Der Verlauf eines Drafts

Posted in Level One on January 26, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Als Abschluss unserer Reihe zum Boosterdraft möchte ich heute euch an einem kompletten Boosterdraft teilhaben lassen. Ich werde erklären, wie ich die Konzepte, die ich in Level One vorgestellt habe, dazu einsetze, um meine Entscheidungen zu treffen, und wie ich nach und nach auf ein fertiges Deck zusteuere.

 

Dies sind die vorangegangenen Artikel aus der Boosterdraft-Reihe:

 

"Die Grundlagen des Boosterdrafts"

"Signale im Boosterdraft"

"Boosterdraft, Teil 3"

 

Ich werde einen tatsächlich stattgefundenen Draft heranziehen, den ich kürzlich auf Magic Online gespielt habe. Es handelt sich dabei um die Top 8 eines großen Turniers namens Magic Online Championship Series: Es ging also um was, und die Konkurrenz war ziemlich ausgeschlafen.

 

Packung 1

 

 

Pyrotechnik ist ein hervorragender Entfernungszauber und wäre eine gute erste Wahl. Normalerweise würde ich die Pyrotechnik auch nehmen, da eine einfarbige Karte im weiteren Verlauf des Drafts eine größere Flexibilität bietet als eine mehrfarbige. Dromoka die Ewige ist allerdings eine Bombe und liegt eine Stufe über Pyrotechnik und allem anderen in der Packung. Daher ist sie die bessere Wahl und ein toller Auftakt für diesen Draft.

 

 

Obwohl Dromoka keine schwarze Karte ist, liefert die Tatsache, dass sie weiß und grün ist, eine starke Motivation, Abzan zu draften. In Khane von Tarkir sind die Abzan eine hervorragende Farbkombination. Es gibt hingegen kaum Gründe, sich allein auf Grün-Weiß zu konzentrieren, und überhaupt keine, Bant (Grün-Weiß-Blau) oder Naya (Rot-Grün-Weiß) zu draften. Nachdem ich nun zuerst Dromoka gezogen habe, ist das Ziehen einer schwarzen Karte nun fast das Gleiche wie das Ziehen einer grünen oder weißen Karte.

 

Demnach ist die Flüsterin der Wildnis eine interessante Option, die fest in der Kategorie „Starke Füllkarten“ verankert ist. Die Sibsig-Schlammschlepper sind hinsichtlich ihrer Manaeffizienz zwar keine Bombe, kommen aber manchmal einer solchen dahingehend sehr nahe, dass sie einen extrem großen Einfluss auf die Partie haben und sich später im Draft nicht so leicht durch eine andere Karte ersetzen lassen.

 

Kartenvorteil und Unersetzbarkeit gewinnen bei dieser Entscheidung die Oberhand: Ich nehme daher also die mächtigen Sibsig-Schlammschlepper.

 

 

Als dritte Karte ziehe ich die Typhusratten sehr ernsthaft in Erwägung, da wir es hier mit einer starken defensiven Karte für die frühe Phase der Partie zu tun haben. Bei Khane von Tarkir – und zwar insbesondere dann, wenn man den mehrfarbigen Kontrollarchetyp draftet – ist es jedoch sinnvoll, früh Doppelländer allen anderen Karten vorzuziehen, die man in seinem Deck nicht äußerst schmerzlich vermissen würde. Hier die Höhlen des Blutvergießens zu nehmen, bedeutet nicht, dass ich zu Rot wechsle. Ich möchte nur gern die Flexibilität, eine rote Bombe wie etwa Schlächter der Horde mitnehmen zu können, falls ich später eine zu Gesicht bekommen sollte.

 

 

Ich nehme wiederum ein Doppelland statt einer Karte, die ich nicht unbedingt in meinem Deck brauche.

 

 

Eine „starke Füllkarte“ mit Flüsterin der Wildnis und noch dazu ein früher Spielzug, der gut zu Kontroll- und Aggrodecks gleichermaßen passt.

 

 

 

 

So spät ein zweites Exemplar der Sibsig-Schlammschlepper zu erhalten, ist sowohl eine tolle Ergänzung für mein Deck als auch ein vielversprechendes Signal. Die Tatsache, dass die anderen sieben Drafter die Schlammschlepper weitergegeben haben, deutet darauf hin, dass sie wahrscheinlich nicht daran interessiert sind, langsame Kontrolldecks mit Schwarz zu bauen.

