Blutsbande

Veröffentlicht in Magic Story on 3. Dezember 2014

Von Ari Levitch

Ari spent a few years as the herald of Dukos, the star-eating cosmic squid, before becoming a high school history teacher. Now that he has been inducted into the cabal of Magic creative writers, his parents are finally proud of him.

Anafenza, die Khanin der Häuser der Abzan, erobert den Thron – und nimmt Rache.


Anafenza die Vorderste | Bild von James Ryman

Anafenza kletterte stets barfuß. Ihre Zehen krallten sich in die Borke eines kräftigen Asts. Einen Augenblick lang verharrte sie dort geduckt, um ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Der feine, minzige Geruch der Blätter des Ersten Baumes kroch ihr in die Nase. Sie schloss die Augen und richtete sich zu voller Größe auf. Als sie den Schutz der Baumkrone durchbrach, erwartete sie die Gluthitze der Sonne. Es war ein heißer Tag, doch sie genoss es, die Stadt von ihrem höchsten Punkt aus zu betrachten. Der Erste Baum ragte auf dem weitläufigen Platz auf dem Dach der Festung Mer-Ek auf. Von ihrer Position aus konnte Anafenza an den massiven Befestigungen vorbei den Markt erspähen, auf dem Händler emsig umherhuschten, um Waren und Gerüchte feilzubieten.

Ihr Blick glitt über die Mauern hinweg, die die Hauptstadt schützten. In alle Richtungen erstreckte sich ausgedörrte Wildnis. Von jenem Felsen aus, auf dem die Hauptstadt errichtet worden war, wand sich ein breiter Weg nach unten in die Weite aus Dünen und Staub. Dort verlor sich die Salzstraße im ruhelosen Sand der Wandelnden Wüsten, die nur die rollenden, befestigten Karawanen der Handelshäuser zu durchqueren wagten. Es war eine Welt, die Anafenza alles andere als fremd war, da sie sie die meiste Zeit ihres Lebens über ihr Zuhause genannt hatte.

Ebene | Bild von Sam Burley

Sie wandte ihr Gesicht in den Wind. Der vertraute Atem der Wüste barg so viele in Gefühle gehüllte Erinnerungen. Sie folgte ihren ins Vergangene abschweifenden Gedanken, doch jeder Pfad führte sie an denselben finsteren Ort, den sie nur allzu gut kannte. Ihre gesamte Familie war tot. Mit einer einzigen Ausnahme.

Sie wollte, dass er sich an sie erinnerte, wie sie vor fast zehn Jahren ausgesehen hatte. Am Morgen hatte sie sich das Haar kurz geschoren, und als die heiße Wüstenluft ihr um den Kopf strömte, wurde ihr sehr bewusst, wie nackt ihr Hals war. Die einzige Erinnerung an die frühere Länge waren die Locken, die von ihren Schläfen baumelten und wild flatterten, wenn der Wind durch sie fuhr.

Doch sie war nicht dieselbe, und er würde sehen, was aus ihr geworden war.

„Meine Khanin?“, kam eine Stimme von unten.

Khanin. Der Gedanke hätte sie womöglich überwältigt, wenn ihr Mund nicht ihrem Drang nachgegeben hätte, ein Lächeln aufzusetzen.

„Ich bin hier ganz oben, Kwaro“, sagte Anafenza. Kwaro war Anafenzas Hauptmann der Wache. Er war sehr begierig darauf gewesen, seine neue Stellung zu bekleiden. Bevor Anafenza Khanin wurde – damals, als sie noch eine Generalin in der Armee der Abzan gewesen war –, hatte der Veteran der Avior ihre Ehrengarde in den Kampf geführt. Ungeachtet ihrer Proteste bestand er bei seiner neuen Khanin auf der Einhaltung der guten Gepflogenheiten. Daher enthielt jede Äußerung, die er an sie richtete, auch ein „meine Khanin“. In gewisser Weise war das sogar ganz liebenswert. „Was gibt es Neues?“

Oberste Wache von Arashin | Bild von James Ryman

„Die Oberhäupter der Klanhäuser sind versammelt, meine Khanin“, sagte Kwaro.

„Alle?“

„Jedes Einzelne, meine Khanin.“

Es kommt nur auf eines wirklich an, dachte sie.

Die Khanin klettere durch die Äste des Ersten Baumes nach unten. Ihr erster Aufstieg war gerade zwei Wochen her, als sie zum ersten Mal jenen Platz hier oben betreten hatte, der nach dem Baum benannt war. Das war an ihrem ersten Tag als Khanin gewesen. Obwohl ihr die Äste und Tritte bereits gut vertraut waren, fühlte sich der Erste Baum dennoch anders an als die anderen Sippenbäume. Khane lagen darunter begraben: Menschen, die nicht nur durch Blut, sondern auch durch ihr Pflichtbewusstsein an ihren Klan gebunden waren. Wie bei allen anderen Sippenbäumen waren ihre Namen in den Stamm geritzt. Wie bei allen anderen Sippenbäumen hausten in ihm die Geister der Ahnen. Wie bei allen anderen Sippenbäumen, sinnierte Anafenza, war auch dieser Baum eine mahnende Erinnerung an die heilige Pflicht jedes Einzelnen gegenüber Familie und Klan.

