Neuauflagen in Magic Ursprünge

Veröffentlicht in Latest Developments on 26. Juni 2015

Von Sam Stoddard

Sam Stoddard came to Wizards of the Coast as an intern in May 2012. He is currently a game designer working on final design and development for Magic: The Gathering.

Neuauflagen

Darauf habe ich lange gewartet: eine Karte für ein Set vorzustellen, bei dem ich tatsächlich die Leitung hatte. Für den heutigen Artikel möchte ich ein bisschen was über die Rolle erzählen, die Neuauflagen bei der Erstellung unserer Hauptsets spielen und wie ihre Zukunft ohne diese aussieht.

Wie man Neuauflagen zum Laufen bringt

Bei der Arbeit mit Neuauflagen werden wir ständig daran erinnert, wie kontextabhängig doch das Machtniveau sein kann. Ruf der Herde und Nantuko-Schatten haben wir als zwei der stärksten Karten ihrer jeweiligen Sets in Erinnerung, doch als wir eine davon in Zeitspirale und die andere in M11 neu auflegten, kamen sie in eine völlig andere Welt und konnten nicht richtig mithalten. Ein Großteil der unterstützenden Strukturen für diese Karten existierte schlichtweg nicht, und so rotierten sie auch ohne das geringste Aufsehen wieder raus.

Nantuko-Schatten | Bild von Brian Snoddy

Das kann aber übrigens in beide Richtungen gehen. Es gab Karten, von denen wir angenommen hatten, dass es einfach wäre, sie neu aufzulegen, nur um dann davon schier übermannt zu werden, wie mächtig sie durch den Unterschied im Kontext plötzlich geworden waren. Zum Beispiel stellten wir erst recht spät in der Entwicklung von M14 fest, dass wir einen billigen, blauen Kartenfilterzauber brauchten, da der im Order einfach nicht funktionierte. Als wir diejenigen durchgingen, die wir für vernünftige Neuauflagen hielten, spielten wir so etwa eine Stunde lang mit Ausgenutzte Zeit herum. Wie sich zeigte, kann es ziemlich mächtig sein, sich drei Karten anzusehen und eine oben auf die Bibliothek zu legen, wenn es sich bei dieser letzten Karte um Leuchtfeuer der Verdammten handelt.

Und das gilt nicht nur im Constructed. Ich erinnere mich, dass ich eine Weile den Schlachtrassel-Schamanen ausprobiert hatte, weil ich ihn für M15 für eine interessante Karte fürs Limited hielt. Wir packten ihn in denselben Slot, den er auch in Aufstieg der Eldrazi hatte – als häufige Karte –, und wir stellten rasch fest, dass er einfach nur ein fieser, großer Knüppel war. Wir hatten glatt vergessen, dass er so stark war, doch die Qualität der roten Karten in Aufstieg war ohnehin völlig jenseits von Gut und Böse, und der Schlachtrassel-Schamane rangierte bei den häufigen Karten noch hinter Flammenstreich, Taumelschock, Hitzestrahl und Emrakuls Amme. Abgesehen davon war das Set darauf ausgelegt, die Arten von Decks auszubremsen, die den Schlachtrassel-Schamanen so richtig stark machten. Sobald man ihn in ein Set ohne diese Beschränkungen packte, fühlte sich die Karte übermächtig an.

Die Philosophie dahinter, warum wir Karten neu auflegen, ist nicht ganz einfach. Manchmal machen wir das, weil uns wirklich gefiel, was die ursprüngliche Karte konnte, und wir die Notwendigkeit nicht sehen, ein bereits existierendes starkes Design weiter zu verbessern. Andere Male liegt es daran, dass die fragliche Karte perfekt in ein Setting passt und sehr viel dazu beiträgt, die Spieler glücklich zu machen. Neuauflagen transportieren ein bedeutendes Maß an Nostalgie, und ich finde es eine tolle Sache, den Leuten zu erlauben, genau dasselbe Stück Pappe wiederzuverwenden, das sie bereits vor einem Jahrzehnt oder vor noch längerer Zeit auf der Hand hatten. Das wird allerdings nicht immer der Fall sein: Manchmal haben alte Karten komische Formulierungen, Namensunstimmigkeiten oder irgendein anderes kleines Problem, das uns dazu veranlasst, eine neue Karte zu machen, die diese Rolle ausfüllt.