 

 

 

So wie ihr eure Farben im Draft wählt, wählt ihr auch euren Archetyp. Archetypen sind bis zu einem gewissen Grad flexibel, und oftmals ist es in Ordnung, die Grenzen zwischen ihnen etwas verschwimmen zu lassen, aber es ist ausgesprochen wichtig, irgendeine Art von Idee zu haben, worauf ihr hinarbeiten wollt und wie euer Deck letzten Endes aussehen soll.

 

An diesem Punkt im Draft habe ich mich entschieden, einen meiner Lieblingsarchetypen zu draften: „Mehrfarbige Kontrolle“. Das mehrfarbige Kontrolldeck basiert meist auf Schwarz und Grün, kann jedoch auch aus drei, vier oder fünf Farben bestehen, wenn einem der Sinn danach steht. Der Schlüssel zu diesem Archetyp besteht darin, schon sehr früh Manafixing zu ziehen, damit ihr die Option habt, Bomben einer jeden Farbe zu nehmen, sollten sie euch später im Draft begegnen.

 

Weitere Eckpfeiler von mehrfarbiger Kontrolle sind Kartenvorteil, jede Menge Removal und oft ein Wühlen-Thema. Ich habe ein paar Signale erhalten, dass mehrfarbige Kontrolle ein freier Archetyp sein könnte, denn ich habe die Sibsig-Schlammschlepper erst sehr spät erhalten und konnte jede Menge Doppelländer aus der ersten Packung mitnehmen.

 

 

Ich bewege mich also deutlich innerhalb der Vorgaben für den Archetyp „Mehrfarbige Kontrolle“, bei dem der Kartenvorteil sehr wichtig ist. Frühe Verteidigung ist jedoch ebenfalls nicht zu unterschätzen. Ich ziehe zwar Geschärftes Bewusstsein, glaube aber rückblickend, dass die Typhusratten die bessere Wahl gewesen wären. Nichtsdestominder sind beide Karten an diesem Punkt im Draft gut für mein Deck.

 

 

Ich hoffe, dass ich keine dieser Karten in meinem Hauptdeck spielen muss, weshalb ich mich für die entscheide, die ich als Antwort auf gegnerische Bomben ins Sideboard nehmen kann.

 

 

 

 

Packung 2

 

 

Die Vormacht der Abzan ist am besten in einem Deck voller Kreaturen. Dennoch ist sie auch eine Bombe. Also nehme ich sie. Diese Wahl wird dafür sorgen, dass ich mich stärker auf billige Kreaturen konzentriere (besonders schwarze und grüne, denn dies scheinen meine beiden Hauptfarben zu werden). So bekommt die Vormacht der Abzan stärkere Synergien mit meinem Deck.

 

 

Dünensturm ist die perfekte Karte für mein Deck! Es ist eine Bombe und noch dazu eine der absolut besten Bomben, die ein mehrfarbiges Kontrolldeck überhaupt haben kann.

 

Beachtet auch die Signale, die ich von dem Spieler zu meiner Linken hier erhalten habe. Dünensturm und Spannungsfeld sind beide besser als jede häufige Karte aus Khane von Tarkir, aber es fehlt trotzdem eine häufige Karte aus der aktuellen Packung. Daraus kann ich schließen (wenn auch nicht mit absoluter Sicherheit), dass der Spieler zu meiner Linken nicht Weiß draftet und wahrscheinlich weder Schwarz noch Grün, denn sonst hätte er bestimmt den Dünensturm zum Einstreuen genommen. Das sind gute Neuigkeiten für mich!

 

An diesem Punkt glaube ich, dass meine mächtige späte Phase der Partie steht. Ich werde mich also ab jetzt auf frühe Verteidiger und eine anständige Manabasis konzentrieren. Außerdem suche ich nach ein paar Dingen zum Kartenziehen, um sicherzugehen, dass ich meine ersten Länder auch ziehe und relativ sicher in die späte Spielphase komme.

 

 

Die Mardu-Hassklinge ist für mein Deck viel schlechter als die Typhusratten, da Weiß immer nur eine eingestreute Farbe sein könnte und ich daher nicht davon ausgehen kann, sie in Runde Zwei oder Drei spielen zu können. Hochlandwild oder Gletscher-Pirscher sind vernünftige Optionen, ebenso wie Tristes Gewässer. Dennoch entscheide ich mich für Rakshasas Geheimnis, da es für einen Kartenvorteil sorgt und eine tolle Synergie mit meinen beiden Sibsig-Schlammschleppern (oder jeder anderen teuren Wühlen-Karte) hat.

