Spezialausgabe: Dickmanns göttliche Fügung

Veröffentlicht in Feature on 7. Juni 2017

Von Tobi Henke

In den letzten Jahren hatten deutsche Spieler immer mal wieder großartige Resultate in der Königsklasse des Magic erzielt. Betrachtet man allerdings die Top 16 der jüngsten Pro Tour Amonkhet, findet man Deutschland im internationalen Vergleich auf einmal sogar auf Platz 2. Obendrein konnten sich nun, nach erst drei Viertel der Saison, effektiv bereits zwei Spieler Goldstatus im Pro Players Club sichern. Das ist ein Grund zum Feiern und wir feiern mit der doppelten Dosis Deck Check!

Patrick Dickmann war schon mehrfach durch Spitzenplatzierungen aufgefallen. Unter anderem konnte er zweimal die Top 8 einer Pro Tour erreichen (http://magic.wizards.com/de/articles/archive/deck-check/das-andere-farbl...) und durfte zweimal als Ranglistenerster und somit Kapitän die deutsche Mannschaft zum World Magic Cup führen (http://magic.wizards.com/de/articles/archive/deck-check/mit-dem-modern-m...). Kurz gesagt: In jüngerer Vergangenheit war kein deutscher Spieler erfolgreicher.

Erst in dieser Saison schickte sich jemand an, den 27-Jährigen zu entthronen. Nicht zuletzt lag das wohl daran, dass Dickmann nach eigener Aussage für sein Studium hatte "ziemlich viel arbeiten müssen; habe fast gar kein Magic mehr spielen können in letzter Zeit."

"Ich werde schauen, wie die Pro Tour läuft, und dann abwägen, ob Gold noch ein realistisches Ziel ist", meinte Dickmann im Vorfeld des Turniers und unkte, "Eigentlich darf ich den Tobiasch ja nicht einfach Teamkapitän werden lassen."

Zu diesem Zeitpunkt waren er und Marc Tobiasch, vormals Teamkollegen beim erfolgreichsten deutschen World-Magic-Cup-Abschneiden, als Rivalen im Rennen um die begehrten Pro-Punkte noch gleichauf. Dann jedoch brachte Pro Tour Amonkhet Dickmann sein bestes Ergebnis der Saison ein, einen 15. Platz, und tatsächlich genau die nötigen Punkte, um das Gold-Level ein weiteres Jahr zu halten.

"Mit meinem Abschneiden im Turnier bin ich dementsprechend superzufrieden", sagte Dickmann. Nur konnte er damit keinen Vorsprung gegenüber Tobiasch herausarbeiten, im Gegenteil. Denn der schaffte es derweil bis ins Viertelfinale der Pro Tour. Dickmann streckte die Waffen: "Ich denke mal, dass Marc den Kapitänstitel ziemlich sicher in trockenen Tüchern haben wird. Aber ich würde dazu auch sagen, dass er den auch verdient. Man muss sich anschauen, wie viel Arbeit und Zeit er in den letzten Jahren in Magic investiert hat und wie viel ich investiert habe. Er hat eindeutig viel mehr gespielt. Er hat jetzt endlich seinen Durchbruch bei der Pro Tour gehabt und wird wahrscheinlich der Kapitän sein. Außer ich werde viel Glück haben, ansonsten wüsste ich nicht, wie ich ihn da noch einholen sollte."

Zumindest in einem Punkt hatte Dickmann allerdings die Nase vorn. Während Tobiasch bei der Pro Tour auf Altbewährtes setzte, stellte sich Dickmanns Standarddeck dar als innovative, bisweilen wilde Mischung aus Konzepten, die schon länger im Format umhergeisterten, und neuen Einflüssen aus Amonkhet. Dazu Dickmann: "Ich mochte das. Auch wenn das Sideboard Müll war. Aber das Deck haben wir ja auch in anderthalb Tagen gebastelt."

Der Entwicklungsprozess war kurz, die Liste der daran Beteiligten nicht. "Dienstag bin ich zusammen mit [meinem ebenfalls qualifizierten Bruder] Fabian in Nashville angekommen, wo wir Valentin Mackl getroffen haben. Am Mittwoch hatte ich Dominik Görtzen mal angeschrieben, der hatte eine rot-grüne Liste, die war aber noch ganz abenteuerlich, mit Lathnu-Teufelsbraten und Herzstecher-Mantikor. Ein paar Stunden später hatten wir dann ein Deck, das schon ziemlich weit war, nur noch ohne Schwarz. Mackl hat dann die Liste von Martin Jůza [aus der Top 8 der vorigen Pro Tour] rausgekramt; wir haben eins und eins zusammengezählt, und die Listen kombiniert. Das ist alles in anderthalb Tagen deswegen passiert, weil ich völlig unvorbereitet da angekommen bin. Deshalb finde ich schon erstaunlich, wie gut das Hauptdeck funktioniert hat."

"Das Sideboard haben wir wirklich gebaut zwei Stunden, bevor wir unsere Deckliste abgeben mussten. Wir haben eigentlich gewusst, dass Wunder des Ätherwerks supergut sein muss und dass Zombies supergut sind. Zombies haben wir auch ziemlich gut abgedeckt mit unserem Sideboard, aber gegen Wunder hätte ich gern noch ein paar mehr Antikarten, ein zweites Enteignen beispielsweise, gehabt. Wir haben halt noch Kontrolle zumindest als mögliches Deck auf dem Schirm gehabt und dachten, hey komm, ein paar Plätze kann man schon opfern, um dagegen ein paar Sachen zu haben. Im Nachhinein hätte man das natürlich nicht gebraucht, das war aber schwer abzuschätzen. Insofern war das Sideboard schon in Ordnung, würde ich sagen, hätte mit mehr Testen aber auf jeden Fall besser werden können."

Dickmann bescheinigte dem Deck durchaus gute Aussichten für die Zukunft. "Es spielt sich sehr ähnlich wie Mardu, aber Mardu hat sich bei der Pro Tour nicht so toll geschlagen. Das hier hat meiner Meinung nach einen resistenteren Spielplan, einen besseren Plan gegen so was wie die Zombies, weil man einfach größere Kreaturen hat. Wunder des Ätherwerks muss man eindeutig im Sideboard noch ein bisschen angehen, aber wenn man anfängt, dann zwingt man sie normalerweise, dass sie im vierten Zug das Wunder aktivieren, sonst sterben sie einfach, und sie müssen auch wirklich gut damit treffen."

Große Kreaturen, die klapprige Untote alsbald deklassieren und weniger wehrhafte Gegner schnell in Grund und Boden stampfen: Neuzugänge Rhonas der Unbezwingbare, Hazoret die Inbrünstige und Ruhmbringer beenden jedenfalls zügig, was Voltaischer Raufbold und Schrotthalden-Schmarotzer begonnen haben. Wenn das mal nicht nach einem guten Plan klingt!

Patrick Dickmanns Pro-Tour-Deck

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