Pro Tour–Berlin Halbfinale: Matej Zatlkaj vs. Sebastian Thaler

Posted in Event Coverage on November 2, 2008

By Hanno Terbuyken

Sebastian Thaler und Matej Zatlkaj

Sebastians und Matejs Decks sind weitgehend identisch, schließlich haben die beiden zusammen getestet. Auch Martin Juza war in der Gruppe, die diese Version des Elf-Decks mit nach Berlin brachte. Die Sideboards allerdings unterscheiden sich doch deutlich. Thaler hatte im Viertelfinale schon einmal am falschen Ende eines Orzhov Pontiff gesessen, und den hat auch Matej in seinem Sideboard, Thaler allerdings nicht.

Spiel 1:

Thaler legt mit einem Mulligan los und nutzt Gilt-Leaf Palace für zwei Nettle Sentinel hintereinander. Matej hat die langweiligere Eröffnung mit Llanowar Elf, dafür aber gleich zwei Essence Warden. Die Lebenspunkte-Bringer sind in diesem Matchup potentiell entscheidend, weil sie den gegnerischen Riesen-Drachen davon abhalten, in einem Schlag zu töten.

Thaler versucht es trotzdem direkt, weil er alle nötigen Zutaten auf der Hand zu haben scheint. Mit dem einen Land legt er sich Heritage Druid dazu, der dann via Summoner's Pact einen dritten Nettle Sentinel ermöglicht. Für den Pact legt Thaler sich eine Marke an seine Bibliothek, damit er auch ja das Bezahlen nicht vergisst, aber vielleicht braucht er das gar nicht: Eine Doppeldosis Glimpse of Nature lässt Matej um sein Leben fürchten.

Für Thaler geht es weiter mit Wirewood Hivemaster, Essence Warden, Birchlore Ranger und einem zweiten Heritage Druid. Matej zäht dabei fleißig Lebenspunkte, denn da führt er dank seiner beiden Essence Warden weiterhin mit 45 zu 31. Noch ein Glimpse von Thaler lässt ihn drei Karten pro Viech ziehen.

Matej 53, Thaler 49.

Thaler bringt den vierten Wirewood Hivemaster auf den Tisch, und es ist klar, dass er alles hat, um die Kombo durchzuziehen. Nur wie er durch den Lifegain von Matej durchkommen will, ist noch nicht ganz klar. Mit einem Drachenschlag wird er es nicht schaffen, aber Matej will er auch nicht die Chance geben, selbst Glimpse zu ziehen.

Bei 91 zu 77 Lebenspunkten (Matej liegt weiter vorne) ist Thalers Hand größer als seine Bibliothek. 121 zu 107 – der Abstand wird nicht wesentlich kleiner, und Thaler muss aufpassen, dass er sich nicht selbst dem Decktod ausliefert. Mit gerade mal sechs Karten in seiner Bibliothek spielt Thaler schließlich Predator Dragon und zieht damit noch drei Karten mehr. Der Drache ist 116/116, aber das bringt Matej nur auf 27 Leben. Der Tscheche bekommt noch einen Zug.

Matej zieht seine Karte...

Sebastian Thaler

"Ich hatte gehofft, diese Karte nicht zu ziehen!" Aber mit einem frischen Glimpse of Nature auf der Hand bleibt Matej nichts anderes übrig, als es selbst zu versuchen. Alles das, was ihr gerade schon gelesen habt, passiert jetzt auf der anderen Seite des Tisches nochmal... nur dass Thaler diesmal mit den Lebenspunkten deutlich vorne liegt.

Thaler: "Soll ich deine Token zählen?"
Matej: "Das wäre großartig!"

Die beiden haben sämtliche der großen schwarzen Würfel aus der Feature-Match-Arena an ihren Tisch geholt, schließlich haben sie beide mehrere Wirewood Hivemaster im Spiel. Außerdem guckt Rashad, der den Kommentatoren die Lebenspunkte ansagt, ziemlich belustigt auf den Tisch, denn solche Zahlen muss er selten in die Kabine melden: Matej 133, Thaler 257. (Rashad kratzte übrigens gestern noch selbst an den Top 8, und zwar als Spieler. Mit seinem 14. Platz kann er auch zufrieden sein, selbst wenn er möglicherweise die Top 8 auch gerne vom Tisch aus statt nur daneben gesehen hätte!)

Matej spielt Kreatur um Kreatur. Bei 199 (Matej) zu 303 (Thaler) Lebenspunkten kündigt er schließlich an, demnächst den Gleichstand anzustreben: Er spielt seinen dritten Essence Warden und hat damit einen mehr als Thaler. Der Abstand verringert sich allmählich auf 286 zu 367 Leben. "Jetzt sieht dein Drache ziemlich klein aus!" kommentiert Matej. Thalers Antwort: "Du kannst nur 50 Kreaturen opfern – so klein ist mein Drache gar nicht!"

Die Lebenspunkte, die Rashad zu Randy Buehler und BDM meldet, nehmen immer abstrusere Formen an, aber das kennt man ja im Essence-Warden-Mirrormatch: 337 zu 401. 372 zu 411. Und dann zieht Matej endlich seinen Drachen und überholt Thaler in den Lebenspunkten: Bei 480 zu 473 bringt er einen 122/122 Predator Dragon ins Spiel.

Jetzt hat Matej den größeren, und als der Tscheche noch schnell eine Erinnerungsmarke für Summoner's Pact auf seine Bibliothek legt, ist auch Thaler klar, dass Matej keinen Fehler machen wird.

