Board-Sweeper

Posted in Level One on May 17, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Normalerweise bespreche in Level One eher ungern einzelne Karten. Bestimmte Kategorien von Karten sind jedoch so wichtig, so mächtig und so deutlich zu erkennen, dass selbst eine ganz grundlegende Einführung in dieses Spiel ohne ihre Erwähnung unvollständig wäre. Heute wollen wir über Board-Sweeper sprechen. Und am Ende zeige ich euch dann noch eine neue und spannende Karte aus Magic Ursprünge.

Board Sweeper sind Karten, die in der Lage sind, viele Kreaturen auf einmal zu zerstören. Man nennt sie auch Zorn – nach ihrem ältesten und ikonischsten Urahn.

Der Zorn Gottes ist ziemlich einfach (zumindest in der Formulierung, nicht jedoch im Effekt auf das Spiel), aber Board-Sweeper gibt es in vielerlei Farben und Formen. Viele, wie etwa Zorn Gottes, sind symmetrisch. Andere, wie Auf Garruks Pfad, sind es nicht. Manche, wie Seismischer Riss, sind an Bedingungen geknüpft. Einige, wie Gefährliches Behältnis, zerstören mehr als nur Kreaturen. Ob ihr nun mit ihnen oder gegen sie spielt – es ist wichtig, diese feinen Unterschiede zwischen ihnen zu verstehen.

Board-Sweeper sind formatbestimmend

Formatbestimmend ist ein gewichtiger Begriff. Eine Karte, die als formatbestimmend gilt, ist mehr als nur mächtig. Es bedeutet mehr, als dass sie häufig in vielen verschiedenen Decks gespielt wird. Es bedeutet, dass die meisten oder alle Decks im Format sich irgendwie um ihre Existenz drehen. Board-Sweeper verfügen über ein großes Potenzial, formatbestimmend zu sein.

Eines der ersten Dinge, die ihr über ein neues Format in Erfahrung bringen solltet, ist, welche Board-Sweeper es gibt. Das hat nämlich Einfluss darauf, wie ihr euer Deck baut und wie ihr spielt. In manchen Limited-Formaten gibt es wenige oder gar keine Board-Sweeper. Großartig! Ihr könnt einfach eine normale Partie spielen und euch darauf konzentrieren, eure Seite des Spielfelds nach und nach aufzubauen. Zu anderen Gelegenheiten müsst ihr etwas vorsichtiger sein.

In Drachen von Tarkir beispielsweise gibt es den Seismischen Riss als nicht ganz so häufige Karte, was bedeutet, dass ihr nicht in jeder Partie oder bei jedem Draft auf ihn trefft, ihr aber auch nicht von seinem Auftauchen überrascht sein solltet. Dieser Zauber ist an Bedingungen geknüpft, weshalb ihr kleinere Anpassungen vornehmen könnt, um nicht allzu verwundbar gegen ihn zu sein. Grün-rote Decks können sich den Seismischen Riss gut zunutze machen, wenn die meisten ihrer Kreaturen eine Widerstandskraft von 3 oder mehr haben. Blau-rote Decks können ihn effizient einsetzen, wenn sie nur wenige Kreaturen haben oder die meisten von ihnen fliegen. Andere rote Decks können den Seismischen Riss einfach gegen Gegner, die besonders anfällig dafür sind, ins Sideboard nehmen. Falls euer Draft-Deck auffällig anfällig gegenüber dem Seismischen Riss ist, dann sollte euch diese Schwäche bewusst sein.

In Schmiede des Schicksals gibt es den Wendepunkt des Schicksals als seltene Karte. Technisch gesehen ist der Wendepunkt des Schicksals ebenfalls an eine Bedingung geknüpft, doch in vielen Fällen wird er trotzdem alle Kreaturen im Spiel vernichten. Es ist ziemlich schwierig, ein Deck unempfänglich für den Wendepunkt des Schicksals zu machen. Da es sich bei ihm jedoch um eine seltene Karte handelt, solltet ihr euch im Limited weniger Gedanken über ihn machen, solange ihr nicht gesehen habt, dass euer Gegner ihn tatsächlich besitzt.