Wir haben jedoch herausgefunden, dass die Spieler neue Karten immer mögen und es oft gar nicht gutheißen, Karten in einem Booster zu einem Hauptset zu finden, die sie schon hatten. Darüber hinaus birgt es auch ein gewisses Risiko, dass die Spieler irgendwann genug davon haben, immer und immer wieder gegen dieselben Karten anzutreten, und daher seltener spielen, wenn wir immer wieder dieselben Karten ins Standard packen.

In Ursprünge gab es wiederum andere Komplikationen mit den Neuauflagen: Diese konnten nämlich nur von den zehn Welten stammen, die in Magic Ursprünge vorkamen, oder mussten dies zumindest glaubwürdig vorgaukeln können. Nichts aus Tarkir, Mirrodin, Kamigawa oder den zahlreichen anderen Welten war zugelassen. Das machte die Aufgabe, Karten in der Spätphase der Entwicklung noch zurechtzufeilen, erheblich schwieriger, denn allein schon kleine Anpassungen der Manakosten führten zu einer wahren Kaskade von Änderungen, während wir nach Ersatz suchten, der den Anforderungen entsprach.

Lieblingskarten

Das Tolle daran, Chefentwickler für ein Set zu sein, ist, dass man einen gewissen Spielraum hat, Karten mit hineinzunehmen, die man einfach gern hatte – einschließlich der Neuauflagen. Das heißt nicht, dass man jeden Unsinn oder zu übermächtige Karten mit Gewalt durchdrücken kann. Man kann aber sehr wohl eine ganze Menge eigener Entscheidungen treffen und die Karten reinmogeln, von denen man glaubt, dass sie auch wirklich gut funktionieren. Das ist etwas, was dabei hilft, dass sich jedes Magic-Set anders anfühlt als die anderen, denn jedes hat einen Chefdesigner und einen Chefentwickler, die ihre Entscheidungen nicht mithilfe demokratischer Abstimmungen im gesamten Team treffen. Die Vorlieben verschiedener Leute sind in jedem ihrer Sets klar zu erkennen.

Meine Preview-Karte für heute ist genau so eine Karte: etwas, was ich in meiner Laufbahn als Magic-Spieler immer geliebt habe und das ich sowohl ins Standard als auch ins Modern zurückbringen wollte. Wie vorhin erwähnt, war es außerdem wichtig, dass die Karte wirklich die Chance hatte, in diesen Formaten gut zu sein: Frühere Neuauflagen starker Karten wie Ruf der Herde oder Nantuko-Schatten in Umgebungen, in denen sie viel schwächer waren, sorgten zwar für diese coolen Momente der Nostalgie für einige Spieler, die sich das Set ansahen, aber trotzdem auch für eine gewisse Unzufriedenheit, sobald sie dann feststellten, dass ihre Erinnerung daran, wie mächtig die Karte war, sie wohl getäuscht hatte.

Doch jetzt habe ich genug um den heißen Brei herumgeredet. Lasst mich euch also meine liebste Neuauflage in Magic Ursprünge zeigen. Es ist der Goblin-Rudeltreiber:

Etwas, was mir am Goblin-Rudeltreiber immer schon gefallen hat, war, dass er quasi ein Goblinfürst ist, aber nicht auf die übliche Weise, indem er einfach alle Kreaturen größer macht. Die Sicherheit und das Wohlergehen unseres Mardu-Spähers da drüben könnten ihn kaum weniger kümmern: Er will einfach nur da rausgehen und auf seine persönliche Weise sein Bestes geben. Und warum auch nicht? Goblins sind nicht gerade für ihr fürsorgliches Naturell bekannt: Sie handeln nur zu ihrem eigenen Wohl. Das gibt der Karte ein paar Schwächen – Blocker beispielweise –, aber sie hat auch einen größeren Bonus pro Goblin, als wenn wir die Werte breiter erhöhen würden.

