Bedrohungen und Antworten

Posted in Level One on August 18, 2015

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

Mörderischer Schnitt | Bild von Yohann Schepacz

Magic ist ein Spiel um Bedrohungen und Antworten. Mana, Kartenvorteil und andere grundlegende Konzepte bilden gewissermaßen die Hintergrundkulisse einer jeden Magic-Partie, aber Bedrohungen – wie Kreaturen oder Planeswalker etwa – sind das, wodurch Partien gewonnen werden. Eine gut platzierte Antwort – wie beispielsweise ein Gegenzauber – können eine Partie zu euren Gunsten herumreißen. Habt ihr hingegen einmal keine gute Antwort parat, kann das dazu führen, dass euch die Dinge aus der Hand zu gleiten drohen.

Die heutige Preview-Karte ist ein effektiver und zuverlässiger Entfernungszauber aus Khane von Tarkir. Um ihn wirklich wertschätzen zu können, ist es hilfreich, zunächst sowohl die Bedeutung von Bedrohungen als auch die von Antworten in einer Partie Magic zu verstehen. Es kann schwierig sein, den genauen Wert dieser sehr verschiedenen Arten von Karten zu vergleichen. Der Schlüssel liegt darin, ein vernünftiges Verhältnis zwischen Bedrohungen und Antworten zu finden.

Wie man die Initiative ergreift

In jedem beliebigen Moment spielt ein Spieler immer auf eine von zwei möglichen Arten und Weisen: Entweder ist er proaktiv, indem er Bedrohungen aufbaut, angreift oder seine Strategie anderweitig vorantreibt, oder er ist reaktiv und verteidigt sich bzw. antwortet auf die Bedrohungen des Gegners. In der Welt von Magic ist das Wort „proaktiv“ positiv belegt: Proaktiv zu sein – sprich die Initiative zu ergreifen –, ist etwas Gutes.

Es gibt einen berühmten Ausspruch von Dave Price, einem Profispieler aus der Anfangszeit von Magic, der bis heute als „The King of Beatdown“ bekannt ist. Und dieser Spruch geht so: „Es mag falsche Antworten geben, aber keine falschen Bedrohungen.“

Mit anderen Worten: Wenn ihr eine Bedrohung zieht, können im Grunde nur zwei Dinge passieren. Entweder hat euer Gegner nicht die richtige Antwort und eure Bedrohung führt euch auf die Siegerstraße, oder euer Gegner hat eine passende Antwort und es kommt zu einem (für gewöhnlich) neutral verlaufenden Austausch. Es birgt kaum Risiken, euer Deck mit jeder Menge mächtiger Kreaturen zu füllen.

Eine Antwort – also eine reaktive Karte – zu ziehen, ist etwas ganz anderes. Euer Gegner hat vielleicht gerade gar keine Bedrohung im Einsatz. Eure Antwort wäre demzufolge in diesem Moment nur wenig nützlich. Im Optimalfall könnt ihr allerdings auf eine Bedrohung antworten und den Plan eures Gegners durchkreuzen – auch hier handelt es sich dann (für gewöhnlich) um einen neutral verlaufenden Austausch. Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit, die katastrophal sein kann. Sie tritt ein, wenn eure aktuelle Antwort nicht zur derzeitigen Bedrohung eures Gegners passt. Bei Lichtsäule gegen eine 3/3-Kreatur wäre dies zum Beispiel der Fall.

Das soll aber nicht heißen, dass Antwortkarten nutzlos wären: Es gibt jede Menge Situationen, in denen ihr sie zum Überleben braucht! Es verschafft euch zwar Zeit, euer Deck voller Antworten zu packen, doch das trägt nicht aktiv dazu bei, dass ihr die Partie auch gewinnt. Im Allgemeinen hat der Spieler, der die Initiative ergreift und seine Bedrohungen aufs Feld bringt, einen leichteren Weg zum Sieg als der Spieler, der nur auf sie zu reagieren versucht.

Ein weiterer Vorteil daran, proaktiv zu sein, ist es, dass ihr nicht der Strategie eures Gegners ausgeliefert seid. Im Verlauf eines langen Turniers steht ihr gern einmal zehn verschiedenen Gegnern mit zehn verschiedenen Decks gegenüber. Ihr wisst eventuell nie ganz genau, welche Strategie jeder dieser zehn Spieler anwenden wird. Und ganz sicher könnt ihr euer Deck nicht so aufbauen, dass es gegen alle zehn gleichermaßen perfekt ist! Fahrt ihr jedoch eine proaktive Strategie und konzentriert euch darauf, diese voranzutreiben, habt ihr selbst gegen eine Strategie, auf die ihr nicht explizit vorbereitet seid, trotzdem eine Chance.

