Wie man ein besserer Spieler wird

Posted in Level One on August 9, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Dies wird der letzte Artikel sein, den ich für Level One schreibe. Die Kolumne nimmt sich nämlich erst mal eine kleine Auszeit. Vierzehn Monate lang habe ich mein Bestes versucht, einen vollständigen und in sich abgeschlossenen Kurs zu erarbeiten, der einem sämtliche Werkzeuge an die Hand gibt, die man braucht, um sich als Magic-Spieler auf Turnieren zu behaupten. Wenn euch einer meiner Artikel gefallen hat, dann schickt sie doch aufstrebenden neuen Spielern zu oder behaltet sie im Hinterkopf, falls ihr irgendwann mal wieder einen Auffrischungskurs braucht. Nächste Woche gibt es dann noch eine Kolumne, die alle Kapitel zu einem einzigen Ablauf zusammenfasst.

Aber eine sehr wichtige Aufgabe habe ich erst noch zu erledigen: Ehe sich unsere Wege hier trennen, möchte ich euch auf „Level Two“ – im Sinne der nächsten Stufe eurer Entwicklung als Spieler – vorbereiten. Eine vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man ein durch und durch erstklassiger Magic-Spieler von Weltniveau wird, wird es leider oder vielleicht auch glücklicherweise niemals geben. Sollten eure Ziele über die Absichten von Level One hinausgehen, dann liegt der Rest nun bei euch. Ich erzähle euch aber gern alles, was ich persönlich darüber weiß, wie man zu einem besseren Spieler wird.

Teil 1: Der Prozess

Übung macht den Meister

Wenn es euer Ziel ist, in Magic besser zu werden, dann ist es bei Weitem das Beste, einfach eine Menge Magic zu spielen. Die bedeutendsten Siegesserien in der Geschichte des Spiels wurden von den Spielern hingelegt, die voll und ganz für Magic lebten. Wenn man viel spielt, erkennt man leichter die vielversprechendsten Spielzüge, man macht weniger Fehler und man begreift auf einer ganz anderen Ebene, was in den Partien so passiert.

Außerdem gilt: Wenn ihr nicht „in Form“ seid – wenn euch also die Grundlagen nicht leicht und mühelos von der Hand gehen –, dann wird es deutlich schwerer, euch in den anspruchsvolleren Aspekten des Spiels zu verbessern.

Aber aufgemerkt: Es geht nicht einfach nur darum, die Stunden runterzureißen. Auch ein Vollzeitjob oder andere Verpflichtungen hindern euch nicht daran, ein erstklassiger Spieler zu werden. Viel wichtiger als die Anzahl der Stunden, die ihr spielt, ist, wie viel ihr aus dieser Zeit tatsächlich mitnehmt. Qualität vor Quantität!

Sich voll und ganz auf eine einzelne Partie – von Anfang bis Ende – konzentrieren zu können, ist etwas völlig anderes, als zu spielen, wenn ihr abgelenkt seid. Läuft der Fernseher im Hintergrund? Hängt ihr gleichzeitig in der Warteschlange für Magic Online? Spielt ihr, während ihr müde, genervt oder anderweitig nicht in optimaler Verfassung seid? Das ist nicht nur Zeitverschwendung, sondern es kann auch dazu führen, dass ihr euch schlechte Angewohnheiten antrainiert, wenn ihr das zu häufig macht.

Widrige Umstände | Bild von Jason Rainville

Fragt nach dem Warum

Die beste Möglichkeit, die ich kenne, um das Optimum aus der Zeit, die man mit Magic-Spielen verbringt, herauszuholen, ist, nach dem Warum zu fragen. Nach Beendigung einer Partie solltet ihr etwas reflektieren und darüber nachdenken, warum der Sieger gewonnen hat.

Diese Übung ist anspruchsvoller, als sie klingt, und zwar besonders dann, wenn man gerade eine Partie verloren hat. Sie erfordert Geduld, Ehrlichkeit und einen klaren Kopf. Nach dem Warum zu fragen, bedeutet, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

Schaut zunächst nach technischen Fehlern oder Verzweiflungsaktionen, die zu eurer Niederlage geführt haben könnten. Habt ihr früh in der Partie einen möglichen Schadenspunkt übersehen, der das Blatt vielleicht gewendet hätte?