Im Constructed ist das Wissen um die Board-Sweeper noch wichtiger, denn schließlich kann jeder, der sie spielen will, das auch tun. Im aktuellen Standard sollte euch bewusst sein, dass die meisten Kontrolldecks mit einem Exemplar von Ugin der Geisterdrache und einem bis drei Exemplaren von entweder Ende der Feindseligkeiten oder Wendepunkt des Schicksals spielen. Euch sollte klar sein, dass Im Leid ertrinken eine typische häufige Sideboard-Karte ist. Euch sollte außerdem klar sein, dass ihr anfällig gegenüber der Gallenfäule seid, wenn ihr mehrere Exemplare ein und derselben Kreatur spielt.

Beim Bau eures Decks solltet ihr über mögliche Lösungen nachdenken, falls die typischen Board-Sweeper ein Problem für euch darstellen. Manche monorote Decks beispielsweise spielen Kreaturen mit Sturmangriff, um gegen Im Leid ertrinken gewappnet zu sein. Beinahe alle grünen Hingabe-Decks spielen mit dem Flüsterholz-Elementar als Schutz vor dem Ende der Feindseligkeiten.

Ihr solltet beim Spielen Eurer Partien die Risiken und Belohnungen, mehr Kreaturen auszuspielen, aber dafür vielleicht auch auf einen Board-Sweeper zu treffen, sorgsam gegeneinander abwägen.


Wann ihr Board-Sweeper in euer Deck nehmen solltet

Board-Sweeper sind sowohl im Constructed als auch im Limited mächtige Karten. Im Limited, wo das Machtniveau geringer ist und alle Decks mit jeder Menge Kreaturen spielen, sind sie jedoch üblicherweise Bomben. Eine Karte wie Wendepunkt des Schicksals solltet ihr immer spielen, ganz egal, mit wie vielen Kreaturen ihr spielt oder wie aggressiv euer Deck ist. Die Tatsache, dass ihr die Kontrolle über einen derart spielentscheidenden Effekt habt, gibt euch in jedem nur denkbaren Fall einen gewaltigen Vorteil. Wenn es so aussieht, als würdet ihr Wendepunkt des Schicksals wirken, könnt ihr ein paar Kreaturen auf eurer Hand behalten. Falls ihr die Partie auch ohne ihn gewinnen würdet, müsst ihr ihn auch gar nicht spielen!

Weniger mächtige Board-Sweeper wie der Seismische Riss sind da schon etwas fraglicher. Sie können starke Karten im Hauptdeck sein, wenn sie gut hineinpassen und/oder das Format gut zu ihnen passt. Je schneller das Format ist und je mehr kleine Kreaturen es gibt, desto besser ist der Seismische Riss . Und er ist beinahe immer eine hervorragende Sideboard-Karte.


Kontrolldecks

Im Constructed sind Board-Sweeper am besten in Kontrolldecks aufgehoben. Kontrolldecks schätzen einen Kartenvorteil und wollen, dass die Partien lange dauern. Board-Sweeper passen zu diesen beiden Zielen. Am wichtigsten ist jedoch, dass Kontrolldecks üblicherweise selbst weniger Kreaturen ausspielen, sodass ein an sich symmetrischer Effekt gar nicht mehr so symmetrisch ist!


Kreaturendecks

Manchmal sind die Umstände so, dass auch Kreaturendecks mit Board-Sweepern spielen können. Der Preis dafür ist jedoch ungleich höher als für Kontrolldecks.

