Eine Einführung in die beliebtesten Formate im Constructed

Posted in Level One on March 8, 2016

By Reid Duke

Over the span of the last nineteen years, since he was five years old, Reid has been a player, a deck builder, a collector, and a lover of the Magic world. Today, he’s a full-time professional Magic player and writer.

In Level One erklärt Reid Duke Magics Grundlagen. Diese Kolumne wurde im letzten Jahr auf Englisch veröffentlicht und wird jetzt für euch übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!


Bis jetzt haben wir in Level One sowohl über das Constructed als auch über das Limited gesprochen, sind aber noch nicht zu den Feinheiten der einzelnen Formate im Constructed vorgedrungen. Tatsächlich ist es so, dass das Spielverhalten verschiedener Formate stellenweise extrem weit auseinanderklafft, und für jedes braucht man einen anderen Ansatz, um erfolgreich zu sein.


Elfen-Mystiker | Bild von Wesley Burt

Die Variablen

Ehe wir uns den Einzelheiten der Formate und Karten zuwenden, schauen wir uns zunächst an, wodurch sich die einzelnen Formate im Constructed voneinander unterscheiden.

Schnelligkeit: In welcher Runde kann das schnellste Deck üblicherweise gewinnen? Wie viel und welche Art Verteidigung braucht man, um zu überleben? Wie oft dauern Partien sehr lange, bevor sie in die entscheidende Phase gehen?

Machtniveau: Wo liegt die Messlatte für das, was man an jedem Punkt der Partie tun sollte? Wie mächtig sind Kreaturen und Zauber mit verschiedenen Manakosten?

Balance: Stechen irgendwelche Decks oder Karten aus der Masse heraus? Falls ja, dann stellt sich die Frage: Was ist nötig, um gegen diese Platzhirsche anzukommen?

Vielseitigkeit: Lässt sich vorhersagen, was euch am wahrscheinlichsten in einem Turnier begegnet? Wie viele starke Decks gibt es? Wie viel Varianz findet sich innerhalb eines jeden Archetyps?

Komplexität: Wie herausfordernd ist das Spiel? Dies hat Einfluss auf die Wahl eures Decks und auf andere Aspekte der Vorbereitung auf das Turnier.

Dies umfasst zwar längst nicht alles, was es über ein Format zu wissen gibt, doch es handelt sich hierbei um einige der wichtigsten Fragen, die ihr euch stellen solltet. Genau genommen beziehen sie sich alle aufeinander und sind Teil des gleichen übergeordneten Konzepts ...

Die Größe des Formats: Wie viele Karten und Sets dürfen gespielt werden?

Mit wenigen Ausnahmen gilt: Je größer das Format ist, desto mächtiger und schneller wird es. Außerdem ist es üblicherweise dann auch vielfältiger und herausfordernder, schlicht und ergreifend deshalb, weil es mehr Möglichkeiten bietet.

Sprechen wir also mit Blick auf diese Variablen über die am häufigsten gespielten Turnierformate im Constructed.


Standard

Standard ist das wohl mit Abstand am häufigsten gespielte Format im Constructed. Es ist zudem der leichteste Einstiegspunkt für neue Spieler. Daher kommt auch ein Großteil der Beispiele, die ich für Level One aussuche, aus dem Standard.

Standard ist ein rotierendes Format, was bedeutet, dass es sich relativ oft ändert. Wenn ihr eine technische und detaillierte Erklärung zu den Formaten sucht, dann schaut am besten auf die einzelnen Seiten zu den Formaten. Einfach gesagt: Karten, die in den letzten zwei Jahren erschienen sind, sind üblicherweise im Standard zugelassen.

Dies ist ein relativ kleiner Kartenpool, was bedeutet, dass Standard ein recht überschaubares Machtniveau hat und nicht übermäßig schnell ist (es braucht schon sehr besondere Umstände, damit eine Partie vor Runde 5 endet).

