"Hate Bears" im Commander

Veröffentlicht in Latest Developments on 31. Oktober 2014

Von Sam Stoddard

Sam Stoddard came to Wizards of the Coast as an intern in May 2012. He is currently a game designer working on final design and development for Magic: The Gathering.

Während der Commander-Previews letztes Jahr sprach ich darüber, wie wir Produkte wie Commander dazu einsetzen, Karten in Eternal-Formate zu packen. Ich glaube, man kann beruhigt sagen, dass Commander (Edition 2013) durch die Nemesis des Wahren Namens großen Einfluss auf diese Formate hatte.

Die Wahrheit über die Entwicklung von Karten ist jedoch, dass wir nie sicher sein können, wie stark jede Karte genau sein wird. Wir haben wegen der Testpartien natürlich eine grobe Vorstellung, aber wir können mit der schieren Masse an Magic-Spielern da draußen und deren unzähligen Spielstunden logischerweise nicht mithalten. Daher entgehen uns immer einige zu starke oder zu schwache Dinge, aber wenn wir uns das richtige Ziel setzen und darauf achten, dass die Karten, die Einfluss auf die Formate haben sollen, genügend Spielspaß bringen, dann sind sie zumindest erst mal neu und spannend, ganz egal, ob wir sie anderweitig unterschätzt haben. Fragmentlose Agentin ist ein Beispiel für eine Karte, die stärker wurde, als wir erwartet hatten, aber ich glaube, alles in allem ist die Welt dank ihr ein Stück unterhaltsamer.

Das Tolle daran, in der Magic-R&D-Abteilung zu arbeiten, ist, dass wir die Möglichkeit haben, neue Dinge auszuprobieren. Manchmal funktionieren diese Dinge und manchmal eben nicht. Ich persönlich betrachte Nemesis des Wahren Namens als einen Fehlschlag. Ich glaube, dass diese Karte unterm Strich schädlich für das Legacy-Format war. Obwohl wir definitiv gezeigt hatten, dass wir eine Karte erschaffen konnten, die mächtig genug war, um erheblichen Einfluss aufs Legacy auszuüben, standen wir am Ende trotzdem mit einer Karte da, gegen die zu spielen keinen Spaß machte. Ich sehe viel lieber Karten wie Unheilskauz aus diesen Produkten entstehen als so etwas wie Nemesis des Wahren Namens. Und das ist auch in etwa das Powerlevel, das wir in Zukunft für diese Karten anstreben.

Unser Ziel für die Zukunft ist es, bei der Erschaffung von Karten für Eternal-Formate etwas verantwortungsvoller zu Werke zu gehen. So wollen wir mehr Karten erschaffen, die Spaß machen, wenn sie mächtig genug sind, um gespielt zu werden (anstelle von solchen Karten, die zwar mächtig genug sind, von denen wir aber nur hoffen können, dass sie auch wirklich Spaß machen). Natürlich werden wir auch weiterhin mächtige Karten in Eternal-Formate einbringen, aber diese werden hoffentlich von der spaßigen Sorte sein.

Sowohl Abrupter Verfall als auch Wirrsturm wurden als Karten entworfen, die Einfluss auf Eternal-Formate haben sollten, und beide wurden ihren Erwartungen sehr wohl gerecht. Ich glaube aber, dass sie dies auf eine positive Art und Weise taten. Reaktive Karten können Einfluss auf ein Format nehmen, aber falls wir uns hier im Powerlevel irren, ist das deutlich weniger schlimm. Daher ist es auch diese Art von Karten, auf die wir uns am meisten konzentrieren.

Aber ihr seid bestimmt nicht hier, um meine Gedankengänge zum Commander-Produkt aus dem letzten Jahr zu lesen. Ihr seid hier, um zu sehen, welche tollen Sachen euch dieses Jahr erwarten, richtig? Na schön. Ich präsentiere die Einhaltgebietende Priesterin:

„Hate Bears“: Eine stolze Ahnenreihe

Es gibt eine Sorte von Karte, die wir bevorzugt in unsere ewigen Formate packen: die sogenannten „Hate Bears“, 2/2-Kreaturen für zwei Mana mit irgendeiner Art Text, durch den sie gut gegen eine bestimmte Art Deck sind.

