Alle, die uns vorangingen

Veröffentlicht in Magic Story on 1. Juni 2016

Von Leah Potyondy

Leah works somewhere in the depths of Wizards of the Coast. Occasionally she emerges into the daylight and writes something.

Cho-Akhan kümmert sich um die Toten. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf der Cho-Arrim tief im Harschforst. Das Leben im Dorf ist ruhig und friedlich, und der lange Arm Merkadias scheint in unendlich weiter Ferne ...


Der Morgen begann genau wie viele andere: mit einer Toten.

Cho-Akhan war an Tote gewöhnt. Ihre Mutter – nun, die Mutter, die sie geboren hatte, nicht die andere – war Totenwächterin. Sie nahm die Körper der verstorbenen Cho-Arrim bei sich auf und kümmerte sich um sie, damit ihre Seelen an ihre letzte Ruhestätte geleitet werden konnten. Auch ihr Vater war diesem Handwerk nachgegangen, bis er sich den Reihen seiner Schützlinge angeschlossen hatte. ‘Akhans Ahnen stellten eine lange Linie solcher Menschen dar. Als ihr Tag also mit dem Aufgehen der Sonne begann und sie sich wusch und anzog, ehe sie sich zu ihrer Mutter Cho-Fihad gesellte, um sich der Leiche einer Frau aus dem Dorf anzunehmen, war das nichts Ungewöhnliches.

Die Frau, eine Kundschafterin namens Cho-Hanni, war krank gewesen. Als noch Leben in ihr gewesen war, hatte sie etwas von innen heraus aufgefressen, und der Gestank ihrer Leiche, als sie sie in Empfang genommen hatten, war schon eher ungewöhnlich gewesen. ‘Fihad fuhr mit einer Hand über Cho-Hannis aschgraues Gesicht und bat ‘Akhan, hinauszugehen und mehr duftende Kräuter zu holen, um die Leiche damit zu füllen, ehe sie sie auf die Reise schickten. Cho-Hanni würde sicherlich nicht in dem Wissen den Fluss hinabreisen wollen, dass ihr Leichnam derart grässlich stank, selbst wenn er letzten Endes verbrannt werden würde.

‘Akhan verdrehte die Augen, als ‘Fihad nicht hinsah. ‘Fihad hatte vielerlei Vorstellungen, was die Toten wollten oder auch nicht wollten. Genau wie viele andere Erwachsene im Dorf. Obwohl ein Toter kaum in der Lage war, irgendetwas zu wollen. ‘Akhan waren die Toten wichtig, doch sie glaubte nicht – wie es ihre Mutter ganz offensichtlich tat –, dass sie ihnen umgekehrt ebenfalls wichtig war.

„Wirst du diesmal wenigstens kurz über einen Garten nachdenken?“, fragte sie, während sie nach ihrem Sammelbeutel griff. „Es wäre so viel leichter, wenn wir die Kräuter hier anbauen würden. Wir haben genug Platz, und ich könnte ein paar mehr mitbringen, um sie einzupflanzen.“

‘Fihad schüttelte den Kopf und lächelte nachsichtig. „Ach, meine starrsinnige Tochter. Du weißt, dass diese Kräuter am besten im Wald gedeihen. Würden sie im Garten wachsen, würden sie sicher die Wildnis vermissen. Ihnen würden die Bäume und der Fluss fehlen.“

‘Akhan rang sich ein Lächeln ab und schulterte ihren Beutel. Mit sechzehn wusste sie bereits, dass es keinen Sinn hatte, ihrer Mutter zu widersprechen.

Auch wenn sie es wollte. Oh, wie sehr sie das wollte. ‘Akhan spielte den Streit in Gedanken durch, während sie den Feldweg entlangging, der aus dem Dorf hinausführte. Es war lächerlich, dass sie einen so weiten Weg auf sich nehmen musste, um etwas zu beschaffen, was sie auch zu Hause hätte anbauen können. Sie kannte sich mit Pflanzen aus. Ihr Bruder Cho-Ran auch. Sie wusste, dass er ihr mit dem Garten helfen würde, wenn er nicht gerade mit den anderen Kundschaftern unterwegs war. ‘Fihad hätte nicht einmal Arbeit damit ...

Sie gelangte zum Fluss und folgte seinem gewundenen Lauf, während sie den Geräuschen lauschte, die er machte, als er über Steine und Wurzeln sprudelte. ‘Fihad glaubte, er wäre voller Seelen, die sich auf dem Weg dorthin befanden, wohin auch Cho-Hanni unterwegs war. Natürlich tat sie das. ‘Akhan wandte sich nach Norden, weg vom Fluss und hin zu jenem dichten Gehölz, in dem die duftenden Kräuter wuchsen. Sie dachte daran, den Garten dennoch anzulegen. Was sollte ‘Fihad schon tun? Die Kräuter an den Wurzeln herausreißen, wenn sie sie hinter dem Haus eingepflanzt fand?