Schaut weiterhin nach Aspekten in euren Überlegungen während der Partie, die euch vielleicht zum Sieg verholfen hätten. Hättet ihr, wenn ihr gewusst hättet, dass euer Gegner einen Erlaubniszauber hat, erfolgreich darum herumspielen können? Gab es Hinweise darauf, was euer Gegner auf der Hand hat, die ihr hättet erkennen können?

Denkt auch darüber nach, wie ihr euch durchs Sideboard oder den Deckbau in eine andere Position hättet bringen können. Hattet ihr eine Manaflut? Und wenn ja, war das ein Ausrutscher oder hatte euer Deck nach dem Sideboarden nicht mehr genug Durchschlagskraft im Lategame?

Eine weitere wichtige Frage lautet: Spielt ihr überhaupt das richtige Deck? Habt ihr genug Partien auf die gleiche Weise verloren, um einem verhängnisvollen Fehler in eurem Deck auf die Spur gekommen zu sein?

Und nachdem ihr alles andere ausgeschlossen habt, solltet ihr euch zu guter Letzt fragen, ob ihr nicht einfach nur Pech hattet. Oft werdet ihr nämlich auch einfach dadurch verlieren. Schiebt aber bloß nicht alles auf diesen Umstand und missbraucht ihn als billige Ausrede! Zieht ihn nur dann in Betracht, wenn ihr alle anderen Aspekte, über die ihr die Kontrolle habt, ausgiebig ausgelotet habt.

Nachforschungen

Sich in Magic zu verbessern, ist zum großen Teil ein innerer Prozess. Es wäre jedoch schwierig, alles ganz auf eigene Faust in Angriff nehmen zu wollen. Manchmal merkt man nämlich gar nicht, dass man irgendeinen Denkfehler macht, der dazu führt, dass einem immer wieder das gleiche Missgeschick passiert. Das Einbeziehen fremder Ideen in euren Lernprozess hilft dabei, das zu vermeiden, und es wird diesen Prozess auch nur beschleunigen.

Glücklicherweise gibt es für die Wissensdurstigen genug Material da draußen! Schaut euch die neuen Decklisten und die Berichterstattungen von Turnieren an, die jedes Wochenende erscheinen. Lest Artikel über Strategien auf den unzähligen Webseiten, die es dazu gibt. Schaut euch Videos von Partien der Meister auf der Pro Tour oder bei der Weltmeisterschaft an. Jede Woche erscheinen mehr Beiträge zur Strategie in Magic, als ein Einzelner je durcharbeiten könnte, und dabei spreche ich noch nicht mal von den ganzen gespeicherten Informationen aus den letzten zwanzig Jahren, die man sonst noch im Internet findet! Es gibt keinen Grund, jemals das Gefühl zu haben, in seiner Entwicklung irgendwie festzustecken.

Denkt jedoch daran, dass Nachforschungen euer Training zwar ergänzen, aber nicht ersetzen können. Nutzt die Ressourcen, die euch zur Verfügung stehen, um neue Ideen zu entwickeln und integriert sie in euer eigenes Spiel.

Zwingende Nachforschungen | Bild von Michael Sutfin

Andere Spieler

Eure vielleicht wertvollste Ressource sind andere Spieler. Es gibt keine schnellere Methode, um als Spieler zu wachsen, als euch nach draußen zu wagen und von anderen zu lernen. Hört ihnen zu, stellt ihnen Fragen, seht ihnen beim Spielen zu und spielt gegen sie!

Ihr lernt am schnellsten, wenn ihr gegen Spieler antretet, die besser oder erfahrener sind als ihr selbst. Ihr könnt allerdings von jedem eine Menge lernen, sogar von Spielern, die bei Magic vielleicht noch nicht ganz die Erfolge erzielen konnten wie ihr. Jeder hat andere Erfahrungen und andere Einstellungen zu den Dingen. Hört zu, was Leute zu sagen haben, legt euren eigenen Filter darüber und findet heraus, wie ihr das Gesagte nutzen könnt, um euch zu verbessern.

Teil 2: Einstellung

Sein Glück meistern

Das Konzept „Glück“ ist zwar komplex, aber ein umfassendes Verständnis davon ist für jeden ernsthaften Magic-Spieler unerlässlich. Sämtliche Schuld an allem nur reinem Pech anzulasten, kann dazu führen, dass ihr vor Fehlern, die ihr selbst macht, die Augen verschließt. Schlimmer noch: Es kann dazu führen, dass ihr selbstgefällig werdet und so euren Wunsch nach weiterer Verbesserung ebenso wie euren Siegeswillen dämpft.

