Solltet ihr umwandeln?

Veröffentlicht in Beyond the Basics on 4. Mai 2017

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Seit Umwandlung vor beinahe zwanzig Jahren sein Debüt gab, geht eine Frage durch die Köpfe aller Spieler, die eine Karte mit dieser Mechanik auf der Hand haben – eine ewige, quälende Frage, die die gesamte Partie entscheiden kann.

Und wenn ihr bereits ein bisschen Amonkhet gespielt habt, habt auch ihr vielleicht bereits mit dieser schwierigen Entscheidung zu kämpfen gehabt. Beim Testen eures neuen Decks fürs Standard oder in Runde Drei in einer Partie Limited werdet ihr mit Sicherheit über diese Frage sinniert haben. Diese eine, einfache Frage.

Sollte ich diese Karte umwandeln?

Die Frage kehrt in das kollektive Bewusstsein der Spieler ebenso häufig zurück wie die Mechanik selbst. Und damit will ich sagen: Sie ist wieder da!

Abgesehen von Spielereien mit dem Friedhof oder Auslösern zum Umwandeln wie auf dem Sceada-Brutplatz geht es beim Umwandeln hauptsächlich um eine Sache: Möchte ich diese Karte lieber auf der Hand behalten oder eine andere, zufällige Karte aus meiner Bibliothek ziehen? Das ist die Grundlage für die Entscheidung, die es hier zu treffen gilt.

Und wie jede Entscheidung in Magic kann sie weitreichende Konsequenzen haben.

Ich habe es oft – sowohl bei mir selbst als auch bei anderen – erlebt, wie Umwandeln eine Partie entschieden hat. Große Kreaturen früh umzuwandeln, die man im Lategame wirklich gebraucht hätte, oder die Verweigerung, eine mächtige Kreatur umzuwandeln und dann keine Länder mehr nachzuziehen, um somit immer eine Runde hinterherzuhängen, sind beides vollkommen realistische Szenarien. Es kann eine schwierige Entscheidung sein . . . ganz zu schweigen davon, dass sie euch wirklich verfolgen kann, da die fragliche Karte euch die ganze restliche Zeit vom Friedhof oder von der Hand aus entgegenstarrt.

Anders als bei vielen anderen Fähigkeiten in Magic, die man einfach aktivieren kann, wenn man Mana übrig hat, ist es bei Umwandlung etwas verzwickter. Es ist nicht immer richtig, eine Karte umzuwandeln, nur weil man das Mana hat und man es kann, selbst wenn es am Ende des gegnerischen Zuges, wenn man ohnehin gleich enttappt, „umsonst“ ist.

Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass es vier wichtige Fragen gibt, die ihr euch stellen solltet, wenn ihr euch für oder gegen eine Umwandlung entscheiden müsst. Und das sind sie:

1. Brauche ich diese Karte jetzt?

Die einfachste und am leichtesten einzuschätzende Frage beim Umwandeln: Brauche ich diese Karte jetzt gerade?

Ihr spielt ein blau-schwarzes Kontrolldeck im Standard, die Partie ist schon ziemlich weit fortgeschritten und ihr habt neun Länder zur Verfügung. Ihr zieht die Verwesten Tümpel.

In diesem Fall kann man getrost sagen, dass es besser ist, diese Tümpel umzuwandeln. (Und das am besten gleich – ihr wollt die neue Karte sofort sehen, anstatt bis zum Ende des Zuges eures Gegners zu warten.) Ein weiteres Land könnte euch zwar sicher an irgendeinem Punkt helfen – beispielsweise dabei, euren Sog der Zeit mit einem weiteren Mana zu wirken oder eine ganze Reihe von Zaubern in einer Runde zu spielen –, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass eine neue Karte aus eurer Bibliothek besser sein dürfte.

Es gilt zwar, mehr zu bedenken als nur den unmittelbaren Moment, doch es ist ein guter Anfang. In Situationen wie dieser, in der ihr den Effekt wirklich nicht braucht, liefert euch das die Antwort. Öfter jedoch werdet ihr sie gegen meine zweite Frage abwägen müssen, die wesentlich schwieriger zu beantworten ist.

