Das Durchspielen von Abläufen

Posted in Level One on April 5, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


In Magic ist alles wichtig. Alles.

Denkt über die folgende tragische Geschichte nach:

Spieler A: „Ich spiele Silumgars Befehl, um deine Insel zurück auf deine Hand zu schicken, und gebe deiner Dromoka-Kriegerin -3/-3.“

Spieler B: „Ich spiele Die Mitte finden, um meine Dromoka-Kriegerin zu retten.“

Spieler A: „Welche Farbe wählst du für dein Die Mitte finden?“

Player B: „Ist doch egal. Ich sage mal Blau.“

Spieler A: „Okay, deine Dromoka-Kriegerin hat jetzt Schutz vor Blau. Eine Kreatur mit Schutz vor Blau kann nicht mit blauen Auren verzaubert werden. Daher fällt das Jeskai-Runenzeichen, mit dem du deine Dromoka-Kriegerin ausgerüstet hattest, von ihr ab.“

Diese Geschichte ist wirklich passiert. Das weiß ich deshalb, weil ich der arme Tropf war, der Die Mitte finden gespielt und so sein Jeskai-Runenzeichen eingebüßt hat. Wegen dieses Fehlers verlor ich die Partie auf bemitleidenswerte und beschämende Weise. Nichtsdestotrotz bin ich rückblickend froh, dass mir das so widerfahren ist, denn ich habe daraus eine wichtige Lektion gelernt: Jede Entscheidung, die ich treffe, zählt.

Oder um es präziser auszudrücken: Man weiß nie, welche Entscheidungen irgendwann später noch wichtig werden. Daher müsst ihr euch so verhalten, als wäre ausnahmslos jede von ihnen wichtig. Als ich Die Mitte finden spielte, um meine Kreatur vor Silumgars Befehl zu retten, hatte ich die Wahl, meiner Kreatur Schutz vor Schwarz oder Schutz vor Blau zu geben. Ich musste eine Wahl treffen, aber ich betrachtete diese Entscheidung nicht als sonderlich wichtig. Daher entschied ich mich falsch und verlor die Partie.

Selbst ohne das Jeskai-Runenzeichen kann diese Art von Entscheidung sehr bedeutsam sein. Was, wenn mein Gegner vorgehabt hätte, mich später mit einer schwarzen Kreatur anzugreifen? Ich hätte sicher blocken können, hätte ich Schwarz gewählt. Was, wenn mein Gegner die Möglichkeit gehabt hätte, seinem Silumgars Befehl eine Hexerei wie Ritual der Schlange folgen zu lassen? Hätte ich mich für Schwarz entschieden, hätte ich ihm diese Möglichkeit genommen. Indem ich meine Entscheidung als unwichtig behandle, ignoriere ich all diese Möglichkeiten, und das hat Einfluss auf den Ausgang der Partie.

Der heutige Artikel befasst sich damit, die Abläufe durchzuspielen. Damit meine ich, wirklich jede Entscheidung in einer Partie Magic präzise und sorgsam anzugehen – selbst die kleinen. Ich werde die richtige Methode des Durchspielens einmal, na ja, durchspielen. Viel wichtiger jedoch: Ich werde versuchen, euch zu überzeugen, warum das eine gute Idee ist, und darauf bestehen, dass auch eure Gegner das tun sollten.

Jeskai-Runenzeichen | Bild von Jaime Jones


Die richtige Weise, einen Zauber zu wirken

Ich musste entscheiden, welche Farbe ich für mein Die Mitte finden ansage. Es war eine gute Idee, die Entscheidung sorgsam abzuwägen. Es würde mich zu einem besseren Magic-Spieler machen, wenn ich kleine Entscheidungen wie diese mit Respekt behandeln würde. Doch in diesem Fall meine ich das ziemlich wörtlich: Ich musste eine Entscheidung treffen.