 

 

In den Zeiten wühlen ist so etwas wie eine Bombe und passt perfekt in mein Deck. Eigentlich hatte ich nur nach ein paar Möglichkeiten zum Kartenziehen gesucht, aber In den Zeiten Wühlen ist der beste Zauber zum Kartenziehen in diesem Format! Außerdem hat mein Deck ein Wühlen-Thema, sodass ich Karten wie Rakshasas Geheimnis und Das Grenzland ausspähen den Vorrang geben werde. Meine einzige Sorge hier ist, dass es zwei blaue Mana kostet und ich mir noch nicht sicher sein kann, ob Blau eine eingestreute Farbe oder eine Hauptfarbe sein wird.

 

 

Bei dieser Wahl spielt es eine große Rolle, was ich bisher gedraftet habe. Mit Dromoka die Ewige, Dünensturm, Vormacht der Abzan, In den Zeiten wühlen und zwei Sibsig-Schlammschleppern habe ich eigentlich schon genug fürs Late-Game! Für Luftakrobaten der Flussradfeste oder Schlurfende Dienerschaft habe ich keine Verwendung, auch wenn dies normalerweise gute Karten für diesen Archetyp sind. Gleichermaßen sind Geschärftes Bewusstsein und In den Zeiten wühlen besser für mein Deck als Lohnende Ausfahrt, und auch von diesem Effekt brauche ich nicht noch mehr. Ich nehme ein Doppelland statt einer Karte, die ich wahrscheinlich doch nicht spielen werde.

 

 

Unter anderen Umständen hätte ich mir wohl Ruchloser Reichtum geschnappt, aber ich brauche eben nicht noch mehr Karten für die späte Phase der Partie. Eigentlich möchte ich echt gern Brüstung der Bogenschützen nehmen, aber ich habe kaum weiße Manaquellen und brauche das Land dringender.

 

 

Da ich keine roten Karten mehr übrig habe, nehme ich die „starke Füllkarte“ in Form der Morphkreatur anstelle des roten Doppellandes.

 

 

Das Banner der Abzan ist nicht sehr stark, aber es macht mir nichts aus, ein Banner in meinem mehrfarbigen Kontrolldeck zu spielen, besonders mit so vielen starken Karten fürs Late-Game, wie ich sie schon habe. Und außerdem brauche ich mehr Manaquellen, besonders für Weiß.

 

 

 

Ich brauche das Land eher als die teuren Karten, ungeachtet dessen, dass das Ritual der Schlange und der Sultai-Plünderer gut in mein Deck passen würden.

 

 

 

Packung 3

 

 

Noch eine Bombe! Ich hatte bei diesem Draft wirklich Glück mit den seltenen Karten.

 

 

Die Kunst des fliegenden Kranichs ist eine Bombe, passt aber weder zu meinen Farben noch zu meiner Strategie. Mörderischer Schnitt als hervorragender Entfernungszauber ist die offensichtlichere Wahl.

 

 

Mein Draft läuft aus vielerlei Gründen ziemlich gut, aber mir fehlt noch immer die frühe Verteidigung. Das Hochlandwild ist die beste Karte in dieser Packung, um die Partie hinauszuzögern und sicherzugehen, dass ich lange genug überlebe, um meine Bomben zu spielen.

 

 

 

An diesem Punkt spiele ich definitiv Schwarz, Grün und Weiß mit wahrscheinlich einem bisschen Blau zwischendrin. Rot werde ich wohl nicht spielen. Zwei billige weiße Entfernungszauber sind unter Garantie eine gute Ergänzung für mein Deck.

 

 

Das Sultai-Amulett ist ein hervorragender Entfernungszauber und überzeugt mich endgültig davon, Blau zu spielen.

 

 

Wäre er eine grüne Kreatur, würde ich mich wohl auf den Feuchtlandsambar stürzen, aber da ich wahrscheinlich nicht allzu viel blaues Mana in meinem Deck haben werde, ist er unter Umständen keine zuverlässige Karte für Runde Zwei. Auch der Rakshasa-Wesir ist nicht genau das, wonach ich suche, aber er ist eine sehr gute Karte in einem Deck mit Wühlen.

