Walkership Down – Drunten am Walker

Veröffentlicht in Beyond the Basics on 26. Januar 2017

Von Gavin Verhey

When Gavin Verhey was eleven, he dreamt of a job making Magic cards—and now as a Magic designer, he's living his dream! Gavin has been writing about Magic since 2005.

Planeswalker sind die Eckpfeiler im Magic unserer modernen Zeit – sie stellten eine der größten Änderungen seit der Entstehung des Spiels dar und sind ein Kartentyp, der inzwischen schon fast zehn Jahre alt ist und der uns allen auch in Zukunft erhalten bleiben wird.

Planeswalker können gewaltigen Einfluss aufs Spiel haben. Sobald einer ins Spiel kommt, erfordert er Aufmerksamkeit und Konzentration. Ihr richtiger Einsatz kann den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.

Doch genauso wichtig wie das richtige Spielen mit ihnen ist das richtige Spielen gegen sie.

Ganz egal, ob ihr selbst mit ihnen spielt oder nicht: Ihr werdet sehr oft auf Planeswalker treffen – und da sie der einzige Kartentyp in Magic sind, den ihr direkt angreifen könnt, kann die Frage, wann ihr sie aufs Korn nehmen solltet und wann ihr sie besser ignoriert und direkt den Gegner beharkt, alles entscheidend sein.

Also wie ist die Strategie? Wann solltet ihr was machen?

Das wollen wir uns heute ansehen.

Das Gewicht eines Wanderers

Planeswalker (oder auch Weltenwanderer) sind größer werdende Vorteilsmaschinen.

Ja, ich weiß, das klingt nicht so episch wie „Wesenheiten, die über Welten reisen und unglaubliche magische Kräfte freisetzen“, aber darauf läuft es letztlich hinaus. Ein Planeswalker auf dem Tisch wird jede Runde irgendeine Art von Vorteil erzeugen. Und selbst wenn dieser Vorteil klein ist, wird er euch irgendwann überwältigen.

Nehmen wir beispielsweise den aktuellen Tezzeret aus Äther-Rebellion.

Sicher, in jeder Runde eine Ätherium-Zelle zu erschaffen, klingt erst mal nicht so bedrohlich. Ein Artefakt, das man opfert, um ein Mana zu erzeugen, ist ungefähr so inkrementell, wie es nur geht.

Im Laufe der Zeit jedoch, wenn ihr euch nicht um Tezzeret kümmert und ihr diese Zellen einfach ignoriert und ihre Zahl anwachsen lasst, werdet ihr durch sie verlieren – entweder in der Form, dass alle eure Kreaturen entfernt werden, oder ganz buchstäblich in Form von jeder Menge lebender 5/5-Ätheriumzellen, die kurz vorbeischauen, um Hallo zu sagen.

Selbst kleine Vorteile können tödlich werden.

Die „ultimative“ Fähigkeit der meisten Planeswalker macht das Ganze noch verzwickter. Zusätzlich dazu, dass sie größer werdende Vorteilsmaschinen sind, resultieren all diese Vorteile schließlich irgendwann in einem gewaltigen Ausbruch von Macht. Unbehelligt können diese Planeswalker zu einem Sonderangebot nach dem Motto „Kaufe zwei und bekomme einen toten Gegner gratis dazu“ werden.

Daher lautet, wenn man all das berücksichtigt, die Grundannahme beim Spiel gegen Planeswalker auch: Wird die Partie noch eine Weile dauern, solltet ihr den Planeswalker angreifen. Wenn ihr versucht, die Partie möglichst schnell zu beenden, und ihr nicht glaubt, dass der Planeswalker eures Gegners das verhindert (durch Spielsteine etwa), solltet ihr euch auf den Gegner konzentrieren.

Natürlich gibt es auch hierzu ein paar nuanciertere Aspekte. Doch erst mal ist das eine gute Grundregel, um eure Entscheidung zu treffen.

Blick in die Zukunft

In Magic ist es immer wichtig, ein Stück vorauszudenken – und zwar besonders dann, wenn ein Planeswalker im Spiel ist.

Hat der Gegner einen Planeswalker, solltet ihr versuchen, ein paar Züge im Voraus zu planen, um festzustellen, welche Arten von Effekten er erzeugen wird und was ihr dem entgegenzusetzen habt.

Sagen wir, euer Gegner hat eine Chandra, Fackel des Widerstands mit einer Loyalität von sechs.

Eine weitere Aktivierung der +1-Fähigkeit könnte sofort zur Bedrohung werden. Vielleicht macht ihr euch keine Sorgen um die Karte oder ihren Schaden.

Doch mit Sicherheit seid ihr wegen des Emblems sehr beunruhigt – und in dieser Runde müsst ihr darüber nachdenken, wie ihr sein Auftauchen verhindern könnt.

Denken wir mal zum nächsten Zug voraus: Der Gegner wird sehr wahrscheinlich die +1-Fähigkeit aktivieren, es sei denn, er hat einen guten Grund, das nicht zu tun. Das heißt, dass er im Zug danach die ultimative Fähigkeit einsetzen kann. Und falls ihr in dieser Runde eure Kreatur nicht spielt, so bedeutet das, dass ihr nächste Runde, wenn ihr Chandra zwingend am meisten Schaden zufügen wollt, nicht angreifen könnt.

