Die Auswahl des Decks

Posted in Level One on May 3, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Was glaubt ihr: Welche Frage wird mir wohl als Kolumnist für Magic: The Gathering am häufigsten gestellt?

Welches Deck soll ich nächstes Wochenende spielen?

Und genauso häufig, wie ich das gefragt werde, wünsche ich mir, eine einfache und hilfreiche Antwort parat zu haben.

Es ist nun einmal so, dass die Auswahl des richtigen Decks eine sehr verzwickte und komplizierte Angelegenheit ist, und zwar eine, über die wir Magic-Spieler am meisten grübeln und die uns nachts regelmäßig um den Schlaf bringt. Obwohl wir bestimmt keine einfache Antwort finden werden, wollen wir uns heute dennoch mit der Frage befassen, wie man am besten sein Deck für ein Magic-Turnier aussucht.

Decks kopieren und Decks selbst bauen

In gewissen Kreisen gibt es das eine oder andere Ressentiment gegen „Netdecking“, also das Nachbauen von Decks aus dem Internet. In einem überschaubaren Freundeskreis ist es sicher möglich, eigene Spielrichtlinien zu erstellen, wenn man das denn will. Sobald ihr euch jedoch in die Welt der Magic-Turniere aufmacht, ist Netdecking die Norm. Ihr solltet darauf vorbereitet sein, ihm zu begegnen – oder sogar eine eigene Leidenschaft dafür zu entwickeln. Es mag als bewundernswert gelten, ein eigenes Deck von Grund auf selbst zu bauen, aber ihr solltet dennoch nicht aufs Netdecking herabschauen.

Es hat viele Vorteile, die Deckliste eines Siegerdecks zu kopieren. Am offensichtlichsten ist sicher, dass ihr ein Deck spielen werdet, das sich bereits bewährt und gute Turnierergebnisse erzielt hat. Ähnlich wichtig ist, dass ihr von der harten Arbeit abertausender Spieler profitieren könnt, wenn ihr euch einen beliebten Archetyp aus dem Netz sucht.

Nehmen wir beispielsweise Monorot-Aggro im Standard. Unzählige Spieler spielen Monorot und bringen ihre eigenen Instinkte, Erfahrungen und Meinungen in die Decklisten ein. Sie spielen so viele Länder, wie sie für richtig halten, sie haben ihr Deck so aufgebaut, dass es ihnen die besten Siegchancen verschafft, und sie nehmen die Karten ins Sideboard, die sie für am hilfreichsten halten. Es gibt keine Garantie dafür, dass jeder Einzelne genau richtig liegt, doch im Lauf der Zeit erzielen die besseren Versionen des Decks mehr Siege und ihre Eigenheiten fließen in zukünftige Fassungen von Monorot ein. Das ist wie Charles Darwins Theorie vom Überleben des am besten Angepassten!

Überleben der Stärksten | Bild von Shelly Wan

Wenn ihr euch einen Archetyp aus dem Internet sucht, spart euch das zudem eine Menge Zeit und Kraft, die ihr dann für andere Aspekte eurer Turniervorbereitung nutzen könnt. Falls ihr euch schon auf Monorot festgelegt habt, könnt ihr euch nun darauf konzentrieren, eure Deckliste anzupassen und euer Spiel zu üben.

Der Eigenbau eines Decks von Grund auf ist ein ziemlich anspruchsvolles Unterfangen. Selbst unter den Magic/em>-Spielern auf Weltklasseniveau gibt es nur wenige, die das überhaupt versuchen, geschweige denn als „Meister“ dieses Fachs bezeichnet werden könnten. Es gibt da ein verbreitetes Sprichwort: Für jede gute Deckidee gibt es neun schlechte. Es erfordert eine Menge Kreativität, Intuition, Beharrlichkeit, harte Arbeit und Disziplin, um gegen solche Widrigkeiten zu bestehen. Allgemein gesprochen: Ihr seid im Nachteil, wenn ihr versucht, euer eigenes Deck zu bauen.

