Danke, dass wir Freunde sind

Veröffentlicht in Making Magic on 20. März 2017

Von Mark Rosewater

Working in R&D since '95, Mark became Magic head designer in '03. His hobbies: spending time with family, writing about Magic in all mediums, and creating short bios.

Vor zwei Sommern habe ich fünf Artikel geschrieben, in denen ich die Farbphilosophien von Weiß, Blau, Schwarz, Rot und Grün noch einmal genauer betrachtete. Die Farbpalette ist entscheidend für Magic, bildet sie doch das Rückgrat für die Mechaniken und das Flair.

Letzten November dann schrieb ich einen Text, in dem ich auf die fünf verfeindeten Farbpaare einging. Jede Farbe hat zwei Verbündete und zwei Feinde, und in diesem Artikel erklärte ich, warum jede Farbe Konflikte mit ihren beiden Feinden hat und wie diese Konflikte wechselseitig miteinander verflochten sind. Heute schaue ich mir die anderen fünf Farbpaare an: die Verbündeten. Ich werde versuchen, genauer zu erklären, warum jedes Verbündetenpaar so gut miteinander auskommt, und zugleich auch aufzuzeigen, worin sie nicht immer einer Meinung sind.

Lasst mich zuvor jedoch die Philosophie jeder Farbe – anhand der bereits vorhandenen Artikel – noch einmal in aller Kürze zusammenfassen.

Weiß

Weiß sehnt sich nach Frieden.

Weiß schaut sich um und sieht eine Welt voller Leiden. So viele müssen sich Tag für Tag durch ihr Leben quälen, doch die Welt verfügt eigentlich über die nötigen Ressourcen, um ihr Leid zu beenden. Es gibt genug von allem, damit jeder das haben könnte, was er braucht (im Gegensatz zu dem, was er will). Leiden ist ein Nebenprodukt dessen, dass für Einzelne nicht das Wohl der Gemeinschaft an erster Stelle steht.

Weiß möchte eine Welt erschaffen, in der es kein unnötiges Leid mehr gibt, eine Welt, in der das Leben jedes Einzelnen so gut wie irgend möglich ist. Der Schlüssel dazu, dies in die Tat umzusetzen, besteht darin, jedem Einzelnen die Bedeutung von Handlungen beizubringen, die der Gemeinschaft als Ganzes dienlich sind, selbst wenn diese Handlungen ihm selbst nicht persönlich nützen.

Das Problem an diesem Plan ist allerdings, dass er nur dann aufgehen kann, wenn wirklich jeder auf dieses Ziel hinarbeitet. Sobald Einzelne andere Dinge wichtiger nehmen – wie beispielsweise ihre eigenen Wünsche –, fällt er in sich zusammen. Das bedeutet, dass Weiß sich besonders große Mühe geben muss, der Gemeinschaft begreiflich zu machen, welche Macht in ihr ruht, und sie dazu zu bringen, sich auf das große Ganze zu besinnen.

Weiß will also, dass so viele wie möglich seine Beweggründe verstehen und sie teilen. Weiß hat allerdings auch erkannt, dass es zum Erreichen seines großen Ziels manche Individuen erst auf diesen richtigen Weg führen muss, da sie ihn nie von sich aus entdecken würden.

Blau

Blau strebt nach Perfektion.

Blau glaubt daran, dass jeder Einzelne von uns als unbeschriebenes Blatt geboren wird und über das Potenzial verfügt, all das zu werden, was er sein will. Der gesamte Sinn des Lebens besteht darin, herauszufinden, was man mit der richtigen Bildung und Erfahrung sowie den entsprechenden Werkzeugen alles erreichen kann. Hierbei handelt es sich nicht um eine Aufgabe mit einem endgültigen Ziel, sondern um eine, die ein ganzes Leben lang andauert. Es gibt immer etwas, was man an sich verbessern, anpassen oder ändern kann. Dieser Lebensweg ist von ständigen Entdeckungen geprägt, während man unablässig versucht, sich selbst zu verbessern.

Damit dies dem Einzelnen möglich wird, bedarf es einer Gesellschaft, die dieses Verhalten akzeptiert und fördert. Die Schaffung von Bildungsmöglichkeiten ist dabei entscheidend. Orte, an denen man auf Grundlage des Prinzips von Versuch und Irrtum lernen kann, sind dazu unabdingbar. Darüber hinaus muss jeder Bürger ein Anrecht auf die Verfügbarkeit der besten Werkzeuge und Lernmittel besitzen.