Durch einen kleineren Kartenpool sind Balance und Vielseitigkeit nicht notwendigerweise garantiert. Manchmal gibt es eine kleine Handvoll Karten, die hinsichtlich ihrer Macht hervorstechen, und oft ist es in eurem Interesse, eurer Deck dann mit diesen Karten im Sinn zu bauen.

Die besten Karten lassen sich nicht immer ersetzen, und manche Decks funktionieren sehr unterschiedlich, je nachdem, ob ihre entscheidenden Karten denn nun tatsächlich auftauchen oder nicht. Beispielsweise läuft ein grünes Hingabe-Deck wesentlich besser, wenn es die Partie mit dem Elfen-Mystiker beginnt, genau wie ein Sultai-Deck wirklich seinen Satyr-Pfadfinder braucht, um seinen Friedhof zu füllen.

Dies sind einige generelle Konzepte, derer man sich in kleinen Formaten bewusst sein sollte. Ein weiteres wesentliches Merkmal vom Standard ist jedoch, wie oft dieses Format sich ändert. Es ist also wichtig, offen zu bleiben und bereit zu sein, sich neuen Umständen anzupassen.

Das heutige Standard ist relativ ausgewogen und relativ vielseitig: Strategien reichen von hyperaggressivem Monorot über verschiedene Arten von Abzan-Midrange bis hin zu Blau-Schwarz und Esper-Kontrolle.

Unten findet ihr ein Beispiel für ein Standard-Deck. Es handelt sich um ein rotes, aggressives Deck, das sich darauf konzentriert, sehr schnell sehr viele Kreaturen zu zerstören und dann Schaden via Atarkas Befehl und Das Feuer anfachen auszuteilen.

Martin Dangs Aggro-Rot – Pro Tour Drachen von Tarkir

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Block-Constructed

Das einzige häufig gespielte Format mit einem kleineren Kartenpool als beim Standard ist das Block-Constructed. Die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Karten hinsichtlich ihres Machtniveaus hervorstechen und schwieriger zu ersetzen sind, ist hier noch sehr viel höher.

Im Block-Constructed zu Theros beispielsweise waren die Wald-Karyatide, die Rennerin des Kruphix und Elspeth, Auserwählte der Sonne außergewöhnlich stark. Man brauchte schon einen sehr guten Grund, um nicht mit diesen Karten zu spielen, oder eine Strategie, die sie effektiv schlagen konnte.


Modern

Modern ist ein nicht-rotierendes Format. Neu erschienene Sets werden im Modern legal, verdrängen aber keine älteren Sets. Sets ab Mirrodin und der Achten Edition (aus dem Jahr 2003) sind bis heute legal und werden es im Modern auch immer sein.

Allerdings gibt es eine Bannliste fürs Modern – eine Auswahl an Karten also, die zwar aus im Modern zugelassenen Sets stammen, aber dennoch nicht gespielt werden dürfen. Das liegt oft daran, dass eine Karte zu mächtig ist, aber sie kann auch aus anderen Gründen gebannt werden.

Üblicherweise wird die Bannliste fürs Modern einmal im Jahr aktualisiert, was zu einigen der einschneidendsten Änderungen in diesem Format geführt hat.

Trotz der Bannliste ist der Kartenpool im Modern ungleich größer als der im Standard. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Decks im Modern sehr viel mächtiger und können auch wesentlich schneller sein. Es gibt unzählige Strategien, die in Runde Vier zu einem Sieg über einen unvorbereiteten Gegner führen können.

Weg ins Exil | Bild von Todd Lockwood

Ein weiteres Merkmal des Modern ist seine Vielseitigkeit. Eingefleischte Modern-Fans könnten wahrscheinlich eine Liste von fünfzig oder mehr wettbewerbsfähigen Decks aufstellen, von denen jedes dann auch noch eine Vielzahl an Variationen mitbringen könnte! Diese sind aber natürlich nicht alle gleich stark.

