Das Metagame

Posted in Level One on April 26, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Eure Turniererfolge hängen von mehr als nur euren Fähigkeiten im Deckbau und im Spiel ab. Bei Magic ist es nicht minder wichtig, die Strategien eurer Gegner vorherzusehen und euch darum zu bemühen, sie so effektiv wie möglich zu neutralisieren. Zu verstehen, wie andere Spieler denken, kann euch einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

Das Metagame (also das Spiel jenseits des Spiels) besteht aus sämtlichen Entscheidungen, Ressourcen und Informationen, die zwar nicht direkt Bestandteil des Spiels, aber dennoch wichtig für Magic sind.

Sicht des Unsichtbaren | Bild von Anastasia Ovchinnikova

Mit anderen Worten: Das Spiel, das wir spielen, heißt Magic: The Gathering. Es wird durch ein präzises Regelwerk in Bezug auf den Deckbau und den Spielablauf sowie Tausende von Karten bestimmt. Das Metagame besteht aus allem in Magic, was nicht durch die Regeln festgelegt ist. Das sind die beliebten Archetypen unter den Decks, die neue Kombo, über die jeder spricht, und die spannende Sideboardstrategie für das Esper-Spiegelmatch. Es besteht aus allem, was die Spieler wissen, und allem, wovon die Spieler wissen, dass die anderen Spieler es wissen. Und während ihr dies hier lest, wird auch dieser Artikel zu einem Teil des Metagames.

Ein Verständnis für das Metagame kann genauso wichtig sein wie die allgemeinen Strategien des Spiels selbst.

Stellt euch bitte einmal vor, eure Freunde würden gern strategische Kriegsspiele spielen, in denen es drei Fraktionen gibt. Nennen wir sie doch einfach α (Alpha), β (Beta) und ω (Omega), und jede von ihnen hat ihre eigenen Stärken und Schwächen. Um das Spiel zu meistern, müsst ihr alle drei Fraktionen gut kennen. Wenn jedoch all eure Freunde immer nur β spielen, ist es für euer Metagame am besten, nur gegen β zu trainieren. Wenn euer Freund Sandy immer nur fliegende Einheiten einsetzt, dann ist dies ein wichtiger Aspekt eures Metagames. Wenn euer Freund Tommy eine schlechte Internetverbindung hat und sich während der Kämpfe nur langsam bewegt, dann ist das ein wichtiger Aspekt eures Metagames. Wenn ihr beschließt, das Spiel auch gegen andere Gegner zu spielen, dann wird sich euer Metagame verändern und ihr werdet eure Trainingsmethoden und Strategien anpassen müssen.

Auf welche Decks werdet ihr am wahrscheinlichsten treffen?

Der grundlegendste und zweifellos wichtigste Aspekt des Metagames bei Magic ist die relative Beliebtheit der verschiedenen Deckarchetypen. (Ihr erinnert euch: Ein Archetyp ist eine wiederkehrende Strategie mit vielen möglichen Variationen.) Wenn ihr wüsstet, dass bei eurem FNM mit zehn Spielern drei von ihnen Abzan, drei Esper, zwei Mono-Rot und zwei Grün-Hingabe spielen, könntet ihr diese Information zu eurem Vorteil nutzen und euer Deck entsprechend bauen. Darüber nachzudenken, welche Decks eure Gegner wahrscheinlich zu einem Turnier mitbringen werden, nennt man das Metagame vorausahnen.

Bei großen Turnieren kann man unmöglich erahnen, was jeder einzelne Teilnehmer tun wird. Selbst wenn ihr das könntet, wüsstet ihr noch immer nicht, gegen wen ihr genau antreten würdet.Für einen Grand Prix mit tausend Spielern kann man unmöglich erahnen, was jede einzelne Person dort tun wird. Selbst wenn ihr das könntet, wüsstet ihr noch immer nicht, gegen welche dieser Personen ihr genau antreten würdet.