Als ich Die Mitte finden einfach so ausspielte, verletzte ich zudem übrigens auch die Regeln. Indem ich keine Farbe wählte, übersprang ich einen Schritt – eine Entscheidung – bei der Verrechnung meines Zaubers. Das ist nicht die richtige Vorgehensweise beim Wirken eines Zaubers und noch dazu nicht erlaubt. Das soll nicht heißen, dass mich das zu einem Betrüger oder Schurken macht oder dass ich dafür auf dem Scheiterhaufen landen sollte. Allerdings sollte jeder, der das Ziel hat, Turniere zu spielen, sich angewöhnen, seine Zauber so zu wirken, wie die Regeln es vorschreiben, und darauf bestehen, dass seine Gegner das genauso handhaben.

Und so wirkt man einen Zauber richtig:

  • Sagt eure Modi und alle alternativen oder zusätzlichen Kosten an. Wenn ihr wie Spieler A aus dem obigen Beispiel einen Befehl wirkt, dann macht es wie er: „Ich spiele Silumgars Befehl, um deine Insel zurück auf deine Hand zu schicken, und gebe deiner Dromoka-Kriegerin -3/-3.“ Wenn ihr mit eurer Schandzungen-Anrufung einen Drachen vorzeigen wollt, dann legt beide Karten gleichzeitig auf den Tisch oder sorgt anderweitig dafür, dass der Gegner zur Kenntnis nimmt, was ihr aufdeckt. Wenn ihr Kraterklauen spielt, dann sagt an, wie viel Mana ihr für „X“ ausgebt.
  • Sagt die Ziele für euren Zauber an.
  • Verteilt jeden Effekt, der verteilt werden muss. „Ich spiele Pyrotechnik, um der Dromoka-Kriegerin einen Schaden, dem Herold der Dromoka zwei Schaden und dir einen Schaden zuzufügen.“
  • Bezahlt die Kosten für euren Zauber. Üblicherweise bedeutet das, einfach nur eure Länder zu tappen. Wenn ihr bereits Mana aus einer anderen Quelle in eurem Pool hattet, dann sagt an, wie viel ihr ausgebt und wie viel ihr gegebenenfalls noch übrig habt. Hat ein Zauber zusätzliche Kosten – wie beispielsweise Kollateralschaden –, dann bezahlt auch diese.

Die Mitte finden | Bild von Igor Kieryluk

Die Reihenfolge, in der ihr Obiges tut, spielt keine Rolle. Das einzig Wichtige ist, dass ihr alles davon macht. Ihr könnt nicht einen Schritt beim Wirken eines Zauber machen, ohne alle zu machen. Ihr könnt nicht erst einen beliebigen Schritt beim Wirken eines Zaubers machen, auf die Reaktion eures Gegners warten, und dann den Rest erledigen. Ihr müsst euren Zauber vollständig und richtig wirken, bevor euer Gegner reagieren darf und die Partie weitergehen kann.

(Beachtet bitte, dass ihr bei Die Mitte finden die Farbe wählt, sobald der Zauber verrechnet wird, und nicht, wenn ihr ihn wirkt.)

Gewöhnt euch an, eure Zauber auf diese Weise zu spielen, und bringt auch eure Gegner dazu, das so zu machen. Wenn ihr auf den Zauber eures Gegners reagiert (entweder im Sinne einer Reaktion als Teil der Partie oder einfach nur durch eure Körpersprache), bevor er alle Kosten bezahlt und alle Entscheidungen getroffen hat, dann gebt ihr ihm einen Vorteil. Ihr stellt ihm mehr Informationen zur Verfügung, als die Regeln ansonsten vorsehen. Manchmal wird das keine Rolle spielen. Doch wie ich zuvor bereits erwähnte: Ihr wisst nie genau, wann es vielleicht doch wichtig wird. Verhaltet euch also so, als wäre es wichtig!

Schaut euch dieses Beispiel an:

Spieler A hat drei Lebenspunkte.

Spieler B sagt: „Pyrotechnik.“ Dann zeigt er die Karte von seiner Hand vor.

Spieler A wirkt Ojutais Befehl, um vier Leben zu bekommen und eine Karte zu ziehen.