In einem so schnellen, starken und unberechenbaren Format wie Modern ist es sinnvoll, sich auf eine proaktive Strategie zu konzentrieren. Eine reaktive Strategie hätte es schwer, denn es gibt zu viele Decks, die aus zu vielen Richtungen angreifen, weshalb man sich nicht darauf vorbereiten kann, sie alle gleichzeitig auszuschalten. Stattdessen empfiehlt es sich, euch einen eigenen mächtigen Plan auszudenken und zu wissen, dass ihr mit ihm gewinnen könnt, falls es euch gelingt, ihn trotz allem, was euch der Gegner so entgegenwirft, in die Tat umzusetzen.

Unten findet ihr ein Beispiel für ein Modern-Deck. Es handelt sich um ein blau-rotes Deck mit einigen reaktiven Karten, die es ihm erlauben, die Partie ein kleines Stück weit zu kontrollieren oder sie zumindest zu verlangsamen. Wichtiger ist jedoch die spielentscheidende Kombo aus Täuscher-Exarch und Zwillingsspreißel. Lässt der Gegner seine Deckung offen, kann dieses Deck am Ende der Runde den Täuscher-Exarch spielen, enttappen und mit dem Zwillingsspreißel verzaubern. Der Täuscher-Exarch wird dann getappt, um eine Kopie von sich selbst anzufertigen, die den ursprünglichen Exarchen enttappt und den ganzen Prozess wiederholt. Auf diese Weise ist das Deck in der Lage, eine unendlich große Anzahl an Spielsteinen mit Eile zu erschaffen und den Gegner im Nu zu erledigen, ganz egal, wie hoch seine Lebenspunkte eben noch waren!

Antonio del Moral Leóns Blau-Rot Zwillingsspreißel

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Legacy

Legacy ist ein Ewiges Format, was bedeutet, dass alle Karten aus der Geschichte von Magic zugelassen sind. Wie auch im Modern gibt es eine recht umfangreiche Bannliste von Karten, die zu mächtig sind, um sie zuzulassen.

Legacy wird durch einen unglaublich großen Kartenpool definiert. Es gibt Tausende extrem mächtiger Karten, die auf unzählige Arten und Weisen miteinander kombiniert werden können. Für jeden Effekt, nach dem euch der Sinn steht, habt ihr wahrscheinlich eine riesige Anzahl an Möglichkeiten zur Verfügung.

Würdet ihr beispielsweise im Standard einen Effekt wollen, der ein Mana kostet und dem Gegner direkt Schaden zufügt, dann hättet ihr neben Wilder Hieb, Funkenschlag und Kollateralschaden kaum weitere Auswahlmöglichkeiten. Im Legacy gibt es – unter anderem – all dies: Geborstener Blitz, Chain Lightning, Feuerblitz, Elektrisierender Strahl, Lavapfeil, Lavastachel, Blitzschlag, Flammensäule, Entladung aus dem Zeitriss, Siegel des Feuers, Scherbensalve, Schock, Teerfeuer und Assault // Battery – zusätzlich zu allem, was im Standard legal ist!

Wenn ich Legacy spiele, stoße ich selbst nach zwanzig Jahren Magic noch immer auf Karten, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Der gewaltige Kartenpool macht Legacy schnell und mächtig. Die unberechenbare Anzahl an Situationen, in die man geraten kann, macht es unvorhersehbar, vielseitig und herausfordernd.

Im Legacy gibt es zwei entscheidende Karten, die in jedem Überblick über das Format besondere Beachtung finden müssen.

Vieles von dem, was im Legacy möglich ist, funktioniert auch im Modern, aber ein entscheidender Unterschied ist das exzellente Manipulieren der Bibliothek, das einem im Legacy zur Verfügung steht. Karten wie Gedankenwirbel, In Betracht ziehen und Vorherbestimmen führen zu: a) einer höheren Konsistenz für blaue Decks (dies ist besonders wichtig für Kombodecks) und b) zu einer exponentiellen Erhöhung eurer Optionen im Spiel. Wenn ihr mit Gedankenwirbel spielt, seht ihr in jeder Partie einen größeren Teil eures Decks als ansonsten üblich. Außerdem habt ihr eine größere Flexibilität und mehr Kontrolle beim Kartenziehen.