Zusätzlich erfordert diese Lebensweise die richtige Einstellung. Man muss für alle Möglichkeiten offen sein, darf aber dennoch nicht zu überstürzt handeln. Blau hat erkannt, dass es viele Kräfte gibt, die einen in die Irre führen können, darunter sogar solche, die aus dem eigenen Innenleben stammen. Zeit ist eine wertvolle Ressource, denn nur mit genügend Zeit lassen sich die Dinge beschaffen, die man zur eigenen Verbesserung braucht. Das bedeutet, dass man jeden Schritt sorgfältig abwägen und bewusst treffen muss. Es ist besser, erst alle Optionen gründlich zu durchdenken und danach die richtige auszuwählen, anstatt eine Entscheidung übers Knie zu brechen.

Blau ist methodisch und penibel. Wenn man sich als Individuum daranmacht, sich selbst zu optimieren, dürfen einem nämlich keine Fehler unterlaufen – es sei denn, man macht sie in einer kontrollierten Umgebung.

Sosehr Blau nach der Vervollkommnung seiner selbst strebt, sosehr möchte es auch die Welt, in der es lebt, perfekt wissen. Hierzu muss Blau unter anderem dafür sorgen, dass es Zugriff auf die Ressourcen bekommt, die es braucht. Ein anderer Schlüsselfaktor zum Erreichen dieses Ziels ist jedoch die feste Überzeugung, dass man als Einzelner in einer Welt leben muss, die ihr volles Potenzial bereits verwirklicht hat, wenn einem dies selbst irgendwann gelingen soll. Daher ist Blau auch die Farbe mit dem größten Interesse an Technologie und will immer die beste und neueste Version dessen, was sie gerade verwendet.

Schwarz

Schwarz will Macht.

Schwarz schaut sich alle anderen Farben an und findet, dass jede von ihnen die Welt nur so sieht, wie sie es gerne hätte. Schwarz hingegen ist Realist – die einzige Farbe, die die Welt so sieht, wie sie tatsächlich ist. Jedem Einzelnen steht es frei, sich all das zu nehmen, was immer er auch will, solange er nur die nötige Macht dazu hat, es sich zu beschaffen und anschließend zu behalten. Dadurch wird Macht zur alles entscheidenden Ressource: Sie ist das Einzige, was darüber bestimmt, ob man die Fähigkeit besitzt, die Kontrolle über sein Leben und somit auch über sein eigenes Glück zu erlangen.

Man sollte dabei unbedingt verstehen, dass die Welt nicht Schwarz wegen raffgierig geworden ist. Raffgierig war die Welt schon immer, und Schwarz hat nur gelernt, sich damit zu arrangieren. Es hat zwei wichtige Dinge auf seiner Seite. Erstens: Es versteht und akzeptiert das System besser als jeder andere. Und zweitens: Schwarz erlegt sich nicht selbst irgendwelche Beschränkungen auf, die es schwerer machen, erfolgreich zu sein.

Die Philosophie von Schwarz ist sehr simpel: Niemand kann besser auf einen achtgeben als man selbst. Wenn also jeder auf sich selbst achtgibt, hat man damit ein System erschaffen, in der jeder jemanden hat, der auf ihn achtgibt. Darüber hinaus räumt das System von Schwarz jedem die Chance ein, erfolgreich zu werden. Doch wird das auch jeder schaffen? Natürlich nicht – aber auch das ist nicht Schwarz anzulasten. So funktioniert die Welt nun mal.

Die Schwachen scheitern stets. Das ist es, was sie zu den Schwachen macht. Wenn man ihnen hilft, zögert dies das Unvermeidbare nur hinaus und sorgt dafür, dass man mit ihnen gemeinsam scheitert. Für Schwarz ist das nichts Persönliches. Schwarz tut, was getan werden muss, um Erfolg zu haben. Wenn andere es ihm nicht gleichtun können, tja, dann haben sie ihr Schicksal wohl genau so verdient. Andere sehen Schwarz deswegen als herzlos an, doch Schwarz selbst hat für sich erkannt, dass es eben nur sehr pragmatisch ist.