Es gibt immer eine gewisse Unsicherheit dabei, das Metagame für ein Magic-Turnier vorauszusagen. Es ist allerdings absolut möglich, eine grobe Vorhersage zu treffen. So etwas im Stil von: „Zwischen und zehn und zwanzig Prozent der Spieler werden Esper-Kontrolle spielen.“ Derartige Voraussagen sind immer ausgesprochen hilfreich.

Antizipieren | Bild von Lake Hurwitz

Wie sich das Metagame voraussagen lässt

Vor Jahren entwickelte der Hall of Fame-Profi Frank Karsten eine Methode, die noch heute von vielen Spielern und Autoren angewandt wird. Er nannte sie „Kreis der Sieger“-Metagame. Er schaute sich neuere Turnierergebnisse an (zum Beispiel alle Grands Prix im Standard der letzten beiden Monate) und wies jedem Archetyp Punkte zu:

  • 2 Punkte für die Plätze Neun bis Sieben
  • 3 Punkte für die Plätze Fünf bis Acht
  • 4 Punkte für die Plätze Drei und Vier
  • 5 Punkte für Platz Zwei
  • 6 Punkte für Platz Eins

Anschließend errechnete er die Mittelwerte dieser Daten und wies jedem Archetyp einen Prozentanteil zu. Diese Zahlen dienten dazu, bei der Vorhersage zu helfen, welche Decks am Wochenende danach gespielt werden und sich gut schlagen würden.

Mit der „Kreis der Sieger“-Methode lässt sich das Metagame recht gut vorhersagen. Welche Decks in den vergangenen zwei Wochen gespielt wurden, ist ein ausgezeichneter Indikator dafür, welche Decks am kommenden Wochenende gespielt werden. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Decks, die in den jüngsten Turnieren gut abgeschnitten haben, auch diejenigen sind, die sich die Spieler in der nächsten Woche wahrscheinlich aussuchen werden.

Anhaltender Sieg | Bild von Mike Sass

Man sollte jedoch nie vergessen, dass das Voraussagen des Metagames keine exakte Wissenschaft ist. Die Zahlen verraten uns vielleicht eine Menge, aber letztendlich versucht ihr, irgendwie zu erraten, wie sich eine Gruppe von Individuen verhalten wird. Es gibt keinen mathematischen Grund, weshalb ein erster Platz beim Grand Prix Toronto genau doppelt so stark gewichtet werden sollte wie ein zehnter Platz beim Grand Prix Schanghai zwei Wochen später.

In letzter Konsequenz beeinflusst eine Menge verschiedener Faktoren die Anzahl an Archetypen, auf die ihr auf eurem nächsten Turnier trefft. Dies sind einige von ihnen:

Oft ist das, was in der Vergangenheit passiert ist, ein guter Indikator für das, was in der Zukunft passieren wird. Das Metagame der letzten Woche wird sicher die wichtigsten Faktoren berücksichtigt haben, die derzeit gelten. Es wäre ein Fehler, es zu ignorieren.


Welche Archetypen haben gewonnen?

Die Spieler schauen sich Turnierergebnisse an und sehen so, welche Decks gewinnen. Jeder, der sich nicht sicher ist, welches Deck er nehmen soll, wird sich sehr wahrscheinlich ein Deck aussuchen, das erst unlängst Erfolge erzielen konnte. Für manche Leute wird es nicht unbedingt genau das Deck sein, das letztes Wochenende den ersten Platz gemacht hat, für andere aber schon. Ihr solltet also den besseren und aktuelleren Ergebnissen größere Bedeutung beimessen.


Was haben die lautesten Stimmen verkündet?

Hierbei könnte es sich um einen weithin respektierten Spieler aus eurer Region oder etwas Vergleichbares handeln. Meistens jedoch handelt es sich dabei um die beliebtesten Kolumnisten der großen Strategie-Webseiten. Wenn Patrick Chapin spricht, dann horcht die ganze Welt auf. Wenn er oder einer seiner Kollegen schreibt: „Mono-Rot ist toll und jeder sollte es spielen!“, dann lohnt es sich, das zur Kenntnis zu nehmen – und zwar egal, ob wir anderen glauben, dass Mono-Rot eigentlich völlig irrelevant ist. Die bloße Tatsache, dass es gesagt wurde, wird dazu führen, dass Mono-Rot am kommenden Wochenende einen größeren Anteil an Decks ausmachen wird.


