Adamantene Flexibilität

Veröffentlicht in Command Tower on 1. Januar 2015

Von Adam Styborski

Stybs has played Magic the world over, writing and drafting as part of the event coverage team and slinging Commander everywhere his decks will fit.

Eine Sache, die ich an Commander mag, ist das Skalieren. Viele Karten sind einfach nur das, was sie zu sein behaupten: Der Runenklauenbär ist beispielsweise einfach nur eine 2/2-Kreatur, ganz egal, wie viele Spieler am Tisch sitzen. Als Karte ändert er sich nicht durch die Partie, in der er sich gerade befindet.

Es ist allerdings auch nicht sehr spaßig, ein einsamer Bär zu sein, wenn es gilt, drei oder mehr Gegner niederzustrecken.

Runenklauenbär | Bild von Jesper Ejsing

Manche Karten gewinnen allerdings mit der Anzahl der Spieler an Effekt. Je mehr Gegner es gibt, desto größer ist auch die Chance, dass Durchtriebener Nachahmer etwas Tolles kopiert. Mächtige Antworten wie Aus und vorbei verblassen im Vergleich dazu, wie Vitriolwelle oder Ende der Feindseligkeiten das Schlachtfeld umkrempeln.

Es gibt jedoch noch eine dritte Klasse von Karten irgendwo in der Mitte zwischen der Schlichtheit von Runenklauenbär und der Vielseitigkeit von Ende der Feindseligkeiten: Karten, die nicht von sich aus skalieren, aber Fähigkeiten mitbringen, die in Multiplayer-Partien von größerer Tragweite sind.

Das ist insgesamt zwar eine eher vage Idee, da diese Gruppe sehr ungenau definiert ist, aber ich halte Ghave, Guru der Sporen für ein gutes Beispiel dafür.

Ghave ist eine tolle Karte, entweder als schicker Baustein eines Abzan-Decks oder als Kommandeur selbst. Seine Fähigkeiten sind linear: Wenn du Mana hast, kannst du Saprolinge oder +1/+1-Marken machen. Wie diese Fähigkeiten nun mit anderen Spielern interagieren können, ist ... interessant. Der Wert eines einzelnen Saprolings steigt mit der Anzahl der Spieler, da Kreaturenspielsteine sich prima zum Chump-Blocken eignen oder dazu, Effekte wie Gebot des Erebos zu füttern. Es ist ohne jeden Zweifel nützlich, im Multiplayer nach Belieben Karten opfern zu können, wo das Stehlen oder Kopieren von Kreaturen leicht dazu führen kann, dass sich eure besten Karten im Nu gegen euch wenden. Selbst die harmlose Fähigkeit, eine Kreatur auszuwählen und sie mit einer +1/+1-Marke zu stärken, kann am Ende den Unterschied ausmachen, wenn Karten wie Die Mächtigen stürzen oder der in Schicksalsschmiede auftauchende Yasova Drachenklaue im Spiel sind.

Jede dieser Möglichkeiten setzt zwar bestmögliche Umstände voraus, zusammengenommen sind sie jedoch immer ein guter Grund, den schwerer ins Spiel zu bringenden Ghave, Guru der Sporen anstatt einer einfachen 5/5-Kreatur in Erwägung zu ziehen. Es ist kein Zufall, dass ich hier so auf Ghave herumreite, denn sein Schabernack mit den +1/+1-Marken hat soeben einen würdigen Nachfolger bei den Abzan erhalten. Darf ich vorstellen? Daghatar der Unerbittliche.

Das ist keine einfache 4/4-Vanilla-Kreatur.

Marken markieren

Daghatar der Unerbittliche fühlt sich auf vielerlei Art ähnlich an wie Ghave:

Beide teilen sich dieselben Farben, nämlich Weiß, Schwarz und Grün – die Farben der Abzan. Wo bei Ghave da schon allein der Manakosten wegen keine Missverständnisse aufkommen, ist es bei Daghatar seine aktivierte Fähigkeit, die die volle Geschichte über ihn verrät.

Beide kommen mit einer recht anständigen Anzahl an +1/+1-Marken ins Spiel. Für fünf Mana hat Ghaze fünf Marken, Daghatar hat vier für vier Mana. Keiner von beiden ist allein sonderlich beindruckend; beide sind jedoch ziemlich manaeffizient.