Anafenza ließ sich von einem Ast hinab, bis ihre Füße den rotgoldenen Bernsteinthron berührten. Der Sitz der Khane, ein massives Stück kunstvoll verzierten Bernsteins, stand auf einem steinernen Podest, das den gewaltigen Stamm des Ersten Baumes einfasste. Anafenza ließ sich auf den Thron fallen. Ein Schwert, das an einer Armlehne hing, klapperte leise. Neben ihr lag ein Paar braune Reitstiefel aus Leder in einem kleinen Haufen übereinander. Sie zog es an.

Während sie auf Kwaros Rückkehr wartete, lehnte sie sich in ihrem Thron zurück. Die durchscheinenden Tiefen des geschnitzten Bernsteinblocks schienen das Licht der Sonne einzufangen und festzuhalten. Geistesabwesend fuhr sie mit den Fingern über die Armlehnen des Throns, während ihr Blick über den großen Platz streifte. Bis auf sie selbst und ein Dutzend ihrer Ehrengarde war er leer. Obwohl der Platz im Freien lag, wurde er in seiner Gänze vom Ersten Baum überschattet und erzeugte so die in sich widersprüchliche Illusion eines Ortes, der zugleich ein abgetrennter Raum und ein offener Hof war. Auch wäre es dunkel gewesen, hätte man nicht überall Kohlebecken aufgestellt, in denen kleine Flämmchen züngelten.

Überrascht stellte sie fest, wie ruhig sie war. Sie war gelassen und gefasst, bereit zu tun, was getan werden musste. Und zum ersten Mal fühlte sie sich wahrhaftig als Khanin.

Endlich schwang das massive Holztor zum Platz des Ersten Baumes durch die Kraft von vier Wachen auf. Anafenza stand vor dem Bernsteinthron, um den ersten Abgesandten zu empfangen, als die Häuser des Klans vor sie traten.

Die Häuser der Abzan schworen ihrem Khan nicht die Treue. Vielmehr pflegten sie Verwandtschaften durch Blutsbande oder bindende Eide. Gefolgschaften ändern sich, so hatte Anafenzas Mutter es ihr einst erklärt, doch Verwandtschaft ist heilig.

Die Häuser hatten Anafenza zu ihrer Khanin erwählt. Nun traten sie auf den Platz, eines nach dem anderen, um sich zu ihrer Verwandtschaft zu bekennen – durch Blut oder durch Schwüre.

„Anafenza, Khanin der Abzan“, sprach einer der Abgesandten, ein Hauptmann der Drachenschuppen-Eliteinfanterie des Klans. „Haus Emesh umarmt Euch als Schwester vor dem Ersten Baum und den Augen der Ahnen.“

„Marrit aus dem Hause Emesh, ich bin Eure Schwester, so wie Ihr nun mein Bruder seid“, vollendete Anafenza die Höflichkeitsformel. Die beiden umarmten einander.

Die Prozession setzte sich in gleicher Weise fort. Viele der Abgesandten waren Veteranen der Armee, die sie angeführte hatte, das Land der Abzan zu verteidigen. Einige entstammten alten Handelshäusern, die nun aufgrund der sicheren Geschäfte entlang der Salzstraße aufblühten. Die meisten waren jene Unterstützer, die sie auf den Bernsteinthron gehoben hatten. Manche waren ihre Gegner, die gekommen waren, um eine politische Ächtung zu vermeiden. Einer war Teil ihrer Familie.

Der letzte Abgesandte näherte sich der Khanin. Er trug den polierten Brustpanzer eines Kriegers der Abzan. Das Metall war dergestalt mit Kerben verziert, dass es einem Muster aus Drachenschuppen ähnelte. Ein blütenweißer Leinenumhang fiel ihm von den Schultern herab. Als er heranschritt, schlug der Stoff hinter ihm sanfte Falten.

Anafenza wartete auf der untersten Stufe des Podestes, um ihn zu empfangen. Als er vor ihr stand, musterte sie ihn von oben bis unten. Sein Haar war an den Schläfen grau, das Gesicht sauber rasiert. Als ihre Blicke sich trafen, lächelte er. Dieses vertraute Lächeln. Er war es. Das war der Augenblick, auf den sie gewartet hatte. Der von ihr herbeigesehnt worden war. Den sie sich bis in jede Einzelheit ausgemalt hatte. Während sie seinem Blick schweigend standhielt, wartete sie ab.

Sein Lächeln erstarb. Seine Augen weiteten sich.

Ein Wiedererkennen. Dann Furcht.

Nun lächelte sie.

„Du siehst gut aus. Wohlhabend“, sagte Anafenza. „Der Handel floriert?“

Der Mann starrte sie nur an. Sein Mund stand leicht offen.

Die Khanin nickte. Ein stämmiger Ork trat hinter den Abgesandten. Er besaß ungefähr die gleich Größe wie der Mann, war jedoch doppelt so breit. Auf Befehl der Khanin legte der Ork dem Mann eine schwere Pranke auf die Schulter und zwang ihn auf die Knie. Es war still auf dem Platz. Nur die Blätter des Ersten Baumes wisperten im Wind.