Das soll aber absolut nicht heißen, dass ihr es nicht versuchen solltet! Schafft ihr es, ein gutes Deck von Grund auf selbst zu bauen, dann habt ihr einen überragenden Vorteil gegenüber dem Rest des Teilnehmerfelds. Ihr habt ein Deck, mit dem niemand rechnet und auf das niemand vorbereitet ist. Niemand wird wissen, welche Karten ihr euren Gegnern wahrscheinlich entgegenwerfen werdet!

Noch wichtiger ist jedoch: Das Bauen von Decks ist einer der besten Wege, um etwas dazuzulernen und ein besserer Spieler zu werden. Wenn ihr alles selbst in der Hand habt – vom Deckbau bis zur Spielweise –, werdet ihr ein tieferes Verständnis dafür entwickeln, was in euren Partien vor sich geht und warum ihr verliert oder gewinnt.

Fühlt euch nicht verpflichtet, eure Decks immer selbst zu bauen, besonders dann nicht, wenn die Zeit zur Vorbereitung begrenzt ist. Der Deckbau ist jedoch ausgesprochen hilfreich und befriedigend, und ich möchte jeden herzlich dazu einladen, es hin und wieder mal damit zu versuchen.

Ein Deck, das gut fürs Metagame ist

Letzte Woche sprach ich über das Konzept des Metagames und insbesondere darüber, welche Karten und Decks eure Gegner vermutlich einsetzen werden. Wenn ihr das Metagame korrekt voraussagen könnt, könnt ihr womöglich ein Deck bauen, auswählen oder anpassen, das genau gegen die Decks arbeitet, gegen die ihr am wahrscheinlichsten antreten werdet.

Wenn Blau-Schwarz-Kontrolle das beliebteste Deck ist, ist es toll, auf ein Turnier zu gehen und jedes Mal freudig aufzuspringen, wenn euer Gegner in der ersten Runde einen Tempel der Täuschung spielt. Wenn ihr es besonders auf bestimmte Decks abgesehen habt, diese es aber nicht auf euch, kann das manchmal ein großer Vorteil sein.

Denkt nur immer daran: Es gibt eine Menge Ungewissheiten beim Voraussagen des Metagames. Oft wird das Feld ziemlich vielfältig aufgestellt sein. Oft werdet ihr euch irren (zumindest ein bisschen), womit andere Spieler auftauchen werden. Selbst wenn ihr einen Trend korrekt vorhersehen könnt, gibt es keine Möglichkeit, genau zu sagen, gegen welche Spieler ihr im Einzelnen bei eurem Turnier antreten werdet.

Ein Deck mit roher Macht

Wenn ihr euren Gegnern so wenig wie möglich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein wollt, solltet ihr euch am besten ein Deck mit roher Macht aussuchen. „Macht“ ist ein etwas nebulöser Begriff in Magic, aber er bezieht sich darauf, wie gut ein Deck (oder eine Karte) jenseits eines konkreten Formats oder des aktuellen Metagames ist. Ich definiere das Machtniveau eines Decks etwa so: „Wie gut würde sich dieses Deck (im Vergleich zu meinen anderen Möglichkeiten) gegen eine unendlich große Menge verschiedener Gegner mit verschiedenen Decks aus verschiedenen Formaten schlagen?“

Grün-Hingabe beispielsweise hat eine Menge an roher Macht. Es ist schnell, explosiv und wird, wenn man es erst einmal machen lässt, die meisten anderen Dinge deklassieren, die Spieler so tun können. Grüne Hingabe kann jedoch manchmal eine schlechte Wahl im Metagame sein, wenn zu viele Spieler Karten wie Ende der Feindseligkeiten, Wendepunkt des Schicksals und Gefährliches Behältnis spielen.

Manchmal herrschen günstige Umstände für eine Metagame-Entscheidung, und manchmal ist es am besten, sich einfach auf ein Deck mit roher Macht zurückzuziehen. Einen guten Mittelweg zu finden, ist natürlich ideal.


