Flammenpfad-Phoenix

Veröffentlicht in Latest Developments on 2. Januar 2015

Von Sam Stoddard

Sam Stoddard came to Wizards of the Coast as an intern in May 2012. He is currently a game designer working on final design and development for Magic: The Gathering.

Die Previews zu Schmiede des Schicksals gehen weiter, und jetzt da sich die erste Woche dem Ende nähert, habe ich hier eine Karte für euch, die ihr hoffentlich ziemlich aufregend finden werdet. Traditionell achten wir darauf, dass jede Preview-Karte eine Karte ist, von der wir glauben, dass sie bei Turnieren für eine Menge Wirbel sorgen wird. Darüber hinaus soll sie außerdem die Farbpalette oder die immer neuen Methoden betonen, mit denen wir Karten machen. Das ist auch in dieser Woche so. Lasst mich euch also den Flammenpfad-Phoenix vorstellen.

Aus der Asche

Rot war schon immer eine Farbe mit einer Menge Power, aber auch mit ein paar auffälligen Lücken in seinen Karten fürs Constructed. Oft bekommt es eine Menge mächtiger, aber anfälliger Weenies, Burn sowie hier und da einen Drachen. Das ist ein Problem, an dem wir Stück für Stück arbeiten, indem wir Karten wie Groll der Götter kräftig anschieben, um roten Decks mehr Tiefe zu verleihen. Zumindest aber wollen wir dafür sorgen, dass aggressive rote Decks sich ein bisschen weniger wie die Glaskanonen verhalten, als die sie häufig enden: Entweder sie gewinnen in den ersten paar Zügen oder sie haben danach nicht mehr genug Kraft, ihren Schaden durchzubringen.

Ein Bereich für Rot, den wir ständig weiter erkunden, ist der Raum für Phoenixe. Auch wenn Schwarz traditionell die Farbe ist, die Kreaturen vom Friedhof zurückholt, gibt es eine Menge Präzedenzfälle – historische und Flavor-technische –, bei denen Rot Phoenixe bekam, um sich damit besser von Board-Swipes erholen zu können. Das Ziel ist es, Rot die Option zu geben, sich nicht nur darauf zu verlassen, die Lebenspunkte des Gegners möglichst rasch zu dezimieren, sondern diesen auch nach und nach zermürben zu können, damit die Partien spannender werden und sich nicht gleich in den ersten drei Runden alles entscheidet.

Phoenixe statten Rot außerdem mit etwas aus, was ihm normalerweise fehlt: mit mächtigen und billigen fliegenden Kreaturen. Der erste preiswerte Phoenix, den wir fürs Constructed herausbrachten, war Chandras Phoenix, der sich schnell im Standard und auch im Cube etablierte. Er diente als Vorlage für den Flammenpfad-Phoenix, wenn auch mit einer leicht anderen Herangehensweise. Anstatt den Gegner zu „verbrennen“, wollen wir, dass ihr das macht, worum es bei den Temur von Anfang an ging: Stärke 4 zu bekommen.

Auf Vier kommen

Da wir es hier mit einer Karte der Temur zu tun haben, ist der beste Weg, ihr Potenzial voll auszuschöpfen, eine Kreatur mit vier oder mehr Stärke ins Spiel zu bringen, am besten direkt nach einem Wipe. Glücklicherweise haben die Temur im Standard eine ganze Menge Möglichkeiten, genau das zu tun:

Das sind Kreaturen, die zwar mächtig, aber wenig widerstandsfähig sind – ein weiteres Gebiet, auf dem der Flammenpfad-Phoenix glänzt. Jede dieser Kreaturen ist ziemlich anfällig gegenüber Entfernungszaubern (außer du hast jede Menge Mana übrig, um die Stachelfaust aufzupumpen), teilt aber ordentlich aus. Gleichzeitig sind sie anfällig gegen Massenvernichtung, und hier brilliert der Phoenix am deutlichsten. Es ist leicht, in Runde Drei einen Phoenix und in Runde Vier eine Stachelfaust zu spielen. Spielt der Gegner dann ein Ende der Feindseligkeiten, kannst du in deinem fünften Zug entweder Sturmhauch spielen und den Phoenix in der nächsten Runde zurückholen, oder die Stachelfaust spielen, ihr Eile geben und trotzdem mit dem Phoenix angreifen und 6 Schaden machen. Je mehr Phoenixe sich in deinem Friedhof befinden, desto mehr Eindruck werden diese Züge hinterlassen.

Falls das Spielen mit großen Kreaturen allerdings nicht ganz dein Ding ist, gibt es jede Menge andere Möglichkeiten, den Phoenix im Standard auszureizen. So kannst du beispielsweise Karten aus dem Theros-Block einsetzen, um deine Kreaturen über die magische Schwelle von Stärke 4 zu befördern.

Durch die große Anzahl von Kreaturen mit Eile in Standard können diese, wenn sie mit dem Phoenix kombiniert werden, einem roten Deck mehr als genug Möglichkeiten bieten, sich durch große grüne Decks und ein paar Belagerungsnashörner zu schlagen.