Anafenza stieg zu ihrem Thron hinauf und zog langsam ihr Schwert, die Khansklinge, aus der Scheide.

„Bitte!“, schrie der Mann auf. Anafenza streckte den Arm aus, bis die Spitze der Khansklinge gegen die Kehle des Mannes stieß.


Wenn man draußen auf der Salzstraße unterwegs war, setzte sich Staub in allen Ritzen fest. Anafenza erwachte, als sich die riesige rollende Festung dank der Kraft des vor ihr eingespannten Untieres ächzend in Bewegung setzte. Sie sah eine Weile den Staubkörnchen zu, die im Sonnenlicht tanzten, das ihr Zimmer ausfüllte. Mit dreizehn Jahren hatte sie als Mitglied einer der wohlhabendsten Handelsfamilien des Klans einen Großteil ihres Lebens damit verbracht, kreuz und quer von Stadt zu Stadt durch die Lande der Abzan zu zuckeln. Es war ein Leben, das sich nur um feste Gewohnheiten und die eigene Familie drehte. Sie übte mit Schwertern und Bögen, lernte, die Karten zu lesen, die über das Überleben in den Wandelnden Wüsten bestimmten, und wenn sie in einer Stadt war, versuchte sie sich in der Kunst des Handelns und des Verhandelns, wenngleich ihr auch jenes diplomatische Feingefühl fehlte, für das ihr Haus bekannt war. Es war ein Leben voller Staub.

Belagerungskunst | Bild von Viktor Titov

Jeder in einer rollenden Festung stand manchmal kurz davor, die Beherrschung zu verlieren. Die ständige Nähe zur Familie, die Winde der Wüste, die schweren Schritte der gewaltigen Zugbestie und das unablässige Knirschen des Sandes unter den Rädern – all das zerrte an den Nerven. Anafenza lernte früh, dass das nichts Ungewöhnliches war und jeder sein eigenes Mittel brauchte, um die aufgestaute Spannung abzuführen. Ihre Mutter beispielsweise ritt allein auf ihrem Steinbock vor der Festung her, wenn die Umstände es erlaubten. Ihr Vater sammelte Drachenknochen und schnitzte aufwendige Muster hinein.

Anafenza war es genug, sich das Haar zu schneiden. Staub klebte darin, und sie hasste es, wie es ihr am Hals klebte, wenn sie an heißen Morgen erwachte. An einem ebensolchen Morgen griff sie nach der Schere und begann das vertraute Werk. Als das Ritual beendet war, hing ihr das Haar nicht mehr ins Gesicht und ihr Nacken lag frei. Nur das Haar an den Schläfen ließ sie lang, und es fiel ihr bis übers Kinn. Sie konnte damit herumspielen, was ihre Mutter gar nicht leiden mochte, wie sie nur zu gut wusste.

„Da ist sie ja“, begrüßte sie ihr Vetter lächelnd, als sie das beengte Studienzimmer der Festung betrat. Stets waren Menschen hier. Sie beugten sich über Karten und Bücher, um die schnellsten und gewinnträchtigsten Handelswege zu finden. Ihr Vetter Oret war der Kartograf des Hauses. Seit er von seinen Reisen zurückgekehrt war, war er hier ständig anzutreffen. Er war beinahe zehn Jahre älter als sie und verfügte über einen unerschöpflichen Vorrat an Geschichten über die Länder jenseits des Territoriums der Abzan. Und man konnte sich gut mit ihm unterhalten. „Du hast dir die Haare geschnitten, ja?“

„Es war an der Zeit“, sagte Anafenza. Oret lächelte aus seinem dichten, schwarzen Bart hervor.

Wie immer lag eine Karte vor ihrem Vetter auf dem Tisch. Jedes Mal, wenn sie ihn besuchte, bestand er darauf, dass sie auf der Karte zeigen sollte, wo sie sich gerade befanden. Meist gelang es ihr.

„Wir sind zwei Tagesreisen südlich von Arashin über die Salzstraße außerhalb von, äh, in welcher Stadt waren wir gerade?“ Anafenza runzelte die Stirn und schloss die Augen, um sich zu konzentrieren. Auf langen Handelsreisen kamen ihr alle Städte irgendwann gleich vor.

„Kavah“, erklang eine tiefe, heisere Stimme, die nicht die ihres Vetters war. „Zwei Tage von Arashin über die Salzstraße außerhalb von Kavah.“

Anafenza musste die Augen nicht öffnen, um zu wissen, wer da gesprochen hatte. Hätte sie es getan, dann nur, um damit zu rollen. Gvar Barzeel. Der Name stieß ihr übel auf. Das tat er schon immer. Gvar war ein Krumar, was bedeutete, dass er nicht als Abzan geboren worden war. Stattdessen war er ein Überbleibsel eines Krieges der Abzan gegen den Klan der Mardu, den die Mardu verloren hatten. Der Brauch schrieb vor, dass die Abzan sich der Kinder ihrer im Kampf gefallenen Feinde annahmen. Daher war Gvar nach dem Kampf zusammen mit einem von Anafenzas Onkeln zurückgekehrt, dessen Sohn, ihr liebster Vetter, getötet worden war.