Es wird immer Leute geben, die leiden. Und wieder gilt auch hier: Das ist nicht Schwarz anzulasten. Das ist einfach nur eine unumstößliche Tatsache. Schwarz ist lediglich die Farbe, die sich dieser Wahrheit stellt und entsprechend handelt.

Rot

Rot sehnt sich nach Freiheit.

Jeder beschäftigt sich irgendwie mit dem Sinn des Lebens. Rot tut das nicht, denn es kennt die Antwort auf diese Frage bereits. Das eigene Herz wird einem nämlich schon verraten, was es braucht, um Erfüllung zu finden. Alles, was man tun muss, ist, darauf zu hören und entsprechend zu handeln. Das ist kein Hexenwerk. Man wird buchstäblich ständig von Gefühlen durchflutet, die einen den richtigen Weg entlangführen. Das Problem ist nur, dass die anderen Farben diese Botschaft ignorieren.

Das Leben ist ein Abenteuer, und es liegt an jedem Einzelnen, sich darin hineinzustürzen. Der Schlüssel ist es, sich den eigenen Gefühlen hinzugeben und sich von ihnen leiten zu lassen. Man soll lachen, wenn man glücklich ist. Man soll weinen, wenn man traurig ist. Man soll auf etwas einschlagen, wenn man wütend ist. Man soll weglaufen, wenn man sich fürchtet. Wer auf seine innere Stimme hört, wird die Gelegenheit bekommen, jede einzelne Erfahrung zu machen, die das Leben einem zu bieten hat.

Zu viele leben ihr Leben, indem sie ständig ihre einmal getroffenen Entscheidungen hinterfragen. Rot nicht. Rot lebt den Augenblick, Rot ist spontan, Rot stürzt sich in jedes Abenteuer, das ihm begegnet. Rot weiß, dass es auf dem Totenbett ohne jegliche Reue auf ein erfülltes Leben zurückblicken wird. Und das ist auch alles, was Rot will: sein Leben zu leben und die Möglichkeit zu haben, alles zu tun, was es tun möchte.

Das bedeutet nicht, dass Rot einsam wäre. Ganz im Gegenteil. Es gehört zum Leben, dass man Beziehungen eingeht. Rot kennt Leidenschaft und Loyalität und Kameradschaft und Lust. Wenn Rot sich auf jemanden einlässt, ist diese Verbindung stark und intensiv. Sei es als Liebhaber oder als Freund: Rot ist immer da, wenn man es braucht. Außer natürlich, wenn das Leben es gerade für unbestimmte Zeit woanders hingeführt hat – aber wenn es zurückkommt, dann ist es definitiv zur Stelle.

Auf Außenstehende mag Rot etwas chaotisch wirken, doch das liegt nur daran, dass andere ihm nicht ins Herz blicken können. Sie spüren nicht, wie das, was Rot empfindet, auch sie lenkt. Es erfordert ein hohes Maß an Hingabe und Beharrlichkeit, das Leben in vollen Zügen auszukosten, doch dem ist Rot stets gewachsen.

Grün

Grün sucht nach Akzeptanz.

Alle anderen Farben konzentrieren sich darauf, wie sie die Welt zu einem besseren Ort machen können. Grün hingegen will als einzige Farbe die Welt gar nicht verändern, weil es fest davon überzeugt ist, dass in der Welt bereits alles richtig läuft. Die natürliche Ordnung ist wunderschön und bietet sämtliche Antworten auf alle Herausforderungen des Lebens. Der Schlüssel ist, sich zurückzulehnen und zu erkennen, was man da eigentlich Schönes direkt vor der Nase hat.

Jeder Einzelne kommt mit genau dem Potenzial auf die Welt, das er braucht. Das Geheimnis eines glücklichen Lebens besteht darin, die Rolle zu erkennen, in die man hineingeboren wurde, und diese Rolle auch anzunehmen. Tue das, was dir bestimmt ist. Die Welt ist ein ausgefeiltes System, zu dem jeder von uns seinen Teil beitragen muss. Und welcher Teil das ist, erfordert kein großes Herumraten, denn er ist in unseren Genen verankert. Man muss einfach nur in sich hineinhorchen.

