Das Sideboard

Posted in Level One on May 31, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Selbst jemandem, der das Spiel nicht kennt, kann man leicht erklären, dass ein Magic-Deck aus 60 Karten besteht und nicht mehr als vier Exemplare einer bestimmten Karte darin enthalten sein dürfen. Ein bisschen kniffliger ist es da schon, jene 15 Karten zu erklären, die zwar zum Deck dazugehören, aber trotzdem kein Teil von ihm sind. Noch schwieriger ist es, jemandem zu vermitteln, wie wichtig diese Karten sind und wie entscheidend es ist, sie sorgfältig auszuwählen.

Turniere werden in der Regel nach der „Best of Three“-Methode gespielt. In der ersten Partie spielen beide Spieler ihr Hauptdeck: ihre primären 60 Karten, die zu Beginn eines jeden Matchs dieselben sind. Nach der ersten Partie haben die Spieler die Möglichkeit, eine beliebige Anzahl der 15 Karten aus ihrem Sideboard einzuwechseln, um besser für die nächste Partie gerüstet zu sein.

Technisch gesehen ist es zulässig, mit mehr als 60 Karten zu spielen, aber das Deck muss immer mindestens 60 Karten stark sein, wohingegen das Sideboard maximal 15 Karten haben darf. (Außer im Limited. Eine Diskussion über das Sideboard im Limited findet ihr hier.)

Sideboards gewinnen Turniere. Da eure Sideboardkarten spezialisierter sein können – also auf eine ganz bestimmte Aufgabe oder Paarung hin ausgerichtet –, sind sie oft eure mächtigsten Werkzeuge. Manchmal kann das Sideboarden der wichtigste Faktor bei der Entscheidung darüber sein, wie zwei Decks sich gegeneinander schlagen. Daher sind Aufbau und Einsatz eures Sideboards auch so entscheidend für euren Erfolg auf Turnieren.

Gehen wir doch ein paar der nützlichen Dinge durch, die euer Sideboard für euch tun kann.

Antworten auf Probleme liefern

Das Ziel beim Sideboarden ist es, euer Deck besser auf eine bestimmte Paarung anzupassen. Und was wäre da leichter, als es sich zum Ziel zu machen, die perfekten Antworten auf die Bedrohungen eures Gegners einzuwechseln?

Ein klassisches Beispiel für eine Sideboardkarte ist eine, die Artefakte und/oder Verzauberungen zerstört. Außer unter extremen Umständen nehmen Spieler in der Regel Karten wie In Stückchen zerschmettern nicht in ihr Hauptdeck, aus Angst, dass diese Karten tot – also nutzlos gegen bestimmte Gegner – sein könnten. Es ist jedoch schön, Zugriff auf In Stückchen zerschmettern über euer Sideboard zu haben, falls ihr auf ein Deck trefft, das sich vornehmlich auf Artefakte stützt – wie das am Ende dieses Artikels beispielsweise.

Außerdem wollt ihr für den Fall, dass euer Gegner eine Menge Verzauberungen ins Feld führt, Antworten auf diese einwechseln können. Versucht euer Gegner, durch einen Haufen kleiner Kreaturen zu gewinnen, sind natürlich Flächenzauber wie Siechen sehr nützlich. Verfügt er über einen besonders garstigen Zauber, dann ist vielleicht Negieren eine gute Wahl.

Euer Sideboard erlaubt es euch, das perfekte Werkzeug für jede Aufgabe zu finden. Und die erste Partie sollte euch klar aufzeigen, was genau diese Aufgabe jeweils ist.

Bedrohungen hinzufügen

Umgekehrt könnt ihr euer Sideboard auch dazu verwenden, eine neue Bedrohung aufzufahren, mit der euer Gegner dann zu kämpfen hat. Das könnt ihr auf verschiedene Weise angehen.