Die andere entscheidende Karte im Legacy ist Willenskraft. Es könnte sich sogar lohnen, über alle „kostenlosen“ Zauber zu sprechen.

Während das Vorhandensein von Manipulationsmöglichkeiten der Bibliothek die Spieloptionen vervielfacht, sorgt das Vorhandensein kostenloser Zauber dafür, dass sich auch die Aktionen vervielfachen, die der Gegner jeder Zeit gegen euch durchführen kann. Die Kombination dieser beiden Faktoren sorgt dafür, dass das Spielverhalten von Legacy viel komplizierter und herausfordernder ist als das kleinerer Formate.

Darüber hinaus erhöhen kostenlose Zauber – insbesondere kostenlose Gegenzauber – die Effizienz und die Geschwindigkeit des Formats (wobei Letzteres nur in Teilen zutrifft). Sie erschweren es, mit teuren Zaubern zu spielen und zwingen Legacy-Decks dazu, schnittig, einfach und bodenständig zu sein.

Unten findet ihr ein Beispiel für ein Legacy-Deck: Es handelt sich um ein weiß-blaues Kontrolldeck, das mit jeder Menge Bibliotheksmanipulation spielt (Gedankenwirbel, In Betracht ziehen und Weissagekreisel des Senseis), um Gegengewicht und Karten mit der Fähigkeit Mirakulum einzusetzen.

Yuta Takahashis Weiß-Blau Mirakulum

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Vintage

Vintage wird nicht auf Grand-Prix- oder Pro-Tour-Niveau gespielt – teilweise auch deshalb, weil es für die meisten Spieler schwierig ist, an die entsprechenden Karten zu kommen. Wie auch Legacy ist Vintage ein Ewiges Format. Während es jedoch im Legacy eine umfangreiche Bannliste gibt, sind im Vintage keinerlei Karten wegen ihres Machtniveaus gebannt. (Einige sind es aus anderen Gründen, andere sind auf ein Maximum von einer Karte eingeschränkt.)

Vintage kommt wohl einem „Nichts ist unmöglich“-Format am nächsten. Die Decks sind unverschämt mächtig und können schon im ersten oder zweiten Zug gewinnen!

Etwas, was Vintage im Gegensatz zu Legacy hat, ist Artefaktmana (wie Black Lotus, Mox Sapphire und viele andere) sowie extrem mächtiges Kartenziehen (wie Ancestral Recall und Glücksrad).

Wie auch Legacy ist Vintage extrem herausfordernd. Es kann schwierig sein, direkt in die Ewigen Formate einzusteigen. Daher empfehle ich, zunächst Modern auszuprobieren, um die Lücke zwischen Standard und Legacy/Vintage im Vorfeld etwas zu schließen. Ist das jedoch erst einmal geschafft, verlieben sich viele Spieler in Legacy/Vintage, da es sich bei beiden um sehr tiefe, interessante und befriedigende Formate handelt.


Alle Formate in Magic machen jede Menge Spaß, und es lohnt sich, sie zumindest ein paarmal auszuprobieren. Um ein richtig runder Spieler zu werden, empfiehlt es sich tatsächlich, so viele verschiedene Formate wie möglich zu üben. Das Spielen im Modern oder im Legacy kann euch etwas lehren, was euch auch bei eurem Spiel im Standard oder Block-Constructed weiterhelfen kann.

Abwechslung ist die Würze des Lebens. Ein Teil dessen, was Magic zu einem derart tollen Spiel macht, sind die schier endlosen Möglichkeiten, die es seinen Spielern bietet. Probiert doch einige davon mal aus!

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