Spieler B sagt: „Okay, ich wollte dir eigentlich 3 Schaden zufügen und deiner Dromoka-Kriegerin einen.“ Jetzt entscheidet sich Spieler B, welches seiner Länder er für seine Pyrotechnik mit der zusätzlichen Information, dass Spieler A in Reaktion darauf Ojutais Befehl wirken will, tappen soll.

Einfach ausgedrückt ist das eine chaotische Situation. Beide Spieler sollten daran arbeiten, Vorkommnisse wie dieses zu vermeiden. Spieler B hat seinen Zauber nicht ordentlich gewirkt, und Spieler A ließ zu, dass die Partie weitergeht, anstatt darauf zu bestehen, die Reihenfolge einzuhalten. Diese beiden Dinge fügten sich so zusammen, dass Spieler B einen unfairen Vorteil erhielt, und sie sich womöglich auf den Ausgang der Partie auswirken können.


Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist!

In der Vergangenheit habe ich immer vom Aufgeben und vom Überbewerten des „Verzögerns“ abgeraten. Das ist einfach nur ein weiterer Aspekt davon, Abläufe durchzuspielen. Die Partie ist so lange nicht vorbei, bis ein Spieler offiziell aufgibt oder verliert. Bis dahin sind eure Entscheidungen wichtig. Trefft sie also präzise und sorgsam.

Um auf das Beispiel mit der Pyrotechnik zurückzukommen: Wenn ihr Spieler B seid (der Pyrotechnik wirkt), dann solltet ihr zunächst alles bedenken, was schiefgehen und dafür sorgen könnte, dass ihr die Partie nicht gewinnt. Könnte euer Gegner Pyrotechnik neutralisieren? Könnte er Lebenspunkte dazubekommen? Wie viele? Was passiert, wenn ihr nicht sofort gewinnt? Wie fügt ihr dann die letzten Schadenspunkte zu? Gibt es eine sicherere Methode, um zu gewinnen?

Gehen wir nun einmal davon aus, dass ihr alle Möglichkeiten in Betracht gezogen und euch tatsächlich entschlossen habt, Pyrotechnik zu wirken. Jetzt müsst ihr präzise und sorgsam sämtliche Entscheidungen treffen, die zum Wirken des Zaubers dazugehören. Solltet ihr das vor oder nach eurem Angriff machen? Wie wollt ihr für den Fall, dass etwas schiefgeht, den Schaden verteilen? Welche Länder wollt ihr dafür tappen?

Wenn ihr Spieler A seid (der sich der tödlichen Pyrotechnik ausgesetzt sieht), solltet ihr zunächst überprüfen, ob euer Gegner den Zauber ordentlich gewirkt hat. Hat er den Schaden verteilt? Hat er seine Länder getappt? Erst wenn das sichergestellt ist, solltet ihr reagieren oder auch nur zur Kenntnis nehmen, dass der Zauber gewirkt wurde.

Falls ihr Ojutais Befehl habt – toll! Ihr werdet die Runde überleben, solltet aber darauf achten, das auf die vorteilhafteste Weise zu tun. Ihr wisst, dass ihr vier Leben bekommen werdet, aber was ist der zweite Modus, den ihr auswählt? Welche Länder solltet ihr tappen? Es scheint irrelevant zu sein, aber was, wenn ihr einen weißen Spontanzauber zieht, nur um dann festzustellen, dass ihr törichterweise alle eure Ebenen getappt habt?

Falls ihr Ojutais Befehl nicht habt, steckt ihr wahrscheinlich in Schwierigkeiten. Ihr solltet aber trotzdem nicht vorschnell aufgeben! Schaut euch das Board an, denn vielleicht habt ihr ja etwas übersehen. Habt ihr Antizipieren auf der Hand? Gibt es etwas, was ihr ziehen könntet, um euch zu retten? Die Antwort auf diese Fragen könnte „Nein“ lauten, doch es kostet euch nichts, einen letzten Blick zu wagen, um einen Ausweg zu finden.