Ungeachtet dessen sind viele Niederlagen, die ihr in Magic hinnehmen werden müsst, eindeutig das Resultat von Pech. Manchmal zieht ihr eine Hand ohne Länder und seid gezwungen, einen Mulligan zu nehmen. Manchmal müsst ihr im entscheidenden Moment eines Turniers gegen euren ärgsten Gegner antreten. Manchmal kommen die Karten einfach in einer Reihenfolge, die zu eurer Niederlage führt. Es gibt in einer Partie Magic immer eine Menge Ungewissheiten, und ihr habt nicht alles selbst in der Hand.

Die ganze Schuld immer nur einzig und allein aufs Pech zu schieben, ist ungesund, aber auch das Gegenteil ist gefährlich. Eine Niederlage in einer Partie darf nicht das Ende der Welt für euch sein. Ihr könnt euch nicht selbst fertigmachen, eure Deckidee gleich komplett verwerfen oder völlig mit Magic aufhören, nur weil ihr einen Mulligan auf fünf Karten nehmen müsst!

Stattdessen müsst ihr ein gesundes Gleichgewicht finden, indem ihr euch mit Glück und Pech arrangiert. Ihr dürft euch nicht hinter möglichem Pech, das ihr hattet, verstecken und es als Ausrede für ungünstige Entscheidungen eurerseits heranziehen. Ihr solltet allerdings auch verstehen und akzeptieren, dass ihr nicht alles kontrollieren könnt.

Wenn ihr verliert

Eine Eigenschaft, die viele der besten Spieler, die ich kenne, auszeichnet, ist, dass sie Niederlagen sehr schmerzen. Gute Spieler übernehmen Verantwortung für ihre Entscheidungen und Fehleinschätzungen und geben sich selbst die Schuld für einen Großteil ihrer Niederlagen. (Das hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun, wie sie überhaupt erst so gut werden konnten.) Zudem ist es natürlich schlimm, alles, was man hat, in die Waagschale zu werfen und dann am Ende doch zu unterliegen. Unglücklicherweise ist es nun mal aber so, dass auf jedem Turnier immer nur ein Spieler der Sieger sein kann.

Schmerzliche Wahrheit | Bild von Winona Nelson

Es ist in Ordnung, über eine Niederlage enttäuscht zu sein. Das ist immerhin ein Zeichen, dass euch das Spiel etwas bedeutet! Der Schlüssel ist jedoch, erst enttäuscht zu sein und dann weiterzumachen! Zu lange über eine Niederlage zu grübeln, macht euch nur unglücklich und hindert euch am Wachsen als Spieler. Ihr erreicht nichts damit, wenn ihr Frust schiebt, und euer Spiel wird darunter leiden, wenn ihr eine zu niedrige Frustrationsschwelle habt.

Das Beste, was ihr tun könnt, ist ehrlich über die Niederlage zu reflektieren – nicht mit dem Ziel, euch runterzuziehen, sondern damit, den Fehler in Zukunft zu vermeiden. Geht die Partie noch mal in Ruhe durch und fragt nach dem Warum. Denkt daran: Wenn ihr eure Niederlage ehrlich einfach Pech zuschreiben könnt, dann ist das auch okay! Achtet nur darauf, diesen Schluss nur als allerletzte Möglichkeit zu ziehen.

Wenn ihr gewinnt

Wenn ihr bei Magic oft gewinnt, dann habt ihr wahrscheinlich viel Glück. Diese Idee ist sicher schwer zu verdauen, aber sie schmälert keinesfalls eure eigenen Leistungen. Beim Turnier-Magic geht es darum, euch in die bestmögliche Position zu bringen, um euch das Glück auch ja zunutze machen zu können, sobald es euch hold ist. Aber nur, wenn ihr euch gut vorbereitet, gut spielt und die Karten günstig kommen, werdet ihr auch Erfolg haben.

Der Punkt ist: Nehmt nicht an, dass ihr keine Fehler macht, nur weil ihr gewinnt. Ein Großteil der Fehler ändert nichts am Ausgang einer Partie. Lasst ihr euch durch diese Tatsache jedoch zu Überheblichkeit hinreißen, dann werdet ihr kaum solche Fehler vermeiden können, die zu einer Niederlage führen.