„In Kavah habe ich dies hier gekauft“, sagte Gvar. Er hielt Anafenza eine Schale mit Trauben hin. Sie tat so, als bemerkte sie sie nicht. Gvar und Anafenza waren etwa gleich alt, und deshalb erwartete man wohl, dass sie Freunde wurden.

„Sehr gut, Gvar“, lobte Oret, als er eine geschnitzte Holzfigur, die die Festung darstellte, am richtigen Ort auf der Karte platzierte.

Zu Anafenzas Erleichterung musste sie kein weiteres Wort von Gvar hören, denn die drei wandten nun ihre Aufmerksamkeit der Ankunft Anafenzas Mutter, ihres Vaters und eines ihrer zahlreichen Onkel zu. Sie waren in ein Gespräch vertieft.

„Sind wir denn keine Händler? Wir sollten dorthin gehen, wo sich gute Geschäfte machen lassen“, sagte Anafenzas Mutter mit bitterer Stimme.

Ihr Onkel hob die Hände, um sein Gesicht spielerisch vor einem drohenden Angriff zu schützen. „Wir haben doch schon nachgegeben“, sagte er.

„Ziehen wir doch unseren Kartografen zurate“, fügte ihr Vater hinzu.

„Weswegen?“, fragte Oret, den der Disput der Älteren offenkundig amüsierte.

„Eine Reiterin kam bei uns an. Sie erzählte uns, in Kavah wäre eine Lieferung Farben eingetroffen. Ich glaube, es ist die Mühe wert, noch einmal dorthin umzukehren, besonders da unser nächstes Ziel danach die Hauptstadt ist.“

„Ich verstehe.“ Oret blickte auf seine Karte. Sein Lächeln verschwand. „Ihr wisst, dass Arashin nur –“

„Zwei Tage entfernt ist!“, platzte es aus Anafenza heraus.

„Zwei Tage entfernt ist“, wiederholte Oret. „Hinter uns brauen sich allem Anschein nach Sandstürme zusammen. Ich muss darauf bestehen, dass wir zur Hauptstadt weiterreisen.“ Das war nicht die Antwort, die Anafenzas Mutter hören wollte. Sofort lag der ganze Raum im Streit miteinander. Anafenza und Gvar wurden hinausgeführt.

Anafenza bahnte sich ihren Weg durch das Innere der Festung nach oben, bis sie aufs Dach gelangte, wo der Sippenbaum ihrer Familie wuchs. Gvar folgte ihr.

„Glaubst du, wir kehren nach Kavah zurück, Vetterin?“ , fragte Gvar.

Anafenza wirbelte herum. „Wir sind nicht Vetter und Vetterin, Gvar! Wir sind nicht einmal verwandt! Mein Vetter starb im Kampf gegen deinen Klan! Du bist nur hier, weil niemand von deiner Familie mehr da war, um sich um dich zu kümmern, und weil die Abzan keine Wilden sind.“

„Dann haben wir etwas gemeinsam.“

„Wovon redest du?“ Anafenza warf entnervt die Arme in die Höhe.

„Keiner von uns hat sich die Familie ausgesucht, die er jetzt hat.“

Anafenza blickte ihn an, sagte nichts und wandte sich ab. Sie trat ihre Stiefel von sich und kletterte den Stamm des Sippenbaumes hinauf. Ihres Sippenbaumes. Gvar sah ihr beim Aufstieg zu, doch das scherte sie nicht. Sie würde gleich ganz dort droben sein, und er wäre dann nicht mehr zu sehen.

Die Erschütterungen der Räder der Festung auf der Straße wurden bis in die Äste übertragen, doch Anafenza war schon Dutzende Male hinaufgeklettert und schaffte es spielend bis in die oberste Krone.

Unter ihr raschelten Blätter.

„Gvar?“, fragte sie.

„Nicht Gvar“, kam ein Flüstern als Antwort. Ein Gesicht erschien. Es gehörte Hakrez, der Hüterin des Sippenbaumes. Dem Brauch der Abzan nach wurde Hakrez, die beste Kriegerin der Familie, zur Hüterin des Baumes. Sie war dafür verantwortlich, den Baum vor Unheil zu beschützen und die Ahnen zu hegen. Sie war furchtlos, wild und sprach nur flüsternd, und für Anafenza war sie gleichermaßen furchteinflößend und faszinierend.

Als Hakrez nach oben kletterte, blickte sie kein einziges Mal zu den Ästen. Sie kannte den Baum besser als jeder andere. Ihre Blicke ruhten auf Anafenza. Als sie beide auf gleicher Höhe waren, begann Hakrez zu sprechen. Anafenza musste sich dicht zu ihr beugen, um sie über dem Rauschen des Windes zu verstehen.

„Wo sind wir?“, fragte die Hüterin des Sippenbaumes.

Auf der Straße außerhalb von Kavah, zwei Tage von Arashin entfernt.Das hätte sie geantwortet, wenn ihr die Frage von jemand anderem gestellt worden wäre. Stattdessen sagte sie nichts.