Bedrohungen

Bedrohungen sind das, wodurch Partien gewonnen werden. Ihr könnt eine Partie mühelos für euch entscheiden, indem ihr euren Gegner mit einer Bedrohung erwischt, auf die er nicht vorbereitet ist. Ihr könnt auch schnell gewinnen, indem ihr einfach mehr Bedrohungen ins Spiel bringt, als euer Gegner rechtzeitig Antworten findet. Alternativ könnt ihr euch Zeit lassen und längere Partien durch eine hartnäckige Bedrohung gewinnen, auf die es keine wirklich einfache Antwort gibt. Ganz egal, welche Form eine Partie Magic auch annimmt, Bedrohungen sind immer einer der entscheidenden Faktoren.

Schauen wir uns doch verschiedene Arten von Bedrohungen und die Vorteile, die sie mitbringen, einmal genauer an.<(p>

Schnelle Bedrohungen

Eine bewährte Strategie ist es, eine Menge billiger Kreaturen auszuspielen und die Partie zu gewinnen, bevor der Gegner auf jede Bedrohung eine Antwort oder auch nur die nötige Zeit hat, mächtigere Zaubersprüche zu wirken. Es gibt zwar tonnenweise Kreaturen, die nur ein oder zwei Mana kosten, die meisten Antwortkarten sind jedoch teurer.

Letzte Woche haben wir uns Ende der Feindseligkeiten angesehen, was wahrscheinlich eine der am meisten gespielten Antworten aus Khane von Tarkir werden dürfte. Sie kostet fünf Mana! Eine Kreatur für ein Mana kann gut und gern vier Mal angreifen, bevor Ende der Feindseligkeiten sie aus dem Spiel nimmt.

Auch die anderen oft gespielten Eins-zu-Eins-Entfernungszauber wie Des Helden Untergang kosten drei Mana. Wenn ihr am Zug seid und eine Kreatur in Runde Eins, Zwei und Drei ausspielt, muss euer Gegner einen großen Vorsprung aufholen, wenn er mithilfe teurer Antwortkarten ins Spiel zurückfinden will. Während euer Gegner zurückzuschlagen versucht, könnt ihr so schnell neue Kreaturen nachlegen, wie sie beantwortet werden, und dabei immer weiter angreifen!

Der einzige Haken daran ist folgender: Wenn alle eure Kreaturen 1/1 oder 2/2 sind, dürfte es sehr lange dauern oder eine Menge Kreaturen erfordern, euren Gegner seiner zwanzig Lebenspunkte zu berauben.

Mächtige Einzelbedrohungen

Alternativ könnt ihr mächtigere Kreaturen als Bedrohungen ins Feld führen, wie beispielsweise die monströsen Kreaturen aus dem Theros-Block.

 

In diesem Fall vernachlässigt ihr zwar die Möglichkeit, den Antwortkarten eures Gegners zuvorzukommen, doch im Gegenzug wird jede einzelne eurer Bedrohungen die Partie sehr schnell für euch entscheiden, falls sie denn unbeantwortet bleibt. Karten mit derartiger Boardpräsenz haben das Potenzial, euch einen virtuellen Kartenvorteil zu verschaffen und die Partie komplett unter eure Kontrolle zu bringen.

Denkt daran: „Es mag falsche Antworten geben, aber keine falschen Bedrohungen.“ Indem ihr mit mächtigen Einzelbedrohungen spielt, bringt ihr euch in die optimale Position, um einen Vorteil aus diesem Konzept zu ziehen. Ihr könnt eurem Gegner maximalen Schaden zufügen, falls seine Antwort zur falschen Zeit oder auf die falsche Weise kommt.

Hartnäckige Bedrohungen

Alternativ könnt ihr auch Bedrohungen einsetzen, die vielen der häufigen Entfernungszauber widerstehen. Auf diese Weise vergrößert ihr die Chance, dass euer Gegner nur eine „falsche Antwort“ parat hat.

Beispiele hierfür sind Prophezeiende Sphinx oder jede andere fluchsichere Kreatur. Das beste Beispiel aus jüngster Zeit ist der Ätherling.

Wenn ihr darauf achtet, jederzeit blaues Mana verfügbar zu halten, dann gibt es quasi nichts, was den Ätherling permanent aus dem Spiel entfernen kann! Hartnäckige Bedrohungen wie diese sind eine besonders gute Wahl, falls es in eurem Deck überhaupt nur wenige Bedrohungen gibt. In diesem Fall könnt ihr es euch nämlich nicht leisten, dass sie sang- und klanglos getötet werden.

Bedrohungen, die garantiert einen Wert haben

Manchmal kann man seine Bedrohungen selbst dann vorteilhaft einsetzen, wenn der Gegner die richtige Antwort auf sie hat. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kreaturen, die einen Effekt auslösen, sobald sie ins Spiel kommen, oder Kreaturen mit Eile. Die besten Beispiele sind jedoch Planeswalker, da man diese sofort aktivieren kann, sobald man sie ausgespielt hat.

Nehmen wir einmal an, ihr spielt Nissa die Weltenerweckerin aus und verwandelt euren Wald in ein 4/4-Elementar. Selbst wenn euer Gegner Nissa mit Des Helden Untergang zerstört, habt ihr immer noch eine bleibende 4/4-Kreatur. Entweder braucht euer Gegner eine zusätzliche Antwort auf euer Elementar (was im Grunde einen Kartenvorteil für euch bedeutet) oder es bleibt eben liegen und trägt unter Umständen zu eurem Sieg bei.