Den ganzen Weg zu ihrer Sammelstelle schmollte sie vor sich hin, völlig im zunehmend enger geschnürten Knäuel ihrer Gedanken verloren. Und sie hätte weiter geschmollt, wäre nicht ein großer gehörnter Troll durch die Bäume vor ihr gebrochen – unmittelbar in ihren Weg.

Überrascht stolperte sie zurück, verfing sich mit dem Fuß in einer dicken Wurzel und rollte einen steilen Abhang hinunter, den sie peinlicherweise übersehen hatte. Am Fuß des Abhangs befand sich eine kleine Mulde, in die sie sich hineindrückte und verzweifelt hoffte, dass der Troll sie nicht bemerkt hatte.

Er war groß und sehr wütend. Erdklumpen hüpften den Hang hinunter und über den kleinen Vorsprung über ‘Akhans Kopf hinweg. Sie grub ihr Gesicht in das tote Laub. Geh weg, dachte sie flehend. Geh weg, geh weg, geh weg.

Nach einer Zeit, die sich wie ein oder zwei Ewigkeiten anfühlte, verklang das Geräusch der Schritte des Trolls, der durch die Bäume ins Unterholz davonstapfte. Wahrscheinlich hat er auch all meine Kräuter zertrampelt. Das fehlte noch. ‘Akhan ging in die Hocke und wischte sich den gröbsten Schmutz von der Kleidung. Gerade hatte sie ihren Beutel auf der Schulter zurechtgerückt, als etwas ihre Aufmerksamkeit auf sich zog.

Sie war schon viele Male hier gewesen, um Kräuter zu sammeln. Dies war der Ort, der dem Dorf am nächsten lag, und sie hatte sich selten tiefer in den dichten Wald vorgewagt. Sie hatte allerdings vorher kaum Zeit am Fuß dieses einen Abhangs verbracht – und schon gar nicht, um sich vor wütenden Trollen zu verstecken –, weswegen sie sich auch verzeihen konnte, bislang noch nie die verzierte Steinsäule bemerkt zu haben, die verdächtig wie ein halber Türrahmen aussah. Sie war kaum größer als sie selbst und von dicken Ranken überwuchert. Und dahinter ...

Sie zog die Ranken fort, ehe ihr klar wurde, was sie da eigentlich tat. Ihre Bemühungen brachten weitere verwitterte Steine zum Vorschein, die makellos ineinander gefügt waren. Gekritzel, von dem sie annahm, es handelte sich um Schrift, waren in die Steine hineingeritzt. Dies war ein Türrahmen. Keine Frage. Ein Türrahmen, den man passgenau zugemauert hatte.

Unerträglich neugierig zog sie Stein um Stein beiseite, bis die Öffnung groß genug war, dass sie sich hindurchquetschen konnte. Im Inneren wartete trockener Staub, der von den Luftströmen, welche durch die gerade erst geöffnete Tür drangen, nur schwach aufgewirbelt wurde. ‘Akhan tastete sich durch den Gang voran. Ihre Finger strichen über bröckelnden Schmutz. Bald war das schwache Licht der Außenwelt ganz verschwunden. Sie wünschte, sie hätte etwas, um den Weg zu beleuchten, doch es war zu spät für eine Umkehr. Sie musste weitergehen.

Der Gang weitete sich jäh zu einer kleinen Kammer. Sie spürte, wie die Wände zurückwichen und sich der Raum um sie herum noch tieferen Schatten öffnete. Und dort, in der Mitte des Kammer, erkannte sie einen Schemen, der sich nur ein klein wenig von der Dunkelheit abhob. Etwas wie ein Sockel, auf dem etwas lag ...

Eine Leiche.

‘Akhan schlich näher. Eine alte Leiche, erkannte sie. Eine unglaublich alte Leiche, die in ausgetrocknetes Tuch gehüllt war. Und was hatte sie dort auf dem Gesicht? Es schien ein kaum wahrnehmbares Licht abzustrahlen. ‘Akhan schlich noch näher und streckte vorsichtig die Hand aus ...

Eine leuchtende Masse brach um ihre tastenden Finger herum hervor. Sie sprang zurück. Ihr Herz hämmerte ihr in der Brust. Motten, erkannte sie. Ein Schwarm schwach leuchtender Motten, die aus dem Gegenstand unter ihren Händen aufstiegen.

Umgeben von den trockenen Schlägen Dutzender fedriger Flügel blickte sie erneut auf das Gesicht hinunter, auf das nun Licht von außen fiel.

Eine Maske, wurde ihr klar. Die Leichte trug eine in Stücke zersprungene Maske.

Nein ... nicht zersprungen. Die Teile der Maske waren in das mumifizierte Fleisch dieses Gesichts eingebettet. Sie stellte sich vor, wie es sich wohl anfühlen mochte, wenn Haut über Tonscherben wuchs, sie willkommen hieß, in sich einschloss ...

Plötzlich konnte sie die Höhle gar nicht schnell genug verlassen. Um sie herum wirbelten die Motten auf wie ein tobender Sturm.


