Eine nicht ganz so Neue Weltordnung

Veröffentlicht in Latest Developments on 8. Mai 2015

Von Sam Stoddard

Sam Stoddard came to Wizards of the Coast as an intern in May 2012. He is currently a game designer working on final design and development for Magic: The Gathering.

Willkommen zur Preview-Woche zu Modern Masters hier auf DailyMTG. Im heutigen Artikel werde ich über die Limited-Umgebung sprechen, wie wir sie zusammengestellt haben und was wir damit eigentlich erreichen wollten.

Eine nicht ganz so Neue Weltordnung

Eines der wichtigsten Dinge an Modern Masters Edition 2015 ist, dass es sich nicht sehr streng an die Neue Weltordnung hält, jene Regeln also, die wir eingeführt haben, um spannende und doch leicht zugängliche Limited-Umgebungen zu erschaffen. Auch wenn das nicht bedeutet, dass wir Konzepte wie das Austarieren der häufigen Karten ganz aus dem Fenster geworfen hätten, lassen wir hier doch deutlich mächtigere und komplexere Interaktionen zu – und das gilt auch für Zustände des Boards, die mehr Aufmerksamkeit in Hinsicht auf Board-Tricks und Werteveränderungen erfordern.

Die Neue Weltordnung wurde eingeführt, als wir sahen, wie Sets wie Lorwyn und Zeitspirale dem Spiel einfach immer mehr Komplexität verliehen. Viele Leute in der R&D werden euch sagen, dass Zeitspirale ihr liebstes Set aller Zeiten ist – und das ist auch echt nicht überraschend. Viele von uns sind genau die Art von Extremfans, an die sich das Set gerichtet hatte: jene Art von Leuten, die wissen, wer Saffi Eriksdotter war, und die verstanden haben, dass es sich bei Gefürchtetes Rhi um einen Zauberformer handelte, der Geführter Streich wirkte und Letzteres gleichzeitig ein Anagramm seines Namens darstellte. Vielen von uns gefiel die Komplexität, die Zeitspirale und vergleichbare Sets mit sich brachten, aber wir verstehen sehr wohl, welche Schwierigkeiten daraus erwachsen, wenn jedes Set so ist.

Modern Masters Edition 2015 richtet sich jedoch nicht an neue Spieler, und es ist daher ein Set, bei dem wir uns sprichwörtlich austoben und Dinge tun, die wir normalerweise in einem regulären Magic-Set vermeiden würden. Wir dürfen häufige Karten haben, die – innerhalb vernünftiger Grenzen – mächtiger sind, Interaktionen, die auch abseits des Boards sehr komplex werden können, und sogar ein paar Timing-Dinge, die wohl nicht funktionieren würden, wäre dies eine unserer großen Boosterveröffentlichungen.

Modern Masters Edition 2015 darf zudem viel mehr Mechaniken verwenden, als wir heutzutage in einem regulären Set unterbringen würden. Es liegt zwar kaum über dem Niveau von Zeitspirale und definitiv unter dem von Blick in die Zukunft, doch das Set kann trotzdem wesentlich mehr als das, was wir einem regulären Set mitgeben, da alle Karten Neuauflagen bereits existierender Karten sind und wir erwarten, dass viele derjenigen, die dieses Produkt am Ende kaufen, bereits mit diesen Mechaniken gespielt haben. Wir machen uns also ganz einfach gesagt weniger Sorgen darum, den Leuten etwas von Grund auf neu beibringen zu müssen.

Ich glaube nicht, dass diese Dinge Modern Masters im Limited von Natur aus besser machen als ein Set nach der Neuen Weltordnung – schließlich schaffte es Innistrad nur mit doppelseitigen Karten, Morbide und Aufblitzen zu einer der besten Limited-Umgebungen aller Zeiten zu werden.


