Polyeder-Ausrichtung

Veröffentlicht in Serious Fun on 5. Januar 2016

Von Bruce Richard

Bruce's games invariably involve several friends, crazy plays, and many laughs. Bruce believes that if anyone at your table isn't having fun, then you are doing it wrong.

Bei meinem allerersten Blick auf meine Preview-Karte hatte ich echte Schwierigkeiten, sie so richtig zu kapieren. Diese Karte macht derart viel, dass ich ihren eigentlichen Wert nicht so richtig begreifen konnte. Das war irgendwie so ein Fall von „vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“. Erst als ich sie für mich in ihre Bestandteile zerlegte, erkannte ich ihre wahre Schönheit. Sie ist etwas für den Spike, aber auch für den/die Johnny/Jenny in jedem von uns.

Beginnen wir mit ...

Spike

Spike bekommt mit der Polyeder-Ausrichtung eine fluchsichere Verzauberung für drei Mana, die ihn für zwei Mana wiederholt Hellsicht anwenden lässt. Nur zur Klarstellung: Wir reden hier also über wiederholte Hellsicht, und die ist ziemlich selten. Hellsicht ist tendenziell etwas, was nur einmal und dann nicht noch mal machen kann. Ob es einem möglich wird, weil ein Tempel aus dem Theros-Block ins Spiel kommt oder weil man es als Bonus eines Spontanzaubers oder einer Hexerei bekommt: Es ist eher eine einmalige Sache.

Die meisten der bleibenden Karten, mit denen man mehrmals Hellsicht anwenden kann, haben etwas mit Angreifen oder Tappen zu tun. Kristallkugel ist toll, aber ohne Hilfe kann man sie nur einmal pro Runde aktivieren, was ihre Nützlichkeit einschränkt. Der Eingeweideleser und der Katakomben-Durchkämmer können durch das Opfern von Kreaturen hellsehen, wodurch ihr jede Menge Karten bekommt, aber die beiden müssen schon in den richtigen Decks sein, um wirklich tiefe Einblicke zu erhalten.

Am ehesten lässt sich die Polyeder-Ausrichtung mit der Prismenformation und der Sturmruferin des Keranos vergleichen. Und in diesem Licht erkennt man auch am besten, wie gut diese Karte eigentlich ist. Die Prismenformation erfordert für die Hellsicht alle fünf Manafarben, wohingegen die Sturmruferin des Keranos zwar rot ist, aber Blau für diese Fähigkeit benötigt, die sich auf einem eher anfälligen 2/2-Körper befindet.

Die Polyeder-Ausrichtung ist eine Verzauberung und gehört damit zu den bleibenden Karten, die am schwierigsten zu zerstören sind. Die meisten Decks haben nur eine Handvoll Möglichkeiten, um mit Verzauberungen fertigzuwerden. Nimmt man jetzt noch Fluchsicher dazu, geht dieses Ding für den Rest der Partie nirgendwohin.

Können wir uns also ein Deck vorstellen, in dem Blau vorkommt und das nicht mit dieser Karte spielen will? Mir fallen nämlich nur Decks ein, die sie lieben würden!

Selbst manche Karten, die nicht blau sind, würden die Polyeder-Ausrichtung lieben. Der Abt des Keralberg-Klosters würde nur allzu gern wissen, welche Karte als Nächstes ins Exil wandert, und zwar erst recht dann, wenn man die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, dass es sich dabei um etwas besonders Nützliches handelt. Warum sollte man auch nicht im Vorfeld wissen wollen, womit man es zu tun hat, anstatt blind Karten zu manifestieren? Die Wahrscheinlichkeiten stehen gut, dass euch diese Preview-Karte die Gelegenheit verschafft, eine Kreatur aufzudecken. Ihr könnt sogar die Chance erhöhen, dass ihr genau die Karte umdreht, die Narset die Erleuchtete gerade braucht!

