentwickelt und Woche um Woche angepasst wird.

Noch mehr Spaß macht es, mit den vielen regelmäßigen Besuchern des Ladens zusammenzusitzen und neue Spieler zu treffen oder ihnen gar zu helfen. Gerade erst vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, einem Spieler zu helfen, der zuvor mehr als zehn Jahre pausiert hatte. Er wollte wissen, ob sein Deck standard-legal war. Beim Durchsehen stießen wir auf gerade einmal fünf legale Karten (Wälder nicht mitgezählt). Von hier aus fingen ich und ein paar andere an, das Deck neu aufzubauen, um eine leicht umzusetzende Version seines monogrünen Decks fürs Standard zu erstellen. Das Deck war erstaunlich effektiv, doch viel wichtiger war noch, dass der Spieler eine Menge Spaß hatte und in der Woche darauf wiederkam.

Und diese Momente sind es, derentwegen FNM für mich etwas ganz Besonderes ist. Es macht Spaß, Partien zu gewinnen, aber neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden, ist die Art von Sieg, die sich nicht in eine Turnierplatzierung pressen lässt.

Erste Schritte

Ihr wollt also auf euer erstes FNM gehen – wie stellt ihr das am besten an?

  • Findet heraus, was ihr euch erhofft: Wollt ihr eher zwanglos spielen oder wollt ihr euer Deck testen? Mögt ihr Limited-Formate lieber als Constructed? Wenn ihr erst einmal wisst, was ihr genau wollt, werden die folgenden Schritte viel einfacher.
  • Findet einen Store: Am leichtesten findet ihr einen Laden, der Friday Night Magic anbietet, über den Store-Locator.
  • Ruft im Store an: So könnt ihr euch über die Öffnungszeiten und die gespielten Formate informieren und auch gleich ein Gefühl für die Umgebung bekommen, in der dort gespielt wird. Wie viele Spieler sind normalerweise dort? Wie lange dauern die Turniere? Gibt es in der Nähe etwas zu essen? Findet auch an anderen Abenden etwas dort statt?
  • Besorgt euch ein Deck: Es ist völlig in Ordnung, mit eurem besten Deck anzufangen, denn so bekommt ihr ein Gefühl dafür, wo es steht und was ihr daran verändern müsst. Vergewissert euch, dass es legal ist, indem ihr euch die Deckbauregeln für das entsprechende Format durchlest. Ihr könnt auch einfach mal im Laden vorbeischauen und mit den Leuten dort reden. Ich war schon oft in Läden, die neuen Spielern gern beim Deckbau helfen. Habt keine Scheu, um Hilfe zu bitten!
  • Beschafft euch den Rest eurer Ausrüstung: Deckhüllen, Würfel und Spielsteine sind hier die Grundlagen. Wenn ihr alles gleich zu Anfang dabeihabt, wird der Rest des Abends umso entspannter.
  • Spielt! Geht relativ früh hin, um mit anderen Spielern Karten zu tauschen und zu quatschen. Vielleicht könnt ihr ja sogar schon ein paar Partien zum Aufwärmen spielen!

Die Sehnsucht des ersten Mals

Ihr wollt vielleicht gern in einen Laden gehen und bei einem FNM mitspielen, fühlt euch aber eigentlich nicht wohl dabei.

Man kann leicht auf die Idee kommen, dass die einzige Möglichkeit, außerhalb der eigenen Gruppe zu spielen, die ist, zum kompetitivsten und härtesten Magic Turnier zu gehen. Dort verliert man dann jede Partie und hat nicht den geringsten Spaß. Ich verstehe diese Sorge, aber am richtigen Ort mit der richtigen Gruppe von Leuten muss es nicht so kommen.

„Alles dreht sich um die Atmosphäre, die anderen Spieler, den Turnierorganisator. Ich war in jedem FNM, an dem ich teilgenommen habe, furchtbar. Ein Jahr lang war ich immer auf dem letzten Platz oder kurz davor ... aber die Leute, mit denen ich gespielt habe, waren außerordentlich freundlich. Sie gaben mir Tipps, ohne herablassend zu wirken, halfen mir, die sich stetig verändernde Standard-Umgebung zu verstehen, und waren – was am wichtigsten ist – anständige Menschen, die heute gute Freunde von mir sind.“

– Deo Gallatto, Blogger

Ich und viele andere erleben es in Wahrheit so: Beim Friday Night Magic geht es hauptsächlich um die Gemeinschaft. Ganz unabhängig vom gespielten Format: Eine Gruppe toller Leute, die ein tolles Spiel spielen, kann gar nicht anders, als Spaß zu haben. Sean Hajra, ein regelmäßiger FNM-Spieler, sagte mir: „Eine gute Gemeinschaft ist das Beste für ein gutes FNM. Wenn man die Stammbelegschaft in einem Laden kennt, wird jeder Abend zu einem Spieleabend mit Freunden.“

Mein Rat an Spieler bei ihrem ersten FNM-Turnier ist: Macht euch keine Gedanken um eure Wertung und denkt daran, nach euren Matches mit Leuten zu reden. Konzentriert ihr euch auf Interaktion und Lernen, sorgt ihr dafür, dass das Spiel euch auch weiterhin Spaß macht, und ihr macht es euch möglich, besser mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen.

Am richtigen Ort

Bislang habe ich mich in diesem Text auf Leute konzentriert, die den Schritt vom Küchentisch zum FNM wagen wollen, aber ich möchte mir auch einen Augenblick Zeit nehmen, darüber zu sprechen, was einen Laden zum „richtigen“ Ort macht, um dort zu spielen.

Als Erstes stellt sich die Frage: Wodurch wird ein Ort zum richtigen Ort?

„[Er muss] alle Erfahrungsniveaus unterstützen und eine sichere Umgebung für alle Arten von Spielern schaffen, nicht nur für die Stammkundschaft.“

– Dave Chalker, Blogger

Daves Worte spiegeln auch meine Erfahrung wider, dass tolle Umgebungen deshalb toll sind, weil sie die „Neuen“ und die „Alten“ gleichermaßen zufriedenstellen. Jeder Ort, wo die Bedürfnisse einer etablierten Stammkundenbasis befriedigt werden, während man sich gleichzeitig um neue Kunden kümmert, hat das Zeug zu einer tollen FNM-Location.

Die Führungspersönlichkeiten einer Community – seien es nun Ladenbesitzer, Turnierorganisatoren oder Turnierspieler – gehen zudem mit gutem Beispiel voran. Kris Carter, die Besitzerin „meines“ Ladens „Nerds“ formuliert es so, dass Läden „in der Community den Anreiz wecken sollten, alle um sich herum ein bisschen glücklicher zu machen“. Begeisterung ist ansteckend, und Leute dafür zu begeistern, die nächste Gruppe neuer Spieler willkommen zu heißen, und gleichzeitig die Stammspieler glücklich zu machen, ist für alle Seiten von Vorteil.

Der nächste Schritt

„Aber Quinn“, höre ich nun manche Leute sagen, „ich möchte ernsthafter spielen. Ich brauche ein Niveau, auf dem konsistente Höchstleistungen das Ziel sind und nicht der Aufbau einer Gemeinschaft oder sich unter Leute zu mischen.“

Auch das ist ein gutes Ziel. FNM muss definitiv nicht der letzte Halt auf eurer Magic-Reise sein.

Wohin geht ihr also, wenn ihr richtig viel hochkarätiges Magic erleben wollt?

Da, bitte sehr!.

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