Einige Beispiele für diese Art Karten sind Gaddock Teeg, Samurai des bleichen Vorhangs, Äthergläubiger Kanonist und Kor-Feuerläufer. Im Allgemeinen ist eine 2/2-Kreatur für zwei Mana nicht kräftig genug gebaut, um in Eternal-Formaten mithalten zu können, aber der „Hass“-Text gestattet es einem Deck, das an der Oberfläche eigentlich viel schwächer ist, einige der übermächtigen Strategien älterer Formate auszunutzen, die auch oft von Spielern als „broken“ bezeichnet werden.

Es gab beispielsweise eine Zeit, als das Maverick-Deck im Legacy (trotz Zenit der Grünen Sonne) einen Gaddock Teeg zum Fetchen spielte, weil manche Decks nur schwer gegen diese Karte gewinnen konnten. Ad Nauseam Tendrils, beispielsweise, konnte weder sein Bis zum Erbrechen noch seine Ranken der Pein ausspielen, wodurch es zu einem Deck wurde, dass durch Karten wie Gedankenwirbel zwar einen Großteil seiner Bibliothek sieht, allerdings meistens keine Gewinnoption mehr zur Verfügung hat. Maverick ist allerdings längst nicht das einzige Deck, das Hassbären spielt. Es gibt eine stolze Tradition, die bis zur „Sleight Knight“-Ära im Standard zurückreicht, als Spieler Kreaturen mit Schutz spielten und ihnen dann durch Sleight of Mind die richtige Farben aus dem Deck des Gegners verliehen. Oder sie spielten einfach ihren Schutzkreis und verwandelten ihn in die gewünschte Farbe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Einhaltgebietende Priesterin macht etwas, was für Hassbären ein wenig ungewöhnlich ist (nicht aber für Hassvögel). Sie hat Aufblitzen, weshalb man dem Gegner tatsächlich eine Falle stellen kann, anstatt ihn einfach nur festzusetzen. In gewisser Weise ist die Einhaltgebietende Priesterin der Oberfeldwebel der Spaßpolizei: Sie achtet darauf, dass die Leute gutes, anständiges Magic spielen und ihre Kreaturen auf die althergebrachte Art erhalten. Die Einhaltgebietende Priesterin bestraft den Gegner, wenn er versucht, etwas an ihr vorbeizuschmuggeln.

Wiederbeleben mit Griselbrand als Ziel? Netter Versuch. Aber die acht Leben darfst du schon noch bezahlen.

Ausgraben und eine Narcomoeba aufdecken? Die Amöbe kannst du dir abschminken.

Show and Tell? Hast du dazu eine Erlaubnis? Ich glaube nicht.

Aufblitzen lässt einen die mächtigsten Kombos seines Gegners so richtig abschießen, und zwar hoffentlich, ohne dass er darauf vorbereitet wäre.

Ein Teil des Spaßes daran, neue Hassbären zu erschaffen, besteht darin, einen Bereich für sie zu finden, der noch nicht ausgereizt ist, und zu sehen, ob man mit einer eleganten Textzeile aufwarten kann, die ihre Macht gegen die Strategien, gegen die ihr Hass gerichtet ist, auf die Spitze treibt. Gleichzeitig sollen sie gegenüber den Strategien, die die Karten wie vorgesehen spielen, vollkommen harmlos bleiben. Gaddock Teeg ist eine Paradebeispiel für diese Art von Design, bei dem es darum ging, Karten wie Zorn Gottes, Kryptischer Befehl und dergleichen davon abzuhalten, mit der Boardpräsenz eines Kithkin-Decks zu interagieren. Er verhinderte nicht einmal das Ausspielen vieler Karten im Deck und erlaubte es diesem sogar, auch ohne diese Karten zu funktionieren. Während der Zeiten von Block und Standard waren die einzigen beiden Karten, die ein Kithkin-Deck wegen Teeg wirklich nicht spielen konnte, Geisterprozession und Ajani Goldmähne. Diese Karten waren stark, aber ebenso eine gute Antwort auf einen Zorn, wenn ein Gegner sich am Ende des Zuges des Teegs entledigt und dann selbst das Spielfeld leergefegt hatte.