Zunächst könnt ihr einfach mehr Bedrohungen einbauen, damit eurem Gegner hoffentlich irgendwann die Antworten ausgehen. Stellt euch zum Beispiel vor, ihr spielt gegen ein Kontrolldeck, das nur sehr wenige Kreaturen beinhaltet. Beim Sideboarden könnt ihr ein paar eurer wirkungslosen Kreaturenentfernungszauber auswechseln und die Dichte eurer Bedrohungen erhöhen, was sicher ausgesprochen hilfreich sein sollte.

Alternativ könnt ihr auch eure bereits vorhandenen Bedrohungen ein bisschen aufpolieren. Gegen ein Deck voller Flächenzauber kann euch eine Kreatur wie der Hangar-Schreiter zu etwas mehr Zähigkeit verhelfen. Ein Goblin-Deck interessiert sich vielleicht für den Unterirdischen Späher gegen ein Deck voller lästiger Blocker. Letzten Endes geht es beim Sideboarden darum, euer Deck an die Paarung anzupassen, und schon ein paar kleine Verbesserungen können dazu sehr viel beitragen.

In den allerhäufigsten Fällen werdet ihr euer Sideboard jedoch dazu nutzen, eure Bedrohungen zu diversifizieren. Es geht schließlich zu guter Letzt einzig und allein darum, eine Bedrohung aufzufahren, die euer Gegner nicht effektiv beantworten kann. Und aus je mehr verschiedenen Richtungen ihr angreift, desto besser stehen eure Chancen, das auch zu schaffen. Eine aufregende neue Sideboardkarte für rote Decks ist beispielsweise Schmelzender Strudel. Kontrolldecks werden versuchen, euch auszuschalten, indem sie eure Kreaturen töten und eure Direktschadenszauber neutralisieren. Es gibt jedoch wenig, was sie in einer vertrackteren Partie gegen das langsame Ausbluten durch Schmelzender Strudel ausrichten können.

Planeswalker und andere Nichtkreatur-Bedrohungen sind im Allgemeinen gute Sideboardkarten gegen langsame Decks.

Hasskarten

Das Antworten auf Probleme und das Hinzufügen von Bedrohungen sind nur zwei Beispiele für die vielfältigen Möglichkeiten, euer Sideboard zu nutzen. Im Verlauf eines langen Turniers werdet ihr euch diesen Karten sehr wahrscheinlich recht häufig zuwenden, da sie in vielen Paarungen für kleine Verbesserungen sorgen. Ein anderer Ansatz ist es, nach Hasskarten Ausschau zu halten: einzelne Karten, die extrem gut darin sind, ein bestimmtes Deck oder eine bestimmte Farbe oder Strategie zu schlagen.

Mit Sphären des Schutzes beispielsweise werden euch Decks voller Direktschaden kaum etwas anhaben können. Gaeas Rache ist ein Albtraum für blaue Kontrolldecks, die sich auf Erlaubnis- und Entfernungszauber verlassen. Tragische Arroganz kann ein kreaturenbasiertes Manabeschleunigungsdeck wie Grüne Hingabe vollständig vernichten.

Als Faustregel gilt: Je extremer eine Strategie ist, desto leichter kann man dagegen sideboarden. Ein Deck aus kleinen Kreaturen lässt sich durch einen günstigen Flächenzauber wie Siechen relativ leicht aus dem Konzept bringen. Und ein Kombo-Deck lässt sich ganz einfach besiegen, indem ihr eines seiner Teile loswerdet, ehe es sie alle beisammen hat.

Verwandelte Sideboards

Das Interessanteste am Sideboarden ist, dass es verdeckt geschieht. Die meiste Zeit über wird euer Gegner gar nicht wissen, welche Karten sich in eurem Sideboard befinden, geschweige denn, welche ihr in die zweite Partie mitbringt! Das bedeutet, dass ihr hin und wieder die Gelegenheit habt, einen Gegner zu überraschen, indem ihr eine Strategie anwendet, auf die er nicht vorbereitet ist.

Ein einfaches Beispiel wäre ein Kontrolldeck mit sehr wenigen Kreaturen im Hauptdeck. Falls euer Gegner einen Großteil seiner Entfernungszauber auswechselt, während ihr ein paar bedrohliche Kreaturen wie Jace, Wunderkind von Vryn oder den Hangar-Schreiter einwechselt, dann kann das einen leichten Sieg für euch bedeuten.