‘Akhan kehrte mit einem Beutel voller Kräuter heim, und auch wenn Mutter Cho-Shadi eine Augenbraue hob, während sie ihren langen Speer polierte, verlor Mutter ‘Fihad kein Wort über die Verspätung. Stattdessen lächelte sie einfach und hieß ‘Akhan, bei der weiteren Verarbeitung der Kräuter zu helfen.

„Ich habe heute einen Troll gesehen“, sagte ‘Akhan absichtlich beiläufig, während sie die Kräuter in kleine Leinensäckchen packte. ‘Fihad hatte bereits Cho-Hannis geschwärzte Organe entfernt, deren Platz ‘Akhans Säckchen in Bälde einnehmen sollten.

Mutter ‘Shadi, die sich vor nichts und niemandem fürchtete, zuckte beinahe unmerklich zusammen. Mutter ‘Fihad seufzte und nahm eines der Säckchen von ‘Akhan entgegen. „Sie sind rastlos. Mehr als sonst ...“ Sie runzelte die Stirn. „Etwas Böses braut sich zusammen. Der Harschforst fürchtet sich.“ Ihre Nasenlöcher weiteten sich. „Das riecht nach Merkadia.“

‘Akhan schob das Kinn vor. Das war ein altes Argument, diese Sache mit Merkadia. „Es kommt nichts Böses, Mutter.“ Sie reichte ihr ein weiteres Säckchen voller duftender Kräuter. „Die Merkadier kommen nicht hierher. Sie sitzen nur in ihrer großen glänzenden Stadt herum und senden nie Krieger zu uns aus.“

Mutter ‘Shadi schnaubte verächtlich. „Hör dir nur unsere erwachsene Tochter an, ‘Fihad. So bewandert in der Lenkung eines Reichs. So sicher, dass sich dieser große aufpolierte Käfig nicht bewegt.“

‘Akhan presste die Kiefer zusammen. „Die Städter lieben ihre Stadt, und Städte bewegen sich nicht. Merkadia wird nicht kommen. Und auch sonst nichts. Wenn überhaupt, dann solltet ihr euch Sorgen darüber machen, dass ihr mich so weit laufen lasst, um Kräuter zu sammeln, wo es doch hier hinten ausreichend Platz für sie gibt. ‘Ran würde mir sicher damit helfen, und ich würde nicht fast von Trollen gefressen werden!“

‘Fihad lächelte jenes leise Lächeln, das bedeutete, dass sie an ‘Akhans Vater dachte und durch etwas in ‘Akhans Gesicht oder Bewegungen an ihn erinnert worden war. Vielleicht war ihre Wahl deshalb auf ‘Shadi gefallen, nachdem ihr Gatte sechs Jahre im Fluss geweilt hatte. Die raue ‘Shadi, flink mit dem Speer, karg an Worten und so verschieden von ‘Akhans Vater wie ein Jaguar von einem Lamm. Aus ‘Akhan, die sich angesichts dieses Lächelns stets unwohl fühlte, sprudelten nun noch mehr Worte hervor:

„Ich habe auch eine Leiche gefunden.“

‘Fihad blickte besorgt von Cho-Hanni auf. „Aber doch nicht jemanden aus dem Dorf?“, fragte sie. „Breitet sich diese Krankheit aus?“

‘Akhan schüttelte rasch den Kopf. „Nein, nein, das nicht. Sie ist schon lange tot und liegt verborgen in einer Höhle. Sie hatte eine Maske ...“ Sie nahm erklärend die Hände vor die Wangen. „... die in ihr Gesicht eingelassen war.“

‘Fihads Blick wurde stechender. „Es scheint, du hast einen unserer alten Schamanen gefunden. Es sind nicht mehr viele von ihnen übrig. Der Harschforst verschlingt sie gern mit Haut und Haar.“

‘Akhan hob eine Augenbraue. „Schamanen? Schamanen sagen nur die Ernte voraus und segnen die Jagd. Sie sprechen schöne Worte, wenn jemand stirbt. Solche Dinge machen sie.“ Sie rammen sich keine Tonscherben in die Haut.

„Vielleicht nicht unsere Schamanen. Aber meine Mutter hat mir Geschichten erzählt. Sie sagte, vor langer Zeit hätten unsere Vorfahren ihr Volk mit Masken geehrt. Und nicht nur ihre eigenen verstorbenen Vorfahren, sondern auch die Lebenden. Ihre Eltern und Geschwister und Kinder, mit denen sie Heim und Herd teilten.“ Sie blickte zu Cho-Hanni herab, die darauf wartete, zugenäht und in Tücher gehüllt zu werden. „Die Lebenden wie die Toten.“

„Aha.“ ‘Akhan reichte ihrer Mutter Knochennadeln, die spitz genug waren, um einen Finger zu durchstechen, ehe man es überhaupt merkte. „Lebende und Tote. Verstehe.“ Sie wollte nicht wissbegierig erscheinen. ‘Fihad nahm dies stets zum Anlass, sie in ausschweifende Vorträge über alten Mystizismus und alte Flüsse, die alte Seelen trugen, zu verwickeln. Doch sie war wissbegierig, und das war für sich genommen schon beinahe verdrießlicher als all der Kram, den ‘Fihad glaubte.