Darüber hinaus muss man lernen, wie man sich am besten in den großen Plan einfügt. Die Natur hat eine wunderschöne Struktur. Ein Teil des Lebens besteht darin, zu erkennen, welche Rolle man spielt und wie diese Rolle mit dem Netz des Lebens verwoben ist. Niemand ist allein. Vielmehr ist jeder Einzelne von uns Teil eines komplexen Systems aus Wechselwirkungen.

Das Problem ist nur: Es geschehen so viele Dinge, dass man leicht den Überblick darüber verlieren kann, was es denn alles so an Schönem bereits gibt. Zu viele sind so sehr mit den kleinen Details ihres Lebens beschäftigt, dass sie sich nicht die Mühe machen, einen Schritt zurückzutreten und das große Ganze zu betrachten. Grün glaubt aufrichtig, dass alle anderen Farben sich schlicht und ergreifend nicht die nötige Zeit nehmen, um das bereits Vorhandene zu schätzen.

Gemeinsamkeiten

Auf der Rückseite einer jeden Magic-Karte (na gut, fast jeder – ja, euch meine ich, ihr doppelseitigen Karten!) befindet sich ein Kreis aus fünf Farben, den man das Farbrad nennt.

Die Farben sind jeweils mit den beiden rechts und links von ihnen verbündet und den beiden gegenüber verfeindet. In „Kuchenschlacht“ sprach ich bereits über die fünf Konflikte. Also soll es heute um die fünf Allianzen gehen.

Die Bedeutung der Zurückhaltung (Weiß und Blau)

Um die Gemeinsamkeiten einer jeden Allianz aus zwei Farben zu verstehen, müssen wir uns ihren gemeinsamen Feind betrachten. Für Weiß und Blau ist das Rot. Rot ist impulsiv, folgt seinem Herzen und horcht auf seine Instinkte. Rot ist unberechenbar und spontan. Rot konzentriert sich aufs Hier und Jetzt und macht sich nur Gedanken um die Zukunft, sobald sie unmittelbar bevorsteht.

Aus der Perspektive von Weiß und Blau betrachtet ist diese Haltung gefährlich. Für Weiß, das sich um das Wohlergehen der Gesellschaft als Ganzes sorgt, führt diese Art von Verhalten zu eigennützigen Handlungen, die jenen Gesellschaftsvertrag untergraben, der die Menschen dazu bringt, im Interesse der Gemeinschaft zu handeln. Für Blau, das sich darauf konzentriert, das Beste in sich zum Vorschein zu bringen, führt dieses Verhalten zu törichten Entscheidungen, die die Fähigkeit des Einzelnen untergraben, sein Potenzial voll auszuschöpfen.

Bei der Allianz zwischen Weiß und Blau geht es daher um Zurückhaltung. Es geht darum, sich die Zeit zu nehmen, Dinge zu durchdenken. Für Weiß liegt der Schwerpunkt hier auf solchen Dingen wie Planung, Organisation und Strategie. Will man das Beste für die Gesellschaft erreichen, muss man ein paar Schritte im Voraus denken, um zu gewährleisten, dass man die zur Verfügung stehenden Werkzeuge effizient einsetzt. Für Blau geht es hier vorrangig um solche Dinge wie sorgsames Studium, Evaluation und Voraussicht. Will man den besten Weg zu einer Optimierung finden, muss man behutsam und methodisch vorgehen, um sicherzustellen, jedes Element gründlich zu analysieren, ehe man eine Entscheidung trifft.

Wenn Weiß und Blau zusammenkommen, konzentrieren sie sich darauf, einen Plan zu entwerfen, der langfristig die größten Erfolgsaussichten hat. Sie finden heraus, wohin sie eigentlich wollen, und planen von diesem Punkt aus rückwärts jeden der Schritte, die sie diesem Ziel näherbringen. Das macht Weiß und Blau langsam, reaktiv und sehr detailorientiert. Wird ihr Plan nicht rechtzeitig durchkreuzt, sind sie allerdings nahezu unaufhaltsam.

Um zu verstehen, worin Weiß und Blau nicht übereinstimmen, muss man einen Blick auf ihre anderen Verbündeten werfen. Der andere Verbündete von Weiß ist Grün, der von Blau Schwarz. Das bedeutet, dass sie bei der Frage „Freier Wille oder Schicksal?“ nicht einer Meinung sind. Blau glaubt, die Menschen hätten den Willen und die Fähigkeit dazu, ihr Handeln zu kontrollieren. Weiß indes glaubt, jeder habe eine ihm vorgegebene Rolle zu übernehmen, um für eine bessere Gesellschaft zu sorgen. Blau glaubt, die Entscheidungen des Einzelnen sollten dessen Potenzial maximieren, wohingegen Weiß findet, dass das Wohlergehen der Gruppe im Vordergrund stehen sollte.