Ist die Verfügbarkeit von Karten ein Problem?

Ist es schwierig, bestimmte Decks zusammenzustellen? Je älter das Format ist, desto wichtiger ist diese Frage. Je kompetitiver das Niveau ist, desto weniger wichtig ist sie. Bei der Weltmeisterschaft wird jeder Spieler irgendwie die Möglichkeit dazu haben, an die Karten zu kommen, die er einsetzen will. Bei einem eher unbedeutenden Legacy-Event auf Magic Online oder im heimischen Store sind vermutlich häufiger günstigere Decks anzutreffen.


Gibt es andere Trends, die sich abzeichnen?

Es gibt eine ganze Menge an Unbekannten, die nicht in die obigen Kategorien fallen und dennoch Einfluss auf das Turnierfeld haben können. Ein Beispiel: Ich stelle fest, dass Midrangedecks wie Abzan tendenziell etwas überrepräsentiert sind, da viele Spieler sie lieber spielen als solch extreme Strategien wie Mono-Rot. Ein anderes Beispiel: Schnelle Strategien sind auf Magic Online etwas vermehrt vertreten, da viele Spieler so schnell wie möglich so viele Partien wie möglich absolvieren wollen.

Zusätzlich dazu, dass das Ganze keine exakte Wissenschaft ist, ist das Voraussagen des Metagames an sich schon eine knifflige Angelegenheit mit vielen, vielen Faktoren. Ich finde es hilfreich, mit meinen Freunden vor einem Turnier darüber zu sprechen. Wo meine eigenen Voraussagen oft sehr ungenau sind, ist eine Auswahl aus verschiedenen Meinungen in der Regel ziemlich hilfreich. Darüber hinaus glaube ich, dass das Voraussagen des Metagames eine Fähigkeit ist, die sich durch Übung und Erfahrung verfeinern lässt.

Weitsicht des Feuerhirns | Bild von Dan Scott

Was macht man mit einem vorausgesagten Metagame?

Zur Vorbereitung auf ein Constructed-Turnier gehören drei Dinge: die Wahl des Archetyps, die Feinabstimmung und Übung.

Hin und wieder ergänzen sich alle drei Faktoren perfekt und führen dazu, dass ihr ein sehr extremes Metagame voraussagt. Das ist ziemlich selten, aber sagen wir einmal, ihr wisst, dass ein einzelner Archetyp dreißig Prozent des Feldes auf eurem nächsten Turnier ausmachen wird. Es ist also in eurem Interesse, eine Metagame-Deckwahl zu treffen, die sich gut gegen das zu erwartende Feld schlägt und den beliebtesten Archetyp vernichtet.

Manche Spieler haben mit einer solchen Herangehensweise großen Erfolg, aber ich persönlich wähle sie nur selten. Besonders angesichts der Unsicherheiten bei der Voraussage des Metagames bevorzuge ich es, mich auf die anderen beiden Aspekte der Turniervorbereitung zu konzentrieren: das Deck meiner Wahl zu beherrschen und die bestmögliche Deckliste zu haben.

Was ich aber in jedem Fall tue, ist, einige meiner Karten mit dem Metagame im Sinn auszuwählen. Wenn ich Abzan spiele und eine Menge Mono-Rot voraussage, dann könnt ihr schon davon ausgehen, dass ich drei oder vier [autocard]Im Leid ertrinken[autocard] in mein Sideboard tue!

Zu guter Letzt sollte euer vorausgesagtes Metagame auch eure Übungsrunden beeinflussen. Das bedeutet nicht nur, dass ihr gegen die wahrscheinlich beliebtesten Decks trainiert, sondern auch einen Schwerpunkt auf neue Decks legt, denen ihr noch nicht begegnet seid, sowie auf seltsame Decks, die sich von dem unterscheiden, woran ihr gewöhnt seid.