Dies alles sind interessante Optionen im Standard, aber ich möchte auch einen Blick auf die Optionen für den Casual-Spieler werfen. Gebieterin des Ideals klingt in diesem Zusammenhang wirklich spannend: Schafft mit Hellsicht die Verzauberungen, Spontanzauber und Hexereien weg und bekommt jede Runde eine kostenlose bleibende Karte. So ziemlich jede Karte, die etwas Bestimmtes oben auf der Bibliothek erfordert, wird die Fähigkeit wiederholter Hellsicht sehr zu schätzen wissen. Der Geheimnisstöberer ist offensichtlich eine gute Idee, aber wie sieht es mit Karten mit Verwandtschaft aus? Mit Dschinn der Wünsche? Oder Weg der Nachfahren? Es gibt alle möglichen Boni, die die Polyeder-Ausrichtung noch besser machen.

Johnny/Jenny

Dies ist zwar ohne jeden Zweifel eine tolle Synergiekarte, die Spike mit Sicherheit lieben würde, aber Johnny/Jenny möchte etwas noch Spannenderes. Schauen wir uns einmal doch den Rest dieser Textbox an:

JA!

Gut, ich verstehe, dass Commander-Spieler zu dieser Karte nicht begeistert „JA!“ sagen. Es mag durchaus eine Möglichkeit geben, Kopien dieser Karte herzustellen, um sie in einer Partie Commander einzusetzen, aber das überlasse ich den richtig genialen Erfindern untern den Jennys/Johnnys dort draußen. Ungeachtet des begrenzten Nutzens des Teils mit der alternativen Siegbedingung kann eine bleibende Karte für drei Mana, mit der sich mehrmals in einer Runde Hellsicht anwenden lässt, im Commander schon ziemlich klasse sein. Viele Spieler spielen Weissagekreisel des Senseis und/oder Kristallkugel. Die Polyeder-Ausrichtung lässt euch tiefer graben als jede andere Karte, sofern ihr das Mana dafür zur Verfügung habt. Ihr mögt also jetzt vielleicht noch nicht sofort begeistert „Ja!“ rufen, aber tut sie ruhig einmal in euer Deck und seht selbst, wie gut sie ist.

Stellt sie euch auch mal zusammen mit der Prophetin des Kruphix vor! Das könnte sich als hervorragender Manafresser für ein Deck herausstellen, das ohnehin schon ziemlich krass ist!

Viele andere Karten mit einer alternativen Siegbedingung bieten auch nur diese eine Siegbedingung an. Geistiges Duell tut nicht anderes als eben nur das. Ansonsten ist es eine tote Karte in eurem Deck. Azors Verleser hat eine alternative Siegbedingung und ist zudem eine Kreatur – aber realistisch betrachtet ist sie dadurch nur leichter zu beseitigen. Wenn ihr wollt, könnt ihr die alternative Siegbedingung auch vollkommen ignorieren und euch einfach nur über die wiederholbare Hellsicht freuen. Diese Karte ist die Bombe.

Andererseits ...

Ihr wollt es doch auch!

Ausgerichtete oder zusammenstoßende Polyeder?

Sehen wir uns mal genauer an, was passieren muss, um eine Partie mit der Polyeder-Ausrichtung zu gewinnen.

Ein Exemplar der Polyeder-Ausrichtung im Spiel. Das ist simpel. Setzt drei lumpige Mana ein und schon legt ihr sie raus. Abgesehen von einem Gegenzauber oder irgendeiner Massenvernichtung geht die Polyeder-Ausrichtung nirgendwohin, sobald sie erst einmal im Spiel ist. Phase Eins: Abgeschlossen.

Ein Exemplar der Polyeder-Ausrichtung auf dem Friedhof. Kein Problem. Euer Gegner wird schon irgendeine Möglichkeit finden, euren Zauber zu neutralisieren oder ihn zu zerstören. Die Karte landet schon irgendwann auf dem Friedhof. Euer Gegner könnte eure Bibliothek millen oder euch zwingen, Karten von der Hand abzuwerfen. Ihr könntet all diese Dinge auch selbst erledigen. Ihr könntet Plündernde Meermänner einsetzen, um die Polyeder-Ausrichtung von eurer Hand in den Friedhof zu bringen. Dieser Schritt ist etwas schwieriger, als die Karte ins Spiel zu bringen, aber nicht viel. Phase Zwei: Abgeschlossen.