‘Fihad nahm die Nadel von ihrer Tochter entgegen und fädelte Garn ein, um sich der Aufgabe zu widmen, Cho-Hannis Leichnam zusammenzunähen. „Das klingt seltsam, nicht wahr? Aber diese Schamanen haben ihre Masken aus allen möglichen Teilen zusammengesetzt. Wie ein Mosaik. Jedes Teil sollte einen anderen Aspekt ihres Volkes darstellen oder vermitteln. Wie ein Bild dessen, wer sie waren und was sie taten. In einer solchen Art von Verbindung liegt große Macht. Es ist schändlich, wie viel wir vergessen haben.“

„Ein Bild. Sicher.“ ‘Akhan schüttelte betont den Kopf und beendete ihre Arbeit schweigend. Doch tief in ihrem Inneren verspürte sie einen feinen Kitzel.


Lange Stunden waren vergangen, seit Cho-Hannis Leichnam – auf einer Bahre aus duftendem Zedernholz und in die Farben des Morgens gehüllt – zum Fluss gebracht worden war. Ihr Schamane – ihr gewöhnlicher Schamane mit einem gewöhnlichen Gesicht – hatte seine Worte über der Toten gesprochen, während Mutter ‘Fihad sich die Augen bedeckt hatte. Sie meinte, Totenwächter sollten ihre Augen abwenden, damit die Seele aus dem Körper und in den Fluss schlüpfen konnte, ohne dass jemand dabei zusah. Auch ‘Akhan vollführte die Geste, ohne sie jedoch ernst zu meinen. Das hielt sie so, seit sie klein war. Der Fluss war ruhig und friedlich. Ein guter Ort für eine Beisetzung. Was er jedoch nicht war, war eine magische Straße für Seelen. Cho-Hanni war tot. Ende der Geschichte.

Nun war es dunkel und ein schwerer Sommerregen trommelte auf das Dach. Über das Geräusch konnte sie ‘Ran auf der anderen Seite der Tuchwand, die sie voneinander trennte, laut schnarchen hören. Ihr älterer Bruder war gleich, nachdem Cho-Hannis Leiche verbrannt und die Asche in den Fluss verstreut worden war, von seinem jüngsten Spähgang nach Hause gekommen. Wenig überraschend für ‘Akhan brachte er keinerlei Neuigkeiten über herandrängende merkadische Soldaten oder in der Stadt gebaute Kriegsmaschinen mit, wohl aber eine aberwitzige Geschichte über einen Bärenangriff, der Mutter ‘Shadi schnaufen und ihm einen Klaps auf den Hinterkopf versetzen ließ. Seinem Schnarchen nach zu urteilen, schlief er tief und würde früh erwachen, bereit zu neuen Taten. Er hatte sogar eingewilligt, ihr mit dem Kräutergarten zu helfen und ihr ein verschwörerisches Blinzeln geschenkt, als Mutter ‘Fihad einmal nicht hinsah. Es würde ein guter Tag werden.

Die Geräusche der Nacht hätten sie mittlerweile längst in den Schlaf wiegen sollen, doch stattdessen waren ihre Sinne genau deshalb hellwach. Sie dachte unaufhörlich an die tote Schamanin und ihre tote Bildermaske, die verborgen und vergessen in dieser zerbröckelnden Kammer unter der Erde lag.

Immerhin hat sie seltsame Motten, die sich an sie erinnern. Die ihr Licht geben, damit sie etwas sieht ...

Ehe sie wusste, was sie tat, war ‘Akhan vollständig angezogen und schlich sich zur Tür hinaus. Sie vertraute auf den Regen und ‘Rans unablässiges Schnarchen, die Geräusche ihres Aufbruchs zu verbergen. Der strömende Regen prasselte ihr auf die Haut und ließ ihr schwarzes Haar augenblicklich an ihrem Kopf kleben.

Sie machte sich auf den Weg zum Fluss.

Sie versuchte, ihre Schritte vom Vortag zurückzuverfolgen, und ging am rauschenden Wasser entlang. Der Fluss strömte breit und wild und fröhlich im Regen dahin und schwappte hier und da über die Ufer. Sie war gerade dabei, sich in die Bäume zu schlagen, als etwas sie plötzlich innehalten ließ.

Dieses Etwas war Mutter ‘Shadi, nass vom Regen, mit ihrem langen Speer in der Hand. Sie stand stocksteif da und blickte auf eine große Masse, die zu ihren Füßen lag. Das Wasser, das von der Speerspitze tropfte, war blutrot.

„Innerlich tot“, murmelte ‘Shadi, als ‘Akhan sich näherte. Sie richtete die Speerspitze nach unten, um auf etwas zu deuten. Gebannt folgte ‘Akhan der Blicklinie, die der Speer vorgab, hinunter zu der Leiche des gehörnten Trolls, die im Schlamm ausgestreckt lag. ‘Shadi hatte ihm den Bauch aufgeschlitzt, und stinkende, geschwärzte Innereien quollen aus der Wunde.