„Das ist keine Fangfrage. Wo sind wir?,“ fragte Hakrez erneut.

„In einem Baum.“

„Dem Sippenbaum.“

„Es tut mir leid. In unserem Sippenbaum“, verbesserte sich Anafenza.

„Und das ist was?“

Anafenza überkam das plötzliche Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. „Der Baum unserer Familie.“

„Der Baum unserer Sippschaft, Anafenza. Unserer Blutsbrüder und unserer Schwurbrüder. Dieser Baum gehört ihnen allen.“

Anafenza wusste, dass die Baumhüter eine besondere Verbindung zu den Geistern der Ahnen besaßen. Dies verlieh ihren Worten stets eine eigene Weisheit, als wären sie irgendwie über Jahrhunderte hinweg überliefert worden.

Hakrez ließ Anafenza allein, um über ihre Worte nachzusinnen. Anafenza blieb für Stunden im Baum und beobachtete die Soldaten der Abzan, die neben der Festung hermarschierten.

Ihr fiel auf, dass sie ihre Route nicht geändert hatten. Sie waren noch immer auf der Straße nach Arashin. Sie lächelte bei der Aussicht darauf, sich dort auf dem Markt die Beine zu vertreten.

Sie blickte über die Dünen hinweg, die die Karawanenfestung umschlossen. Die Wüste erstreckte sich in jede Richtung, und Anafenza wurde mit einem Mal klar, dass hier trotz der Nähe zur nächsten Stadt kein Zeichen der Zivilisation zu erkennen war. Als müsste ihre Erkenntnis noch eine Betonung erfahren, näherten sie sich nun einer Reihe gigantischer Rippenknochen, die rechts der Festung aus dem Sand hervorstachen. Das war kein ungewöhnlicher Anblick in den Wandelnden Wüsten, wo der Sand ganze Dörfer unter sich begrub oder sich zurückzog, um fahle Relikte jener Drachen preiszugeben, die die Ahnen der Abzan vor Jahrhunderten besiegt hatten.

Sie betrachtete die Rippenknochen, als die Festung vorbeirollte. Zwei der Knochen bewegten sich. Sand fiel von ihnen ab. Erst sah es so aus, als würde die Düne in sich zusammenrutschen, doch dann bemerkte Anafenza, dass etwas aus dem Sand aufzusteigen schien. Mattes, schwarzes Fell tauchte aus dem Sand auf. Anafenzas Mund stand offen, während sie einfach nur anstarrte, was sich da emporhob. Sie war vor Furcht wie gelähmt.

Das waren keine Drachenrippen.

Das waren Stoßzähne.

Es folgte ein gewaltiger Kopf, dessen Schädel nur halb von Fetzen aus verrottendem Fleisch bedeckt war. Und dann ein Rüssel. Anafenza war nicht die Einzige, die die Kreatur bemerkt hatte. Warnende Rufe erschallten überall in der gesamten Festung. Unten begab sich die Eskorte aus Fußsoldaten in Verteidigungsstellung.

Verwesendes Mastodon | Bild von Nils Hamm

Als sich der Kadaver des wiederbelebten Mastodons zu voller Größe aufgerichtet hatte, waren bereits drei weitere im Begriff, sich aus dem Sand zu erheben. Der Gestank des Todes musste das Untier verschreckt haben, das die Festung zog, denn es brüllte und stampfte mit den Füßen auf.

Dann brach Tumult los.

Der Sand zwischen den Mastodonten schien an Dutzenden Stellen zugleich in Flammen aufzugehen. Lichtkugeln zogen gelbrot leuchtende Spuren nach sich, als sie über den Sand auf die Festung zurollten. Die Kugeln gaben schließlich den Blick auf zahllose Krieger frei, die über das verängstigte Untier herfielen.

Unbarmherzige Schlitzerin | Bild von Clint Cearley

„Ein Hinterhalt!“, klang eine Stimme von dem Platz am Fuß des Sippenbaumes. „Ein Raubzug der Sultai!“ Anafenza sah, wie Dutzende Bogenschützen an der Brüstung Aufstellung nahmen. Pfeile schnellten von den Sehnen ihrer Bögen. Die Sultai-Krieger stoben auseinander, um dem tödlichen Hagel zu entgehen.

Die Mastodonten schwankten auf die Festung zu, sodass die Soldaten unten gezwungen waren, aus dem Weg zu springen. Oben im Sippenbaum spürte Anafenza eine plötzliche Windböe. Staub wirbelte auf, aus dem sich nach und nach die Umrisse dreier Menschen in der schweren Rüstung der Abzan schälten. Ahnen. Sie nickten Anafenza zu und eilten dann zu einem der gewaltigen, dahintrottenden Schrecken, um mit ihren Geisterwaffen auf die untote Kreatur einzudringen.

