R/W Tokens von Sam Black

Veröffentlicht in Artikel on 18. Dezember 2014

Von Simon Goertzen

Eine der aus Deckbausicht spannendsten Karten des aktuellen Standard-Formats ist Treuschwingen-Roc. In Ari Lax Gewinnerdeck der Pro Tour Khane von Tarkir war der weiße Flieger eine gute Wahl, um dessen Abzan Midrange-Strategie zu unterstreichen. Wenn man jedoch ehrlich ist, sind die Schlüsselrollen in Abzan eher anderen Karten zuzuordnen. Die Idee, dass das beste Deck im Standard das Deck sein könnte, das Treuschwingen-Roc am besten nutzt, hörte ich zuerst von Martin Juza beim Grand Prix Stockholm. Inspiriert durch Brad Nelson spielte Juza sich mit B/W Tokens und - wie könnte es anders sein - 4 Treuschwingen-Roc zu einem 22. Platz. Sein Deck, das unter anderem Alarmschlagen und Sorin, Ehrwürdiger Besucher, spielte, kann als Alternativentwicklung des Mardu Token Decks mit Hordling-Ansturm verstanden werden, das Nelson lange als das Deck des Formats propagierte.

Bei der diesjährigen Magic Weltmeisterschaft in Nizza hatte ich die seltene Gelegenheit, ein paar Worte mit Sam Black zu wechseln, dem amerikanischen Teamweltmeister von 2008. Auch wenn Black die großen individuellen Erfolge bisher verwehrt waren, bin ich jedesmal wieder davon beeindruckt, auf was für ein tiefes Magic-Verständnis Black als Spieler und insbesondere als Deckbauer zurückgreifen kann. So war es nicht überraschend, dass auch er schnell auf Treuschwingen-Roc zu sprechen kam, und die Einschätzung Juzas im Wesentlichen teilte. In Zusammenarbeit mit Craig Wescoe und anderen hatte Black jedoch ein rot-weißes Token-Deck entwickelt, um die Stärke von Hordling-Ansturm und Treuschwingen-Roc für sich zu nutzen. Die hohe Anzahl an Nichtkreaturen-Zaubersprüchen hat eine hohe Synergie mit Bravour, was Kloster-Flinkspeer und Sucher des Weges zu einfachen Inklusionen macht. Mit An Felsen gekettet hat sein Deck außerdem eine der effizientesten Lösungen für Kreaturen im gesamten Format, auf die man dank Pilgerin des Heliod erleichterten und zusätzlichen Zugriff hat.

Pilgerin des Heliod erinnert mehr an U/W Heroic Decks, als an spielsteinbasierte Strategien. Trotzdem spielt sich Blacks Deck komplett anders als das beliebte Aggrodeck: Statt einer oder zwei monströsen Kreaturen versucht R/W Tokens so viele, scheinbar irrelevante, Kreaturen wie möglich auf dem Spielfeld zu platzieren. Im besten Fall sorgen diese Kreaturen für kontinuierlichen Schaden, während An Felsen ketten, Das Feuer anfachen und Chandra, Pyromeisterin den Weg freiräumen. Hat der Gegner irgendwann eine ausreichende Verteidigung aufgebaut, kann man mit Eidolon der zahllosen Schlachten und Treuschwingen-Roc wahrlich große Bedrohungen erzeugen. Dabei helfen nebenbei auch 3 Aschewolkenphoenix aus dem Sideboard, die Black als eine seiner besten nicht-Maindeckkarten bezeichnet. Diese Strategie deckt somit beinahe das gesamte Spektrum der Aggression ab: von höchst aggressiven Bravourstarts bis hin zu einem Planeswalker-Kontrollplan ist alles möglich.

In Nizza spielte Black mit seinem Deck 2-2, was gegen die besten der Welt ein respektables Ergebnis ist. Dass er von seiner Strategie überzeugt war, erkennt man daran, dass er es kurze Zeit später beim StarCityGames.com Invitational ins Feld führte. Dort wurde seine Beständigkeit mit einem 5. Platz nach einem 7-1 im Schweizer System belohnt. Das besondere an diesem Erfolg sind die minimalen Änderungen, die Black an seinem Deck durchgeführt hat - gerade einmal drei Karten aus dem Maindeck tauschte er aus. 4 Kloster-Flinkspeer reduzierte er auf einen, und ersetzte den aggressiven 1-Drop durch weitere Nichtkreaturen: Drachen-Umhang, Auslöschung, und Stoke the Flames Nummer 4. Der Drachen-Umhang ist leicht zu erklären, weil Black mit Pilgerin des Heliod gegen Kontrolldecks eine bessere Aura als An Felsen ketten zur Verfügung haben möchte. Dabei ist zu beachten, dass Eidolon der zahllosen Schlachten trotz Göttergabe keine Aura ist. Interessant ist, dass es mit Auslöschung eine doch sehr spezielle Karte in Blacks Maindeck geschafft hat. Guckt man sich jedoch die besten Decks des Standard-Formats an, sieht man unzählige gute Verzauberungen: Rennerin des Kruphix, Peitsche des Erebos, Vormacht der Jeskai, und so weiter. Mit drei weiteren Kopien von Auslöschung im Sideboard zollt Black der akuten Stärke von Verzauberungen weiteren Respekt.

Mit seinen Modifikationen unterstreicht Black, dass R/W Tokens sich nicht immer so aggressiv spielt, wie man es auf den ersten Blick vermutet hätte. Stattdessen ist die große Stärke des Decks, sich schon vor dem Sideboarden sehr flexibel auf die gegnerische Spielgeschwindigkeit einstellen zu können. Und natürlich, dass man nahezu immer einen Angreifer hat, um Treuschwingen-Roc mit Überfall zu spielen!

RW Tokens von Sam Black 5. Platz beim StarCityGames.com Invitational

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