Erfüllte Erwartungen

Als wir beschlossen, ein zweites Modern Masters zu machen, wussten wir, dass das Produkt den sehr hohen Erwartungen gerecht werden musste, die das erste Modern Masters geweckt hatte. Das bedeutete, dass wir eine Limited-Umgebung zu erschaffen und zu verbessern hatten, die viele jener Dinge beinhalten musste, die im ersten Durchlauf gut funktioniert hatten – und dies mit größtenteils völlig anderen Karten. Eine der tollen Sachen, die Modern Masters machte, war, uns Überschneidungen von Mechaniken aus verschiedenen Blöcken zu erlauben. Man bekam modulare Karten mit den farbigen Artefaktkarten mit Splittern, Wandelwichte mit Rebellen und Riesen sowie Sonneneruption mit munteren Ländern.

Als wir uns an die Ausgestaltung von Modern Masters Edition 2015 machten, schauten wir uns die beiden neuen Blöcke an, die durch den Zwei-Jahres-Abstand hinzugekommen waren – nämlich Die Narben von Mirrodin und Zendikar – und suchten uns die fruchtbarsten Mechaniken dieser Sets heraus, um sie Modern Masters hinzuzufügen. Ganz klar stand Wucherung auf dieser Liste sehr weit oben.

Wucherung ist eine sehr tief gehende Mechanik. Am besten gefällt mir daran, wie Johnny-haft sie ist. Die Mechanik lässt sich leicht auf vielfältige Art und Weise einsetzen. Sie ist rückwärtskompatibel mit einem gewaltigen Prozentsatz aller Magic-Karten, die wir jemals herausgebracht haben. Und was meiner Meinung nach am allerwichtigsten ist: Sie bietet jede Menge Designraum und Platz für spannende Interaktionen, die in ihrer eigenen Limited-Umgebung nicht möglich waren. Wenn wir über Mechaniken sprechen, von denen wir hoffen, sie eines Tages zurückzubringen, sobald wir den richtigen Platz für sie finden, dann steht Wucherung ganz weit oben auf dieser Liste.

In gewisser Weise war diese Mechanik damit perfekt für Modern Masters Edition 2015 geeignet. Ein Teil unserer Zielsetzung für dieses Set ist es, eine spannende und einzigartige Limited-Erfahrung zu bieten, und dazu lassen wir nicht nur die alten Klassiker, die die Spieler so sehr lieben, wieder aufleben, sondern wir wollen auch aus den einzelnen unterhaltsamen Elementen der verschiedenen Limited-Umgebungen etwas Neues erschaffen.


Neue Interaktionen

Um aus Wucherung mehr zu machen als nur einen einmaligen Trick im Set, mussten wir den Spielern eine Vielzahl verschiedener Dinge anbieten, was man noch mit der Mechanik anstellen konnte, die es in Die Narben von Mirrodin noch nicht gegeben hatte. Wir brachten zwar Verdorren und Beharrlichkeit zurück, um die Verwendung von -1/-1-Marken in Modern Masters Edition 2015zuzulassen, aber wir wollten den Spielern auch die Fähigkeit geben, andere Arten von Marken einzusetzen – hauptsächlich +1/+1-Marken.

Pfropfen war eine natürliche Wahl für die primäre +1/+1-Marken-Mechanik in Modern Masters – nicht nur deshalb, weil es einige der Johnny-haften Karten zulässt, sondern auch wegen der coolen Dinge, die wir damit mit Wucherung anstellen konnten, um Marken zu verdoppeln. Verwendet man beispielsweise eine Karte wie Wasserstrang-Spinne, kann man in der Regel nur die beiden Marken der Kreatur nutzen, um zwei Kreaturen zu stärken, und nur eine davon kann realistisch betrachtet Reichweite erhalten. Nicht aber, wenn Wucherung ins Spiel kommt: Plötzlich macht jeder Wucherungszauber nicht nur den Wucherer stärker, sondern auch jede Kreatur, mit der er Marken geteilt hat. Mögen sie wachsen und gedeihen.

Doch Pfropfen ist noch viel mehr als eine bloße Veränderung von Stärke und Widerstandskraft. Der Vigische Pfropfmagier sorgt beispielsweise für einige ganz erstaunliche Dinge. Der Blutaugen-Lehrling ist – mit ein bisschen Unterstützung – schon allein eine ziemlich gefährliche Karte. Ein Blutaugen-Lehrling kann eine Marke vom Pfropfmagier erhalten, und ein Wucherungszauber wie Tezzerets Gambit kann den Lehrling nicht nur groß genug machen, um jede Runde eine Kreatur niederzumähen, sondern die Fähigkeit des Pfropfmagiers kann ihn in eine boardvernichtende Tötungsmaschine verwandeln. Peng! Peng, peng!