Man lernt in diesem Spiel nie aus, selbst wenn man das Gefühl hat, es vollständig verinnerlicht zu haben. Magic ist ein Spiel mit Höhen und Tiefen. Wenn ihr gerade ein Hoch habt, dann arbeitet daran, euch weiter zu verbessern. So wird euer Hoch länger andauern und ihr werdet nicht ganz so tief fallen.

Ein gesunder Gemütszustand

Ein gesunder Gemütszustand ist der Kern einer jeden erfolgreichen Magic-Karriere.

Ihr müsst Selbstvertrauen aufbauen und daran glauben, dass ein Sieg für euch möglich ist. Wenn ihr nicht tief in eurem Innersten daran glaubt, dass ihr gewinnen könnt, dann sucht ihr auch nicht nach jenen subtilen Spielzügen, die einen wirklich großartigen Spieler ausmachen.

Und dennoch braucht ihr gleichzeitig die Bescheidenheit, um zu erkennen, wie viel ihr noch zu lernen habt. Wenn ihr überheblich werdet und verächtlich auf andere Spieler herabblickt, zerstört ihr eure wichtigsten Ressourcen für euer weiteres Wachstum.

Vorbildliche Ojutai | Bild von Willian Murai

Ihr müsst immer nach Perfektion streben. Selbst wenn echte Perfektion unmöglich ist, sollte sie dennoch euer ständiges Ziel bleiben! Manche der Themen in Level One mögen euch manchmal etwas spitzfindig erschienen sein. Sie behandelten jedoch genau die Fähigkeiten, die man braucht, um ein hochkarätiger Spieler zu werden. „Gut genug“ sollte euch nie wirklich gut genug sein.

Ihr braucht die Hingabe und die Willensstärke, euch durch schwere Zeiten durchzubeißen. Wenn ihr an Magic-Turnieren teilnehmt, werdet ihr verlieren – und zwar oft. Falls ihr jedoch aufgebt, wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie ihr sie euch vorstellt, dann werdet ihr eure Ziele nie erreichen.

Und zu guter Letzt müsst ihr das Spiel lieben. Wenn das Fahren zu Turnieren, das Starten von Magic Online oder das Lesen einer Strategiewebseite in der Mittagspause euch keine Freunde macht, wird es unmöglich sein, dass ihr ein guter Spieler werdet.

Das Leben ist eine lange Straße, und das Ausmaß eurer Begeisterung für Magic wird unvermeidlich schwanken – und das ist okay! Wenn ihr auszubrennen beginnt oder andere Aspekte des Lebens eure Aufmerksamkeit einfordern, dann ist es gut, eure innere Einstellung zu Magic zumindest zeitweise neu zu bewerten. Das Schlimmste, was ihr tun könnt, ist, euch so lange zum Spielen zu zwingen, bis das Spiel, das ihr einst geliebt habt, für euch nur noch zur Qual wird.

Macht‘s gut

Ich habe sehr viel Freude daran gehabt, Level One zu schreiben, und nun, da es damit vorbei ist, werde ich es sehr vermissen. Ich bin unendlich dankbar für die Chance, dass ich das letzte Jahr über diese Kolumne zusammenstellen durfte. Ich spiele schon einen Großteil meines Lebens Magic, und es bedeutet mir sehr viel, das Wissen, das ich mir im Lauf der Zeit angeeignet habe, an eine neue Generation von Spielern weitergeben zu können. Danke fürs Lesen!

Level One hat alles behandelt, was man braucht, um ein solider, siegreicher Turnierspieler zu werden. Ich habe außerdem einige Konzepte für Fortgeschrittene behandelt, in die sich ernsthafte Spieler sicher liebend gern vertiefen. Ich hoffe, euch mit diesem letzten Artikel alle Mittel zur Verfügung gestellt zu haben, um euren eigenen Lernprozess so lange fortzusetzen, wie euer Interesse an Magic als Turnierspiel anhält. Wenn euch das Spiel auch nur einen Bruchteil jener Freude zurückgeben kann, die ich im Lauf der Jahre erfahren durfte, dann war es das eure Zeit allemal wert.

Und damit überlasse ich den Rest euch.

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