Die Bedeutung der Wahlfreiheit (Blau und Schwarz)

Der gemeinsame Feind von Blau und Schwarz ist Grün. Grün steht dafür, die Welt so anzunehmen, wie sie ist, und zu begreifen, dass jeder innerhalb des größeren Ökosystems die ihm zugedachte Rolle zu spielen hat. Fragt man Grün, so wird man in diese Rolle hineingeboren. Sie ist nichts, worüber man entscheidet, sondern etwas, was von Geburt an bereits für einen entschieden wurde.

Blau und Schwarz missfällt dieses Unvermögen des Einzelnen, selbst über seine Identität und seinen Lebenszwecks bestimmen zu können. Für Blau, das sich auf das Ausschöpfen seines Potenzials konzentriert, hindert dies die Leute daran, ein Mitspracherecht dabei zu haben, wer sie sein möchten – und dies untergräbt letztendlich das Streben nach Perfektion dieser Farbe. Für Schwarz, das nach Wegen sucht, seinen Einfluss zu erweitern, zwängt dies die Leute auf einen sehr engen Pfad – und dies untergräbt das Streben nach Macht dieser Farbe.

Bei der Allianz von Blau und Schwarz geht es daher um die Wahlfreiheit. Es geht darum, den Menschen die Möglichkeit zu geben, selbst darüber zu entscheiden, wer sie sind und was sie tun. Für Blau stehen dabei solche Dinge wie komplexe Entscheidungsprozesse, Anpassungsfähigkeit und Veränderung im Vordergrund. Will man sein volles Potenzial entfalten, braucht man Zugriff auf eine große Bandbreite an Optionen und muss dann auch noch die Fähigkeit haben, auf halbem Weg Anpassungen vorzunehmen, falls die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten. Bei Schwarz geht es um solche Dinge wie Antrieb, unbegrenzte Möglichkeiten und Ruchlosigkeit. Um Zugriff auf die Dinge zu erhalten, mit denen man sich Kontrolle über sein Leben verschafft, braucht man die Fähigkeit, sich seinen eigenen Weg frei zu wählen – ungeachtet der Hindernisse, denen man sich gegenübersieht.

Wenn Blau und Schwarz zusammenkommen, konzentrieren sie sich darauf, einen Plan zu ersinnen, der ihnen so viele Optionen wie möglich offenhält und gleichzeitig das verschleiert, was sie vorhaben. Sie wollen auf eine Weise gewinnen, bei der der Gegner nicht sicher ist, wie genau sie eigentlich den Sieg davongetragen haben. Der Schlüssel dazu, dass dieser Plan aufgeht, liegt darin, gewillt zu sein, wirklich alles zu tun, um am Ende als Sieger dazustehen – in Kombination mit einer großen Anpassungsfähigkeit. Auf diese Weise ist es wesentlich schwerer, Blau und Schwarz einzuschätzen, aber es ist auch wesentlich wahrscheinlicher, dass Teile ihres Plans schiefgehen.

Der andere Verbündete von Blau ist Weiß, der von Schwarz Rot. Daher besteht ihr Konflikt in der Frage: „Freiheit oder Sicherheit?“ Schwarz glaubt, die Menschen hätten das Recht, das zu tun, was sie tun wollen, und es missbilligt deshalb jede Maßnahme, die eine Einschränkung von Freiheiten oder Möglichkeiten darstellt (sofern diese Einschränkung nicht von ihm selbst geschaffen wurde). Blau glaubt, dass ungezügelt wucherndes Chaos letztlich eine Bedrohung für seine eigene Selbstverbesserung wäre, weswegen es stets solche Veränderungen innerhalb einer Gruppe unterstützt, die potenzielle Störenfriede in Schach halten können. Schwarz glaubt, dass das Leid der Schwachen ein akzeptabler Preis dafür ist, dass die Starken wachsen und gedeihen können. Blau glaubt, dass eine der Aufgaben der Gesellschaft diejenige ist, für die Sicherheit ihrer Mitglieder zu sorgen, damit jeder Innenschau betreiben kann, ohne sich um Bedrohungen von außen sorgen zu müssen.