Anwendungsgebiete für den Phoenix

Obwohl das aktuelle monorote Deck im Standard ein Blitzdeck ist, glaube ich, dass es Platz für etwas gibt, was ein bisschen weiter oben auf der Kurve liegt. Der Flammenpfad-Phoenix gewährt zwar nicht die Menge an Flammenschaden wie ein Goblin-Pöbeltreiber, macht das jedoch durch seine Widerstandsfähigkeit gegen die im Standard üblichen Entfernungszauber wieder wett: Gedankenergreifung, Des Helden Untergang und Mörderischer Schnitt. Er kann zwar den Pöbeltreiber nicht blocken, aber wenn man mit dem Gegner Entfernungszauber gegen Kreaturen tradet, kann man mit dem Phoenix tatsächlich am Ende die Nase vorn haben.

Eines der Hauptziele der Karte ist es, roten Decks eine Option zu geben, gegen die Wald-Karyatide in Runde Zwei bzw. Rennerin oder Polukranos in Runde Drei anzukommen. Statt sich einfach nur durch sie durchzuboxen, ist es möglich, sich in die Lüfte aufzuschwingen und über diese Blocker hinwegzufliegen. Hat man bereits Karten im Deck, die die eigenen Kreaturen auf Stärke 4 bringen, dann stellt man unter Umständen fest, dass man die Partie ziemlich schnell beenden kann, wenn man diese Karten auf den Phoenix anwendet.

Als wir den Phoenix (und ähnliche Karten) erschufen, war unsere Hoffnung, roten Decks damit eine Möglichkeit zu geben, sich daran anzupassen, wenn Decks, die üblicherweise kaum Flieger beinhalten, an Dominanz gewinnen (Stichwort „Abzan-Midrange“). Momentan ist es zwar richtig, den Goblin-Pöbeltreiber in vielen Decks zu spielen, aber Karten wie der Phoenix können ihn entweder ergänzen oder sogar ersetzen, wenn sich das Metagame so ändert, dass das nötig werden sollte. Solche Karten sorgen dafür, dass sich der Aufbau etablierter Decks ständig ändert, und sie gewährleisten eine viel höhere Flexibilität im Metagame, wodurch das Format Woche um Woche spannend bleibt.

Die andere (hinterhältigere) Möglichkeit, den Phoenix einzusetzen, beinhaltet, dass man seine Natur als „Wiedergänger“ zugunsten von Spaß und Profit ausnutzt. Im Lauf der letzten paar Jahre bekam Rot immer mehr Plündereffekte dazu, und diese lassen sich mit dem Phoenix füttern. Karten wie Quälende Stimme etwa sind hier gemeint. Das Abwerfen eines Phoenix gibt dir einen Vorsprung von einer Karte, wenn du deine Kreatur mit Stärke 4 ausspielst und sie zu dir zurückkehrt. Bislang haben wir „hinterhältige“, selbst-millende Decks in Schwarz, Grün und Blau gesehen. Jetzt hat Rot die Chance, da ebenfalls kräftig mitzumischen.

Der Flammenpfad-Phoenix in Aktion

Jetzt da ich euch erzählt habe, was der Flammenpfad-Phoenix theoretisch anstellen kann, wird es Zeit, euch zu zeigen, wie er sich so in der Praxis schlägt. Der Flammenpfad-Phoenix war aus unserer Ferne Zukunft-Liga definitiv nicht wegzudenken. Hier findet ihr ein paar Decks, in denen er auftauchte.

Das erste ist ein normales monorotes Aggrodeck, in das wir die Phoenixe eingebaut hatten, um zu sehen, wie sie sich in dieser Strategie machen.

Monorot Beatdown von Tim Aten

Download Arena Decklist

Wir versuchen aber nicht, unsere Karten nur in irgendwelche vorgegebenen Schablonen zu pressen. Wir wollen sie auch in Decks ausprobieren, die in der „echten Welt“ vielleicht nicht besonders gut funktionieren, um zu sehen, wie sie sich dann spielen. Ein Deck, an dem wir eine Weile getüftelt haben, war Big Red – im Grunde ein monorotes Kontrolldeck, das schon seit Jahren keine große Rolle mehr bei Turnieren spielt. Dass es immer mehr Midrange- und Kartenzieh-Strategien für Rot gibt, führt hoffentlich irgendwann zu einem Punkt, an dem dieses Deck auch ohne Karten wie Verbrannte Steppe oder Lebendige Brücke wieder eine valide Option wird.

Big Red von Ian Duke

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Hier versuchten wir, den Phoenix in einem Deck zu spielen, das zwar durchaus seine Möglichkeiten hatte, das Tempo in einer Partie ordentlich anzuziehen, bei dem es aber nicht nur darum ging, früh ein paar Kreaturen ins Spiel zu werfen und den Gegner dann per Burn zu erledigen.

Ein weiterer interessanter Ansatz von Ian Duke sollte noch mehr Kapital aus der Fähigkeit des Phoenix schlagen, vom Friedhof zurückzukehren.

Blau-Rote Zauberherz-Kombo von Ian Duke

Download Arena Decklist

Der Sinn dieses Decks war es, Karten wie Seherische Dämpfe, Quälende Stimme und Taigams Ränkespiel einzusetzen, um ein paar Phoenixe auf den Friedhof zu befördern und dann eine Zauberherz-Chimäre ins Spiel zu bringen, die Phoenixe zurückzuholen und den Gegner anzugreifen.

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn ich etwas näher auf die Entwicklung von Schmiede des Schicksals eingehe und ein paar Geschichten aus dem Entwicklerteam zum Besten gebe.

Bis zum nächsten Mal

Sam (@samstod)

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