„Wie bei Cho-Hanni“, hauchte ‘Akhan. Der Gestank der Krankheit stieg ihr trotz des heftigen Regens in die Nase.

Ihr Magen krampfte sich zusammen.


Mehr Leute im Dorf wurden krank. Es dauerte nicht lange. Cho-Annu, der Speermacher. Cho-Biaal, die stets den ganzen Tag damit verbrachte, ihre Kleider zu waschen, damit sie auch ja den ganzen Klatsch hörte, den man sich am Fluss erzählte. Cho-Tunni, die drei Hunde, aber keinen Gatten hatte. Menschen, die ‘Akhan ihr ganzes kurzes Leben lang gekannt hatte, wurden einer nach dem anderen dahingerafft. Die Heiler brachten all ihr Können auf – alte Künste ebenso wie neue Ansätze –, doch die Kranken erlagen dennoch dem Fieber. Einer nach dem anderen folgten sie jenem Pfad, den auch Cho-Hanni genommen hatte. Cho-Annu, Cho-Biaal, Cho-Tunni: Sie alle wurden im Haus ‘Akhans und ihrer Mütter aufgebahrt. Asche für den großen Fluss.

‘Ran, mit seinem Haar wie Krähenfedern, der hingebungsvolle älteste Sohn, der geliebte Bruder ‘Akhans, spürte, wie sich seine Lungen in ihm zusammenzogen und schwarz wurden. Er starb in ihrem Zuhause, und sie mussten ihn kaum drei Schritt tragen, um ihn auf seine Reise vorzubereiten.

Seine Reise. Die Worte lagen bitter und unausgesprochen auf ‘Akhans Zunge. Nun würde es keinen Garten geben. Mutter ‘Fihad strich ihrem Sohn übers Haar, das noch immer feucht von altem Schweiß war. „Der Fluss wird ihn führen“, sagte sie. „Er wird ihn zur Ruhe geleiten.“

Eine pelzige braune Motte, die im Inneren des Hauses gefangen war, prallte auf der Suche nach einem Ausgang immerzu gegen die Decke. ‘Akhan sah zu, wie sie sich mühte. Sie fühlte sich hilflos und wütend. „An diesem Fluss ist nichts Besonderes“, fauchte sie. „‘Ran ist tot.“ Und dann leiser: „Er kommt nicht zurück.“

‘Fihad sagte nichts, und ‘Akhan tat so, als sähe sie nicht, wie ihre Mutter weinte, als sie den Leichnam ihres Sohns herrichtete. Sie presste zähneknirschend die Kiefer zusammen und zählte die Kräutersäckchen. Sie hatte in letzter Zeit so viele von ihnen gemacht. Zum ersten Mal neidete sie ihrer Mutter ihren Glauben. ‘Fihad würde irgendwie Frieden finden, selbst mit ihrem toten Sohn in den Armen. ‘Akhan war jedoch überzeugt, dass es für sie selbst keinen Frieden geben würde.

Die Motte mühte sich noch immer. Ihr kleiner Leib prallte wieder und wieder gegen die Decke. ‘Akhan wollte schreien. Da drüben ist ein Fenster, dachte sie. Es ist doch nicht zu übersehen. Flieg einfach nach unten, und dann bist du frei.

Flieg einfach nach unten.

Die Maske schlich sich in ihre Gedanken. Die Maske der toten Schamanin – tief, tief, tief unter der Erde –, erleuchtet von altem Wissen und dem Flüstern staubiger Flügel. Sie hätte dies bestimmt gesehen, dachte ‘Akhan. Wenn sie wirklich Macht besitzen würde – wenn Mutter recht hätte –, dann hätte sie dies vorhergesehen. Oder?

‘Akhan legte eine Hand über die Augen und fand einen Tränenschleier.


‘Ran war seit neun Tagen im Fluss, als ‘Shadi Neuigkeiten brachte. Kundschafter der Cho-Arrim, die ‘Rans Tod noch enger zusammengeschweißt hatte, hatten sich Asche um die Augen gerieben und waren in die Wildnis des Harschforsts verschwunden, gemeinsam mit ‘Shadi. Sie waren kurz vor Einbruch der Dämmerung zurückgekehrt, um Kunde von kleinen Gruppen merkadischer Soldaten zu bringen, die die Insignien ihrer glänzenden Stadt trugen. Die Soldaten reisten mit leichtem Gepäck. Sie trugen nur wenige Waffen. Doch hinter ihnen schauderten und stöhnten die Bäume. Wurzeln verkrümmten sich in der Erde und Krallenäffchen fielen aus ihren Nestern in den hohen Wipfeln, um auf Betten aus totem Laub zu verwesen.

Sie brachten Krankheit in den Harschforst.

„Nichts als Plünderer“, murmelte ‘Shadi, während sie sich den Schmutz von den sehnigen Armen wischte. „Sie werden uns alle töten, ohne überhaupt Hand an einen einzigen Cho-Arrim zu legen, und danach unsere Gerippe nach allem durchwühlen, was noch übrig ist.“

Der Harschforst fürchtet sich.

Merkadia kommt nicht hierher.