Die Bedeutung der Individualität (Schwarz und Rot)

Der gemeinsame Feind von Schwarz und Rot ist Weiß. Weiß möchte die Bedürfnisse der Gruppe an erste Stelle setzen. Weiß glaubt, dass die Entscheidungen jedes Einzelnen nicht danach getroffen werden sollten, ob sie ihm selbst helfen, sondern danach, wie sehr sie der Gesellschaft nützen – selbst wenn eine solche Entscheidung für denjenigen, der sie trifft, am Ende selbst schädlich ist.

Schwarz und Rot missfällt der Gedanke, dass Einzelne gezwungen sein sollen, Entscheidungen zu treffen, die grundlegend schlecht für sie sind. Für Schwarz, das um jeden Preis Macht erlangen will, steht eine solche Entscheidung seinem endgültigen Ziel im Weg. Rot, das einfach bloß seinen Impulsen nachgeben will, wird dadurch gezwungen, den Blick nach außen zu richten anstatt nur nach innen.

Bei der Allianz zwischen Rot und Schwarz geht es daher um Individualität. Es geht darum, persönliche Entscheidungen in den Vordergrund rücken zu können. Für Schwarz liegt der Schwerpunkt dabei auf solchen Dingen wie Leistungsvermögen, Eigeninitiative und Selbstachtung. Um die Leute richtig zu motivieren, braucht man die Möglichkeit, diejenigen, die etwas besser erledigt haben als andere, auch zu belohnen. Für Rot dreht sich in diesem Zusammenhang alles um solche Dinge wie Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit und Motivation. Um dem eigenen Herzen folgen zu können, ist es entscheidend, dass die Menschen die Freiheit haben, auf ihre Impulse hören zu können.

Wenn Schwarz und Rot zusammenkommen, konzentrieren sie sich darauf, sämtliche Einschränkungen zu beseitigen. Sie sind impulsiv und brutal und tun alles, was nötig ist, um ihren Plan in die Tat umzusetzen. Sie bilden ein Gleichgewicht aus Bedrohungen und Antworten. Das macht Schwarz und Rot zwar gefährlich, aber auch anfällig gegen subtilere Bedrohungen.

Der andere Verbündete von Schwarz ist Blau, der von Rot Grün. Daher dreht sich ihr Konflikt um die Frage: „Natur oder Erziehung?“ Schwarz glaubt, dass der Einzelne die Fähigkeit dazu hat, durch ein unerbittliches Ausnutzen der ihm gebotenen Gelegenheiten sein eigenes Schicksal zu formen. Rot wird einzig durch sein Inneres angetrieben und glaubt daher, dass das, was jemanden im Kern ausmacht, etwas ist, womit er geboren wurde, und nicht etwas, was er sich aneignet. Schwarz glaubt, dass der Einzelne zu dem werden kann, was er sich für sich aussucht. Rot glaubt, dass die Menschen die Summe ihrer Impulse sind und daher akzeptieren lernen müssen, wer sie sind.

Die Bedeutung der Intuition (Rot und Grün)

Der gemeinsame Feind von Rot und Grün ist Blau. Für Blau geht es darum, Informationen zu sammeln, um das eigene Potenzial voll auszuschöpfen. Da Blau so sehr darauf fixiert ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist es langsam und methodisch. Es verlässt sich auf seine Klugheit, um jede Entscheidung korrekt zu fällen. Dadurch verhält es sich meist kalt und berechnend und scheut jeden innerlichen Prozess, der es in die Irre führen könnte.

Rot und Grün missfällt die Idee, dass die Leute nicht auf ihr Herz oder ihr Bauchgefühl hören sollen und dass die korrekte Lebenseinstellung ausgerechnet diejenige sein soll, jede Botschaft von innen zu ignorieren. Für Rot, das stets auf seine Emotionen hört, ist das Verleugnen von Impulsen beleidigend und kontraproduktiv. Für Grün, das sich seiner natürlichen Seite voll und ganz hingibt, ist die Idee, die eigenen Instinkte abzulehnen, eine Kränkung und ein direkter Widerspruch zu seinen Werten.