Umgekehrt kann sich ein scheinbar aggressives Jeskai-Deck in ein kontrollorientierteres Deck verwandeln, indem es Ende der Feindseligkeiten, Elspeth, Auserwählte der Sonne und In den Zeiten wühlen einwechselt. Ein Gegner, der voll auf Kreaturenentfernung und Lebenspunktegewinn setzt, kann so in der Spätphase der Partie mühelos übertrumpft werden.

Verwandelte Sideboards können spannend und beeindruckend sein, wenn sie funktionieren, doch ich empfehle so was nur als allerletzten Ausweg, wenn wirklich nichts anderes mehr geht. Letzten Endes dreht sich beim Sideboarden alles darum, sein Deck zu perfektionieren, und nicht darum, zwei zuwiderlaufende Strategien irgendwie gleichzeitig umsetzen zu wollen.

Der Bau des Sideboards

Das Zusammenstellen des Sideboards ist eine ebenso wichtige und anspruchsvolle Aufgabe wie das Bauen des Hauptdecks. Meiner Erfahrung nach wird diesem Vorgang jedoch nur ein Bruchteil der Aufmerksamkeit geschenkt, die er eigentlich verdient.

Die Elefantenmethode

Die richtigen 15 Karten zu finden, kann ziemlich knifflig sein. Eine Möglichkeit, einen Anfang zu machen, ist die Anwendung der Elefantenmethode. Der legendäre Deckbauer und Pro Tour-Hall of Fame-Mitglied Zvi Mowshowitz erklärt sie so:

Man schreibt eine ideale, realistische Liste für alle Paarungen auf und versucht dann, die einzelnen Karten auf dieser Liste auf insgesamt 75 Karten zu bringen. Erst anschließend entscheidet man, welche 60 ins Hauptdeck und welche 15 davon ins Sideboard sollen.“

Wenn ihr die Elefantenmethode anwendet, stellt ihr euch euer Deck als eine große Einheit aus 75 Karten vor. Ihr überlegt euch zuerst, wie euer Deck nach dem Sideboarden für jede mögliche Paarung aussehen könnte. Dann sorgt ihr dafür, dass ihr die richtige Anzahl an Karten zum Ein- und Auswechseln für jede Paarung habt Zum Abschluss stellt ihr euer Deck und euer Sideboard dementsprechend zusammen. Kurz gesagt: Ihr habt das große Ganze im Blick, und euer Sideboard ist dabei genauso wichtig wie euer Hauptdeck.

Übertreibt es mit dem Sideboarden nicht

Eine häufige Stolperfalle ist es, zu viel zu sideboarden. Es ist riskant, so viele Sideboardkarten einzuwechseln, dass man die ursprüngliche Strategie seines Decks gefährdet. Achtet auch beim Sideboarden auf die Anzahl der Kreaturen im Deck, eure Manakurve und die anderen wichtigen Details eures Deckaufbaus.

Wenn ihr beispielsweise ein Aggrodeck spielt, könnte es schwierig werden, wenn ihr sechs Kreaturen gegen sechs Antwortkarten austauscht. Dadurch verliert ihr viel von dem aggressiven Potenzial, aufgrund dessen ihr euch überhaupt erst für dieses Deck entschieden habt!

Umgekehrt ist es so, dass ihr vielleicht von einer langsamen Ziehkarte wie Aus den Knochen lesen weniger beeindruckt seid, wenn ihr ein Kontrolldeck gegen ein schnelles Aggrodeck spielt, denn dadurch verliert ihr Lebenspunkte. Sicher, Aus den Knochen lesen ist nicht eure beste Karte in dieser Paarung, doch ihr braucht eine gewisse Dichte an mächtigen Karten fürs Lategame, weil ihr die Partie nämlich sonst eventuell gar nicht mehr gewinnen könnt! Oft habe ich den Fehler gemacht, zu viele billige Entfernungszauber zu sideboarden, nur um dann festzustellen, dass ich an einer Manaflut leide und die langen Partien verliere, auf die mein Deck eigentlich ausgelegt war. Es ist möglich, dass Aus den Knochen lesen für die Gesamtstruktur eures Decks so wichtig ist, dass ihr die Karte beibehalten solltet – selbst gegen einen Gegner, der eure Gesamtlebenspunkte angreift.