Wie die Einhaltgebietende Priesterin Commander beeinflusst

Wie ich in meinem Artikel aus dem letzten Jahr erwähnte, ist eine der Regeln für neue Karten in diesen Commander-Decks, dass sie im Multiplayer Sinn ergeben müssen. Die Einhaltgebietende Priesterin ist eine billige Kreatur, die jedem, der etwas „Unfaires“ versucht, einen Knüppel zwischen die Beine wirft, während sie zugleich darauf achtet, dass die Formulierung die Spieler nicht davon abhält, ihre Kommandeure tatsächlich ausspielen zu können.

Die Leute machen immer ziemlich abgefahrene Dinge in Commander. Das Format ist voller Kombos aus zwei oder drei Karten, ja sogar einigen mit nur einer Karte. Durch die Einhaltgebietende Priesterin kann man eine Kreatur spielen, die jemanden überraschen und dessen Kombo unterbinden oder auf andere Art einen strategisch wichtigen Spielzug – wie zum Beispiel Engel der Wiederherstellung und Zendikars Rächer oder Terastodon – verhindern kann. Die Priesterin wird nicht dieselbe dominierende Boardpräsenz haben wie viele unserer Kommandeure oder andere der schillernden neuen Karten aus anderen Commander-Produkten. Dank ihrer Gefährlichkeit wegen sollte sie aber genug Bums haben, damit sich ein Ausspielen jedes Mal lohnt.

Das bedeutet nicht, dass es keine aktiven Kombos mit dieser Karte gäbe. Beispielsweise wird Plötzliches Verschwinden zu einem Seuchenwind und Astralrutsche zu einem wiederverwendbaren Terror-Effekt. Angesichts der Fülle an flimmerähnlichen Effekten in Blau ist es möglich, einem weißen Commander-Deck eine Menge mächtiger Entfernungszauber an die Hand zu geben.

Was die Einhaltgebietende Priesterin Eternal-Formaten bringt

Die Einhaltgebietende Priesterin wird wohl am ehesten in Legacy-Sideboards ihr Zuhause finden. Wie ich zuvor schon erwähnte, macht das Aufblitzen sie zu einer ziemlich guten Karte gegen Strategien, die Karten wie Sachkunde oder Mechaniken wie Ausgraben und Wiederbeleben ausnutzen wollen. Man kann den Gegner nicht davon abhalten, Allwissenheit ins Spiel zu bringen, aber keine einzelne Karte kann alles aufhalten.

Die Einhaltgebietende Priesterin wird wohl am ehesten in Legacy-Sideboards ihr Zuhause finden. Wie ich zuvor schon erwähnte, macht das Aufblitzen sie zu einer ziemlich guten Karten gegen Strategien mit Sachkunde, Ausgraben und Wiederbeleben. Man kann den Gegner nicht davon abhalten, Allwissenheit ins Spiel zu bringen, aber keine einzelne Karte kann alles aufhalten.

Die Einhaltgebietende Priesterin konkurriert mit einer Menge anderer Karten um einen Platz im Deck. Es ist also möglich, dass sie nicht sofort in diesem Format gespielt werden wird, sondern bis zu ihrem Erscheinen erst mal eine Weile im Kartenpool wartet, bis die richtige Art Deck an der Spitze des Metagames auftaucht. Beispielsweise gab es eine Zeit vor etwa einem Jahr, als Show and Tell eines der besten Decks im Legacy war, aber gleichzeitig noch viel Manaless Dredge oder das Fragmentlose Agentin/Hypergenese Deck gespielt wurde. In einer solchen Umgebung könnte die Einhaltgebietende Priesterin sicher eine Sideboard-Karte der ersten Wahl werden und es sogar ins Main Deck einer Liste im Stil von Maverick oder Death and Taxes schaffen.

Da sie außerdem eine neue Art Text hat, wird sie sicherlich irgendwann eine Karte finden, die zusammen mit ihr in einer wiederverwendbaren Kombo ziemlich mächtig ist, so wie Flimmerwisch /Mangara von Corondor zu einem festen Bestandteil des Death-and-Taxes-Archetyps wurde.

Das war‘s für diese Woche. Schaut auch nächste Woche wieder vorbei. Dann sind Jeskai-Wochen auf DailyMTG, und ich spreche über Bravour.

Bis zum nächsten Mal

Sam (@samstod)

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