Daher geht es bei der Allianz zwischen Rot und Grün auch um Intuition. Es geht darum, zu respektieren, dass alle Kreaturen mit inhärenten Eigenschaften geboren werden, die sie durchs Leben führen. Für Rot liegt der Schwerpunkt hierbei auf solchen Dingen wie Emotionen, Spontaneität und Sehnsüchten. Will man das Leben voll auskosten, muss man in sich hineinhören und seinen Impulsen folgen. Für Grün ist der Fokus hier auf solche Dinge gerichtet wie spontane Eingebungen und Gefühle von Zugehörigkeit und einer tieferen Verbindung. Will man wachsen, muss man die Gaben, die einem die Natur beschert hat, annehmen und sie nutzen, um die eigene Berufung zu finden.

Wenn Rot und Grün zusammenkommen, nutzen sie ihre Verbindung zu ihren Impulsen und Instinkten, um mit einer Geschwindigkeit zu handeln, der andere nicht gewachsen sind. Zudem nutzen sie ihre urtümliche Seite, um mit beispielloser Wildheit anzugreifen. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass sie keine alternativen Strategien haben, wenn der aggressive Ansatz auf irgendeine Weise neutralisiert wird.

Der andere Verbündete von Rot ist Schwarz, der von Grün Weiß. Dadurch dreht sich dieser Konflikt auch um die Frage: „Das Wohl der Gruppe oder das Wohl des Einzelnen?“ Grün glaubt an die Verbundenheit allen Lebens – alle Geschöpfe sind Teil eines größeren Netzwerks. Insofern erkennt Grün auch die immense Bedeutung, das große Ganze im Blick zu behalten und die Rolle zu respektieren, die jedes einzelne Geschöpf darin spielt. Rot glaubt, dass jeder Einzelne seinen eigenen Weg geht und dass das Ziel des Lebens darin besteht, sich auf die Rolle zu konzentrieren, die man darin spielt. Andere müssen sich um sich selbst kümmern. Die Aufgabe von Rot ist, an sich selbst zu denken.

Die Bedeutung von Verantwortung (Grün und Weiß)

Der gemeinsame Feind von Grün und Weiß ist Schwarz. Für Schwarz geht es darum, Gelegenheiten zu erkennen und auszunutzen, um die Fähigkeit des Einzelnen zu optimieren, die eigene Rolle in der Welt auszubauen. Schwarz setzt sich selbst an erste Stelle und trifft seine Entscheidungen stets danach, was seine Pläne am ehesten voranbringt. Als Ergebnis dieser Denkweise ist es gewillt, andere auszunutzen, wenn ihm das hilft, die Macht zu erlangen, nach der es sich sehnt.

Grün und Weiß missfällt die Idee, dass die Leute gewillt sein sollten, andere zu opfern, um ihre eigenen Ziele vorantreiben zu können. Für Grün, das an das Netz des Lebens glaubt, bedroht diese Bereitschaft, andere zu opfern, die natürliche Ordnung. Für Weiß, für das der Schutz der Gruppe im Vordergrund steht, ermutigt dieser Eigennutz andere dazu, sich gefährlich und destruktiv zu verhalten.

Bei der Allianz zwischen Grün und Weiß geht es daher um Verantwortung. Sie dreht sich darum, dass man begreift, nur ein Teil eines großen Ganzen zu sein, und dass man berücksichtigt, wie die eigenen Handlungen das eigene Umfeld beeinflussen. Für Grün liegt der Schwerpunkt hierbei auf solchen Dingen wie wechselseitiger Abhängigkeit, Symbiose und Schicksal. Jede Kreatur füllt eine Rolle im komplexen Ökosystem der Natur aus. Spielt man auch nur mit einem einzigen Teil davon herum, kann das katastrophale Folgen haben. Für Weiß ist der Fokus hier auf die Gesellschaft, das Prinzip der Wohltätigkeit und das Gemeinwohl gerichtet. Das Wohlergehen der Gruppe geht über das Wohlergehen des Einzelnen – sonst werden niedere Instinkte die Gesellschaft ruinieren.

Wenn Grün und Weiß zusammenkommen, nutzen sie die Macht der Gruppe. Durch ihre Zusammenarbeit kann aus einer Horde von Kreaturen etwas Größeres als die Summe ihrer Teile entstehen. Sie können ihre Streitkräfte gemeinsam aufbauen und letztlich jede Verteidigung überwinden. Der Nachteil dieser Herangehensweise besteht darin, dass es Zeit braucht, eine Gruppe zusammenzubringen. Feinde, die etwas unabhängiger agieren, können Grün und Weiß bisweilen überrumpeln.

