Unter dem radar

Veröffentlicht in Deck Check on 29. Januar 2015

Von Simon Görtzen

Simon Görtzen ist begeisterter Magicspieler, wobei sein größter Erfolg der Sieg bei der Pro Tour San Diego 2010 ist. Neben eigenen Projekten ist er seit 2012 fester Bestandteil der offiziellen Magic-Berichterstattung in Europa.

Nach unserem letztwöchentlichen Ausflug zum Prerelease kümmern wir uns heute beim Deck Check wieder um Constructed-Magic, genauer gesagt um das Standardformat. Mit dem Erscheinen von Schmiede des Schicksals stellt sich für uns die Frage, welche Karten welches Deck verbessern, oder sogar erst ermöglichen. Gewissheit darüber werden wir erst haben, wenn die ersten Turniere in dem neuen Format gespielt wurden, bei denen Innovation erfahrungsgemäß am meisten belohnt wird. Heute bespreche ich ein Deck, dessen Erbauer für seine Innovation schon mehrfach belohnt wurde: Lee Shi Tian aus Hong Kong erreichte mit seinem auf Vormacht der Jeskai (Jeskai Ascendancy) basierenden Kombinationsdeck erst die Top 8 der Pro Tour Khane von Tarkir, und zu Beginn dieses Jahres die Top 8 des Grand Prixs in Manila. Im Modernformat ist Vormacht der Jeskai eine wegen ihres Kombopotentials gefürchtete Karte, während sie im Standard primär zur Unterstützung von Spielstein-Strategien eingesetzt wird. Trotz der Erfolge von Lee Shi Tian bleibt sein Deck also unter dem Radar. Wenn Ihr meint, dass der Midrangetrend im Standardformat auch mit Schmiede des Schicksals anhält, möchte ich Euch dieses Deck ans Herz legen - keine andere mir bekannte Strategie attackiert das Format aus einem so unerwarteten Winkel.

Die Deckliste findet Ihr wie immer am Ende des Artikels, und ich kann gut nachvollziehen, falls Ihr diese leicht verwirrend findet - mir ging es zuerst genauso. Karten wie Astrales Füllhorn oder Altar der Brut sieht man zugegebenermaßen selten in Constructed-Decklisten. Doch es hat alles einen Sinn: das Primärziel des Decks ist es, Vormacht der Jeskai auf das Spielfeld zu befördern. Hat man das geschafft, enttappt jeder Nichtkreatur-Zauberspruch die Manakreaturen, von denen man ebenfalls mindestens eine benötigt. Da man davon elf Stück spielt, sollte das gut machbar sein, und die Fluchsicherheit der Wald-Karyatide hilft ebenfalls immens. Ab dann kostet jede Nichtkreatur effektiv ein Mana weniger, als man Kreaturen hat, vorausgesetzt, man darf diese bereits tappen. Hat man mehr Kreaturen als der Zauberspruch kostet, generiert man sogar zusätzliches Mana. Praktischerweise darf man zusätzlich bei jedem Zauberspruch erst eine Karte ziehen, und dann eine abwerfen. So wird zum Beispiel aus einem Drachenumhang eine Aura, die gratis ist oder sogar Mana generiert, und zusätzlich zwei Karten zieht, solange man eine abwirft.

Art by Dan Scott

Wir haben also eine Vormacht der Jeskai und zum Beispiel eine Wald-Karyatide im Spiel, die wir zu jeder Gelegenheit für Mana tappen. Mit unseren Handkarten ziehen wir uns so lange ohne Manaverluste durch das Deck, bis wir gewisse Schlüsselkarten gefunden haben. Dazu gehört Helix des Rückrufs, sowie ein Artefakt, das wir für 0 Mana ausspielen können. Denn nur dafür sind Astrales Füllhorn und Geldbeutel des Bestechers im Deck! Mit der Helix geben wir unserer Kreatur die Fähigkeit, dieses Artefakt auf unsere Hand zurückzuschicken. Spielen wir es wieder aus, enttappt das die Kreatur und wir können das Prozedere wiederholen. Solange wir noch mindestens eine weitere Handkarte halten, erlaubt uns die Vormacht der Jeskai, das letzte Teil des Puzzles zu finden, egal wo im Deck es sich befindet. Manche von Euch werden es schon ahnen, es ist der Altar der Brut. Wiederholt man mit einem Alter der Brut auf dem Spielfeld den oben beschriebenen Prozess, nimmt man dem Gegner mit jeder Wiederholung die oberste Karte seiner Bibliothek, bis diese leer ist. Raucht Euch schon der Kopf? Es ist ein ziemlich komplexer Plan, den man mit diesem Kombodeck verfolgt, aber wie Ihr seht, liefert die Vormacht der Jeskai nicht nur das erforderliche Mana, sondern gleichzeitig erleichterten Zugriff auf die benötigten Karten!

Das Deck von Lee Shi Tian ist ein Kombodeck nach meinem Geschmack, und ich habe mir fest vorgenommen, es im kommenden Standardformat auszuprobieren. Bleibt nur eine Frage: welchen Einfluss hat Schmiede des Schicksals auf dieses Deck? Ist die Interaktion zwischenDemütige Überläuferin und Vormacht der Jeskai stark genug, um eine Kreatur zu spielen, die kein Mana produziert? Will man seine Kreaturen lieber Refokussieren als verzaubern? Oder darf es noch etwas kreativer sein, zum Beispiel mit Die Linien durchbrechen oder Faszination? Ich bin mir sicher, dass ich bisher nur an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt habe. Aber ich habe im Gefühl, dass ich nicht der einzige Kombospieler im Standard sein werde - vielleicht gehörst Du ja auch dazu?

Vormacht der Jeskai von Lee Shi Tian

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