‘Akhan hatte sich noch nie in ihrem Leben so schuldig gefühlt. Das Gefühl steckte ihr schwer und düster in den Knochen. Sie hätte ihr Leben verwettet, dass ‘Fihads Ängste nur Aberglauben waren – dass sie nur eine Erwachsene war, die nicht verstand, dass die Welt sich verändert hatte. Stattdessen hatte ‘Fihad recht und ‘Ran hatte für ‘Akhans Fehler mit dem Leben bezahlt.

Er war ihretwegen tot. Denn sie hatte ihrer Mutter nicht geglaubt. Denn sie wusste nur, wie man eine Leiche herrichtete, aber nicht, wie man ein Leben rettete. Denn, denn, denn.

In jener Nacht, als der Mond hoch über dem Blätterdach stand, verließ ‘Akhan ihr Haus und die darin aufgereihten Leichen. Braune Motten flatterten um sie herum in der Luft. In ihren Flügeln fing sich das Mondlicht. Sie beobachteten ihren Aufbruch.

Sie trottete durch die nasse Kälte am Fluss entlang und bahnte sich ihren Weg in die kalte Gruft mit der Schamanenmaske darin. Ihr Körper fühlte sich leer an. In ihrem Herzen schienen sich flatternde Motten versammelt zu haben. Motten im Mondlicht. Motten unter der Maske. Wenn sie den Mund geöffnet hätte, wären sie aus ihr herausgeschwärmt, so glaubte sie.

Sie starrte auf die schon lange tote und rätselhafte Schamanin hinunter. Sie starrte und öffnete dann den Mund. Die Motten, die ihren Leib ausfüllten, quollen aus ihr heraus. Die Motten, die die Maske ausfüllten, stoben auf.

Sie schrie und schrie.

Zunächst wortlos. Ein Leben voller Zuversicht war völlig zerschlagen. Ein älterer Bruder, der sein Leben in der Wildnis geführt hatte, lag tot am Boden ihres Hauses. Ein Vater, der nicht mehr erwachte, und eine Mutter, die jede Nacht weinte, während ihre kleinen Kinder versuchten, nicht hinzuhören. Eine dicke Schicht aus Asche, die auf der Oberfläche eines rauschenden Flusses dahintrieb. Merkadia.

Merkadia.

Merkadia.

Sie ließ sich erschöpft gegen die Mauer aus Erde fallen. „Warum?“, stieß sie flüsternd zwischen trockenen Lippen hervor. Warum ist das geschehen? Warum sterben wir? Warum bist du hier mit deiner Maske und deinen Geheimnissen und siehst zu, wie meine Welt auseinanderbricht?

Sie schloss die Augen.

„Die Cho-Arrim erinnern sich nicht“, sagte eine Stimme in ihrem Kopf. „Einst wussten sie es. Wie sie viele sein konnten.“

„Aber ... wie?“, murmelte sie. Sie wusste, dass sie einschlief und zu einem leeren Raum sprach. Es machte ihr nichts aus. Sie hatte sich bereits in so vielem geirrt.

„Die Maske hat Macht“, erklang die Stimme erneut. „Du fertigst sie aus den Teilen deiner Welt an. Du wirst zu einem Spiegelbild deines Volkes.“ Ein Zögern. „Aber du verlierst dich. Du wirst zu einem Abbild aller anderen, aber es verhüllt dich.“

Tränen quollen durch ‘Akhans geschlossene Lider.

„Aha. Es verhüllt mich. Verstehe.“ Sie nahm einen zitternden Atemzug. Sie spürte die erdrückende Last von Mutter ‘Fihads allzu zutreffendem Wissen, von ‘Shadis Speer und von der Stadt, die ‘Ran aus einer Entfernung abertausender Meilen mit nur einem einzigen Wink getötet hatte. All diese Tode erfüllten die Luft mit Asche.

„Es macht mir nichts aus, verhüllt zu sein“, sagte sie. „Wenn es mein Volk rettet, kümmert es mich nicht. Ich habe meiner Familie nicht geholfen. Ich konnte meinen Bruder nicht retten. Mich zu verlieren, das ist kein so großer Verlust.“

Als die Stimme erneut sprach, klang sie traurig. „Es ist immer ein großer Verlust, wenn eine Familie ein Kind verliert.

‘Akhan merkte, dass sie lächelte. „Dann werde ich dafür sorgen, dass keine Familie dies je wieder erleiden muss.“

Die Entscheidung war getroffen. Motten flatterten um sie herum, ein aufziehender Sturm aus Flügeln und Licht. ‘Akhan wusste, dass sie keine Zeit hatte, eine Maske zu bauen, ehe die Flut des Imperiums über sie hereinbrach ... Doch vielleicht musste sie das auch gar nicht.

Sie schlug die Augen auf. Sie blickte zu dem Leichnam.


Schmerz.

‘Akhan spürte das Blut auf ihrem Gesicht, das aus jenen Stellen heraussickerte, an denen ihre Haut geöffnet worden war. Im Licht dessen, was Hunderte weicher Flügel sein musste, hatte sie die Maske vom Gesicht der Schamanin gezogen. Sie hatte sich nicht sonderlich gewehrt. Ohne sich selbst die Gelegenheit zum Zögern zu geben, hatte ‘Akhan begonnen, sich die staubigen Tonscherben in ihr eigenes Gesicht hineinzudrücken.