Der andere Verbündete von Grün ist Rot und der von Weiß Blau. Folglich dreht sich ihr Konflikt um die Frage: „Herz oder Verstand?“ Grün glaubt, dass jeder Einzelne in eine Rolle im Leben hineingeboren wird – zusammen mit den Eigenschaften, die er braucht, um seine Aufgabe zu erfüllen. Das bedeutet, dass der Schlüssel zum Erfolg der ist, seinen Instinkten zu vertrauen. Weiß glaubt, dass der wahre Daseinszweck eines jeden Einzelnen darin besteht, zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen. Um dies zu erreichen, muss man seine Impulse überwinden und seinen Verstand einsetzen, um herauszufinden, wie man sich am besten einbringt.

Die Punkte verbinden

Der Schlüssel zum Verständnis der Beweggründe einer Farbe ist, die Überschneidungen in ihren Allianzen zu erkennen.

Weiß

Für Weiß geht es um Verantwortung und Mäßigung. Man hat eine Aufgabe zu erfüllen, und um die eigenen Ziele zu erreichen, braucht man eine Struktur, damit man das tun kann, was getan werden muss, um die Gesellschaft als Ganzes voranzubringen. Das Schlüssel zum Frieden liegt darin, seinen Verpflichtungen durch Selbstdisziplin nachzukommen.

Blau

Für Blau geht es um Mäßigung und Entscheidungsfreiheit. Um das eigene Potenzial auszuschöpfen, muss man jede seiner Optionen sehr genau studieren. Dies erfordert eine gewisse Hingabe an diesen Prozess einer sorgfältigen Evaluation sowie eine prinzipielle Offenheit gegenüber der Idee, dass die Zukunft sich in viele mögliche Pfade verzweigt. Der Schlüssel zur Perfektion liegt in der Akzeptanz der Notwendigkeit von methodischem und anpassungsfähigem Vorgehen.

Schwarz

Für Blau geht es um Entscheidungsfreiheit und Individualität. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, gewillt zu sein, alles Nötige zu tun, um das eigene Ziel zu erreichen. Die Macht, selbst über sein Leben zu bestimmen, wird lediglich durch zwei Dinge begrenzt: die Fähigkeit, klar zu erkennen, wohin man gehen muss, sowie den Willen, das zu tun, was getan werden muss, um dorthin zu gelangen. Der Schlüssel zur Macht liegt in Flexibilität und Eigensinnigkeit.

Rot

Für Rot geht es um Individualität und Intuition. Wenn man glücklich sein will, muss man nach innen schauen und auf das hören, was der eigene Körper braucht. Erfolg im Leben wird durch ein Handeln erreicht, das die eigenen Impulse befriedigt. Der Schlüssel zur Freiheit besteht darin, auf sich und seine Gefühle zu vertrauen.

Grün

Für Grün geht es um Intuition und Verantwortung. Es gibt keinen Grund, nach einer Antwort zu suchen, denn sie liegt bereits direkt vor einem. Man wird mit bestimmten Fähigkeiten und einer konkreten Aufgabe im Leben geboren – man muss nur erkennen, worin sie besteht, und sie für sich annehmen. Der Schlüssel zu dieser Akzeptanz ist das Anerkennen, wer man ist, und alles in seiner Macht Stehende zu tun, um der eigenen Rolle im Ökosystem gerecht zu werden.

Lieb miteinander spielen

Und das waren nun etwa viertausend Wörter darüber, warum die Verbündeten so gut miteinander auskommen. Es ist kein Geheimnis, dass ich die Farbpalette liebe. Daher bin ich natürlich besonders gespannt darauf, von euch zu hören, wie ihr die heutige Kolumne fandet. Ihr könnt mir eine E-Mail schreiben oder mich über eines meiner Social-Media-Profile kontaktieren (Twitter, Tumblr, Google+ und Instagram).

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, denn dann gibt es eine Sturmskala zu den beiden Innistrad-Blocks.

Möget ihr bis dahin – wie auch die verbündeten Farbpaare – alle bestens miteinander auskommen.


 
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