 

 

Ich habe mich von Rot verabschiedet. Daher muss ich einfach nur die besten defensiven Karten nehmen, um mein Deck abzurunden.

 

 

 

Wären diese Banner nicht rot, könnten sie mich womöglich interessieren, doch stattdessen entscheide ich mich für Abbrechen für mein Sideboard, um es gegen langsamere Decks mit Bomben ins Feld zu führen.

 

 

 

Von Manaüberlegungen abgesehen ist Vormacht der Sultai eine bessere Karte als Das Grenzland ausspähen. Am Ende entschließe ich mich jedoch, Blau nur als eingestreute Farbe zu behandeln, weswegen Das Grenzland ausspähen die bessere Wahl ist.

 

 

 

 

Und so sieht das fertige Deck aus:

 

reiderrabbit – 2. Platz, MOCS #7974043

Download Arena Decklist

 

Dies war ein ziemlich mächtiges Draftdeck, das vier seltene sowie noch eine ganze Reihe anderer Karten für die späte Spielphase sinnvoll für sich nutzte. Seine Schwachstelle war ein schneller Kreaturenansturm, da die Manakurve ein bisschen zu hoch war und es nur drei Karten besaß, die weniger als drei Mana kosteten.

 

Ich beschloss, ein ganz klein wenig Blau zu spielen. Mein Deck war mächtig genug, dass ich darauf setzen konnte, Unvermeidbarkeit zu haben – wenn ich nur lange genug überleben konnte, würde ich die Partien mit oder ohne die blauen Karten gewinnen. Daher war Manakonsistenz meine oberste Priorität. Ich wollte die Anzahl an Dingen, die schiefgehen konnten, schlichtweg minimieren.

 

Wie sich herausstellte, wäre mein Draft besser verlaufen, hätte ich mich gleich für Abzan entschieden und Schwarz keinerlei Beachtung geschenkt. Andererseits ging es bei diesem Draft darum, für viele Möglichkeiten offen zu bleiben, und es war weitestgehend Zufall, dass die seltenen Karten, die ich gezogen habe, alle zu den Farben der Abzan passten, anstatt in Rot oder Blau hineinzuspielen.

 

Darüber hinaus bin ich in eine sehr häufige Stolperfalle geraten, nämlich die, nicht den Schlüsselaspekten meines Decks absoluten Vorrang eingeräumt zu haben. Ich habe früh teure Karten gezogen und hatte später Mühe, frühe Kreaturen zu finden, wodurch ich häufiger mächtigere Kreaturen weitergeben musste. Eine Wahl, die dies veranschaulicht, war die erste aus Packung 2, wo ich die Sibsig-Schlammschlepper anstelle der Flüsterin der Wildnis genommen habe. Ich habe die Schlammschlepper gezogen, weil ich sie für eine mächtige und unersetzbare Karte hielt, doch es gibt gute Gründe, hier zur billigeren Karte zu greifen.

 

Jedes einzelne Deck braucht hervorragende Kreaturen für zwei Mana, aber nicht jedes einzelne Deck braucht eine so teure Kreatur wie die Sibsig-Schlammschlepper. Ich erhielt zwar am Ende ein Deck, das die Schlammschlepper gut einzusetzen wusste, aber ich hatte auch jede Menge anderer teurer Karten!

Ich habe das als sehr knappe Entscheidung angesehen. Angesichts meiner Unsicherheit hätte ich mich lieber für die billigere Kreatur entscheiden sollen.

 

Dies war definitiv ein anspruchsvoller Draft mit jeder Menge Momente, in denen selbst erfahrene Drafter vor schwierigen Entscheidungen standen. Zwei Züge, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermasselt habe, waren Zug 11 bei Packung 1 (bei dem ich Geschärftes Bewusstsein den Typhusratten vorzog) und Zug 12 bei Packung 3 (als ich Vormacht der Sultai anstelle von Das Grenzland ausspähen nahm). Hätte ich zwei spielbare Karten mehr in den Farben der Abzan gehabt, hätte ich ein solideres Deck bauen können, ohne ein neunzehntes Land spielen oder Mühe haben zu müssen, Spielbares zu finden.

 

Ich habe mit dem Deck 2-1 gespielt und bin hinter einem guten, aggressiven RG-Deck (also zugegebenermaßen meiner Schwachstelle) Zweiter geworden. Ich fand dies einen sehr interessanten Draft und habe viel daraus gelernt. Ich hoffe, euch ging es genauso!

 

 

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