Anrufung des Sippenbaums | Bild von Ryan Alexander Lee

Das Mastodon brach zusammen. Die anderen hatten die Festung jedoch inzwischen erreicht. Das erste rammte mit solcher Kraft die Außenwand, dass es sich den eigenen Schädel spaltete. Anafenza wurde beinahe vom Baum geworfen, konnte sich aber an den Ästen festklammern und das Gleichgewicht halten, ehe auch schon das nächste Mastodon heranstürmte. Die Welt erbebte. Ein weiterer Aufprall. Vor Anafenzas Augen verschwamm erst alles und kippte dann zur Seite. Die Salzstraße raste von unten herauf auf sie zu.

Einen Augenblick später lag Anafenza ausgestreckt und benommen im Sand. Einen Herzschlag zuvor hatte sie noch über dem Sand gethront, und nun war ihr Gesicht darin vergraben. Der Klang der Gewalt dröhnte ihr in den Ohren. Sie zwang ihre Halsmuskeln dazu, ihren Kopf zu drehen, doch ein sengender Schmerz flammte auf ihrer Wange auf, als sie mit ihr über den grobkörnigen Sand strich. Sie fasste sich ins Gesicht, um den Schmerz zu lindern. Ihre Hand war klebrig und rot.

Sie rollte sich auf den Rücken und blickte auf ihre nackten Füße, die ähnlich zerschunden waren, wie es ihr Gesicht sein musste. Dahinter lag die Festung auf der Seite und daneben die zersplitterten Überreste des Sippenbaumes. Die Erschütterungen hatten ihn entwurzelt, und beim Aufprall war er auseinandergebrochen. Überall waren gebrochene Zweige und tote Soldaten verstreut. Unter einem dicken Ast erkannte Anafenza den leblosen Körper von Hakrez, der Wächterin des Sippenbaumes, deren Brustpanzer eingedrückt war. Anafenza versuchte zu begreifen, was geschehen war. Dann erinnerte sie sich an das Mastodon.

Das Schmettern eines Horns holte sie zurück ins Hier und Jetzt. Ihre Muskeln brannten vor Tatkraft. Sie rappelte sich auf. Gerade zogen sich die Sultai hinter die Dünen zurück. Dem Hornstoß folgte jedoch kein Jubel, und die Luft blieb auch weiterhin von den Geräuschen eines Gemetzels erfüllt.

Anafenza umrundete die gefallene Festung, um die Quelle des Aufruhrs zu finden – in der Hoffnung, dass die Krieger ihres Hauses gerade das letzte Mastodon zur Strecke brachten. Da waren jedoch Schreie. Menschliche Schreie. Sie näherte sich vorsichtig.

Als sie um eine Ecke bog, zersprang ihre Welt in Scherben. Der Anblick, der sich ihr bot, war widernatürlich. Er war so falsch, dass ihr ein stechender Schmerz durch die Eingeweide fuhr. Sie sah, wie Abzan Abzan dahinschlachteten.

Menschen versuchten, durch die schmalen Fenster der Festung zu entkommen, doch ehe sie in Sicherheit gelangen konnten, hieben Abzan-Krieger mit Schwertern, Äxten und Hellebarden auf ihre eigenen Verwandten ein.

„Mutter! Vater!“, schrie sie. „Oret! Bitte!“ Mit geweiteten Augen, aus denen Tränen strömten, kniete Anafenza nieder, um das Schwert eines gefallenen Kriegers aufzusammeln. Als sie sich wieder aufrichten wollte, erhob sich vor ihr eine Gestalt mit der Sonne im Rücken.

„Deine Eltern sind tot. Wie auch mein Schwurvater.“ Verschwommen erkannte sie Gvar, der aus einer klaffenden Wunde am Auge blutete.

Anafenza beachtete den Ork nicht und versuchte, an ihm vorbeizukommen.

„Anafenza! Wir wurden verraten.“ Gvar trat erneut vor sie. „Wir müssen hier weg, bevor –“

Die Worte blieben dem Ork im Hals stecken, als er plötzlich nach vorn taumelte und Anafenza beinahe zu Boden riss. Er fiel auf ein Knie, und Anafenza sah den gefiederten Schaft eines Pfeils, der ihm aus der Schulter ragte.

Weitere Pfeile schwirrten heran.

„Mögen die Ahnen dich verdammen, Gvar!“, knurrte Anafenza, als sie ihm auf die Beine half. „Los! Gehen wir!“

Sie suchten den Schutz der Wandelnden Wüsten und blieben nicht mehr stehen.

Die meiste Zeit gingen sie schweigend. Jeder Schritt durch den Sand war eine Anstrengung, doch sie kämpften sich voran, nur fort von dem Blutbad hinter ihnen. Der heiße Sand verbrannte Anafenzas nackte Fußsohlen, und das Schwert, das sie auf der Schulter trug, schien mit jedem Schritt schwerer zu werden.

„Möchtest du?“

„Was?“, fragte Anafenza mit brüchiger Stimme aus ihrer ausgedorrten Kehle.

Gvars große Faust öffnete sich. Ein paar rote Trauben kamen zum Vorschein. „Iss ein paar“, sagte er.

Anafenza blieb stehen und starrte erst die Früchte und dann Gvar ungläubig an. Der Ork zuckte die Schultern und verzog schmerzerfüllt das Gesicht. „Ich weiß schon. Nimm sie einfach.“

„Danke“, sagte sie zwischen den Bissen.