Und diese Frage lautet . . .

2. Werde ich diese Karte später brauchen?

Und hier wird es verzwickt.

Umwandlung voll auszunutzen, bedeutet, in der Partie weiter vorauszublicken – manchmal viele Runden – und herauszufinden, ob man diese Karte brauchen wird oder nicht. Es sind all die vielen Momente, in denen ihr im Limited den Geflügelten Hirten auf der Hand habt und euch fragen müsst, ob ihr die Karte umwandelt oder nicht. Was werdet ihr in fünf Runden von jetzt an brauchen?

Schauen wir uns ein Beispiel aus dem Standard an.

Ihr spielt ein schwarz-grünes Deck, das sich um Neutralisierensynergien dreht, gegen eine Variante eines Temur-Dynavolt-Turm-Decks. Es sind keine bleibenden Karten außer Ländern im Spiel, und von denen habt ihr beide reichlich. Euer Gegner hat keine Karten auf der Hand, verfügt aber über acht Energiemarken. Auf eurer Hand befindet sich eine Karte: Errettung der Abtrünnigen.

Solltet ihr diese Karte umwandeln?

Nun, auf dem Board tut sie gerade wenig. Wandelt ihr sie um, so könntet ihr leicht einen Wuchernden Mechakoloss ziehen und dem Gegner damit ins Gesicht schlagen.

Andererseits: Wenn ihr sie umwandelt, könnte der Gegner einen Dynavolt-Turm ziehen und anfangen, all eure Spielzüge aufzufressen – oder er findet einen Strömenden Mechakoloss und fängt an, eure Lebenspunkte anzunagen.

Was soll ein Magic-Spieler da tun?

Nun, das Erste, was ich mir anschauen würde, sind die Einzelheiten der Partie: Wie viele Lebenspunkte hat euer Gegner, wie viele habt ihr und was wurde in dieser Partie schon alles gespielt?

Hat euer Gegner nur noch wenige Lebenspunkte, heißt das, dass wahrscheinlich nur noch wenige Züge in der Partie übrig sind und ihr ihm lieber an die Kehle gehen solltet. Steht er beispielsweise bei 4, stellt jede Kreatur, die ihr zieht, einen Countdown von einem oder zwei Zügen dar. Steht er bei 20, wird die Kreatur, die ihr zieht – sofern sie nicht sehr groß ist –, die ganze Sache ohnehin nicht allein zu Ende bringen können. (Und euer Gegner hat immer noch die Gelegenheit, mehr von seinen brutalen Artefakten zu finden.)

Und dann gilt es noch, sich anzusehen, was schon gespielt wurde. Liegen auf dem Friedhof eures Gegners bereits drei Türme und zwei Mechakolosse, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oben auf seiner Bibliothek gleich noch einen findet, deutlich geringer, als würden alle von ihnen sich noch immer in der Bibliothek verstecken.

In diesem Fall würde ich generell zum Umwandeln tendieren. Ihr wollt wirklich dringend eine Bedrohung finden, um euch selbst als der aggressivere Spieler zu positionieren. Das könnte jedoch von vielem abhängen. Hat euer Gegner beispielsweise bereits einige Türme auf dem Friedhof und ihr habt noch mehr Errettungen im Deck, könntet ihr in einer langen Partie eine nach der anderen per Artefaktzerstörung abtauschen wollen.

Stellen wir uns ein leicht anderes Szenario vor. Dieses Mal hat euer Gegner keine Energie . . . aber bereits einen Dynavolt-Turm im Spiel.

Der Turm ist inaktiv. Es dauert also ein paar Zauber, bis irgendwas passiert, doch wenn es so weit ist, dürfte er euch in Schwierigkeiten bringen.

Was tut ihr hier?