Mir gefällt die Idee, dass verschiedene Stämme Fürsten haben, die auf verschiedene Weise Vorteile erhalten, und das ist etwas, wofür ich mich als Mitglied des Entwicklerteams immer starkgemacht habe. Dwynen beispielsweise gibt allen Elfen +1/+1, doch das liegt daran, dass sich das genau wie die Art von Bonus anfühlt, die die Mitglieder eines Stamms wie dem der Elfen einander geben würden. Ich glaube nicht, dass wir jemals aufhören werden, hin und wieder einen Fürsten zu erschaffen, der seinem Stamm +1/+1 verleiht, doch ich hoffe, dass wir in Zukunft insgesamt weniger davon sehen werden.

Kleine Randbemerkung: Der Goblin-Rudeltreiber ist tatsächlich die einzige Kreatur mit Schutz im ganzen Set. Eine Weile gab es noch mehr von ihnen, aber die anderen wurden nach und nach aussortiert oder abgeändert. Es kam eine Zeit, als ich den Rudeltreiber gegen eine hauptsächlich funktionale Neuauflage ohne den „Schutz vor Blau“ hätte austauschen können, doch ich glaube, das ist ein Teil des Charmes dieser Karte. Es ergibt irgendwie keinen Sinn, dient aber einem wichtigen Zweck, und zwar besonders dann, wenn die Karte auch im Modern eine Chance haben soll. Und außerdem: Gibt es etwas Besseres als die Illustrationen von Matt Covotta?

Die Zukunft der Neuauflagen

Obwohl die Anzahl der Neuauflagen in unseren Hauptsets im Lauf der letzten Jahre zurückgegangen ist, bedeutet der Wegfall der Hauptsets, dass es zukünftig noch weniger Raum für weltenspezifische Neuauflagen geben wird. Wir werden immer irgendwo kleine Lücken für sie finden, doch wir müssen die Anforderungen der jeweiligen Welt erfüllen, und da gibt es nun mal Grenzen. Selbst wenn der Nachtstahlreaktor die perfekte Karte für ein Set wäre, kann sie nicht einfach irgendwo auftauchen: Sie muss dort bleiben, wo es auch tatsächlich Nachtstahl gibt, und das ist (bislang) nur Mirrodin/Das neue Phyrexia. Wir können eine Karte machen, die genau so funktioniert, doch der Name müsste geändert werden. Gleichermaßen können wir, wenn es auf einer bestimmten Welt keine Goblins oder Elfen gibt, nicht einfach eine Kreatur, die ein Goblin oder Elf ist, auf dieser Welt auftauchen lassen, sondern müssen uns mit einer funktionalen Neuauflage begnügen.

Nachtstahlreaktor | Bild von Kev Walker

Ungeachtet dessen glauben wir, dass Neuauflagen eine wichtige Rolle spielen, und wir haben viel Arbeit investiert, um sie in unsere Sets ab Schlacht um Zendikar zu integrieren. Es gibt keine genauen Zahlen, wie hoch die Anzahl der Neuauflagen in jedem Set sein soll, denn es ist wesentlich dringlicher, sie in wiederkehrende Sets als auf neue Welten zu packen. Doch wann immer es möglich ist, wollen wir dafür sorgen, dass die besten und beliebtesten Karten in Magic hin und wieder zurückkehren.

Neben dem Ausprobieren weiterer Neuauflagen in unseren normalen Erweiterungen wird auch die Tatsache, dass wir nun zwei Welten pro Jahr besuchen, die Geschwindigkeit erhöhen, mit der wir neue Orte besuchen können, und das schafft mehr Raum für diese besonderen Karten. Und außerdem haben wir eine Reihe anderer Produkte wie Commander und Duel Decks, die von dieser Art von Karten profitieren, sodass sie sicher nicht in Vergessenheit geraden werden.

Das war‘s für diese Woche. Ich hoffe, euch hat die erste Preview-Woche zu Magic Ursprünge gefallen, und ich freue mich schon darauf, euch bei Gelegenheit noch mehr zu dem Set erzählen zu können.

Nächste Woche gibt es mehr über das Entwicklerteam von Magic Ursprünge und die Herausforderungen dabei, ein Set zu machen, das irgendwo zwischen einem Hauptset und einer normalen Erweiterung angesiedelt ist.

Bis zum nächsten Mal

Sam (@samstod)

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