Selbst wenn ihr eine Kreatur im Spiel habt, mit der ihr angreifen könnt, würde ich sie diese Runde auf Chandra hetzen – vorausgesetzt natürlich, sie kommt durch. Ihr wollt lieber eine sichere Möglichkeit haben, ihre Loyalität gleich zu senken, anstatt zu riskieren, dass der Gegner eine ganze Hand voller Entfernungszauber oder Board-Sweeper hat, die er in der nächsten Runde einsetzen kann, um das Auslösen der ultimativen Fähigkeit vorzubereiten.

Selbst wenn ihr nur ein paar Loyalitätsmarken abzieht, müsst ihr damit anfangen, sie irgendwie loszuwerden – und ein Angriff, um Chandra von ihrer ultimativen Fähigkeit abzuhalten, ist hierbei entscheidend.

Es sei denn natürlich, ihr könnt dafür sorgen, dass sie keine Rolle spielt.

Stellt euch vor, euer Gegner ist bei 4 Lebenspunkten, hat diese Chandra mit einer Loyalität von 6 und keiner von euch hat Karten auf der Hand. Ihr zieht und spielt Dreiste Plagegeister.

Wie sieht der Angriff hier aus?

Greift ihr Chandra an, bringt ihr sie auf 3. Greift ihr euren Gegner an, so sinkt er auf nur einen Lebenspunkt ab.

Denken wir etwas voraus.

Greift ihr Chandra an, bringt sie das auf 3 und der Gegner wird sie wahrscheinlich in der nächsten Runde lieber mit dem Gremlin abtauschen, indem er ihre -3-Fähigkeit nutzt. Oder er nutzt die +1-Fähigkeit, um eine Karte zu bekommen und euch zu zwingen, zwei weitere Runden mit dem Angriff auf Chandra zu verbringen. Das ist ein guter Ausgang, denn das bedeutet, dass ihr die Sorge um Chandras ultimative Fähigkeit loswerden könnt, während ihr weiter Druck aufbaut.

Greift ihr euren Gegner an, werden die Dinge interessant. Euer Gegner kann in der nächsten Runde die -3-Fähigkeit einsetzen und dafür genau die 3 Loyalitätsmarken nehmen, die ihr angegriffen hättet, um eure Plagegeister zu erledigen. Ihr seid diese 3 Loyalitätsmarken zwar losgeworden, habt aber auch eure Kreatur nicht mehr und müsst nun mit Chandra fertigwerden. Im Allgemeinen sieht der andere Weg wesentlich besser aus. Es sei denn ...

Nun, in dieser Situation seid ihr ein rotes Deck. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ihr eine ganze Menge Direktschadenszauber und Kreaturen mit Eile habt. (Eine haben wir ja schon gesehen!) Falls ihr glaubt, dass es euch die besten Chancen verschafft, wenn ihr euren Gegner auf einen Lebenspunkt bringt und darauf baut, im nächsten Ziehsegment eine eurer zahlreichen Bedrohungen zu ziehen, dann ist es wahrscheinlich richtig, das Risiko einzugehen. Das hängt natürlich auch von euren eigenen Lebenspunkten und dem Aufbau eures Decks ab.

Es ist jedoch in jedem Fall entscheidend, vorauszudenken. Wohin ihr diese Dreiste Plagegeister hier schickt, könnte leicht die Partie entscheiden – und ihr wollt sichergehen, dass es dabei in die richtige Richtung geht.

Eine denkwürdige Weltenwanderung

Ich habe euch bislang ein paar Orientierungshilfen, Rationalisierungsansätze und Grundprämissen für das Spiel gegen Planeswalker mitgegeben. Doch jetzt hätte ich da auch noch eine markante, leicht zu merkende Regel:

Greift im Zweifelsfall immer den Planeswalker an.

Ich habe wesentlich mehr Niederlagen gesehen, weil jemand den Planeswalker nicht angegriffen hat, im Vergleich zu solchen, bei denen das passiert ist. Es ist einfach, sehr zuversichtlich zu sein und zu glauben, dass ein Planeswalker schon keine Rolle spielen wird und es besser ist, den Gegner auf 5 Lebenspunkte herunterzuprügeln, als sich um die gewaltige Menge an Loyalitätsmarken auf beispielsweise Ajani zu kümmern ... und dann, einen Board-Sweeper später, scheint es mit einem Mal völlig unmöglich, diesen Ajani wieder loszuwerden. Es wäre ein sehr viel bequemere Spielsituation gewesen, wäre der Gegner auf 11 und Ajani nicht mehr im Spiel.

Und überdies gilt: Habt vor allem einen Plan. Versteht euren Plan – und auch seine Folgen. Es kann richtig sein, einfach zu akzeptieren, dass man verlieren wird, wenn der Gegner einen Board-Sweeper zieht, und ihn daher direkt anzugreifen. Ihr solltet euch jedoch vorher darüber im Klaren sein, was ihr erreichen wollt.

Was ja eigentlich in jeder Situation ein guter Rat ist.

Hoffentlich fandet ihr diesen Blick auf das Angreifen von Planeswalkern nützlich und erhellend! Solltet ihr Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel haben, dann würde ich gern von euch hören! Ihr erreicht mich immer, indem ihr mir einen Tweet schickt oder mir eine Frage auf meinem Tumblr stellt oder mir einfach eine E-Mail (bitte auf Englisch) an BeyondBasicsMagic@gmail.com schreibt. Ich freue mich, von euch zu hören und mir anzuschauen, was ihr so denkt!

Wir sehen uns nächste Woche. Mögen bis dahin alle Planeswalker eurer Gegner untergehen!

Gavin
@Gavinverhey
GavInsight

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