Ein Beispiel

Schauen wir uns einmal an, wie der aktuelle Spieler des Jahres Mike Sigrist das Sideboarden angeht. Er holte auf der Pro Tour zu Magic Ursprünge mit einem spannenden Artefaktbeseelungsdeck den zweiten Platz.

Mike Sigrists Blau-Rote Artefaktbeseelung

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Das Erste, was uns auffällt, ist, dass Mr. Sigrists Deck eine spezielle und sehr klar auf ein Ziel hin ausgerichtete Strategie verfolgt, weshalb das Risiko, zu stark zu sideboarden, auch ziemlich hoch ist. Nimmt er zu viele billige Artefakte raus, verliert seine Artefaktbeseelung an Effizienz. Schaltet er einen Gang herunter und wird zu defensiv, kann er seine Gegner nicht in die Reichweite seiner Schrapnellexplosion bringen.

Daher besteht Mikes Sideboard hauptsächlich aus Karten, die auf seine Schwierigkeiten antworten können. Rösten ist ausgezeichnet gegen grüne Kreaturendecks mit Rennerin des Kruphix, Belagerungsnashorn oder Flüsterholz-Elementar. Seismischer Riss bietet Schutz vor Kreaturenschwärmen und könnte sogar als Hasskarte gegen Monorot angesehen werden. Verächtlicher Hieb eignet sich gut gegen langsamere Decks, die sich auf teure Zauber verlassen.

Wichtig zu beachten ist, dass Mike beim Einwechseln dieser Karten immer entweder die reaktiven Karten in seinem Deck (wie etwa Hartnäckige Ablehnung oder Kollateralschaden) verbesserte oder hier und da für kleinere Anpassungen sorgte. Seine oberste Priorität war stets, die Struktur und die Manakurve seines Decks beizubehalten und zu gewährleisten, dass es auch nach dem Sideboarden noch gut funktionierte.

Seine letzten drei Slots nahm das Thopter-Spionagenetz ein, was für etwas mehr Diversität sorgte und seine Bedrohungen verbesserte, wenn er etwas mehr Durchschlagskraft im Lategame brauchte. Decks wie Abzan-Kontrolle und Blau-Schwarze Kontrolle versuchten, sich zu verteidigen, die Partie zu verlangsamen und kleine Vorteile für sich herauszuarbeiten. Das Thopter-Spionagenetz stellte sicher, dass dieser Plan nicht aufging, da Sigrists Gegner unter einer wahren Lawine in Sachen Kartenvorteil begraben wurden.

Das Üben mit Sideboards

Manchmal kommt es vor, dass die Art, wie zwei Decks sich nach dem Sideboarden gegeneinander schlagen, kaum noch der aus der ersten Partie gleicht. Wenn dem so ist, sollte man am besten natürlich schon vorher davon wissen, anstatt im eigentlichen Turnier plötzlich mitten in einer fiesen Feuertaufe zu stecken.

Wie für die meisten Dinge in Magic gibt es kein Geheimrezept, wie man das beste Sideboard zusammenstellt. Der Schlüssel ist einfach, diesem Vorgang die Aufmerksamkeit zu widmen, die er verdient, anstatt am Morgen des Turniers einfach ein paar Karten zusammenzuwerfen. In der späten Phase meiner eigenen Turniervorbereitungen spiele ich fast alle meine Partien mit Sideboard. Spielt ihr bei euren Turniervorbereitungen komplett ohne oder nur halbherzig mit dem Sideboard, dann empfehle ich euch dringend, euer Vorgehen zu überdenken und eurem Sideboard etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Glaubt mir: Das wird sich mit Sicherheit bezahlt machen.

 

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