Gvar lächelte und warf sich die letzte Traube in den Mund, bevor sie ihren Weg fortsetzten. Auf der Spitze einer jeden Düne hielten sie Ausschau nach Anzeichen der Zivilisation. Auf der Straße waren sie nur zwei Tagesreisen von der Hauptstadt entfernt gewesen. Doch inmitten der Wandelnden Wüsten gab es derlei Gewissheiten nicht.

„Bewunderst du die Abzan noch immer?“ Anafenzas Stimme war voller Bitterkeit. „Sind wirklich die Mardu die Wilden?“ Sie blickte Gvar an. Er antwortete nicht. Er schaute nach vorn und schirmte die Augen gegen den Staub ab.

„Gvar?“ , beharrte Anafenza.

„Weißt du“, sagte Gvar schließlich. „Ich bin ein Abzan, weil ein Krieger der Abzan – dein Onkel – meine Eltern in einer Schlacht tötete, als ich noch ein Kind war und ich niemanden mehr hatte. Dein Onkel nahm mich in sein Haus auf und zog mich groß. Wäre es anders herum gewesen – wäre ich als Abzan geboren und hätten Mardu-Krieger meine Eltern getötet –, wäre ich mit ihnen gestorben.“ Er drehte sich zu Anafenza um. „Unser Haus wurde verraten, doch unser Klan wird Gerechtigkeit fordern.“

Sie liefen, bis die Sonne tief am wolkenlosen Himmel stand. Wind kam auf, und Sand peitschte ihnen erbarmungslos auf die ungeschützte Haut.

Eine weitere Düne.

Auf ihrer Spitze spähte Anafenza in die rasch einsetzende Dämmerung. Durch zusammengekniffene Augen konnte sie eine vage, aber dennoch unverwechselbare Linie sehen, die parallel zum Boden verlief. „Eine Mauer!“, stieß sie hervor. „Gvar, sieh nur!“

„Deine Ahnen müssen dich lieben.“ Gvar rutschte bereits die Düne in Richtung der Mauer herunter. Anafenza war gleich hinter ihm.

Der Wüste trotzen | Bild von Dave Kendall

Die Mauer umgab ein verlassenes Dorf. Als sie ein windschiefes Tor durchschritten, hatte der Rand des Himmels bereits ein leuchtendes Gelbrot angenommen. Das Dorf war nichts weiter als eine Ansammlung einer Handvoll baufälliger, kreisförmig angeordneter Sandsteinhütten.

„Bleiben wir die Nacht über in einer dieser Hütten“, sagte Anafenza.

„Am besten in einer, die nicht über uns zusammenkracht“, meinte Gvar. „Sieh mal, was du finden kannst. Ich suche nach dem Brunnen.“

Anafenza ging zwischen zwei der Hütten hindurch und durchstöberte sie flüchtig. Dahinter befand sich der winzige Dorfplatz. In seiner Mitte, um die herum die ärmlichen Unterkünfte errichtet worden waren, erhob sich ein knorriger Baum. Der Wind hatte seine Rinde abgenagt und das Holz ausgebleicht. Bei jedem Windhauch klapperten die kahlen Zweige.

Der Anblick des verlassenen Baumes vor dem sich verdunkelnden Himmel war zu viel. Anafenza rannte zu ihm hin. Sie ließ ihr Schwert fallen, ehe sie im Sand, der sich über seinen Wurzeln aufgetürmt hatte, zusammensackte. Alles, was sie sehen konnte, war ihr Sippenbaum, zersplittert und tot. Ihre gesamte Familie war tot. Sie lehnte die Stirn gegen den Stamm und erstickte mit ihrer Armbeuge einen Schrei. Dann kamen die Tränen. Sie brannten ihr auf den zerschrammten Wangen, als sie ihr das Gesicht hinabliefen.

So verharrte sie, bis die Sonne versunken war. Dann hörte sie Gvars Rufen.

„Man ist uns gefolgt!“, schrie er. „Lauf!“

„Gvar!“ Anafenza sprang auf die Füße, das Schwert in der Hand.

„Ich bin gleich hinter dir!“ Er war am Ende seiner Kräfte. Anafenza merkte es seiner Stimme an. Und dann hörte sie schnelle Schritte. In der Dunkelheit sah sie, wie Gvars massige Gestalt um die Ecke kam. Er atmete schwer, er rannte wie der Wind, und er war nicht allein. Zwei Gestalten waren dicht hinter ihm. Anafenza konnte Stahl an ihnen aufblitzen sehen. Sie sagte nichts, sondern zog sich stattdessen leise in den Baum hinauf.

Sie sah, wie Gvar unter ihr vorbeiraste. Die Verfolger blieben dicht hinter ihm. Zwei Menschen waren es – in der vertrauten Rüstung der Abzan. Ihre Augen weiteten sich, ihre Hand schloss sich fester um ihr Schwert. Sie ließ sich hinter den Verrätern zu Boden fallen. Einer der Männer wandte sich genau zur rechten Zeit um, sodass Anafenza ihm die Spitze ihres Schwertes unter den Brustpanzer rammen konnte. Stahl biss in Fleisch und grub sich tief in den Bauch des Mannes. Unverständliche Worte gurgelten aus seinem Mund hervor, ehe er zusammensackte.