Board-Sweeper erfordern, dass ihr eure Strategie um sie herum ausrichtet. Sie sind nicht sonderlich hilfreich, wenn ihr versucht, eine normale Partie zu spielen und einen fairen Kampf auszutragen. Schaut euch dieses Beispiel an:

Ihr seid bei einem Abzan-Spiegelspiel am Zug. In Runde Vier befinden sich keine Kreaturen im Spiel und Ihr habt das Belagerungsnashorn und den Wendepunkt des Schicksals auf der Hand. Was solltet ihr tun? Tut ihr nichts, schöpft ihr nicht das volle Potenzial eures Belagerungsnashorns aus. Spielt ihr jedoch eine Kreatur aus, schöpft ihr eventuell den Wendepunkt des Schicksals nicht voll aus.

Sagen wir, ihr spielt das Belagerungsnashorn (was ihr wahrscheinlich auch tun solltet). Nun spielt euer Gegner sein Belagerungsnashorn. Und jetzt? Wendepunkt des Schicksals zu wirken, hätte einen absolut symmetrischen Effekt und würde wenig bringen. Nehmen wir also stattdessen an, dass ihr gar nichts tut. Jetzt spielt euer Gegner Anafenza die Vorderste. Ihr könnt nun zwei zu zwei abtauschen (einen Wendepunkt des Schicksals und ein Belagerungsnashorn gegen ein Belagerungsnashorn und Anafenza). Das ist ein guter Abtausch, aber er ist unspannend und euer Entfernungszauber war zu teuer und noch dazu komisch. Ihr könntet ausharren und warten, ob euer Gegner eine dritte Kreatur ausspielt, aber was, wenn nicht? Was, wenn er stattdessen euer Belagerungsnashorn tötet und mit mehr Schaden angreift, als ihr erwartet habt?

Ich finde Szenarien wie dieses sehr typisch. Wendepunkt des Schicksals ist keine schlechte Karte in einem Abzan-Spiegelspiel, da man fast immer eine Anwendungsmöglichkeit dafür findet. Sie ist jedoch relativ unzuverlässig. Kehren wir zum Anfang dieser Partie zurück und ersetzen den Wendepunkt des Schicksals durch Des Helden Untergang ... und plötzlich wird alles viel einfacher. Ihr wirkt euer Nashorn, zerstört das Nashorn des Gegners mit eurem Untergang und fangt an, Schaden zu machen!

Kurz gesagt: Gezielte Entfernungszauber passen oft besser in die Strategie von Kreaturendecks als Board-Sweeper. Gibt es jedoch eine konkrete Paarung (grüne Hingabe etwa) oder eine bestimmte Karte (den Treuschwingen-Roc!), für die man wirklich einen braucht, ist es gut, dass die Möglichkeit dazu da ist.


Hauptdeck oder Sideboard?

Board-Sweeper sind im Sideboard besser aufgehoben als im Hauptdeck. In bestimmten Paarungen sind sie toll (Kreaturendecks), in anderen aber eher nutzlos (Kontrolldecks).

Ironischerweise sind sie als Karten im Hauptdeck deutlich mächtiger als im Sideboard. Erstaunlich viele erste Partien einer Paarung laufen so ab: „Spieler A gewinnt, wenn er einen Board-Sweeper hat. Spieler B gewinnt, wenn das für ihn nicht der Fall ist.“

Dies ist aus zwei Gründen so. Erstens hat das Kreaturendeck oft nicht die Mittel, um den Board-Sweeper herum zu spielen, bevor es sideboardet. Ist ein Deck darauf ausgerichtet, Kreaturen ins Spiel zu bringen und anzugreifen, dann ist es wahrscheinlich hervorragend darin, diese Strategie umzusetzen, kann aber sonst recht wenig.

Zweitens hat ein Kontroll- oder Midrange-Deck oft nicht genug gezielte Entfernungszauber, um das Kreaturendeck zuverlässig zu schlagen, bevor es ans Sideboarden geht. Um Grüne Hingabe oder Monorot in der ersten Partie auseinanderzunehmen, müsste ich so viele Entfernungszauber spielen, dass kaum noch Platz für etwas anderes bliebe. Und das wären dann viel zu viele tote Karten gegen Decks, die nicht durch Kreaturen gewinnen!