In diesem Fall würde ich den Turm wohl zerstören. Drei, vier oder fünf Züge später ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Turm für Schwierigkeiten sorgen wird, solange der Gegner auch nur halbwegs anständig zieht, derart hoch, dass es sehr viel mehr Sinn macht, den Turm zu entfernen, als eine Karte tiefer in der Bibliothek nach einer Antwort auf ihn zu suchen.

Und das bringt uns gleich zu Frage Nummer Drei.

3. Was hoffe ich, aus meinem Deck zu ziehen?

Es gibt eine Geschichte, die so oft weitererzählt wurde, dass sie während des Fragmente von Alara-Blocks – das letzte Mal, als es Umwandlung gab – in kompetitiven Magic-Kreisen zu einer Art Protomeme wurde.

Sie trug sich beim Sealed-Deck-Grand-Prix im neuseeländischen Auckland zu, bei einer Partie, die mitten im Midgame war. Der Spieler, um den es geht, hatte eine Karte auf der Hand: die gewaltige Umwandlungskreatur Dschungelweber.

Er hatte sechs Länder, und der Zug des Gegners ging gerade zu Ende. Das Board war ziemlich blockiert, aber eine große Kreatur hätte durchaus gereicht, um die Blockade aufzubrechen. Und der fragliche Spieler . . . wandelte seinen Dschungelweber um.

Das Zitat, das hängen geblieben ist (und das ursprünglich von wem anders kam), war: „Du könntest hier alles ziehen . . . sogar noch einen Dschungelweber!

Was ist das Problem mit diesem Spielzug?

Es gibt kaum etwas, worauf der Spieler hätte hoffen können, das besser gewesen wäre als der Dschungelweber, den er schon hatte!

Sicher, er hätte ein weiteres Land gebraucht, um ihn auszuspielen, aber den Weber wegzulegen, um eines zu finden, ist ziemlich sinnlos. Er wäre besser dran gewesen, in seiner Runde zu ziehen. Entweder hätte er ein Land gezogen, um den Weber zu spielen, oder kein Land, was bedeutet hätte, dass er dann wahrscheinlich irgendetwas anderes hätte machen können.

Es gibt nun allerdings Fälle, in denen das jedoch – abhängig vom Deck – sehr wohl der richtige Zug gewesen wäre. Wären darin beispielsweise wirklich jede Menge seltene Bomben gewesen, wäre es vielleicht gerechtfertigt gewesen, den Versuch zu unternehmen, diese möglichst schnell zu ziehen. Meistens jedoch ist das nicht die richtige Vorgehensweise.

Und das führt uns zurück zu der Frage: Was hofft ihr zu ziehen?

Ehe ich mich entscheide, umzuwandeln oder nicht, gehe ich gern mental mein Deck durch und denke mir: „Was hätte ich gerade lieber auf der Hand als diese Karte?“

Besteht die Antwort aus sehr wenigen oder gar keiner anderen Karte, behalte ich lieber das, was ich schon habe. Ein Doppelland aus Amonkhet umzuwandeln und dann kein Land nachzuziehen, ist oft eher unklug. Habt ihr fünf Länder und einen Geflügelten Hirten, würde ich diesen nicht umwandeln und Gefahr laufen, in der nächsten Runde keinen bedeutenden Zug machen zu können.

Andererseits lautet die Antwort auch ganz oft: „Ja, es gibt eine Menge Karten, die ich lieber hätte als das.“ Normalerweise ist das dann ein guter Grund, die Karte umzuwandeln. Habt ihr beispielsweise kein drittes Land, aber Verstoßen auf der Hand, ist das ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, es wegzutauschen. Habt ihr aber umgekehrt genug Länder, würde ich es behalten.

Und damit kommen wir zur letzten Frage!

4. Habe ich Zeit und Mana, das später umzuwandeln?

Umwandlung ist nicht kostenlos. (Es sei denn natürlich, ihr habt Neue Perspektiven aktiv – in diesem Fall gilt: Tobt euch aus!) Ihr müsst die Kosten für die Umwandlung bezahlen. Im Ergebnis dessen gewinnt eine Frage an Bedeutung: „Wann habe ich Mana dafür übrig?“

Erinnert ihr euch noch an das Szenario von gerade eben, in dem es darum ging, ob ihr den Geflügelten Hirten in Runde Eins umwandeln solltet oder nicht? Schauen wir uns das hier an.

