Sucher des Weges

Veröffentlicht in Deck Check on 12. Februar 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Letzte Woche haben wir uns im Deck Check das rot-weiße Aggrodeck von Danny Goldstein angesehen, und auch heute soll es mit roten und weißen Karten weitergehen. Wir nehmen aber noch Blau hinzu, um mit In den Zeiten wühlen eine der meiner Meinung nach besten Karten aus Khane von Tarkir unterbringen zu können. Die heutige Deckliste, die ihr weiter unten findet, stammt von Marc Tobiasch. Marc war mit seinem Jeskai Deck schon vor dem Erscheinen von Schmiede des Schicksals erfolgreich, und hat jetzt noch einen drauf gesetzt: am 1. Februar setzte er sich gegen 150 Teilnehmer beim PTQ Düsseldorf durch.

Marcs Version des Jeskai Decks verzichtet auf Karten wie Vormacht der Jeskai und Hordling-Ansturm. Stattdessen zwingt man dem Gegner ein Tempospiel auf, das von Jeskai-Amulett, Gegenzaubern und Schadenssprüchen aufrecht erhalten wird. Diese Strategie funktioniert, weil man mit Mantis-Reiter und Goblin-Pöbeltreiber zwei der mächtigsten 3-Drops des Standardformats spielen kann. Beide Kreaturen haben einen direkten Einfluss auf das Spielgeschehen, und bestrafen den Gegner dafür, keine sofortige Antwort parat zu haben.

Das Beschützen der Schlüsselkarten ist mit Tapfere Haltung noch etwas einfacher geworden, und wenn nötig kann man damit ein störendes Belagerungsnashorn aus dem Weg räumen. Offenbar reichen Marc ein paar effiziente Spontanzauber, um ein Deck mit zwölf Kreaturen spielen zu können - diese Deckkomposition erinnert geradezu an Tempodecks im Legacy! Im Standard gibt es zwar keinen Gedankenwirbel, aber dafür haben wir ja In den Zeiten wühlen. Erst einmal scheint es so, als wäre man schon beschäftigt genug damit, Kreaturen auszuspielen und auf dem Board nicht zurück zu fallen. Aber gerade, weil wir einen so interaktiven Spielplan verfolgen, kostet In den Zeiten wühlen uns oft nur zwei Mana. Je nach Situation suchen wir uns mehr Bedrohungen, Absicherung in Form von Verächtlicher Hieb und Tapfere Haltung, oder Finisher wie Jeskai-Amulett und Das Feuer anfachen. Die Tatsache, dass man sieben Schadenssprüche für vier Schaden im Deck hat, macht In den Zeiten wühlen zu einem Albtraum für gegnerische Kontrolldecks.

Besonders interessant finde ich die Anzahl an Karten aus Schmiede des Schicksals in Marcs Deck. Zwei Wilder Hieb, zwei Seelenfeuer-Großmeisterin, zwei Tapfere Haltung - fällt Euch etwas auf? Während viele Spieler zu Beginn eines Formats eine Karte direkt im Playset ausprobieren, wirkt es auf mich so, dass Marc genau weiß, was er wann und wie oft braucht. Dabei spielt es einerseits eine Rolle, dass In den Zeiten wühlen beim Finden spezieller Karten hilft, andererseits geht es um Manakurve und Redundanz: Wilder Hieb konkurriert mit Blitzeinschlag, ist aber etwas günstiger. Seelenfeuer-Großmeisterin konkurriert mit Sucher des Weges, die fehlenden Bravour kompensiert sie mit einer wertvollen Fähigkeit fürs späte Spiel. Mit Tapfere Haltung am ehesten vergleichbar ist Verächtlicher Hieb, auch wenn sich beide Karten natürlich unterschiedlich spielen.

Im Sideboard sieht man die inzwischen bekannten Kontrollelemente Groll der Götter und Ende der Feindseligkeiten. Gut gefällt mir, dass auch Keranos, Gott der Stürme mitspielen darf, um den Gegner in Kartenvorteil zu ertränken. Möchte man einen proaktiveren Plan verfolgen, hat man mit Brimaz, König von Oreskos und Samtschwingen-Dommelgreif weitere Kreaturen im Sideboard. Dann bietet sich gleichzeitig das Hereinbringen des dritten Tapfere Haltung an. Zu guter Letzt hält man mit Negieren, Auslöschung und Blick des Ketzers weitere effiziente Antworten für gegnerische Schlüsselkarten bereit. Zum Beispiel für Wendepunkt des Schicksals, Rennerin des Kruphix, und Elspeth, Auserwählte der Sonne!

Ich muss sagen, dass ich Jeskai-Strategien mit In den Zeiten wühlen vor Marcs Sieg nicht besonders auf dem Schirm hatte. Auf die Idee, nur zwölf Kreaturen zu spielen, muss man erst einmal kommen! Aber wenn man genauer hinsieht, ergibt sich ein klarer und durchdachter Spielplan. Was haltet ihr von einem Tempodeck, das manchmal keine Kreaturen auf der Starthand hat, oder eine einzige ausreichend lange beschützen muss, um zu gewinnen? Mir ist ja ein wenig mulmig zu Mute, wenn ich an Gallenfäule und An Felsen gekettet denke. Aber darin liegt die Herausforderung: Mit diesem Deck diktiert Ihr das Spieltempo, und wann sich Euer Gegner austappen darf. Und wenn dieser gerade meint, stabilisiert zu haben, wartet Ihr schon mit Euren Schadenssprüchen!

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg zur Pro Tour. Marc Tobiasch hat ihn gesucht und gefunden. Herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg in Brüssel!

Jeskai Tempo von Marc Tobiasch

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