Pyrotechnik | Bild von Matt Stewart


Jede Entscheidung zählt

Ich spiele Magic mit der Geisteshaltung, dass jede Entscheidung wichtig ist. Sollte ich meine Insel oder mein Verschmutztes Delta in der ersten Runde spielen? Ich habe Silumgars Verachtung auf der Hand, und deshalb will ich so schnell wie möglich Zugriff auf blaues Mana. Aber was, wenn ich Gallenfäule ziehe? Habe ich genug Informationen, um zu wissen, welches Land mir mein Verschmutztes Delta einbringen sollte? Was ändert sich, wenn mein Gegner Gedankenergreifung auf meine Silumgars Verachtung wirkt? Was hätte ich lieber im Spiel, wenn mein Gegner Gedankenergreifung auf Silumgars Verachtung wirkt und ich danach Tempel der Täuschung in Runde Zwei ziehe?

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Entscheidung den Ausgang der Partie beeinflussen wird, aber nicht unmöglich. Da ihr euch dessen nicht sicher sein könnt, ist es in eurem Interesse, die Entscheidung mit Respekt zu behandeln.

Ähnlich sieht es aus, wenn ihr eine Menge Länder im Spiel habt und ihr einen billigen Zauber wirkt. Wenn es sich um Des Helden Untergang handelt, dann tappt eure Sümpfe und ein Exemplar von Leuchtender Springbrunnen und lasst euren Tempel der Täuschung und Tristes Gewässer enttappt. Ihr habt womöglich nicht einmal einen blauen Zauber auf der Hand, aber euer Gegner weiß das nicht! Behandelt ihr die Entscheidung als unwichtig, dann gebt ihr unabsichtlich Informationen preis. Hin und wieder könnt ihr vielleicht mit Antizipieren ein In den Zeiten wühlen finden und mit diesem dann ein weiteres und damit dann noch eins, aber diese Möglichkeit verbaut ihr euch, wenn ihr unnötigerweise zu viel von eurem blauen Mana tappt.

Das Sequenzieren eurer Spielzüge ist eine weitere wichtige Kategorie von Entscheidungen, die klein erscheinen mögen, aber oft wichtig sind. Beim richtigen Sequenzieren geht es hauptsächlich darum, Informationen zu verwalten: Ihr wollt euch selbst die meisten Informationen verschaffen, um fundierte Entscheidungen zu treffen, und umgekehrt so viel Informationen wie möglich vor dem Gegner verbergen. Hin und wieder kann das Sequenzieren zu besseren Entscheidungen oder den Gegner in die Irre führen. Beides kann eine Niederlage in einen Sieg verwandeln. Daher lohnt sich der Aufwand, es richtig zu machen!


Macht euch nicht verrückt!

Behandelt jede Entscheidung – und sei sie auch noch so klein – mit Respekt. Macht euch aber nicht völlig wahnsinnig dabei! Magic ist ein Spiel und soll Spaß machen. Selbst vor dem kompetitiven Hintergrund eines Turniers wollt ihr trotzdem Spaß haben – und das gilt auch für eure Gegner. Darüber hinaus habt ihr in Turnieren den zusätzlichen Druck, schnell zu spielen, damit euch nicht die Zeit ausgeht, bevor ihr eure Partien beendet habt.

Mit anderen Worten: Zerbrecht euch über kleine Entscheidungen nicht so sehr den Kopf, dass es euch das Spiel ruiniert. Überanstrengt euch nicht! Ihr wollt nicht, dass euer Gehirn schon in Runde Vier der ersten Partie im Turnier völlig erschöpft ist! Spielt nicht so langsam, dass ihr eure Partien nicht zu Ende spielen könnt!

Nehmt euch einfach vor jeder Entscheidung einen Moment Zeit, um euch zu vergewissern, dass ihr nichts übersehen habt, trefft danach die bestmögliche Wahl und bleibt dann dabei. Viel wichtiger noch: Versucht, euch Dinge anzugewöhnen, durch die eure kleinen Entscheidungen etwas schneller und besser werden. (Wie etwa das Tappen der Standardländer und das Enttapptlassen der Doppelländer.) Es wird Momente geben, in denen ihr von euren Gewohnheiten abweichen müsst, aber mit wachsender Erfahrung werdet ihr diese Momente besser erkennen und verstehen.

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