Für ‘Ran. Für meine Mütter. Für die Cho-Arrim.

Der Schmerz ließ sie aufplatzen wie weiches Obst. Blutige, rote Blumen erblühten in den Rissen ihrer Haut.

Und da war Macht. Ströme davon, die sich hinter ihren Zähnen und in ihren Handgelenken aufbauten und in gewaltigen Stößen über die dünnen Muskeln auf ihrem Rücken zuckten. Für einige kurze Augenblicke, während sie sich schwankend zurück zum Dorf aufmachte, hätte sie schwören können, dass ihre Füße den Boden nicht berührten. Einen Wimpernschlag lang schwebte sie, nur um beim nächsten Schritt ins Straucheln zu geraten und es nur knapp zu schaffen, nicht auf die Knie zu fallen. Eine große Stärke floss durch ihre Adern und saugte sie leer, sodass sie Mühe hatte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Sie blinzelte und der Harschforst war voll von Reihen um Reihen merkadischer Soldaten, auf deren Helmen sich die Sonne spiegelte. Und ihnen gegenüber stand Mutter ‘Shadi, gemeinsam mit den versammelten Kriegern der Cho-Arrim. Sie waren bereit.

Ein weiteres Blinzeln, und da war wieder der Wald. Die Armeen waren verschwunden.

Merkadia kommt, dachte sie durch den Schleier bebender Macht. Merkadia kommt, und Mutter ‘Shadi wird versuchen, sie zurückzuschlagen.

Sie musste zu ihnen. Sie musste ins Dorf gehen und ‘Shadi und ihre Krieger finden. Sie würden die Waffe brauchen, die sie mitgebracht hatte. Die Waffe ...

Mit einem schmerzhaften Stich in den Eingeweiden erkannte sie, dass sie nicht rechtzeitig ankommen würde. Sie hatte geglaubt, eine mächtige Waffe mitzubringen – etwas, was die Eindringlinge zurücktreiben und die Stärke der Cho-Arrim offen zur Schau stellen würde –, doch ihr Körper und ihr Geist brachen unter der Beanspruchung durch die Macht der Maske der toten Schamanin auseinander. Diese Macht war nur geliehen, und sie fand keinen Weg, sich in ‘Akhan zu verankern.

Ihre Haut fühlte sich feucht an.

Der Fluss. Sie war im Fluss.

In dem Augenblick, bevor sie versank, glaubte sie, die Wasseroberfläche leicht aufleuchten zu sehen. Ein Fluss voller Seelen, dachte sie. Mutter ‘Fihad würde wollen, dass ich meine Augen bedecke.

Sie glitt unter die leuchtende Oberfläche und spürte, wie der kühle Fluss die Lücken zwischen ihrem Fleisch und den Maskenscherben füllte. Erleichterung. Erleichterung von den Schmerzen, Erleichterung von den flackernden Überresten lang begrabener Macht. Sie öffnete die Augen.

Die Toten starrten sie an.

Sie waren überall. Menschen der Cho-Arrim wie sie und Menschen, die älter waren als die Cho-Arrim, trieben allesamt in der Strömung. Sie nahm an, dass sie eigentlich Furcht verspüren sollte. Oder vielleicht Entrückung.

Ah, da seid ihr ja, dachte sie stattdessen. Sie wünschte, ‘Fihad hätte es sehen können. Sämtliche Asche, die im Fluss verstreut worden war, alle Riten an seinen Ufern ... Er war keineswegs leer.

Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle. Ich dachte, ihr wärt fort. Ihr alle. Ich dachte, ihr wärt alle fort.

Es tut mir leid.

Eine der Seelen streckte die Hand aus und berührte ‘Akhans zerschundene Haut. Eine Kühle anders als die des Wassers durchströmte sie. Eine Tonscherbe löste sich aus ihrem Gesicht und trieb in Richtung des Flussbetts.

Nein, das brauche ich ..., dachte sie. Weitere Seelen streiften sie, formten ihr Fleisch und lösten die Maskenteile. Halt, ihr könnt nicht ...

Die Hoffnung der Cho-Arrim fiel in tönernen Scherben von ihr ab. Sie fragte sich, ob es möglich war, unter Wasser zu weinen.

Das letzte Stück brach aus ihr heraus.

Das Wasser um sie herum begann zu summen.

Die Seele, die ihr am nächsten war, streckte die Hand aus und streichelte ihr Gesicht. Es war ‘Ran, erkannte sie. Das ist ‘Ran. Es war, als würde man sich an jemanden erinnern, den man vor langer Zeit gekannt hatte oder den man aus großer Entfernung betrachtete. Seine Finger fuhren sachte über die frischen Narben, und ‘Akhan spürte, wie Licht ihren Körper durchflutete. Wo sie zuvor noch die unbändigen Gezeiten unberechenbarer Macht gespürt hatte, war nun ein beständiges Pulsieren, das sie mit jeder Seele im Fluss verband. Sie waren miteinander vereint, aneinander gebunden, Reisende auf ihrer letzten gemeinsam beschrittenen Straße.