Wucherung in Schwarz und einige phyrexianische Manakarten gaben uns außerdem die Möglichkeit, Blutdurst mit reinzunehmen – der ursprünglich sowohl in Gildenbund als auch in Magic 2012 auftauchte – und der Mechanik noch ein paar zusätzliche Tricks beizubringen. Man muss zwar immer noch erst mit einer Kreatur durchkommen, um loszulegen, doch sobald eine Marke auf einer Kreatur mit Blutdurst liegt, ist Grimmige Heimsuchung nicht mehr nur ein Kampftrick gegen einen Angreifer oder Blocker, sondern kann plötzlich die Größe einer ganzen Reihe eigener Kreaturen erhöhen.


Fallstricke der Merkwürdigkeit

Um die richtige Balance für das Set zu finden, mussten wir eine ganze Reihe merkwürdiger Dinge ausprobieren. Wir wussten aber, dass nicht jedes davon nach dem Entwicklungsprozess hängenbleiben würde. Eine frühe Version von Modern Masters Edition 2015 ging in einiger Hinsicht weiter als unser Endergebnis: Dort war die weiß-blaue Mechanik Aufsteiger. Dies war zwar im Zusammenspiel mit Wucherung eine interessante Fähigkeit, führte aber schnell zu einem echt großen Problem: Wucherung fügt nicht zu jeder Marke etwas hinzu, sondern nur zu einer der Marken vom gewählten Typ. Das haben wir im Die Narben von Mirrodin-Block generell umgangen, indem es nur -1/-1-Marken auf Kreaturen zu legen gab und Ladungsmarken nur auf Nichtkreatur-Artefakten zuließen. Es war selten, aber nicht unmöglich, dass es im Limited von Die Narben von Mirrodin trotzdem vorkam. Da das grün-blaue Deck ein Pfropfendeck war, stellten wir aber schnell fest, dass dies im Limited von Modern Masters Edition 2015 ziemlich oft passierte. Wir führen unsere Testpartien zwar mit vollständigen Kartentexten durch, doch das bedeutet nicht, dass die Leute diese auch immer wirklich richtig lesen und verstehen, was in diesem Fall dazu führte, dass manch einer glaubte, er könne tatsächlich zu allen Marken etwas hinzufügen.

Selbst nachdem das geklärt war, machten es zwei verschiedene Arten von Marken auf den Aufsteigern ziemlich schwierig zu sehen, was denn nun genau die Werte der Kreatur waren, ohne den Gegner nach jedem einzelnen zu fragen. Letzten Endes fanden wir, dass die Kombination dieser Faktoren unseren Spielern selbst für Modern Masters zu viel abverlangte. Wir wollen zwar eine Umgebung erschaffen, die nicht durch die ganzen Beschränkungen der Interaktionen eingeengt wird, wie sie die Neue Weltordnung vorsieht, doch wir gehen andererseits auch nicht davon aus, dass die meisten Spieler dieses Format Dutzende von Malen spielen werden. Daher finden wir es ziemlich wichtig, dass die meisten Dinge schon im ersten Anlauf grundsätzlich richtig funktionieren sollten.


Mehr zu entdecken

Wucherung erzeugt einige der spannendsten Interaktionen in Modern Masters Edition 2015, aber längst nicht alle. Das Format geht ziemlich in die Tiefe, und es gibt eine Menge abseitiger Dinge zu tun sowie Mechaniken, die ihr bereits kennt, in einem neuen Licht zu sehen. Ich hoffe, ihr alle habt die Gelegenheit, ein paar Limited-Partien mit Modern Masters Edition 2015 zu spielen: in einem Store in eurer Nähe oder bei einem unserer Modern MastersWochenend-Grands Prix

Nächste Woche ist Briefsack-Woche, bei der ich eure Fragen zur Entwicklung beantworten werde.

Bis dahin

Sam (@samstod)

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