Zusätzlich zu allen anderen Faktoren solltet ihr das Mana, das die Umwandlung kostet, in eure Überlegungen einbeziehen und auch den Punkt, wann eure nächste Gelegenheit sein wird, euch für eine Umwandlung zu entscheiden.

In dieser Situation würde ich die anderen drei Fragen vorher durchgehen. Glaube ich, dass ich den Hirten in dieser Paarung brauchen kann, oder ist ein 3/3-Flieger hier aus irgendeinem Grund schwächer als sonst? Wie viele bessere Karten befinden sich in meinem Deck? Möchte ich hier lieber ein Land ziehen?

Dann denke ich über die Zeit nach, die es dauert, ihn umzuwandeln.

Im Falle des Hirten ist das kaum ein Hindernis: Ich brauche nur ein einziges weißes Mana. Das bedeutet, dass wenn ich ihn nicht jetzt umwandle, ich in jedem anderen Zug, in dem ich ein Mana übrig habe, diese Entscheidung erneut treffen kann. Es hängt von eurer Hand ab und davon, wie sehr ihr darauf besteht, auf der Kurve zu spielen (oder ob ihr ganz dringend Länder braucht), aber es ist kein größeres Problem, die Umwandlung zu einem anderen Zeitpunkt vorzunehmen.

Der Nachteil ist natürlich, dass ihr eine Karte weniger aus eurem Deck gezogen habt, als ihr es könntet. Selbst wenn ihr bereits anständig auf der Kurve spielen würdet, gibt es vielleicht eine bessere Kreatur, die ihr stattdessen ziehen könntet. Doch das ist der Preis dafür, euren 3/3-Flieger auf der Hand zu behalten – und das könnte in einer langen Partie schon ziemlich viel ausmachen.

In Situationen jedoch, in denen die Kosten zum Umwandeln wesentlich höher sind – drei Mana etwa –, ist es sehr viel unwahrscheinlicher, dass ihr dieses Mana offen haben werdet. Habt ihr am Ende des Zugs eures Gegners die Gelegenheit, Gleißende Sonnen umzuwandeln und seid euch nicht sicher, ob ihr sie braucht oder nicht, ist das ein guter Grund, zum Umwandeln zu tendieren.

Immer im Kreis

Es gibt noch andere Gründe, Umwandlung zu berücksichtigen. Wie ich eingangs erwähnte: Habt ihr durch Umwandlung ausgelöste Effekte wie beim Sceada-Brutplatz, macht es natürlich sehr viel Sinn, bei jeder Gelegenheit umzuwandeln. Zählt ihr auf irgendeine Weise euren Friedhof oder habt ihr einen Wiederbelebungszauber, wollt ihr natürlich auch umwandeln, um mehr Karten auf den Friedhof zu bringen.

Andererseits könntet ihr auch eure Umwandlungskarten aufheben wollen, um einen Flammenklingen-Adepten aufzuladen oder euren Friedhof für euer Delirium-Deck wieder aufzufüllen, nachdem der Gegner angefangen hat, Karten daraus ins Exil zu schicken. Es gibt immer einzigartige Situationen.

In den meisten Fällen jedoch werden diese vier Fragen euch helfen, die richtige Antwort zu finden. Also gehet hin und wandelt um!

Habt ihr Fragen oder seid ihr verwundert über etwas, was heute hier geschrieben wurde? Dann würde ich gern von euch hören und mit euch darüber sprechen! Ihr erreicht mich immer, indem ihr mir einen Tweet schickt, mir eine Frage auf meinem Tumblr stellt oder mir eine E-Mail (bitte auf Englisch) an BeyondBasicsMagic@gmail.com schickt.

Habt Spaß beim Umwandeln und mit dem neuen Standard-Format, und wir hören uns dann nächste Woche!

Gavin
@GavinVerhey
GavInsight

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