Ein einzelnes Bild reinster Vollkommenheit.

Plötzlich spürte ‘Akhan, wie sie nach oben gezerrt wurde. Die Seelen um sie herum stoben auseinander wie eine Wolke aus Motten, als sie durch die Wasseroberfläche brach. Jemand griff nach ihrem Arm und rief ihren Namen. Ein Gesicht, das irgendwie vertraut wirkte. Mutter ‘Shadi zog sie mit vor Sorge wildem Blick ans Ufer.

„Ich kenne dich“, sagte ‘Akhan. Ihre Gedanken waren träge. „Du bist eine meiner Mütter.“

‘Shadi lachte rau auf. „Nun hör sich einer meine Tochter an. Vergisst mein Gesicht, nur weil sie in einen Fluss gefallen ist.“ Sie hatte Tränen in den Augen und wischte sie mit dem Handrücken fort. Dann weiteten sich ihre Augen, und sie nahm ‘Akhans Gesicht erst richtig wahr.

„‘Akhan, was ist denn geschehen? Wer hat dir das angetan?“

‘Akhan hob eine Hand und berührte ihre Haut. Ihre Finger trafen auf hervorstehende Muster, Kreise und Wirbel aus Narbengewebe. Sie setzte sich vorsichtig auf, löste sich aus ‘Shadis Griff und blickte in den Fluss. Er schien nicht mehr zu leuchten – wohl aber die Narben. Als Spiegelbild im Wasser wirkten sie fast wie eine Maske.

Sie lächelte zaghaft und stand auf. Einige Motten, die über das Wasser getanzt waren, flatterten auf und schwirrten ihr um den Kopf.

„‘Shadi? Hast du sie gefunden?“

‘Fihad tauchte hinter einer Biegung im Fluss auf und rannte auf sie zu. Als sie ‘Akhans Gesicht sah, hielt sie mit Tränen in den Augen inne. „Oh, ‘Akhan“, sagte sie und strich mit den Fingerspitzen über das Gesicht ihrer Tochter. Sie lächelte jenes traurige Lächeln, das von ‘Akhans Vater sprach und nun auch von ‘Ran. „Ich hatte gehofft, dass wir dich nicht auch noch verlieren würden.“

‘Akhan schloss ‘Fihad in eine warme Umarmung. „Ich bin Cho-Akhan“, flüsterte sie ihr ins Ohr. „Ich bin Cho-Ran. Ich bin Cho-Hanni, Cho-Annu und Cho-Biaal. Ich bin Sia-am-Erh, die unter dem Hain begraben liegt. Ich bin du, Cho-Fihad. Und ich bin Cho-Shadi. Ich bin unsere Familie. Ich bin die Familie unserer Familie.“

‘Fihad wich zurück und starrte in das Gesicht ihrer Tochter. Ihre Augen waren von wildem Stolz und grenzenloser Sorge erfüllt.

‘Akhan nickte und hob den Kopf. Stärke schoss durch ihre Glieder. Sie spürte den Fluss in ihrem Blut und den Wald in ihrem Körper. Ein Chor aus Stimmen sang in ihrem Herzen – die Cho-Arrim und jene, von denen die Cho-Arrim hervorgebracht worden waren. Eine Armee würde vor ihr fallen. Das wusste sie. Merkadia würde sie erblicken und wissen, dass sie viele Stimmen war. Ein Mosaik von allem, was ihr Volk war und jemals sein würde.

„Zeige mir unsere Armee“, sagte sie zu ‘Shadi, jener Frau, die einst ihre Mutter gewesen war.

Die Merkadier erwarteten ein einzelnes geschwächtes Dorf voller Krankheit vorzufinden, das nur auf seine Eroberung wartete. Sie rechneten nicht mit jedem Cho-Arrim, der den Harschforst jemals seine Heimat genannt hatte. Sie rechneten nicht mit einem Kampf.

Wie sehr sie doch überrascht sein würden!

Latest Magic Story Articles

MAGIC STORY

29. November 2021

Episode 5: Bis dass der Tod uns scheidet by, K. Arsenault Rivera

Recht ist die Bezwingung des Chaos durch die Ordnung. Man kann nicht das eine ohne das andere haben. Jeder einzelne Tag in Adelines Ausbildung hat ihr dies vor Augen geführt: Katharer müs...

Learn More

MAGIC STORY

17. November 2021

Episode 4: Hereingeplatzt by, K. Arsenault Rivera

Lanzen aus Licht zerschmettern sämtliche Fenster des Voldaren-Anwesens. Die an die Einladungen gebundenen Schutzzauber fallen in sich zusammen und verwehen wie Asche im Wind. Die Luft in ...

Learn More

Artikel

Artikel

Magic Story Archive

Du willst mehr? Tauche ein in die Archive und lies tausende Artikel über Magic von deinen Lieblingsautoren.

See All