Eine proaktive Strategie

Erinnert euch, dass proaktiv zu sein bedeutet, auf ein mächtiges Ziel hinzuarbeiten, anstatt nur darauf zu reagieren, was der Gegner tut. Das beste Beispiel für Proaktivität ist es, einfach eine aggressive Strategie zu haben und die Partie so schnell wie möglich zu gewinnen!

Da Magic-Turniere so vielfältig und verschieden sein können, liegt ein großer Vorteil darin, sich einfach auf seine eigene Strategie zu konzentrieren und zu wissen, dass man wahrscheinlich gewinnen wird, solange man es nur schafft, seine Strategie auch umzusetzen. Schwieriger ist es da schon, Antworten auf alles zu haben, was die Gegner so auffahren. Je länger eine Partie dauert, desto weiter öffnet ihr Dingen, die schiefgehen können, Tür und Tor.

Ich rate daher dazu, auch für langsamere und kontrollastigere Decks eine proaktive Strategie zu haben. Drachenfürst Ojutai ist ein tolles Beispiel für eine proaktive Karte in einem Kontrolldeck. Sie hilft dabei, einen kleinen Vorteil in etwas Unüberwindbares zu verwandeln und eine Partie rasch zu beenden, sobald man bereit dazu ist.


Unvermeidbarkeit

Andererseits ist /Unvermeidbarkeit ebenfalls etwas sehr Wertvolles. Ihr habt Unvermeidbarkeit, wenn euch der Sieg praktisch sicher ist, falls die Partie sich auf unbestimmte Zeit hinzieht.

Wenn ihr Unvermeidbarkeit habt, müsst ihr nur überleben, um die Partie zu gewinnen. Oft ist es leichter, euch zu verteidigen, als den Gegner tatsächlich in die Schranken zu weisen.

Das gefährlichste Szenario jedoch ist der Irrglaube, Unvermeidbarkeit zu haben, wenn dies gar nicht der Fall ist. Deshalb ist eine proaktive Strategie so wichtig: Ihr wollt die Möglichkeit haben, auf Sieg zu spielen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.

Esper-Drachen ist ein erfolgreiches Deck im Standard, da es gegenüber den meisten anderen beliebten Decks des Formats Unvermeidbarkeit mitbringt. Darüber hinaus hat es, obwohl es ein eher langsames Deck ist, dadurch eine proaktive Strategie, dass es einfach das Board mit Drachen beherrschen kann.

Das Wesen von Sideboardpartien

Ein häufiger Fehler neuerer Constructed-Spieler ist es, das Sideboard zu unterschätzen. Es ist leicht, ein Deck wie Monorot aufregend zu finden, weil seine Siegrate in der ersten Partie so hoch ist – bevor das Sideboard ins Spiel kommt. Ihr habt jedoch kein verlässliches Gesamtbild, bevor ihr nicht Partien gespielt habt, in denen die Abzan- und Esper-Spieler ihre Decks mit Im Leid ertrinken[autocard] und [autocard]Pharikas Heilmittel vollgepackt haben.

Wie gut euer Deck sich in Sideboardpartien schlägt, kann ein entscheidender Faktor sein. Midrange-Decks profitieren traditionell am meisten vom Sideboarden. Da sie so gut abgerundet sind, sind sie ausgesprochen flexibel darin, was sie auswechseln können, und bieten dem Gegner dennoch nur wenig Angriffsfläche. Im Allgemeinen: Je extremer eure Strategie ist (selbstmörderische Aggro, Kontrolldecks ohne proaktiven Plan und lineare Strategien), desto leichter lässt sich dagegen sideboarden.

Macht euch das Deck Spaß?