Ein Exemplar der Polyeder-Ausrichtung im Exil. Es gibt jede Menge Möglichkeiten, eure eigenen Karten ins Exil zu schicken. An diesem Punkt beginnen wir jedoch, eigens solche Karten ins Deck zu nehmen, mit denen wir mit der Polyeder-Ausrichtung die Partie gewinnen können. Und das kann auch sehr wohl gelingen! Wir können Manipulation des Schicksals, Willenskraft und diverse andere Karten einsetzen, die Karten aus der Bibliothek eines Spielers ins Exil statt auf den Friedhof schicken. Wenn ihr feststellt, dass euer Gegner Eldrazi spielt, dann hilft er euch sogar unfreiwillig dabei! Phase drei ist schwierig, aber machbar.

Polyeder-Ausrichtung | Bild von Craig J Spearing

Ein Exemplar der Polyeder-Ausrichtung während des Versorgungssegments auf der Hand. Es scheint einfach, das Exemplar auf die Hand zu bekommen, aber ihr habt sicher bemerkt, dass dieses hier das vierte und letzte ist. Falls ihr aus Versehen zwei Exemplare in einer Zone habt, habt ihr ein gutes Stück Arbeit vor euch. Außerdem müsst ihr bedenken, dass es zwar toll ist, einfach Karten zu ziehen, wenn ihr versucht, eines (oder zwei) Exemplare von den vieren zu finden, die ihr im Deck habt, aber dass es eher schwierig wird, alle vier Exemplare auf diese Weise finden zu wollen. Daher ist es von Vorteil, bereits eines im Spiel zu haben. Alles verfügbare Mana kann dann dazu eingesetzt werden, nach dem nächsten Exemplar zu suchen.

Etwas, was ihr ebenfalls bedenken solltet, ist, dass schon sehr früh sehr offensichtlich sein wird, was ihr da gerade vorhabt. Sobald euer Gegner weiß, dass ihr versucht, auf diese Weise zu gewinnen, könnt ihr davon ausgehen, dass er alles tun wird, um ein zweites Exemplar ins Exil oder auf den Friedhof zu schicken oder euch gar eines zu stehlen. Das verlangt eurem Deck eine ganze Menge ab.

Aber wem machen wir hier was vor: Ihr müsst es trotzdem ausprobieren, oder?!

Rad-Ausrichtung

Bauen wir das Deck also zusammen:

4 Polyeder-Ausrichtung

Das macht Sinn. Ihr braucht vier, um zu gewinnen, und deshalb müsst ihr natürlich auch alle vier einbauen. Ich würde sogar noch mehr haben wollen, wenn es ginge – und es sieht ganz danach aus, als könnte ich das auch.

2 Durchtriebener Nachahmer

Der Nachahmer hilft, indem er für ein zweites Exemplar der Polyeder-Ausrichtung im Spiel sorgt. Es wird an euch liegen, dieses Exemplar wieder aus dem Spiel und in die Zone zu befördern, in der ihr es braucht. Ich will den Nachahmer aber nicht schon auf der Starthand haben, weshalb ich mich auch auf zwei Exemplare von ihm beschränke. Ich hatte auch die Verzauberungskopie in Erwägung gezogen, aber für ein zusätzliches Mana gefällt mir die Vielseitigkeit von Durchtriebener Nachahmer einfach besser. Ich werde wahrscheinlich auch noch andere Karten kopieren wollen, und das schafft Durchtriebener Nachahmer alles.

Als Nächstes möchte ich in der Lage sein, die Polyeder-Ausrichtung ins Exil zu schicken. Meine Suche führte mich in die Vergangenheit und zur Wünschelhexe aus Nemesis. Die Hexe schickt Karten ins Exil und sucht nach Karten, kann aber ein wenig unberechenbar sein. Was, wenn zwei Exemplare der Polyeder-Ausrichtung unter diesen ersten sechs Karten sind, die ins Exil geschickt werden? Diese ganze Sache ist schon schwer genug, ohne die Dinge dem Zufall zu überlassen.