Matej Zatlkaj 1 – 0 Sebastian Thaler

Spiel 2:

Thaler nimmt hier Predator Dragon aus seinem Deck und bringt Brainfreeze stattdessen, um auch von der Elfenarmee seines Gegners profitieren zu können. Die Umezawa's Jitten lässt er im Sideboard, aber Thoughtseize kommt ins Maindeck, für das unter anderem drei Essence Warden Platz machen müssen.

Thoughtseize hätte Thaler gern am Anfang des Spiels gehabt, denn Matj hält da eine Hand mit Predator Dragon. Dazu hat der Tscheche Glimpse of Nature und Essence Warden. Mit seinen zwei Wirewood Hivemaster kann Thaler da noch nicht mithalten, vor allem nicht, als Matej im dritten Zug sein Glimpse ausspielt. Nettle Sentinel folgt auf Heritage Druid, und Matej schiebt sich bis auf 44 Lebenspunkte hoch. Aus seiner Hand kommt eine rote Kreatur ins Spiel – aber es ist nicht der Drache, sondern Goblin Sharpshooter.

Thaler hat noch einen Zug, bevor der MG-Schütze aktiv wird und jede Chance zunichte macht. Er zieht eine Karte... und findet nichts. "Thaler bites the silver bullet" wäre dafür eine schöne englische Schlagzeile, aber auf Deutsch geht das leider nicht so schön.

Matej Zatlkaj 2 – 0 Sebastian Thaler

Spiel 3:

Matej Zatlkaj

Thaler nimmt den Drachen wieder rein, aber zusätzlich zum Brainfreeze. Zum dritten Mal darf er das Spiel beginnen, aber jetzt steht er mit dem Rücken zur Wand. Diesmal hat er das Thoughtseize auf der Starthand, das schwarze Mana kommt von Birchlore Ranger und Matej zeigt ihm Goblin Sharpshooter und Ethersworn Canonist.

Thaler entsorgt vorsorglich den Schützen. Das hindert Matej aber nicht daran, im zweiten Zug Glimpse of Nature zu ziehen und – ersparen wir uns das ganze Geschreibsel – ungehindert abzugehen. Dazu spielt er so nebenbei auch einen Ethersworn Canonist aus. Mit gerade mal 17 Lebenspunkten zu Matejs 25 sieht Thaler deutlich angeschlagen aus, aber Matej kann in diesem Zug noch nicht erfolgreich Thalers Fass die Krone ins Gesicht schlagen. Er greift zu seinem Stift, um zwei Punkte Mana-Brand zu notieren, aber Thaler stoppt ihn.

Sorgfältig zählt er Matejs Kreaturen, addiert die gebouncten Kreaturen und tappt Mountain und Birchlore Ranger... für blaues Mana. Das kann nur eins bedeuten: Brain Freeze! Nachdem Matej feststellen musste, dass Thaler trotz des Canonist tatsächlich noch einen Spruch spielen durfte, war er an seinem eigenen Stormcount gestorben.

Matej Zatlkaj 2 – 1 Sebastian Thaler

Spiel 4:

Mathej legt Kreaturen vor, aber Thaler hält Glimpse auf der Starthand. Dafür hat Matej Ethersworn Canonist. Im Gegensatz zu dem Deutschen ist er sichtlich nervös, so kurz vor dem Ziel. Aber im Weg sitzt Sebastian Thaler, der dieses Spiel nicht einfach so verloren geben wird!

Die Initiative liegt aber bei Matej, der mit Orzhov Pontiff Thalers ganzes Brett abräumt. Das waren zwar nur zwei Wirewood Symbiote, aber der Deutsche muss erstmal neu aufbauen. Währenddessen nutzt Matej die Gelegenheit, mit Angriffen einen guten Teil von Thalers Lebenspunkten in die Tonne zu treten. Da hilft auch Thalers einsamer Elvish Champion nicht.

Um Thaler am potentiellen Abgehen zu hindern, bringt Matej nach einem weitgehend sinnfreien Glimpse of Nature noch Ethersworn Canonist ins Spiel. Thaler geht von den Angriffen auf 12, dann auf 7, aber Matej verpasst zwei Züge lang die Gelegenheit, dem Deutschen noch mehr Schaden reinzudrücken, um das Spiel ganz konventionell zu beenden. Selbst mit Summoner's Pact sucht er sich nicht etwa einen Elvish Champion, sondern einen zweiten Wirewood Hivemaster. Dass ihm dabei vor Nervosität die Hände zittern, hilft auch nicht weiter.

Dann entdeckt Matej doch, wie viel Platz da in der roten Zone vor ihm ist. Trotz der zwei geschenkten Züge kann Thaler nichts finden, was Matejs Bodentruppen Einhalt gebietet, und damit zieht Matej Zatlkaj ins Finale der Pro Tour: Berlin ein!


Matej Zatlkaj 3 – 1 Sebastian Thaler

Am Ende stellte sich heraus, dass Matej eigentlich tatsächlich den Champion suchen wollte, er ihn aber rausgeboardet hatte und deshalb eine andere Lösung finden musste.

"Drei Stunden gespielt, und nix hat's gebracht!", kommentierte Thaler hinterher. Er hätte sich natürlich mehr gewünscht, aber auch der vierte Platz bei der Pro Tour bringt dem ehemaligen Rookie of the Year einiges an Pro Punkten ein, und das lässt hoffen, das bayrische Talent noch viel öfter an einem Pro-Tour-Sonntag zu sehen!

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