Beide können +1/+1-Marken verteilen. Ghaze kann die Marken auf den Kreaturen unter deiner Kontrolle so manipulieren, dass sie überall landen können – verwende eine, um einen Saproling zu erschaffen und opfere diesen dann.

Auf den ersten Blick ist man versucht, beide als Kommandeur eines Abzan-Decks mit Fokus auf +1/+1-Marken in Betracht zu ziehen. Die Sache ist jedoch ein wenig komplizierter. Sie unterscheiden sich nämlich auch auf ganz grundlegende Art und Weise voneinander:

Ghave ist ein Erzeuger: Jede Kreatur kann an dem Prozess beteiligt sein, +1/+1-Marken zu erschaffen. Daghatar ist ein reiner Manipulator: Man braucht +1/+1-Marken, um loszulegen – glücklicherweise bringt er auch gleich vier davon mit.

Ghave hat einen Nutzeffekt: Die Fähigkeit, für nur 1 Mana beliebig Kreaturen zu opfern, ist beeindruckend, ebenso wie das Erschaffen von Saprolingen bei Bedarf. Daghatar hat keine dieser Fähigkeiten.

Daghatar will seiner Wachsamkeit wegen Angriffe durchbringen. Ghave bleibt in der Regel besser daheim und baut ein paar Saprolinge, die die Drecksarbeit des Angreifens für ihn übernehmen.

Wie steht es um Anafenza die Vorderste? Auch sie ist ein Abzan-Kommandeur! Ich könnte sie nun auf dieselbe Weise mit Ghave vergleichen und käme zu einem ähnlichen Ergebnis: Unter bestimmten Voraussetzungen Marken zu erschaffen und nur einen sehr speziellen Nutzen zu haben, bedeutet, dass auch sie weniger flexibel ist als unser Guru der Sporen. Der Unterschied zwischen Anafenza und Daghatar ist – abgesehen von tausend Jahren der Geschichte von Tarkir –, dass Daghatar mit denselben Mitteln, die wir auch mit Ghave einsetzen würden, besser abschneidet.

Letztlich ist die Wahl eines Kommandeurs abhängig von der Kombination aus den Antworten auf die Fragen „Was kann ich mit diesem Anführer anstellen?“ und „Welche Karte mag ich lieber?“. Ghave gibt mir die größte Anzahl an Möglichkeiten für Ersteres, was häufig meine Entscheidung bezüglich der zweiten Frage beeinflusst. (Zum Glück gibt es eine ganze Menge guter Gründe für beide Optionen, und ich bin sicher, dass viele von euch mir diese anhand einer informativen Deckliste (*zwinker*) erläutern werden.)

Daghatar der Unerbittliche ist vielleicht nicht meine erste Wahl, um ein Commander-Deck anzuführen, aber immer wenn ich vorhabe, Ghave, Guru der Sporen für meine Commander-Box aus seinem tiefen Schlummer aufzuwecken, dann bringe ich definitiv auch Daghatar mit. Ich baue gern Decks um ein Thema, und zwar besonders dann, wenn ich dabei Karten auf neue Arten und Weisen spielen kann.

Daghatar der Unerbittliche zeichnet sich im Zusammenspiel mit Karten aus, die sich um +1/+1-Marken drehen. Ghave beherrscht das Tänzchen aus Marke-Kreatur-Marke zwar auch sehr gut, doch einen Plan B in der Hinterhand zu haben, um dieses Ziel zu erreichen, ist ein netter Ansatz für ein Commander-Deck. Ähnlich wie Ghave macht Daghatar das Kämpfen zu einem Albtraum für den Gegner, wenn Karten wie Hauptmann der Stoßzahnwache, Kronenceratops, Brombeerholz-Vorbild, Oonas Lumpenpack, Nachtklinge von Mer-Ek, Weitschuss-Trupp, Abzan-Kampfpriester oder Abzan-Falkner am Start sind. (Bonus: Daghatar ist ein Krieger, was dann wichtig wird, falls schon das Brombeerholz-Vorbild im Spiel ist!)