Aktuellere Optionen sind Rückprall (na gut, vielleicht nicht superaktuell, aber immerhin neuer als Nemesis!) und In den Zeiten wühlen. Die alternativen Kosten zum Wirken des Rückpralls sorgen dafür, dass ihr eine Polyeder-Ausrichtung direkt von eurer Hand ins Exil schicken könnt. Der Rückprall gibt euch zudem ein wenig Verteidigung gegen angreifende Kreaturen und die Möglichkeit, eine Wanderung der Traumwesen zurückzuschicken, falls das nötig werden sollte. In den Zeiten wühlen lässt euch eure Bibliothek nach mehreren Exemplaren der Polyeder-Ausrichtung durchsuchen und sie auf die Hand nehmen. Außerdem kann sie ein Exemplar aus eurem Friedhof ins Exil schicken. Diese Flexibilität ist wichtig, sollten eure Gegner unvorhergesehene Dinge tun. Außerdem nehme ich noch das Muscheldock-Eiland ins Deck. Ich rechne zwar nicht fest damit, diese Karte spielen zu können, aber es besteht die Chance, dass sie eine Polyeder-Ausrichtung findet und sie vor meinen Gegnern verborgen hält!

4 In den Zeiten wühlen

3 Rückprall

Es sollte nicht allzu schwierig sein, Karten auf den Friedhof zu schaffen. Ich glaube, Plündern macht bei diesem Deck sehr viel Sinn, da man sich so noch schneller durch seine Bibliothek graben kann. Ich habe mir aktuelle Optionen angesehen und mich für die Belagerung des Klosters und den Westwind-Schreiber entschieden. Jace, Wunderkind von Vryn ist auch eine Option, aber diese Karte zieht jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Ich glaube, ich möchte mich lieber etwas bedeckt halten. Auch Fakt oder Fiktion ist eine Möglichkeit, aber das ist nur eine einmalige Sache, und ich glaube, wiederholte Aktivierungen sind mir lieber.

3 Belagerung des Klosters

3 Westwind-Schreiber

Es wird definitiv Situationen geben, in denen ich mehrere Exemplare der Polyeder-Ausrichtung auf meinem Friedhof haben werde. Recall ist zwar eine echte Old-School-Karte, macht aber genau das, was ich will.

3 Recall

Diese ganze Sucherei wird eine Menge Mana erfordern. Ob wir es für eine Hellsicht brauchen, um mit einer Ausrichtung nach den anderen zu suchen, oder zum Wirken der Zauber, um die Ausrichtungen auch tatsächlich auszurichten: Wir brauchen zusätzlich zu den Ländern jede Menge Mana. Ich habe mich für Glanzgeschliffener Hirsch und Silbermyr entschieden. Der Hirsch gibt uns nötigenfalls Länder oder Kreaturen, während der Myr für blaues Mana sorgt. Und davon brauchen wir alles, was wir kriegen können.

4 Glanzgeschliffener Hirsch

4 Silbermyr

Und zu guter Letzt brauchen wir noch mehr Kreaturen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass unsere Gegner uns nicht angreifen werden, wenn sie erkennen, was wir vorhaben. Wir sollten uns also zu verteidigen wissen. Dafür nehme ich Wanderung der Traumwesen und Lästige Sphinxen. Die Wanderung lässt uns nach Ausrichtungen suchen oder ist einfach nur ein schwer zu überwindender Blocker. Die Sphinxen sorgen für einen leichten Weg, eine Ausrichtung in den Friedhof abzuwerfen, während sie zugleich eine starke, frühe Abschreckung für den Gegner sind.

3 Wanderung der Traumwesen

3 Lästige Sphinx

Wenn die Sterne richtig stehen

Download Arena Decklist

Die Idee funktioniert schon ziemlich klar nach dem Motto „Alles oder nichts“. Mit den Kreaturen in diesem Deck wird man nicht viele Partien gewinnen, besonders ohne Entfernungszauber. Ich bin sicher, dass sich in einer besseren Variante Grün unterbringen ließe. Die Polyeder-Ausrichtung würde stark von der Prophetin des Kruphix profitieren, die euch alle eure Länder und Kreaturen im Enttappsegment enttappen ließe!

Letzten Endes ist die Stimmung der Polyeder-Ausrichtung einfach absolut zauberhaft. Ob ihr euch nun dazu entscheidet, die Polyeder auszurichten, oder ob ihr einfach nur ausgiebig Hellsicht nutzt: Ich bin mir sicher, dass die Polyeder-Ausrichtung ihren Weg in viele eurer Decks finden wird.

Bruce Richard

@manaburned

mtgseriousfun@gmail.com

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