Dies scheint ein eigenartiger Faktor für eine Kolumne über Strategie zu sein, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er eure Turnierergebnisse beeinflusst. Wenn ihr Spaß habt und euer Deck toll findet, werdet ihr besser abschneiden. Wenn ihr euch jedoch zu einem Deck zwingt, das ihr nicht mögt oder an das ihr nicht wirklich glaubt, dann wird sich das ebenfalls in euren Ergebnissen niederschlagen.

Mit einem Deck, an dem ihr Freude habt, könnt ihr euch besser konzentrieren, und ihr werdet zwangsläufig auch häufiger über dieses Deck nachdenken. Demzufolge ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass ihr eine tolle Idee für eine Veränderung im Hauptdeck oder eine neue Sideboardkarte habt.

Andererseits könnt ihr euch, wenn euch das Spiel mit einem Deck keinen Spaß macht, schnell hilflos und unflexibel fühlen. Ihr werdet nicht nach Möglichkeiten suchen, das Deck zu verbessern, und trefft unter Umständen schlechte Mulligan- oder Spielentscheidungen, weil ihr schlichtweg nicht daran glaubt, dass das Deck zu mehr fähig ist.

Bei einem Deck bleiben

Das bringt uns zu dem, was ich für den wahrscheinlich wichtigsten Faktor bei der Deckauswahl halte: Wie gut könnt ihr das Deck spielen?

Das hängt zweifellos damit zusammen, wie viel Spaß euch das Deck macht, aber es kommt noch mehr hinzu. Habt ihr das Deck bei früheren Turnieren gespielt? Lief es gut? Wie viel habt ihr geübt? Habt ihr schon ähnliche Decks in anderen Formaten gespielt?

Wie gut ihr das Deck eurer Wahl spielt, ist üblicherweise wichtiger als die Frage, welches Deck ihr spielt. Ich spiele lieber ein schwächeres Deck gut als ein stärkeres Deck schlecht.

Ich glaube, dass eines der größten Geheimnisse dabei, im Constructed-Magic erfolgreich zu sein, darin liegt, das gleiche Deck über mehrere Turniere hinweg zu spielen. Ihr lernt das Deck intensiver kennen, ihr spielt besser, ihr entwickelt ein tieferes Verständnis dafür, warum ihr Partien gewinnt und verliert, ihr sideboardet geschickter und ihr könnt geeignetere Karten einwechseln, um das Deck zu verbessern.

Ihr erreicht eine Menge durch Übung zu Hause, aber es gibt wirklich keinen Ersatz dafür, euch unter Turnierbedingungen mit einer Vielzahl von Gegnern zu messen. So wichtig das Voraussagen des Metagames auch ist, so entscheidend ist es, auch auf das Unerwartete vorbereitet zu sein. Wenn ihr euer Deck beherrscht, könnt ihr euch schneller anpassen und wisst genau, was zu tun ist, selbst wenn ihr gegen ein Deck spielt, das ihr noch nie zuvor gesehen habt.

Am wichtigsten ist jedoch: Genau wie ein Deck von Grund auf selbst zu bauen, stellt das Meistern eines Decks eine der besten Möglichkeiten überhaupt dar, um etwas dazuzulernen. Ein tiefes Verständnis eines einzigen Decks wird euch etwas beibringen, was ihr auch auf andere Decks und Formate übertragen könnt.

Im Lauf der Jahre waren meine Phasen der größten Erfolge und des stärksten Wachstums jene, in denen es mir gelang, über eine lange Reihe von Turnieren bei ein und demselben Deck zu bleiben. Ich ermutige euch also, sofern ihr keinen schweren Fehler in dem Deck findet, das ihr spielt, bei diesem einen Deck zu bleiben, anstatt ständig hin- und herzuwechseln.

Ihr müsst nicht das absolut beste Deck haben, um euch in einem Turnier gut zu schlagen. Ihr solltet jedoch eines auswählen, mit dem ihr euer Potenzial als Spieler voll ausschöpfen könnt. Denkt gründlich über eure Entscheidungen nach und stürzt euch dann ohne Zögern kopfüber ins Turnier. Und wie immer: Habt Spaß dabei!

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