So weiß zum Bespiel niemand so recht, was er tun soll, wenn er das erste Mal gegen die Vormacht der Jeskai-Kombo spielt. Vormacht der Jeskai-Kombo ist kein beliebtes Deck. Ihr könnt es also in der Regel ignorieren. Wenn ihr jedoch glaubt, dass die Vormacht der Jeskai-Kombo vermehrt auf eurem nächsten Turnier auftaucht, kann ein wenig Übung in dieser Paarung von unschätzbarem Wert sein.

Informationskaskaden

In seinem bahnbrechenden Artikel Informationskaskaden bei Magic beschrieb Patrick Chapin ein Phänomen, das meiner Ansicht nach beim kompetitiven Magic recht wichtig ist. Manchmal erreicht das Metagame einen Punkt, an dem das, was die Spieler tun, mehr dadurch bestimmt wird, was die anderen Spieler tun, als durch das, was eigentlich die besten Strategien wären.

Chapin beginnt mit einem Beispiel für einen Archetyp, über den die Geschichte kein sonderlich positives Urteil fällte. Zu seiner Glanzzeit handelte es sich bei ihm jedoch um ein extrem beliebtes Deck, das viele Spieler zu Turnieren mitbrachten. Dank ausreichender Beliebtheit schaffen es selbst schlechte Decks in die Top 8 und gewinnen Turniere. Mehr Spieler sehen, dass das Deck gute Ergebnisse bringt, und spielen es selbst. Auf diese Weise stützt sich die Beliebtheit eines Decks auf sich selbst. Chapin nannte dies ein Beispiel für eine Informationskaskade.

Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Ich glaube, dass tolle Archetypen und Strategien in der Turnierszene oft „untergehen“. Die Spieler beachten sie nicht, weil sie in letzter Zeit keine anderen Spieler damit gesehen haben. Ein Archetyp mag toll sein, aber wenn er nicht beliebt genug ist, dann erzielt er keine großen Erfolge und sein Mangel an Popularität stützt sich auf sich selbst.

Es ist leicht, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Decks es auf Turnieren in die Top 8 schaffen. Es ist weniger leicht zu sehen, welche Decks hohe oder niedrige Gewinnraten und welche ungenutztes Potenzial haben.

Mystiker des Verborgenen Weges | Bild von Ryan Alexander Lee

Nehmt dieses ausgedachte, aber meiner Erfahrung nach durchaus realistische Beispiel: Jane Doe baut ein monoblaues Beatdown-Deck und spielt es auf einem Grand Prix bis auf einen phänomenalen dritten Platz. Ihr Deck wird in der Berichterstattung erwähnt, aber stark vom Siegerdeck überschattet, ebenso wie von einem dritten Deck, das es dreimal in die Top 8 geschafft hat. Jane Doe ist keine berühmte Spielerin und durch puren Zufall hat keiner der beliebten Kolumnisten über ihr Deck geschrieben. Auf dem nächsten Grand Prix spielt eine Gruppe von Spielern Mono-Blau mit durchschnittlich gutem Erfolg, aber keiner schafft es in die Top 8.

Unter diesen Umständen könnte Mono-Blau einer der besten Archetypen des Formats sein, doch nur einen Monat nach Janes tollem Ergebnis ist es wahrscheinlich ein eher unbeliebtes Deck.

Hin und wieder kann eines dieser „vergessenen Decks“ eine tolle Möglichkeit sein, sich einen Vorteil in einem Turnier zu verschaffen. Mit selbst hat das ein paarmal in meiner Karriere zum Erfolg verholfen, besonders in Formaten wie Legacy, die sich nur langsam ändern.

Der wichtigste Punkt, den Patrick Chapin vermitteln wollte, war, dass es Momente gibt, in denen es sich lohnt, auf die Community und die Turnierergebnisse zu hören, und andere, in denen es besser ist, auf sich selbst zu vertrauen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Das Einzige, was wirklich sicher ist, ist, dass ihr stets eure Augen offen halten und auf das achten solltet, was die anderen Spieler tun. Manchmal leitet ihr eure Strategie aus dem ab, was ihr in einem Artikel lest oder in der Turnierberichterstattung seht. Aber ihr werdet stets davon profitieren, wenn ihr wisst, was eure Gegner wahrscheinlich vorhaben.

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