Antworten

Ungeachtet der Wahrheit und Weisheit in Mr. Prices Worten sind Antworten tatsächlich auch ausgesprochen wichtig. Schließlich werden eure Gegner ebenfalls über Bedrohungen verfügen, und zur falschen Zeit ohne Antwort darauf dazustehen, kann euch die Partie kosten. Ihr braucht also Antworten – Entfernungszauber beispielsweise – für die Momente, in denen die Dinge nicht so prima laufen. Besteht euer Deck nur aus Bedrohungen und enthält keine einzige Antwort, werdet ihr es wahrscheinlich schwer haben, euch von einem eventuellen Rückstand zu erholen.

Das Wort „proaktiv“ ist zwar positiv belegt, doch das Wort „reaktiv“ muss nicht notwendigerweise etwas Negatives bedeuten. Reaktive Strategien sind sehr effektiv. Noch viel wichtiger ist, dass es Situationen gibt, in denen ein Spieler unabhängig von seinem Deck dazu gezwungen sein wird, eine Reaktion zu zeigen, um eine Chance auf den Sieg zu haben.

Diese mächtigen Einzelbedrohungen wie Polukranos der Weltenverschlinger können jede Partie dominieren, wenn man sie nicht aus der Welt schafft. Daher ist es sehr wichtig, zumindest eine kleine Menge von Antworten zur Verfügung zu haben, um gegen sie bestehen zu können.

Selbst wenn ihr eine schnelle Strategie verfolgt, um die Partie zu gewinnen, bevor teurere und mächtigere Kreaturen ins Spiel kommen, besteht immer noch das Risiko, dass ihr blockiert werdet – durch einen Blocker etwa oder irgendeine defensive Karte. In diesem Fall greifen euch die Bedrohungen des Gegners zwar nicht direkt an, machen aber eure Strategie zunichte und sorgen dafür, dass ihr am Ende verlieren werdet. Manche Antworten können also tatsächlich immens zu einer proaktiven Strategie beitragen. Schauen wir uns doch mal dieses Deck hier an:

Tom Ross‘ Roter Pöbel

Dieses Deck ist ein gutes Beispiel für ein sehr proaktives, auf Bedrohungen ausgerichtetes Deck. Doch selbst diese Art Strategie profitiert von einigen sorgfältig ausgesuchten Antworten. Bedenkt zunächst, dass dieses Deck sich auf schnelle Bedrohungen konzentriert. Es beabsichtigt, so schnell wie möglich viele kleine Kreaturen ins Spiel zu bringen. Bei so vielen kleinen Kreaturen läuft das Deck jedoch Gefahr, von einer blockenden Kreatur in Schach gehalten zu werden.

Dieses Deck hat allerdings seine eigene Art von Antwortkarten, darunter Das Feuer anfachen, Blitzschlag und sogar Anstürmende Feuerfaust sowie Geröllstreifen-Maaka. Da die blockenden Kreaturen das sind, was diesem Deck am gefährlichsten werden kann, sind all seine Antworten darauf ausgelegt, solche Kreaturen zu entfernen. Ihr könnt sie mit Das Feuer anfachen verbrennen und dann angreifen (eine direkte Antwort). Ihr könnt sie im Kampf töten, indem ihr den Blutrausch von Geröllstreifen-Maaka verwendet (eine situationsabhängige Antwort). Oder ihr könnt ihre Fähigkeit zum Blocken durch die Anstürmende Feuerfaust unterbinden (eine temporäre Antwort).

Das Schöne an den Antwortkarten von Rabble Red ist, dass sie nie wirklich „falsche Antworten“ sein können. Selbst im schlimmsten Fall können sie dem Gegner immer noch Schaden zufügen!

So setzt also selbst eine der schnellstmöglichen Strategien ihre eigene Form von Antwortkarten ein. Im Allgemeinen gilt: Je langsamer eure Strategie ist, desto mehr Antworten werdet ihr brauchen und desto direkter sollten sie auf die Bedrohungen eures Gegners eingehen können.

Die heutige Preview-Karte zu Khane von Tarkir ist wegen ihrer Einfachheit und Direktheit spannend – eine saubere und zuverlässige Antwortkarte eben.

Im Kontext von Antworten und Bedrohungen ist Mörderischer Schnitt genau das, was ihr euch als Antwortkarte wünscht. Wenn ihr auf eine Kreatur reagieren müsst, wird euch Mörderischer Schnitt selten im Stich lassen. Diese Karte kann alles erledigen – sei es nun ein Ende der Feindseligkeiten bald ganz oben auf einer langen Liste von Antwortkarten stehen. Im Lauf der kommenden Monate werden wir alle zu lernen versuchen, wie wir unsere Antworten so auswählen, dass wir den Bedrohungen des Gegners locker die Stirn bieten und unsere Bedrohungen die Antworten unseres Gegners alt aussehen lassen können.

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