Gvar und sein Verfolger wirbelten herum, um zu sehen, wie Anafenza ihr Schwert befreite. Der verbleibende Angreifer hob seine eigene Klinge, doch bevor er sie niederfahren lassen konnte, packte ihn Gvar von hinten am Hals. Die zwei rangen am Boden miteinander. Der Ork rollte sich auf den Rücken, um den Angreifer so festzuhalten, dass er von ihm wegblickte.

Anafenza drückte dem wehrlosen Feind ihr blutiges Schwert an die Kehle. „Wenn du dich uns widersetzt, wirst du sterben.“

Der Mann erschlaffte in Gvars Armen.

„Du wirst uns sagen, wer dies geplant hat. Alles wirst du uns sagen“, sprach Anafenza mit ruhiger, klarer Stimme.

Der Mann schwieg.

Anafenza stieß ihm die Klinge fester gegen den Hals. „Wenn du uns keinen anderen Namen sagst, werden wir annehmen müssen, dass du es warst. Und wir haben vor, dem Verräter wehzutun. Sehr weh sogar.“ Sie beugte sich dicht zu ihm herunter, um ihm in die Augen zu blicken. „Versuche es also noch einmal.“

„Es war ein Mitglied deines Hauses“, stieß der Mann hervor. „Er hat die Sultai angeheuert.“

„Streng dich mehr an“, sagte sie. „Wer?“

„Oret. Es war Oret.“


Sandsteppenzitadelle | Bild von Sam Burley

Mit dem wilden Blick einer Kriegerin, die schon unzählige Kämpfe bestritten hatte, blickte Anafenza auf ihren Vetter herunter. Er sah zu Gvars Füßen so klein aus. „Mir scheint, in deinen Karten waren Geheimnisse verborgen, die nur du selbst kanntest.“ Ihre Stimme war kühl und unerschrocken. „Doch selbst du musst einem neuen Khan deine Verwandtschaft bezeugen, Oret.“

Kaum hörbar stieß Oret hervor: „Du warst tot.“

„Ich bin die Khanin.“

„Bitte!“, wiederholte Oret sein Flehen.

Die Khanin hob eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen.

„Bitte!“, versuchte er es erneut. „Wir haben einander wiedergefunden. Ich bin der Letzte, der dir noch von deiner Familie geblieben ist!“

Gvar brauste auf. „Du wagst es?“

Anafenza blickte an Oret vorbei zu dem Ork. Ein amüsiertes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.

„Oret, du bist nicht meine Familie.“

Die Khanin drehte die Faust, und die Klinge blitzte auf. Eine rote Linie zog sich mit einem Mal an der Seite seines Gesichts herunter, vom Ohr bis zum Kinn. Oret schrie. Sein Blut bedeckte die Spitze der Khansklinge. Sie hielt sie über eines der Kohlebecken am Fuß des Podestes. Das Blut schlug Blasen und zischte von der Hitze. Sie hob die Spitze der Klinge gen Himmel. Dann fuhr sie mit ihrer eigenen Hand darüber. Ohne den Blick von Oret abzuwenden, hielt sie ihre Faust über die Flammen und schloss sie fest. Blut tropfte heraus und fauchte, als es die brennenden Kohlen berührte.

„Im Angesicht des Ersten Baumes und der Ahnen verleugne ich dich, Oret. Du bist nicht länger von meinem Blute. Ich erkläre dich zu meinem Feind. Sollten wir einander auf dem Schlachtfeld begegnen, wirst du es nicht lebend verlassen. Möge dein Geist ohne Heimat sein und auf ewig einsam und in Qualen umgehen. Gvar, mein Bruder, führe ihn hinaus.“


Weitere Geschichten aus dem Magic-Multiversum findet ihr auf der „Uncharted Realms“-Seite.

Latest Magic Story Articles

MAGIC STORY

21. Februar 2018

Rivalen von Ixalan – Alternative Enden zur Magic-Story by, R&D Narrative Team

Ihr habt gesprochen. Das Imperium der Sonne hat den Sieg davongetragen und die Herrschaft über Orazca übernommen! Aber: Wir waren auf den Sieg einer jeden Fraktion vorbereitet und die ve...

Learn More

MAGIC STORY

14. Februar 2018

Wie Schuppen von den Augen by, R&D Narrative Team

HUATLI, AUF KALADESH Beeindruckendes Panorama | Bild von Jonas De Ro Huatli konnte nicht aufhören zu lächeln. Sie tauchte in eine Stadt ein, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hatte. ...

Learn More

Artikel

Artikel

Magic Story Archive

Du willst mehr? Tauche ein in die Archive und lies tausende Artikel über Magic von deinen Lieblingsautoren.

See All

Wir verwenden auf dieser Seite Cookies, um Inhalte und Werbung zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien zu bieten und Datenverkehr zu analysieren. Wenn Sie auf JA klicken, stimmen Sie zu, dass wir Cookies verwenden. (Learn more about cookies)

No, I want to find out more