Daghatar der Unerbittliche macht sich gut als Kombo mit Karten, die +1/+1-Marken multiplizieren. Karten wie Bedrohlicher Leichenflößer, Gehärtete Schuppen, Zeit der Verdopplung und Urkraft des Lebens sind mächtige Optionen, um die Stärke von Ghave, Guru der Sporen zu steigern. Daghatar bietet dir noch eine andere Möglichkeit, aus einer Marke mehr zu machen, als sie am Anfang war.

Daghatar erhöht den Nutzen von Karten, die +1/+1-Marken umwandeln. Während Ghave selbst sowohl als Erzeuger als auch als Umwandler funktioniert, gibt es andere Karten, die +1/+1-Marken verwandeln können: Vish Kal, Blutgebieter, Schirmhydra, Zwielichttreiber, Stachelnährer, Stachelbrüter, Triskelion und Galgenast-Ältester finden es toll, zusätzliche +1/+1-Marken zu erhalten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas wie das hier in naher Zukunft das Licht der Welt erblickt:

Stybs ist Adamant

Download Arena Decklist
COMMANDER: Ghave, Guru der Sporen
ANDERE (4)
1 Stachelbrüter 1 Erstaunliche Erholung 1 Krosas Waldbrand 1 Selesnya-Gildeneingang
99 Karten

Es gibt in diesem Deck einige obskure Tricks, die Daghatar den Unerbittlichen glänzen lassen – der Einsatz von Schützender Baumältester zum Beispiel: Eine 5/5-Kreatur für nur 1G tritt die Effizienz von Tarmogoyf mit Füßen, doch mit Daghatar kannst du dir außerdem sämtliche +1/+1-Marken, die du abgegeben hast, zurückholen. Daghatar ist darüber hinaus der beste Freund der Mechanik „Unverwüstlich“: Heulgeist kann entweder größer und somit schwieriger zu blocken werden – oder gar unendlich, indem Daghatar (oder auch Ghave) die +1/+1-Marken wieder entfernt, nachdem der Heulgeist vom Friedhof zurückgekehrt ist.

Kleine Synergien wie diese tragen viel dazu bei, nahezu völlig vergessene Karten wieder aufleben zu lassen.

Im Gleichschritt!

Einer der Vorzüge, mehr als eine legendäre Kreatur in ein Commander-Deck zu packen, die es grundsätzlich auch anführen könnte, besteht in dem sich aus dieser Auswahl von selbst ergebendem Potenzial zur Skalierung. Ghave, Guru der Sporen ist zwar in den meisten Situationen der stärkere Kommandeur, aber gegen einen neuen Spieler, der gerade erst die Grundlagen lernt, oder ein neues Deck, das gerade erst getestet wird, lohnt es sich, Daghatar dem Unerbittlichen die Führung zu überlassen.

Daghatar der Unerbittliche | Bild von Zack Stella

Wie immer im Commander kann ein kleines bisschen Vielfalt großen Nutzen bringen.

Die Frage der Woche richtet sich an die Deckbauer da draußen: Welches ist euer Lieblingsdeck, in dem es mehrere Kommandeure gibt?

  • Feedback per Mail
  • Nicht mehr als 300 Worte, um das Deck und die Kommandeure zu erklären (bitte auf Englisch)
  • Deck- oder Kartenliste wird erbeten (zählt nicht zu den 300 Worten)
  • Decklisten sollten nur eine Karte pro Zeile enthalten und nur eine Zahl, also zum Beispiel „ 3 Gebirge“ – nur ein Leerzeichen, kein „x“ oder „-“ zwischen der Anzahl und dem Kartennamen – , ohne Zwischensummen nach dem Kartentyp. Decklisten, die diese Regeln nicht einhalten, werden ignoriert.
  • Name und E-Mailadresse erforderlich (in der Kolumne werden keine persönlichen Daten veröffentlicht)

Wie auch für Magic: The Gathering: Commander (Edition 2014) habe ich Decks gebaut, in denen zwei (oder mehr) beliebige legendäre Kreaturen den Kommandeur geben könnten. Mich interessiert, welches „Wähle deinen eigenen Kommandeur“-Abenteuerspiel ihr euch ausgedacht habt.

Schaut auch nächste Woche wieder vorbei, wenn die Vergangenheit noch immer unsere Zukunft ist. Wir sehen uns!

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