Aus diesem Grund läuft die erste Partie auch oft darauf hinaus, ob jemand den Board-Sweeper hat oder nicht, und das macht sie hier am mächtigsten. Nach dem Sideboarden ändert sich die Dynamik. Kreaturendecks wissen, dass sie darauf vorbereitet sein müssen, danach auf Board-Sweeper zu treffen. Daher ändern sie dann auch ihre Strategie. Sie verteilen ihre Bedrohungen auf Planeswalker, Kreaturen mit Ansturm oder andere Mittel, auf die sie Zugriff haben. Manchmal haben sie direkte Antworten auf Board-Sweeper, wie etwa in Form von Gedankenergreifung oder Negieren.

Das Kontroll-/Midrange-Deck wird alle Entfernungszauber und Verteidigungsmaßnahmen ins Feld führen, die es finden kann. Nun ist der Plan, jede Kreatur zu töten, die sich blicken lässt, und das so schnell wie möglich. Es gibt keine Gelegenheit für das Kreaturendeck, eine große Armee aufzustellen. Die Board-Sweeper sind dann zwar noch immer effektiv, aber nicht mehr die primäre Strategie.

Aus diesem Grund sind Board-Sweeper ohne Bedingungen (Ende der Feindseligkeiten, Wendepunkt des Schicksals und so weiter) auch am besten im Hauptdeck zu finden, wenn ihr euch denn entschieden habt, mit ihnen zu spielen. Solche, die an Bedingungen geknüpft sind – wie etwa [autocard]Im Leid ertrinken[autocard] –, sind als Sideboard-Karten immer noch sehr gut, denn sie sind in den konkreten Paarungen am besten, in denen ihr sie auch wirklich braucht.


Die heutige Preview-Karte ist ein Board-Sweeper aus Magic Ursprünge! Siechen bewegt sich auf der Grenze zwischen einem Board-Sweeper mit Bedingung und einem ohne. Für vier Mana ist es deutlich billiger als Ende der Feindseligkeiten und Wendepunkt des Schicksals. Diese beiden Eigenschaften zusammen machen Siechen zu einer unglaublich spannenden Karte fürs neue Standard. Sie könnte sich sogar als formatbestimmend herausstellen!

Siechen wird alle kleinen Kreaturen auslöschen (selbst solche mit Regeneration und Unzerstörbarkeit), aber dabei alles am Leben lassen, was eine Widerstandskraft von 5 oder mehr hat. Dadurch wird es für schwarze Kreaturendecks interessant, da das Belagerungsnashorn, Tasigur, der goldene Giftzahn, Drachenfürst Silumgar und Silumgar, der driftende Tod es allesamt überleben. Ihr könnt euer eigenes Deck leicht so aufbauen, dass es Siechen gegenüber unanfällig ist, und euch so den symmetrischen Effekt voll zunutze machen.

Für vier Mana ist Siechen schnell genug, um euch vor roten Kleinvieh-Decks und Goblin-Pöbeltreibern zu beschützen. Der Effekt ist darüber hinaus auch groß genug, dass es selbst im Lategame noch mächtig ist und auf Donnerbruch-Regentinnen und Drachenfürst Ojutai antworten kann.

Ich weiß nicht, ob Siechen [autocard]Im Leid ertrinken[autocard] und Wendepunkt des Schicksals ersetzen wird, aber es wird auf jeden Fall einen Platz an ihrer Seite finden. Mit so vielen verfügbaren Board-Sweepern könnt ihr euch denjenigen aussuchen, der am besten zu euch passt. Euer Deck so widerstandsfähig wie möglich gegen sie alle zu bauen, wird allerdings eine Herausforderung. Dem, der es dennoch schafft, winken jedoch große Belohnungen!

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